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Marktentwicklung: Schnittgrün (CN 0604) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Handel mit Schnittgrün (CN 0604) — also Blattwerk, Zweige, Gräser, Moose und Flechten zu Binde- oder Zierzwecken — hat sich zwischen 2015 und 2025 substanziell verändert. Die Europäische Union ist in diesem Segment traditionell ein Nettoimporteur, doch das Handelsdefizit hat sich im Betrachtungszeitraum deutlich verringert: von rund −83,6 Mio. € im Jahr 2015 auf −25,7 Mio. € im Jahr 2025 (Verbesserung um 69,3 %). Dieser Trend ist das Ergebnis mehrerer gleichzeitiger Entwicklungen: sinkende Importmengen bei gleichzeitig steigenden Preisen, geopolitische Schocks, die traditionelle Handelsströme umgestaltet haben, und eine veränderte Marktstruktur auf der Beschaffungs- wie auf der Absatzseite. Der folgende Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken anhand der verfügbaren Handelsdaten für CN 0604.


1. Mengenrückgang und Preisdruck: Die strukturelle Transformation der EU-Importe

Die EU importiert deutlich weniger Schnittgrün als noch 2015

Die importierte Menge ist im untersuchten Zeitraum drastisch gesunken: von 66.649 Tonnen (2015) auf 41.043 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 38,4 % entspricht. Dieser Trend war nicht linear — die Jahre 2020 (36.982 t) und 2023 (41.970 t) markieren lokale Tiefststände —, doch die generelle Richtung ist eindeutig. Parallel dazu ist der Importwert nur um 9,3 % gesunken (von 217,3 Mio. € auf 197,0 Mio. €), was auf erhebliche Preissteigerungen hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. €) 217,3 197,0 −9,3 %
Importmenge (t) 66.649 41.043 −38,4 %
Importpreis (€/t) 3.260 4.800 +47,2 %

Frisches Schnittgrün dominiert die Einfuhren — trockenes/verarbeitetes Segment wächst

Aufgeschlüsselt nach den beiden Unterpositionen zeigt sich ein differenziertes Bild. Frisches Schnittgrün (CN 060420) macht mengenmäßig den Großteil der Einfuhren aus, doch die Menge ist von 54.974 t (2015) auf 31.640 t (2025) gefallen. Gleichzeitig stieg der Preis für frisches Schnittgrün von 3.288 €/t auf 4.755 €/t (+44,6 %). Der Anteil des verarbeiteten Segments (CN 060490: getrocknet, gebleicht, gefärbt) ist zwar mengenmäßig kleiner (9.402 t im Jahr 2025), weist aber noch höhere Preissteigerungen auf. Der Importpreis für verarbeitetes Schnittgrün entwickelte sich besonders volatil und erreichte 2022 mit 6.641 €/t einen Höchststand, bevor er 2025 auf 4.949 €/t sank.

Segment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Preis 2015 (€/t) Preis 2025 (€/t)
060420 — frisch 54.974 31.640 3.288 4.755
060490 — verarbeitet 11.674 9.402 3.129 4.949

Die Exporte wachsen — getrieben vom Premiumsegment

Im Gegensatz zu den Importen sind die EU-Ausfuhren sowohl im Wert (+28,1 % auf 171,4 Mio. €) als auch in der Menge (+17,8 % auf 49.109 t) gestiegen. Bemerkenswert ist, dass die Exportpreise für verarbeitetes Schnittgrün (CN 060490) mit 7.503 €/t im Jahr 2025 deutlich über denen des frischen Segments (3.060 €/t) liegen — ein Hinweis darauf, dass die EU zunehmend hochwertig verarbeitete Zierpflanzenteile exportiert.


2. Geopolitische Umbrüche und neue Handelspartner

Der Kollaps der Handelsströme nach Russland und Belarus

Der deutlichste geopolitische Schock im betrachteten Zeitraum ist der fast vollständige Zusammenbruch der EU-Exporte in die Russische Föderation. Der Exportwert sank von 17,2 Mio. € (2015) auf lediglich 20.690 € (2025) — ein Rückgang von 99,9 %. Die Daten zeigen einen Preisschock im Jahr 2022 (Abnormalität: 18,7, Preissprung: +190,8 %), der mit dem Beginn der Sanktionen zusammenfällt, gefolgt von einem vollständigen Angebotschock 2025 (Rückgang: −99,9 %). Ähnlich, wenn auch weniger extrem, verlief die Entwicklung bei Belarus: von 498.067 € (2015) auf 18.693 € (2025), ein Rückgang um 96,2 %. Die Volatilitätskoeffizienten bestätigen die Instabilität dieser Handelsbeziehungen (Russland: CV 0,85; Belarus: CV 0,89).

Das Vereinigte Königreich als dominierender Absatzmarkt

Das Vereinigte Königreich hat die Rolle Russlands als wichtigster Drittlandsabsatzmarkt übernommen und weiter ausgebaut. Die EU-Exporte nach Großbritannien stiegen von 57,4 Mio. € (2015) auf 85,9 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 49,6 % entspricht. Der Exportkonzentrationsindex (HHI) für Ausfuhren ist von 2.481 auf 3.097 gestiegen (+24,8 %), was die zunehmende Abhängigkeit von diesem einzelnen Markt widerspiegelt. Im Jahr 2025 entfielen rund 50 % des EU-Exportwerts auf das Vereinigte Königreich. Ein bemerkenswerter Preisschock trat 2021 auf (Preissenkung: −11,3 %, betroffener Anteil: 58 % des Exportwerts), was möglicherweise mit den Anpassungen nach dem Brexit zusammenhängt.

Neue Wachstumsmärkte auf der Exportseite

Neben dem Vereinigten Königreich und der Schweiz (+46,2 % auf 36,6 Mio. €) sind neue Absatzmärkte entstanden. Die Exporte nach Kirgisistan stiegen von 8.735 € (2015) auf 6,6 Mio. € (2025) — ein Anstieg um 75.832 %, was auf Handelsumleitungen oder neue Distributionskanäle hindeuten könnte. Ebenfalls stark gestiegen sind die Ausfuhren in die USA (+207,2 % auf 13,3 Mio. €). Die Volatilitätsanalyse zeigt jedoch, dass diese neuen Märkte teils erheblichen Schwankungen unterliegen (Kirgisistan: CV 1,68; Türkei: CV 1,26).

Die Importseite: Zentralamerika verliert, China und die Türkei gewinnen

Auf der Beschaffungsseite haben sich die traditionellen Lieferanten aus Zentralamerika zurückgezogen. Costa Rica, zweitgrößter Importpartner 2015 mit 35,1 Mio. €, verlor 48,5 % seines Exportwerts in die EU. Die USA als wichtigster Importpartner verloren 38,9 % (von 62,8 Mio. € auf 38,4 Mio. €). Demgegenüber verzeichneten China (+81,1 % auf 18,3 Mio. €), die Türkei (+61,6 % auf 7,8 Mio. €) und Guatemala (+32,4 % auf 23,8 Mio. €) Zuwächse. China zeigt dabei die höchste Volatilität aller Importpartner (CV 0,75), was auf eine noch instabile Handelsbeziehung hindeutet.


3. Marktstruktur im Wandel: Diversifizierung der Beschaffung, Konzentration der Absätze

Die Niederlande als zentraler Handelsdrehscheibe der EU

Sowohl bei Importen als auch bei Exporten dominieren die Niederlande den EU-weiten Handel mit Schnittgrün. Die Niederlande importierten 2025 Schnittgrün im Wert von 155,2 Mio. € (−12,3 % gegenüber 2015) und exportierten 89,7 Mio. € (+31,7 %). Diese Doppelrolle unterstreicht die Funktion der Niederlande als logistisches Drehkreuz im europäischen Blumenhandel, insbesondere über die Royal FloraHolland. Italien (+59,6 %) und Irland (+23,5 %) haben ihre Exporte ebenfalls deutlich gesteigert, während Deutschland (−29,7 %) und Litauen (−99,8 %) als Exporteure an Bedeutung verloren haben.

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Dänemark mit einem RSCA-Wert von 0,82 am stärksten auf Schnittgrün spezialisiert ist, gefolgt von Portugal (0,46), den Niederlanden (0,44) und Italien (0,39). Länder wie Zypern, Griechenland und Kroatien weisen dagegen eine nahezu fehlende Spezialisierung auf (RSCA nahe −1,0). Dies spiegelt die klimatischen und standortbedingten Vorteile Nordeuropas und des Mittelmeerraums in der Produktion von Ziergrün wider.

Importquellen diversifizieren sich — Exportabsätze konzentrieren sich

Ein bemerkenswerter Gegentrend zeigt sich in der Marktstruktur: Während sich die Importbeschaffung diversifiziert hat (HHI für Importe: Rückgang von 1.389 auf 931, also −32,9 %), haben sich die Exportabsätze weiter konzentriert (HHI für Exporte: Anstieg von 2.481 auf 3.097, also +24,8 %). Die EU bezieht ihr Schnittgrün also aus einer breiteren Palette von Lieferländern, exportiert aber zunehmend in weniger Märkte — allen voran das Vereinigte Königreich. Diese Asymmetrie birgt Chancen (geringeres Beschaffungsrisiko) und Risiken (höhere Abhängigkeit von einzelnen Absatzmärkten).


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Schnittgrün (CN 0604) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt. Die drei prägenden Trends sind:

  1. Strukturelle Preis-Mengen-Divergenz: Die EU importiert zwar deutlich weniger Volumen, zahlt aber höhere Preise, was auf steigende Produktions- und Logistikkosten in den Herkunftsländern, qualitative Aufwertung und möglicherweise auch klimabedingte Angebotsengpässe hindeuten könnte.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Der Zusammenbruch der Handelsströme nach Russland und Belarus sowie der Brexit haben die Absatzlandschaft grundlegend verändert. Das Vereinigte Königreich ist nun mit großem Abstand der wichtigste Drittlandsmarkt, was die EU-Exportseite anfällig für politische oder wirtschaftliche Veränderungen in Großbritannien macht.

  3. Asymmetrische Marktstruktur: Während sich die Importseite diversifiziert hat, konzentrieren sich die Exporte zunehmend. Diese Gegenläufigkeit erfordert eine differenzierte strategische Bewertung: Die breitere Beschaffungsbasis bietet Resilienz auf der Einkaufsseite, doch die wachsende Exportabhängigkeit vom britischen Markt sollte von Marktteilnehmern und Politikgestaltern aufmerksam beobachtet werden.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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