Marktentwicklung: Schnittblumen (CN 060319) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 060319 erfasst frische, geschnittene Blumen und Blüten zur Binde- oder Zierzwecken — mit Ausnahme der fünf großen Einzelpositionen Rosen, Nelken, Orchideen, Chrysanthemen und Lilien. Damit handelt es sich um eine Residualkategorie, die eine Vielzahl kleinerer Blumensorten wie Gerbera, Alstroemerien, Freesien, Hortensien, Sträucher und andere Zierblumen zusammenfasst. Insgesamt umfasst die Position drei Unterpositionen: Gladiolen (06031910), Hahnenfußgewächse (06031920) sowie den großen Restposten aller übrigen Sorten (06031970).
Im Zeitraum 2015 bis 2025 weist die EU im Handel mit diesem Produkt ein durchgehend positives Handelsbilanzüberschuss auf. Die Exporte übersteigen die Importe in jedem Jahr — 2025 betrug der Überschuss rund 505,6 Mio. EUR. Dieses Überschuss ergibt sich jedoch fast ausschließlich aus dem starken Preisgefälle: Die EU exportiert zwar weniger Volumen, als sie importiert, erzielt aber deutlich höhere Durchschnittspreise. Der Markt wird von den Niederlanden dominiert, die sowohl bei Importen als auch bei Exporten die zentrale Drehscheibe darstellen. Der folgende Bericht analysiert die wesentlichen Dynamiken dieses Marktes über den genannten Zeitraum.
I. Preistriebene Exportdynamik trotz stagnierender Mengen
Die EU-Exporte wachsen im Wert, obwohl die Mengen leicht rückläufig sind
Der auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist das Auseinanderlaufen von Wert- und Mengenentwicklung bei den EU-Exporten. Der Exportwert stieg von 570,7 Mio. EUR (2015) auf 840,4 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 47,3 % entspricht. Demgegenüber sank die exportierte Menge von 90.315 Tonnen auf 86.308 Tonnen — ein Rückgang um 4,4 %. Die Gesamtübersicht zeigt, dass der durchschnittliche Exportpreis von 6.318 EUR/t im Jahr 2015 auf 9.737 EUR/t im Jahr 2025 anstieg — eine Steigerung um 54,1 %.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 570,7 Mio. EUR | 840,4 Mio. EUR | +47,3 % |
| Exportmenge | 90.315 t | 86.308 t | −4,4 % |
| Exportpreis | 6.318 EUR/t | 9.737 EUR/t | +54,1 % |
Quelle: Handelsübersicht
Der Mischposten 06031970 dominiert den Export und treibt die Preisentwicklung
Die Produktsegmentierung zeigt, dass der Restposten 06031970 — also alle frischen Schnittblumen außer Rosen, Nelken, Orchideen, Gladiolen, Hahnenfußgewächsen, Chrysanthemen und Lilien — sowohl bei Mengen als auch bei Werten mit großem Abstand dominiert. Im Jahr 2025 machte 06031970 rund 98,3 % des Exportwerts (826,3 Mio. EUR von 840,4 Mio. EUR) und 98,3 % der Exportmenge aus. Der Preis dieses Segments stieg von 6.497 EUR/t (2016) auf 9.737 EUR/t (2025) — ein Zuwachs von fast 50 %.
| Position | Beschreibung | Exportwert 2025 | Exportmenge 2025 | Preis 2025 |
|---|---|---|---|---|
| 06031970 | Sonstige frische Schnittblumen | 826,3 Mio. EUR | 84.861 t | 9.737 EUR/t |
| 06031920 | Hahnenfußgewächse | 7,6 Mio. EUR | 494 t | 15.446 EUR/t |
| 06031910 | Gladiolen | 6,5 Mio. EUR | 953 t | 6.796 EUR/t |
Quelle: Produktsegmentvergleich
Großbritannien, Russland und die USA sind die wichtigsten Abnehmer
Die drei wichtigsten Exportmärkte außerhalb der EU sind Großbritannien (255,5 Mio. EUR, +17,9 %), die Russische Föderation (129,7 Mio. EUR, +86,0 %) und die Vereinigten Staaten (119,3 Mio. EUR, +59,7 %). Die Partnerländer-Übersicht zeigt, dass Belarus mit einem Anstieg von 530,2 % das am stärksten wachsende Exportziel darstellt — von lediglich 1,8 Mio. EUR auf 11,1 Mio. EUR. Die Schweiz (116,5 Mio. EUR) und Norwegen (19,0 Mio. EUR) sind weitere bedeutende Märkte mit moderatem Wachstum.
II. Importwachstum aus Afrika und Lateinamerika — mit Preischocks 2022
Die EU-Importe wachsen sowohl in Wert als auch in Menge stärker als die Exporte
Während die Exporte mengenmäßig stagnieren, verzeichnen die EU-Importe ein deutliches Wachstum in beiden Dimensionen. Der Importwert stieg von 182,9 Mio. EUR (2015) auf 334,8 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 83,0 % entspricht. Die importierte Menge wuchs von 36.475 Tonnen auf 55.183 Tonnen (+51,3 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 5.015 EUR/t auf 6.067 EUR/t (+21,0 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert | 182,9 Mio. EUR | 334,8 Mio. EUR | +83,0 % |
| Importmenge | 36.475 t | 55.183 t | +51,3 % |
| Importpreis | 5.015 EUR/t | 6.067 EUR/t | +21,0 % |
Kenia, Ecuador und Kolumbien gewinnen als Lieferanten stark an Bedeutung
Die Länderanalyse der Importpartner zeigt eine klare Verschiebung zugunsten afrikanischer und lateinamerikanischer Lieferanten. Kenia entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten Importpartner mit einem Anstieg von 43,5 Mio. EUR auf 95,3 Mio. EUR (+119,3 %). Kolumbien verzeichnete das stärkste relatives Wachstum aller Top-Lieferanten: von 11,9 Mio. EUR auf 38,4 Mio. EUR (+224,0 %). Ecuador stieg von 46,4 Mio. EUR auf 77,7 Mio. EUR (+67,3 %). Israel dagegen verlor als Lieferant an Bedeutung (von 39,9 Mio. EUR auf 26,9 Mio. EUR, −32,6 %).
| Lieferant | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Kenia | 43,5 Mio. EUR | 95,3 Mio. EUR | +119,3 % |
| Ecuador | 46,4 Mio. EUR | 77,7 Mio. EUR | +67,3 % |
| Israel | 39,9 Mio. EUR | 26,9 Mio. EUR | −32,6 % |
| Kolumbien | 11,9 Mio. EUR | 38,4 Mio. EUR | +224,0 % |
| Äthiopien | 10,2 Mio. EUR | 20,7 Mio. EUR | +103,4 % |
| Großbritannien | 9,9 Mio. EUR | 26,8 Mio. EUR | +170,7 % |
| Simbabwe | 3,0 Mio. EUR | 4,5 Mio. EUR | +50,4 % |
Preischocks im Jahr 2022 bei afrikanischen und südamerikanischen Lieferanten
Die Volatilitäts- und Schockanalyse identifiziert drei signifikante Preisereignisse im Jahr 2022:
| Lieferland | Schocktyp | Abnormalitäts-Score | Preisänderung | Anteil am Importwert |
|---|---|---|---|---|
| Kenia | Preis | 317,3 | +123,1 % | 29,7 % |
| Ecuador | Preis | 25,2 | +70,1 % | 26,8 % |
| Äthiopien | Preis | 16,2 | +102,4 % | 7,8 % |
Quelle: Supply-Shocks
Diese Schocks fallen in die Phase nach der COVID-19-Pandemie und dürften mit gestiegenen Energie- und Logistikkosten sowie Lieferkettenengpässen zusammenhängen. Kenia zeigt dabei die höchste Volatilität aller Importpartner (Variationskoeffizient 0,47). Die Daten für den Restposten 06031970 bestätigen die Preissprünge: Der Importpreis stieg von 3.052 EUR/t (2020) auf 5.690 EUR/t (2022) und lag 2025 bei 6.071 EUR/t — ein dauerhaftes Plateau auf höherem Niveau.
III. Niederländische Dominanz und zunehmende Marktkonzentration
Die Niederlande kontrollieren fast den gesamten EU-Handel mit Schnittblumen
Die Analyse der EU-Mitgliedstaaten zeigt eine extreme Konzentration des Handels in den Niederlanden. Bei den Exporten machten die Niederlande 2025 rund 802,9 Mio. EUR aus — das entspricht 95,5 % aller EU-Exporte in Drittländer. Bei den Importen aus Drittländern stellten die Niederlande 271,7 Mio. EUR (81,1 % des EU-Gesamtimports). Die Specialisierungsanalyse für 2025 bestätigt dies: Die Niederlande weisen einen RCA-Wert von 6,18 und einen RSCA-Wert von 0,72 auf — eine ausgeprägte komparative Spezialisierung.
| Mitgliedstaat | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Niederlande | 516,3 Mio. EUR | 802,9 Mio. EUR | +55,5 % | 95,5 % |
| Italien | 11,7 Mio. EUR | 16,7 Mio. EUR | +43,0 % | 2,0 % |
| Polen | 3,5 Mio. EUR | 5,2 Mio. EUR | +48,1 % | 0,6 % |
| Lettland | 8,5 Mio. EUR | 5,5 Mio. EUR | −34,9 % | 0,7 % |
| Belgien | 3,7 Mio. EUR | 2,6 Mio. EUR | −29,1 % | 0,3 % |
| Frankreich | 3,8 Mio. EUR | 1,2 Mio. EUR | −68,5 % | 0,1 % |
| Litauen | 17,1 Mio. EUR | 0,5 Mio. EUR | −97,4 % | <0,1 % |
Quelle: EU-Mitgliedstaaten Exporte
Spanien etabliert sich als zweiter Importeur, während Deutschland und Frankreich zurückfallen
Im Importbereich zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung: Spanien stieg von 6,6 Mio. EUR (2015) auf 29,0 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg von 338,8 % — und wurde damit zum drittgrößten EU-Importeur nach den Niederlanden und Belgien. Deutschland verlor hingegen deutlich (von 7,2 Mio. EUR auf 3,6 Mio. EUR, −49,2 %), ebenso Frankreich (von 5,3 Mio. EUR auf 1,3 Mio. EUR, −75,6 %). Dies könnte auf eine Verlagerung der Importlogistik über die niederländischen und belgischen Auktions- und Verteilerzentren zurückzuführen sein.
Die Exportkonzentration nimmt ab, während die Importkonzentration weitgehend stabil bleibt
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) misst die Marktkonzentration. Bei den Exporten sank der HHI (Wertbasis) von 2.096 auf 1.639 — ein Rückgang um 21,8 %. Dies deutet auf eine leichte Diversifierung der Exportziele hin. Bei den Importen blieb der HHI mit 1.821 auf 1.714 (−5,9 %) relativ stabil, wobei er zwischenzeitlich bis auf 1.557 fiel (2019). Die Importe bleiben also trotz der Verschiebung bei den einzelnen Lieferantenstrukturen insgesamt ähnlich konzentriert.
| Konzentrationsmaß | 2015 | Minimum | Maximum | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| HHI Exporte (Wert) | 2.096 | 1.639 | 2.217 | 1.639 | −21,8 % |
| HHI Importe (Wert) | 1.821 | 1.557 | 2.030 | 1.714 | −5,9 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 2.872 | 2.135 | 2.943 | 2.135 | −25,7 % |
| HHI Importe (Volumen) | 1.743 | 1.476 | 2.134 | 1.581 | −9,3 % |
Quelle: Konzentrationsanalyse
Fazit
Der EU-Markt für frische Schnittblumen unter CN 060319 hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt:
Erstens haben sich die Exportpreise stark erhöht (+54 %), während die Exportmengen leicht zurückgingen. Die EU erzielt somit mit weniger Volumen deutlich höhere Erlöse — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Blumensorten und/oder eine generelle Preissteigerung im Marktsegment.
Zweitens sind die Importe sowohl mengen- als auch wertmäßig deutlich gewachsen (+51 % bzw. +83 %). Afrikanische Produzenten — insbesondere Kenia, Äthiopien und Simbabwe — haben ihre Marktanteile erheblich ausgebaut. Der Preischock im Jahr 2022, verursacht durch Lieferkettenstörungen und gestiegene Energiekosten, hat sich als dauerhaft erwiesen: Die Importpreise haben sich nicht mehr auf das Vorkrisenniveau zurückgebildet.
Drittens bleibt der Markt extrem von den Niederlanden abhängig, die sowohl als Import-Drehscheibe als auch als Exporteur dominieren. Trotz leichter Diversifizierung der Handelsströme (sinkender HHI bei Exporten) konzentriert sich der gesamte Handel weiterhin stark auf wenige Akteure und Partnerländer. Die Handelsbilanzüberschüsse der EU bleiben robust, sind jedoch in erster Linie auf das bestehende Preisgefälle zwischen Import- und Exportpreisen zurückzuführen — die EU importiert günstig und exportiert mit hoher Wertschöpfung.