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Marktentwicklung: Schmuckwaren und Teile davon, aus Silber, auch mit anderen Edelmetallen überzogen oder plattiert (ausg. > 100 Jahre alt) (CN 711311) — 2015–2025

Einleitung

Der europäische Außenhandel mit Silberschmuck (CN 711311) hat sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich gewandelt. Der Gesamtwert der EU-Exporte stieg von 917 Mio. € auf 1.061 Mio. € (+15,8 %), während die Einfuhren von 949 Mio. € auf 1.078 Mio. € zunahmen (+13,6 %). Damit verringerte sich das Handelsdefizit von −32 Mio. € auf lediglich −16 Mio. €. Hinter diesen aggregierten Kennzahlen verbergen sich jedoch tiefgreifende strukturelle Verschiebungen: Die Bestimmungsländer sowohl der Aus- als auch der Einfuhren haben sich massiv verändert, die Preisstrukturen divergierten, und die Konzentration des Handels ging deutlich zurück. Dieser Bericht beleuchtet die wichtigsten Dynamiken und ordnet sie in ihren wirtschaftlichen Kontext ein.

Gesamtübersicht des EU-Handels mit CN 711311


1. Von London nach New York: Die dramatische Neuausrichtung der EU-Exportmärkte

Die Exportseite des EU-Silberschmuckhandels zeigt eine der auffälligsten Transformationen des gesamten Zeitraums. Innerhalb von zehn Jahren veränderte sich die Rangfolge der wichtigsten Abnehmerländer grundlegend — getrieben vom Brexit, der Diversifizierungsstrategie der europäischen Schmuckindustrie und dem Aufstieg neuer Märkte in Lateinamerika und dem Nahen Osten.

1.1 Der Zusammenbruch des Handels mit dem Vereinigten Königreich

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 338 Mio. € mit Abstand der größte Exportmarkt für EU-Silberschmuck und deckte über ein Drittel der gesamten EU-Ausfuhren ab. Bis 2025 sank dieser Wert auf 104 Mio. € — ein Rückgang von 69,2 %. Besonders drastisch war der Einbruch zwischen 2020 und 2021: Nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Januar 2020 und dem Vollzug des Handelsabkommens sanken die Exporte von 352 Mio. € (2020) auf 125 Mio. € (2021). Zwar erholten sich die Werte in den Folgejahren leicht, das historische Niveau wurde aber nie wieder erreicht. Die Volatilität der Exportmengen in das Vereinigte Königreich ist mit einem Variationskoeffizienten von 0,56 die höchste aller Partnerländer auf der Exportseite.

Jahr Exporte UK (Mio. €) Veränderung gg. Vorjahr
2015 338,1
2016 379,5 +12,3 %
2017 369,9 −2,5 %
2018 329,0 −11,1 %
2019 328,5 −0,2 %
2020 351,7 +7,0 %
2021 124,8 −64,5 %
2022 96,5 −22,7 %
2023 99,6 +3,2 %
2024 114,1 +14,6 %
2025 104,0 −8,8 %

Top-Handelspartner der EU-Exporte

1.2 Die USA als neuer Leitmarkt und das Aufblühen Schwellender Märkte

Parallel zum Rückgang des UK-Marktes gewannen die Vereinigten Staaten erheblich an Bedeutung: Die Exporte stiegen von 197 Mio. € (2015) auf 296 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 50,3 % entspricht. Damit sind die USA zum wichtigsten Einzelmarkt der EU aufgestiegen. Besonders bemerkenswert ist der Sprung von 170 Mio. € (2020) auf 273 Mio. € (2021) — dem Jahr, in dem die EU-Ausfuhren in das Vereinigte Königreich kollabierten.

Noch dynamischer entwickelten sich einige Schwellenmärkte:

  • Mexiko: von 14 Mio. € auf 63 Mio. € (+349 %) — der prozentual stärkste Anstieg aller Top-Partner
  • Vereinigte Arabische Emirate: von 25 Mio. € auf 47 Mio. € (+92,5 %)
  • Thailand: von 17 Mio. € auf 34 Mio. € (+101 %)
Partnerland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigte Staaten 196,7 295,6 +50,3 %
Vereinigtes Königreich 338,1 104,0 −69,2 %
Hongkong 59,3 70,8 +19,4 %
Mexiko 14,0 62,9 +348,7 %
VAE 24,6 47,3 +92,5 %
Schweiz 67,7 51,2 −24,3 %
Thailand 16,7 33,6 +101,4 %

1.3 Italien überflügelt Deutschland als führender EU-Exporteur

Innerhalb der EU vollzog sich eine bemerkenswerte Umverteilung der Exportführerschaft. Italien steigerte seine Ausfuhren von 367 Mio. € auf 585 Mio. € (+59,7 %) und ist damit mit großem Abstand der bedeutendste EU-Exporteur von Silberschmuck. Deutschland hingegen verlor massiv: von 370 Mio. € (2015) auf nur noch 126 Mio. € (2025), ein Rückgang von 65,9 %. Auch Frankreich (+178 % auf 101 Mio. €) und die Niederlande (+1.402 % auf 77 Mio. €) gewannen stark an Boden. Die Niederlande stiegen dabei von einem marginalen Exporteur zu einem bedeutenden Player auf — möglicherweise bedingt durch Umverlagerungen im Zollverfahren oder Veränderungen in der Handelsstatistik infolge des Brexit.

EU-Mitgliedstaat 2015 Exporte (Mio. €) 2025 Exporte (Mio. €) Veränderung
Italien 366,7 585,4 +59,7 %
Deutschland 370,1 126,0 −65,9 %
Frankreich 36,4 101,0 +177,5 %
Spanien 52,0 87,9 +69,1 %
Niederlande 5,1 77,1 +1.402 %
Dänemark 16,0 20,5 +28,5 %
Belgien 14,4 5,2 −64,0 %

Top-Reporter-Länder bei EU-Exporten


2. Thailand unter Druck: Verschiebungen auf der Importseite

Während die Exportseite von einer geographischen Diversifizierung geprägt ist, zeigen die Einfuhren ein differenziertes Bild: Thailand bleibt zwar der dominante Lieferant, verliert aber kontinuierlich Marktanteile, während China und Indien als Beschaffungsquellen stark aufsteigen.

2.1 Thailands schwindende Dominanz bei gleichzeitigem Aufstieg Chinas

Thailand stellte 2015 mit 561 Mio. € rund 59 % aller EU-Einfuhren von Silberschmuck. Bis 2025 sank der Wert auf 499 Mio. € (−11,1 %), der Anteil an den Gesamteinfuhren auf etwa 46 %. Bemerkenswert stabil blieben dabei die Importmengen aus Thailand — mit einem Variationskoeffizienten von lediglich 0,14 weisen sie die geringste Volatilität aller großen Lieferanten auf. Der Rückgang ist somit vor allem preisbedingt.

Ganz anders die Dynamik bei China: Die Einfuhren stiegen von 168 Mio. € auf 306 Mio. € (+81,9 %) und verdoppelten damit nahezu ihren Anteil. Der starke Anstieg der Importmengen — von 134 Tonnen (2015) auf 295 Tonnen (2025) — zeigt, dass China vor allem preisgünstige Volumen liefert. Der durchschnittliche Einfuhrpreis aus China lag 2025 bei rund 1,04 Mio. € pro Tonne, verglichen mit 1,63 Mio. € pro Tonne aus Thailand.

Lieferant 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Thailand 560,9 498,6 −11,1 %
China 168,2 305,9 +81,9 %
Indien 41,6 96,1 +130,9 %
Hongkong 28,8 27,3 −5,3 %
Türkei 16,2 36,8 +126,3 %
Vereinigtes Königreich 31,0 17,7 −42,9 %

Top-Handelspartner der EU-Importe

2.2 Dezentralisierung der Beschaffung: Sinkende Konzentration

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für die Einfuhren nach Wert fielen von 3.874 (2015) auf 3.085 (2025), was einem Rückgang von 20,4 % entspricht. Obwohl die Einfuhren damit weiterhin als mäßig konzentriert gelten (HHI > 2.500), ist der Trend eindeutig: Die EU diversifiziert ihre Beschaffung stärker als noch vor zehn Jahren. Auf der Exportseite ist die Konzentrationsabnahme noch deutlicher — der HHI sank von 1.972 auf 1.120 (−43,2 %) — was die oben beschriebene Ausbreitung auf neue Absatzmärkte spiegelt.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (nach Wert) 3.874 3.085 −20,4 %
HHI Exporte (nach Wert) 1.972 1.120 −43,2 %

2.3 Deutschland als Nadelöhr: Ungleichgewichte innerhalb der EU

Innerhalb der EU zeigt sich eine erhebliche Konzentration der Einfuhren: Deutschland allein importierte 2025 Silberschmuck im Wert von 513 Mio. € und deckt damit knapp die Hälfte aller EU-Einfuhren ab. Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) bestätigt Deutschlands herausragende Rolle mit einem Wert von 0,42 — nach Rumänien (0,60) der zweithöchste aller EU-Mitgliedstaaten. Italien (RSCA 0,40) folgt auf dem dritten Platz. Die Spezialisierung Rumäniens ist bemerkenswert: Mit einem Produktionsanteil von 6,6 % bei einem Gesamthandelsanteil von lediglich 1,7 % ist das Land hochspezialisiert, wenngleich absolut gesehen klein.

Auf der anderen Seite stehen Länder wie Kroatien (RSCA −0,98), Ungarn (−0,95) und Finnland (−0,90), die praktisch keine komparativen Vorteile in der Silberschmuckproduktion besitzen.

Spezialisierungskarte der EU-Mitgliedstaaten


3. Steigende Exportpreise, fallende Importpreise: Preisscheren und ihre Ursachen

Eine der signifikantesten Entwicklungen des untersuchten Zeitraums liegt in der gegenläufigen Preisentwicklung von Aus- und Einfuhren. Während die EU für ihren Silberschmuck auf dem Weltmarkt zunehmend höhere Preise erzielt, sind die Beschaffungskosten gesunken — ein Muster, das auf eine qualitative Aufwertung der europäischen Produktion hindeutet.

3.1 Steigende Exporteinheitswerte als Zeichen der Premiumpositionierung

Der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne stieg von 1,23 Mio. € (2015) auf 1,65 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 34,9 % entspricht. Gleichzeitig sank die exportierte Menge von 745 Tonnen auf 640 Tonnen (−14,1 %). Die EU exportiert somit weniger Silberschmuck, erzielt aber höhere Gesamterlöse — ein klares Indiz für eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten. Diese Entwicklung ist konsistent mit dem starken Wachstum der EU-Produktion im selben Zeitraum: Der Produktionswert stieg von 2,7 Mrd. € (2015) auf 5,1 Mrd. € (2025), ein Plus von 77,1 %.

Besonders starke Preisanstiege verzeichneten die Exporte in die Türkei und nach Japan — hier stiegen die Preise im Zusammenhang mit den identifizierten Preisschocks um ein Vielfaches.

3.2 Fallende Importpreise trotz steigender Mengen

Die Einfuhrpreise entwickelten sich gegenläufig: von 1,18 Mio. € pro Tonne (2015) auf 1,06 Mio. € pro Tonne (2025), ein Rückgang von 10,4 %. Gleichzeitig stieg die importierte Menge von 803 auf 1.017 Tonnen (+26,6 %). Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die wachsenden Einfuhren aus China getrieben, die zu deutlich niedrigeren Einheitspreisen erfolgen als die thailändischen Lieferungen. Der Preisrückgang bei den Importen könnte auch mit dem verstärkten Einsatz von Silberplattierung statt massivem Silber zusammenhängen — ein Trend, der in der Modeindustrie seit Jahren zu beobachten ist.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (Mio. €/t) 1,23 1,65 +34,9 %
Importpreis (Mio. €/t) 1,18 1,06 −10,4 %
Exportmenge (t) 745,3 639,8 −14,1 %
Importmenge (t) 803,5 1.017,1 +26,6 %

3.3 Preisschocks und Handelsvolatilität

Die Schockanalyse identifiziert mehrere bemerkenswerte Ereignisse im untersuchten Zeitraum:

  • Importe aus dem Vereinigten Königreich (2021): Der stärkste Preisschock im gesamten Datensatz — die Einfuhrpreise stiegen um 308,7 % gegenüber dem Vorjahresniveau, bei gleichzeitigem Rückgang der Mengen auf nur 20,2 % des Basiswertes. Der Abnormalitätsindex von 21,2 ist der höchste aller erfassten Ereignisse. Ursächlich dürften die neuen Zollformalitäten nach dem Brexit sowie eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Einzellieferungen sein.
  • Exporte nach Japan (2020): Ein Preisanstieg von 109,4 % mit einem Abnormalitätsindex von 14,6 — möglicherweise pandemiebedingt durch Lieferengpässe bei spezifischen Produktvarianten.
  • Exporte in die USA (2022): Ein moderater Preisschock (+21,9 %), der angesichts des hohen Wertanteils der USA (28,5 %) dennoch erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung besitzt.

Unter den Handelsströmen nach Volatilität (Variationskoeffizient) fallen besonders die Importe aus Hongkong (CV 1,26) und Israel (CV 0,63) sowie die Exporte nach Brasilien (CV 0,98) und in das Vereinigte Königreich (CV 0,56) auf.

Volatilitätsanalyse · Identifizierte Handelsschocks


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Silberschmuck (CN 711311) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei wesentlichen Dimensionen grundlegend gewandelt. Erstens haben sich die Exportströme nach dem Brexit massiv umorientiert: Das Vereinigte Königreich verlor seine Rolle als dominanter Abnehmer, während die USA, Mexiko, die Vereinigten Arabischen Emirate und Thailand als neue oder gestärkte Absatzmärkte hervortreten. Innerhalb der EU verschob sich die Exportführerschaft von Deutschland zu Italien. Zweitens verlor Thailand auf der Importseite zwar an relativer Bedeutung, blieb aber der größte Lieferant; parallel dazu stiegen China und Indien als Beschaffungsquellen deutlich auf, was zu einer geringeren Konzentration der Einfuhren führte. Drittens divergierten die Preisstrukturen: Steigende Exporteinheitswerte bei gleichzeitig fallenden Importpreisen deuten auf eine qualitative Aufwertung der europäischen Schmuckproduktion hin, die sich auch in einem um 77 % gesteigerten Produktionswert niederschlägt.

Die Handelsbilanz hat sich zwar verbessert (das Defizit halbierte sich), die EU bleibt in diesem Segment dennoch Nettoimporteur. Angesichts des stark wachsenden Exportmarktes in Übersee, der sich diversifizierenden Beschaffungsbasis und der steigenden inländischen Wertschöpfung erscheint der europäische Silberschmuckmarkt jedoch robust positioniert — wenngleich die Abhängigkeit von einzelnen Durchgangsländern (Hongkong) und die Volatilität bestimmter Handelsbeziehungen (UK, Brasilien) weiterThe request was rejected because it was considered high risk

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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