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Marktentwicklung: Rotwein (CN 22042178) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 22042178 erfasst Rotweine mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.), die in der EU erzeugt werden, in Behältnissen mit einem Fassungsvermögen von höchstens 2 Litern und einem Alkoholgehalt von höchstens 15 % vol — ausgenommen die großen Regionen Bordeaux, Burgund, Beaujolais, Rhône-Tal, Languedoc-Roussillon, Loire-Tal sowie die italienischen Regionen Sizilien, Piemont, Toskana, Trentino, Südtirol, Veneto und die portugiesischen Regionen Dão, Bairrada und Douro, ferner die spanischen Regionen Navarra, Penedés, Rioja, Valdepeñas sowie Schaumwein, Perlwein und Weißwein. Damit handelt es sich um ein Residualprodukt, das eine breite Palette europäischer Qualitätsrotweine aus Regionen außerhalb der meistgenannten Appellationen zusammenfasst.

Im Beobachtungszeitraum von 2015 bis 2025 zeigt sich ein durchgreifender Strukturwandel: Die EU konsolidiert ihre Rolle als globaler Exporteur, während die Importe nahezu zum Erliegen kommen. Das auffälligste Muster ist die Premialisierung — ein deutlicher Shift von der Masse zum Wert. Gleichzeitig verlagert sich die Gewichtung innerhalb der EU: Frankreich gewinnt erheblich an Boden, während die Exporte Spaniens unter Druck geraten. Die Handelspartnerbasis für Exporte bleibt dabei bemerkenswert stabil, was auf langfristige Marktbeziehungen hindeutet.


1. Preisgetriebener Exportboom: Weniger Volumen, deutlich mehr Erlös

1.1 Exportvolumen sinkt, Exportwert steigt — das Muster der Premialisierung

Die EU-Ausfuhren von Rotwein (CN 22042178) haben im Zeitraum 2015–2025 eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Das Exportvolumen sank von 206.130 Tonnen (2015) auf 158.536 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 23,1 % entspricht. Der Exportwert hingegen stieg im selben Zeitraum von 776,8 Mio. € auf 955,4 Mio. € (+23,0 %). Der Tiefpunkt des Exportvolumens (158.536 t) wurde 2025 erreicht, während der Höchststand bei 249.952 t lag. Der maximale Exportwert wurde 2022 mit rund 1,15 Mrd. € erzielt — ein historischer Spitzenwert.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportvolumen (t) 206.130 158.536 −23,1 %
Exportwert (Mio. €) 776,8 955,4 +23,0 %
Exportpreis (€/t) 3.769 6.026 +59,9 %
Supplements-Einheit (1.000 m³) 205.696 158.407 −23,0 %

1.2 Die Preisdynamik als treibende Kraft

Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 3.769 €/t (2015) auf 6.026 €/t (2025), was einer Steigerung von 59,9 % entspricht. Der Höchstpreis lag bei 6.136 €/t. Diese Entwicklung ist konsistent mit dem europaweiten Trend der Premialisierung: Konsumenten außerhalb der EU bevorzugen zunehmend hochwertige, herkunftsgeschützte Rotweine mit geringerem Volumen, was zu höheren Erlösen pro Liter führt. Der EU-weite Handelsüberschuss bei diesem Produkt bestätigt das Bild: Er wuchs von 764,4 Mio. € (2015) auf 950,8 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 24,4 % entspricht.

1.3 Hohe Volatilität bei einzelnen Partnerländern

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Exportpreise zu den wichtigsten Absatzmärkten überwiegend stabil waren. Der Variationskoeffizient (CV) betrug für die USA nur 0,10, für das Vereinigte Königreich 0,13, für die Schweiz 0,10 und für Norwegen lediglich 0,07. Höhere Volatilität zeigt sich bei China (CV 0,59) und Südkorea (CV 0,38), was auf kleinere Handelsvolumina und sporadische Nachfrageschwankungen zurückzuführen ist.

Exportmarkt Variationskoeffizient (Preis)
Norwegen 0,07
Kanada 0,10
USA 0,10
Schweiz 0,10
Vereinigtes Königreich 0,13
Australien 0,16
Brasilien 0,18
Japan 0,24
Russische Föderation 0,34
Südkorea 0,38
China 0,59

2. Frankreich überholt Italien — Verschiebungen innerhalb der EU

2.1 Frankreich als dynamischster Wachstumsmotor

Die Ausfuhrdaten nach EU-Mitgliedstaaten offenbaren eine bemerkenswerte Umverteilung. Frankreichs Exporte von Rotwein mit g.U. stiegen von 161,2 Mio. € (2015) auf 311,6 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 93,3 % entspricht. Damit hat Frankreich Italien als zweitgrößten EU-Exporteur überholt und nähert sich dem langjährigen Marktführer Spanien an.

EU-Land Exportwert 2015 (Mio. €) Exportwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Spanien 298,7 279,5 −6,4 %
Frankreich 161,2 311,6 +93,3 %
Italien 226,3 245,6 +8,5 %
Deutschland 27,8 28,8 +3,9 %
Portugal 17,8 28,8 +62,0 %
Österreich 9,5 12,2 +27,9 %
Lettland 4,9 2,3 −52,1 %

2.2 Spezialisierungsmuster: Drei führende Weinländer mit vergleichbarer Stärke

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass die drei großen Weinländer eine vergleichbare Exportkomparativvorteile aufweisen:

EU-Land RCA (Balassa) RSCA Produktionsanteil Anteil am EU-Handel
Spanien 4,32 0,62 25,0 % 5,8 %
Italien 3,53 0,56 28,3 % 8,0 %
Frankreich 3,33 0,54 26,0 % 7,8 %
Portugal 1,59 0,23 2,2 % 1,4 %
Griechenland 1,42 0,17 1,0 % 0,7 %

Spanien weist mit einem RCA-Wert von 4,32 den höchsten Komparativvorteil auf, gefolgt von Italien (3,53) und Frankreich (3,33). Die Produktionsanteile liegen erstaunlich nahe beieinander, was auf eine breite Diversifizierung der europäischen Weinproduktion hindeutet.

2.3 Produktion stabil, Wertschöpfung steigt

Die EU-Produktion blieb über den gesamten Zeitraum weitgehend stabil: Das Produktionsvolumen sank marginal von 2.590.666 Tausend Kubikmeter (2015) auf 2.580.000 Tausend Kubikmeter (2025, −0,4 %), mit einem Höchststand von 3.488.000 Tausend Kubikmeter. Der Produktionswert hingegen stieg von 6,33 Mrd. € auf 7,04 Mrd. € (+11,2 %). Dies bestätigt die Premialisierungstendenz: Die Weinmenge blieb konstant, aber der Wert pro Einheit nahm zu.


3. Importe im Niedergang — die EU als selbstversorgender Nettoexporteur

3.1 Dramatischer Rückgang der Importe

Die EU-Importe von Rotwein mit g.U. sind im Beobachtungszeitraum nahezu kollabiert. Das Importvolumen sank von 4.050 Tonnen (2015) auf nur noch 369 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 90,9 % entspricht. Der Importwert fiel von 12,5 Mio. € auf 4,6 Mio. € (−63,1 %). Der durchschnittliche Importpreis stieg indes von 3.074 €/t auf 12.461 €/t (+305,3 %), was darauf hindeutet, dass die verbleibenden Importe aus extrem hochpreisigen Nischenprodukten bestehen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (t) 4.050 369 −90,9 %
Importwert (Mio. €) 12,5 4,6 −63,1 %
Importpreis (€/t) 3.074 12.461 +305,3 %

3.2 Vereinigtes Königreich als ehemaliger Hauptlieferant — Brexit-Effekt sichtbar

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 10,8 Mio. € der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU für dieses Produkt. Bis 2025 sank der Wert auf 1,8 Mio. € (−83,8 %). Die Schweiz stieg von 749.549 € auf 1,26 Mio. € (+67,9 %) zum zweitwichtigsten Importpartner auf. Die Importe aus China sanken um 99,3 % auf nur noch 318 €, jene aus Australien um 99,1 % auf 793 €.

Herkunftsland Importwert 2015 (€) Importwert 2025 (€) Veränderung
Vereinigtes Königreich 10.809.995 1.752.558 −83,8 %
Schweiz 749.549 1.258.281 +67,9 %
Vereinigte Staaten 54.968 297.350 +440,9 %
China 46.730 318 −99,3 %
Norwegen 34.313 8.844 −74,2 %
Australien 88.267 793 −99,1 %

3.3 Abnehmende Importkonzentration, steigende Handelsintensität

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank von 7.659 (2015) auf 2.707 (2025), was einer Verringerung der Konzentration um 64,7 % entspricht. Ursache ist der Bedeutungsverlust des Vereinigten Königreichs als dominantem Lieferanten. Der HHI für Exporte blieb dagegen mit 1.412 auf 1.483 nahezu unverändert (+5,0 %), was auf eine stabile und diversifizierte Exportstruktur hindeutet.

Die Netto-Importabhängigkeit lag 2025 bei −91,2 % (2015: −59,8 %). Negative Werte kennzeichnen die EU als Nettoexporteur; die Zunahme des negativen Wertes um 52,6 % unterstreicht die zunehmende Exportdominanz. Die Handelsintensität stieg von 38,6 % auf 48,8 % (+26,4 %), und die Exportneigung erhöhte sich von 38,2 % auf 48,4 % (+26,9 %).

3.4 Preispreisschocks bei Importen — Nischenpreise mit hoher Volatilität

Die Volatilitätsanalyse der Importseite zeigt außergewöhnlich hohe Schwankungen. Die Variationskoeffizienten liegen bei den wichtigsten Importpartnern deutlich über jenen der Exportseite: China (CV 1,67), die USA (CV 1,40), Australien (CV 1,17) und das Vereinigte Königreich (CV 1,00). Ein außergewöhnlicher Preisschock wurde 2022 bei Importen aus Südkorea festgestellt: Die Preise stiegen um 2.873,6 % (Abnormalität: 311,3). Ein weiterer Preisschock bei Exporten nach Chile (2019, +49,4 %) und Tunesien (2019, −19,8 %) wurde ebenfalls detektiert, blieb jedoch volumenmäßig unbedeutend.

Herkunftsland (Importe) Variationskoeffizient (Preis)
Russische Föderation 2,56
Türkei 2,14
Kanada 1,87
Hongkong 1,74
Südkorea 1,71
China 1,67
Japan 1,53
USA 1,40
Australien 1,17
Vereinigtes Königreich 1,00
Norwegen 0,87
Schweiz 0,17

Fazit

Die Handelsentwicklung des EU-Rotweins mit geschützter Ursprungsbezeichnung (CN 22042178) im Zeitraum 2015–2025 lässt sich in drei Kernbefassen zusammenfassen:

  1. Premialisierung als Erfolgsmodell: Die EU hat trotz sinkender Exportvolumina (−23,1 %) ihren Exportwert um 23,0 % steigern können. Der durchschnittliche Exportpreis stieg um fast 60 % auf 6.026 €/t. Diese Entwicklung spiegelt den globalen Trend wider, hochwertige, herkunftsgeschützte Weine zu bevorzugen, und zeigt, dass die europäische Weinwirtschaft erfolgreich auf Wertschöpfung statt auf Volumen setzt.

  2. Frankreich als dynamischer Aufsteiger: Innerhalb der EU hat sich die Gewichtung der Exporte verschoben. Frankreich verzeichnete mit +93,3 % das stärkste Wachstum und hat Italien überholt, während Spanien trotz seiner führenden Position einen leichten Rückgang (−6,4 %) verzeichnete. Die drei großen Weinländer weisen vergleichbare Komparativvorteile auf, was auf eine differenzierte Wettbewerbssituation hindeutet.

  3. Importe im Niedergang, Exportdominanz gefestigt: Die EU-Importe sind um 90,9 % auf nur noch 369 Tonnen gesunken. Der Netto-Importreliance-Wert von −91,2 % unterstreicht die Position der EU als nahezu autarker Nettoexporteur. Die Importkonzentration hat sich durch den Bedeutungsverlust des Vereinigten Königreichs als Hauptlieferant stark verringert.

Insgesamt zeigt der untersuchte Marktsegment eine reife, exportorientierte Branche mit stabiler Nachfrage aus den USA, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz als Kernmärkten. Die zunehmende Handelsintensität (48,8 %) und Exportneigung (48,4 %) deuten auf eine vertiefte Integration in globale Weinmärkte hin. Risiken bestehen vor allem in der Preisvolatilität bei einzelnen Nischenimportpartnern sowie in der Abhängigkeit von wenigen Großabnehmern, die zusammen über 70 % der Exporte absorbieren.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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