Marktentwicklung: Landwein (CN 22042180) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 22042180 erfasst in der EU erzeugte Weine mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) in Behältnissen von höchstens 2 Litern und einem Alkoholgehalt von maximal 15 % vol — ausgenommen Schaumwein, Perlwein und Weißwein. Es handelt sich somit vornehmlich um rote und roséfarbene Qualitätsweine mit Herkunftsbezeichnung, die ein zentrales Segment des europäischen Weinexports darstellen. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigt sich ein Bild erheblicher struktureller Veränderungen: Während die Exportmengen spürbar zurückgingen, blieb der Exportwert bemerkenswert stabil — ein Indiz für eine fundamentale Aufwertung des Produktmixes. Gleichzeitig brachen die Importe in die EU nahezu vollständig zusammen, was auf tiefgreifende geopolitische Umbrüche — insbesondere den Brexit — zurückzuführen ist. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken und ordnet die beobachtbaren Trends ein.
1. Volumenverluste bei steigenden Preisen: Die qualitative Aufwertung des EU-Weinexports
1.1 Exportwert und Exportmenge entwickeln sich gegenläufig
Die EU exportierte im Jahr 2015 Wein der Kategorie CN 22042180 im Wert von rund 900 Mio. EUR. Bis 2025 stieg dieser Wert leicht auf rund 939 Mio. EUR (+4,3 %). Parallel dazu sank das Exportvolumen von rund 288.774 Tonnen auf rund 229.483 Tonnen (−20,5 %). Der Höchstwert wurde mit rund 1,12 Mrd. EUR in einem Zwischenjahr erreicht, das Mengenmaximum lag bei rund 307.219 Tonnen. Die gegenläufige Entwicklung von Wert und Menge ist das prägende Strukturmerkmal des gesamten Beobachtungszeitraums.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 900,1 | 938,8 | +4,3 % |
| Exportmenge (t) | 288.774 | 229.483 | −20,5 % |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 3.117 | 4.091 | +31,2 % |
(Quelle: Gesamtübersicht)
1.2 Deutliche Preissteigerungen als durchgehendes Muster
Der durchschnittliche Exportpreis stieg im selben Zeitraum von 3.117 EUR/t auf 4.091 EUR/t — ein Anstieg um 31,2 %. Der Preisanstieg war somit erheblich stärker als der Rückgang der Mengen, was dazu führte, dass der Gesamtwert trotz Volumenverlusten weitgehend stabil blieb. Dieses Muster deutet auf eine fundamentale Verschiebung hin: Die EU exportierte zwar weniger Wein, jedoch zu deutlich höheren Preisen, was auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren, preisintensiveren Produkten schließen lässt.
1.3 Auch die Importe in die EU zeigen ein vergleichbares Preismuster
Die Importe des gleichen Produkts in die EU folgten einem ähnlichen, wenn auch weit dramatischeren Muster. Der durchschnittliche Importpreis stieg von 2.820 EUR/t auf 5.060 EUR/t (+79,4 %), während das Importvolumen von 8.666 Tonnen auf nur noch 347 Tonnen einbrach (−96,0 %). Der Importwert sank entsprechend von 24,4 Mio. EUR auf lediglich 1,8 Mio. EUR (−92,8 %). Die EU war im gesamten Beobachtungszeitraum Nettoexporteur, und die Netto-Importabhängigkeit verstärkte sich von −22,3 % (2015) auf −35,3 % (2025), was die wachsende Exportdominanz der EU unterstreicht.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 24,4 | 1,8 | −92,8 % |
| Importmenge (t) | 8.666 | 347 | −96,0 % |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 2.820 | 5.060 | +79,4 % |
(Quelle: Gesamtübersicht)
2. Geopolitische Zäsuren: Brexit und China-Krise als Treiber der Handelsverschiebung
2.1 Der Importkollaps mit Großbritannien als zentralem Schock
Der dramatischste Einzelbefund betrifft die Importe aus Großbritannien. Im Jahr 2015 beliefen sich die EU-Importe von Wein der Kategorie 22042180 aus dem Vereinigten Königreich auf rund 23,4 Mio. EUR — dies entsprach praktisch dem gesamten Importvolumen der EU. Bis 2025 sank dieser Wert auf nur noch 1,2 Mio. EUR (−94,9 %). Die Volatilitätsanalyse bestätigt die außergewöhnliche Natur dieses Ereignisses: Der Variationskoeffizient für Importe aus Großbritannien liegt bei 0,90 und signalisiert extreme Instabilität. Als Schockereignis wurde ein struktureller Bruch im Jahr 2024 mit einem Rückgang von 95,1 % identifiziert. Dieser Zusammenbruch ist unmittelbar mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und dem Ende der Zollfreiheit zu erklären.
Der Import-Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) sank von 9.482 auf 5.712 (−39,8 %). Dies bedeutet, dass die Importe nach dem Wegfall des dominierenden Partners (UK) weniger konzentriert wurden — allerdings bei einem um 96 % geschrumpften Gesamtvolumen.
2.2 China als Exportmarkt: Ein dramatischer Einbruch
Auch auf der Exportseite sind geopolitische Verschiebungen deutlich sichtbar. Die EU-Exporte nach China sanken von rund 101 Mio. EUR (2015) auf nur noch 28 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang von 72,1 %. China war 2015 der drittgrößte Exportmarkt der EU; bis 2025 war es auf den vierten Platz abgerutscht. Der Variationskoeffizient für Exporte nach China liegt bei 0,54 und unterstreicht die erhebliche Schwankungsbreite. Die Ursachen dieses Einbruchs liegen in den seit 2020 geltenden chinesischen Zöllen auf EU-Weinimporte sowie in der allgemeinen Abschwächung des chinesischen Konsums.
2.3 Großbritannien, die Schweiz und Japan als Stabilitätsanker des EU-Exports
Gleichzeitig wuchsen die Exporte in andere Märkte erheblich. Großbritannien — trotz Brexit — wurde zum wichtigsten Einzelmarkt der EU und verzeichnete einen Anstieg von 117 Mio. EUR auf 167 Mio. EUR (+43,2 %). Die Schweiz entwickelte sich von 90 Mio. EUR auf 101 Mio. EUR (+12,8 %). Japan blieb mit einem leichten Rückgang von 58 Mio. EUR auf 55 Mio. EUR (−5,0 %) weitgehend stabil. Diese drei Märkte zeichnen sich durch eine besonders niedrige Exportvolatilität aus und fungieren somit als zuverlässige Säulen des EU-Weinexports.
| Exportmarkt | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | Volatilität (CV) |
|---|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 116,9 | 167,4 | +43,2 % | 0,056 |
| USA | 221,9 | 206,7 | −6,8 % | 0,092 |
| China | 100,8 | 28,1 | −72,1 % | 0,539 |
| Kanada | 117,7 | 103,0 | −12,5 % | 0,196 |
| Schweiz | 90,0 | 101,5 | +12,8 % | 0,077 |
| Russland | 26,0 | 23,7 | −8,7 % | 0,341 |
| Japan | 57,7 | 54,8 | −5,0 % | 0,076 |
(Quelle: Top-Handelspartner nach Wert)
3. Italiens und Frankreichs Vormachtstellung: Binnenmarktstruktur und Produktionsentwicklung
3.1 Italien und Frankreich dominieren den EU-Weinexport mit über 80 % Marktanteil
Die EU-Binnenmarktstruktur wird von zwei Ländern geprägt: Italien und Frankreich. Italien exportierte im Jahr 2025 Wein im Wert von rund 458 Mio. EUR und hält damit einen Anteil von rund 49 % an den gesamten EU-Exporten. Die Spezialisierungskennzahlen bestätigen diese Dominanz: Italien weist einen RCA-Wert von 6,72 und einen RSca-Wert von 0,74 auf — beides die höchsten Werte aller EU-Mitgliedstaaten.
Frankreich folgt mit rund 277 Mio. EUR Exportwert (RCA: 3,65; RSca: 0,57). Zusammen decken diese beiden Länder rund 79 % des gesamten EU-Exportwerts ab. Beide Länder verzeichneten im Beobachtungszeitraum weitgehend stabile Exportwerte: Italien wuchs um 3,5 %, Frankreich sank leicht um 2,9 %.
| EU-Mitgliedstaat | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | RCA (2025) |
|---|---|---|---|---|
| Italien | 443,1 | 458,5 | +3,5 % | 6,72 |
| Frankreich | 285,3 | 277,0 | −2,9 % | 3,65 |
| Portugal | 64,2 | 96,3 | +49,9 % | 3,06 |
| Spanien | 45,2 | 32,3 | −28,6 % | 0,76 |
| Deutschland | 12,8 | 18,3 | +42,8 % | — |
| Lettland | 6,8 | 5,2 | −24,4 % | — |
| Litauen | 9,8 | 0,9 | −90,9 % | — |
(Quelle: Hauptexporteure nach Wert)
3.2 Portugal als dynamischer Wachstumstreiber innerhalb der EU
Besonders auffällig ist die Entwicklung Portugals. Mit einem Anstieg von 64 Mio. EUR auf 96 Mio. EUR (+49,9 %) hat sich Portugal als drittgrößter Exporteur innerhalb der EU etabliert und seinen Exportwert um fast die Hälfte gesteigert. Mit einem RCA-Wert von 3,06 und einem RSca-Wert von 0,51 gehört Portugal zu den am stärksten auf diesen Produktbereich spezialisierten EU-Staaten. Im Gegensatz dazu verlor Spanien — trotz seiner Größe als Weinproduzent — an Boden und sank von 45 Mio. EUR auf 32 Mio. EUR (−28,6 %). Spaniens RCA-Wert von 0,76 und ein negativer RSca von −0,14 deuten darauf hin, dass Spanien in diesem Segment keine komparativen Vorteile besitzt.
Auch Deutschland verzeichnete ein bemerkenswertes Wachstum: Von 13 Mio. EUR auf 18 Mio. EUR (+42,8 %), was einen Ausbau der deutschen Rolle als Exporteur — etwa über Re-Exporte und Veredelung — nahelegt.
3.3 EU-Produktion: Mengenrückgang bei deutlicher Wertsteigerung
Die EU-Produktion des betrachteten Weinsegments entwickelte sich im Beobachtungszeitraum gegenläufig: Das Produktionsvolumen sank um 1,6 %, während der Produktionswert um 29,4 % stieg — von rund 4,68 Mrd. EUR auf rund 6,06 Mrd. EUR. Dieser Wertanstieg bei gleichzeitig rückläufigen Mengen spiegelt sich in den Exportdaten wider und bestätigt die These einer branchenweiten qualitativen Aufwertung.
Die Exportkonzentration (HHI) blieb mit Werten zwischen 1.111 und 1.262 über den gesamten Zeitraum relativ stabil und deutet auf eine gleichmäßige Verteilung der Exportströme hin. Die Handelsintensität lag im gesamten Zeitraum bei rund 57–58 %, was bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Produktionswerts in den internationalen Handel fließt. Die Exportneigung stieg leicht von 46,6 % auf 48,1 % — ein Indiz dafür, dass die EU ihren Absatz trotz rückläufiger Mengen zunehmend über den Export suchte.
Fazit
Der EU-Weinmarkt der Kategorie CN 22042180 hat sich im Zeitraum 2015–2025 in drei wesentlichen Dimensionen verändert:
-
Qualitative Aufwertung: Die Exporte entwickelten sich von einer mengengetriebenen zu einer wertgetriebenen Dynamik. Trotz eines Rückgangs der Exportmengen um 20,5 % blieb der Exportwert weitgehend stabil (+4,3 %), gestützt durch einen Preisanstieg von 31,2 %. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Weinprodukten mit geschützter Herkunftsbezeichnung.
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Geopolitische Neuausrichtung: Der Brexit führte zu einem nahezu vollständigen Zusammenbruch der Importe aus Großbritannien (−94,9 %), während chinesische Zölle die Exporte nach China um 72,1 % einbrechen ließen. Gleichzeitig wuchsen die Exporte in stabile Märkte wie das Vereinigte Königreich (+43,2 %) und die Schweiz (+12,8 %). Innerhalb der EU stach Portugal mit einem Exportwachstum von +49,9 % hervor.
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Anhaltende Konzentration: Italien und Frankreich dominieren weiterhin mit einem kombinierten Anteil von rund 79 % am EU-Exportwert. Die Exportkonzentration blieb stabil, während die EU ihre Position als globaler Nettoexporteur weiter ausbaute (Netto-Importabhängigkeit von −22 % auf −35 %).
Die Daten legen nahe, dass der EU-Weinmarkt trotz geopolitischer Turbulenzen eine bemerkenswerte Resilienz zeigt, getrieben von der Qualitätsoffensive der großen Weinproduzentenländer und der anhaltenden Nachfrage in etablierten Absatzmärkten.