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Marktentwicklung: Rohtabak (CN 240110) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit unentripptem Tabak (KN-Code 240110) im Zeitraum 2015 bis 2025. Der Code 240110 umfasst fünf Unterpositionen: Sonnengetrockneter Orienttabak, flue-cured Tabak, dunkelluftgetrockneter (dark-air-cured) Tabak, hellluftgetrockneter (light-air-cured) Tabak sowie eine Sammelkategorie für sonstige Sorten. Die EU ist in diesem Segment durchgehend Nettoimporteurin: Der Handelsbilanzsaldo lag von 2015 bis 2025 stets im negativen Bereich, zuletzt bei rund −104 Mio. EUR. Im Folgenden werden die drei zentralen Marktdynamiken erläutert.


1. Sinkende Mengen bei steigenden Werten — Die fundamentale Preisdynamik

Der auffälligste Trend im Zeitraum 2015–2025 ist die gegenläufige Entwicklung von Handelsmengen und -werten. Sowohl bei Importen als auch bei Exporten sind die physischen Volumina erheblich gesunken, während die Werte gestiegen sind — ein eindeutiger Hinweis auf eine substantielle Verteuerung des Rohmaterials.

Die Importmengen sanken um über ein Fünftel, während die Importwerte stiegen

Die EU importierte 2015 noch rund 59.876 Tonnen unentrippten Tabak im Wert von 310,8 Mio. EUR. Bis 2025 fiel das Volumen auf 47.023 Tonnen, was einem Rückgang von 21,5 % entspricht. Gleichzeitig stieg der Importwert auf 351,4 Mio. EUR (+13,1 %). Die durchschnittliche Einfuhrpreis pro Tonne erhöhte sich von 5.191 EUR auf 7.473 EUR — eine Steigerung von 44,0 %. Diese Preisdynamik dürfte sowohl auf Angebotsverknappungen in wichtigen Anbauländern als auch auf steigende Produktions- und Transportkosten zurückzuführen sein.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge 59.876 t 47.023 t −21,5 %
Importwert 310,8 Mio. EUR 351,4 Mio. EUR +13,1 %
Importpreis (Ø) 5.191 EUR/t 7.473 EUR/t +44,0 %

Die Exportmengen brachen noch stärker ein — die Exportpreise verdoppelten sich beinahe

Auf der Exportseite fiel das Volumen sogar um 40,3 %: von 41.576 Tonnen (2015) auf 24.823 Tonnen (2025). Der Exportwert stieg dennoch von 217,0 Mio. EUR auf 247,1 Mio. EUR (+13,8 %). Der durchschnittliche Ausfuhrpreis kletterte von 5.220 EUR/t auf 9.954 EUR/t — ein Plus von 90,7 %. Dieser stärkere Preisanstieg bei Exporten im Vergleich zu Importen könnte auf eine Selektion hin zu höherwertigen Tabaksorten oder auf die besondere Preisentwicklung einzelner Sortensegmente (insbesondere light-air-cured und dark-air-cured) zurückzuführen sein.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge 41.576 t 24.823 t −40,3 %
Exportwert 217,0 Mio. EUR 247,1 Mio. EUR +13,8 %
Exportpreis (Ø) 5.220 EUR/t 9.954 EUR/t +90,7 %

Die Handelsbilanz blieb durchgehend negativ, verschlechterte sich aber leicht

Die EU war im gesamten Betrachtungszeitraum Nettoimporteurin von Rohtabak. Der Bilanzsaldo schwankte zwischen −50,3 Mio. EUR (2021, dem besten Wert) und −170,4 Mio. EUR (2018, dem schlechtesten Wert). Im Jahr 2025 lag der Saldo bei −104,3 Mio. EUR, was gegenüber dem Ausgangswert von −93,8 Mio. EUR (2015) eine leichte Verschlechterung um 11,3 % darstellt. Die Importabhängigkeit der EU von Drittländern hat sich somit trotz der Mengenrückgänge in Wertterminen nicht verringert.


2. Umstrukturierung der Handelspartner — Konzentration und neue Akteure

Hinter den aggregierten Trends verbirgt sich eine deutliche Neuordnung der Handelsbeziehungen. Die Importseite zeigt eine zunehmende Konzentration, während sich die Exportpartnerstruktur differenzierter darstellt.

Nordmazedonien wurde zum wichtigsten Importlieferanten der EU

Der bemerkenswerteste Wandel auf der Einfuhrseite betrifft Nordmazedonien: Das Land stieg vom zweitgrößten Lieferanten (69,3 Mio. EUR, 2015) zum mit Abstand wichtigsten Partner auf (123,0 Mio. EUR, 2025) — ein Zuwachs von 77,6 %. Nordmazedonien überholte damit die Türkei, die 2015 noch führend war (107,3 Mio. EUR) und 2025 auf 93,6 Mio. EUR (−12,8 %) zurückfiel.

Importpartner Wert 2015 Wert 2025 Veränderung
Nordmazedonien 69,3 Mio. EUR 123,0 Mio. EUR +77,6 %
Türkei 107,3 Mio. EUR 93,6 Mio. EUR −12,8 %
Indien 12,8 Mio. EUR 13,0 Mio. EUR +1,5 %
Brasilien 11,3 Mio. EUR 11,5 Mio. EUR +2,4 %
Indonesien 17,9 Mio. EUR 10,9 Mio. EUR −39,2 %
Serbien 2,0 Mio. EUR 9,3 Mio. EUR +370,0 %
Libanon 7,0 Mio. EUR 9,7 Mio. EUR +37,9 %

Besonders hervorzuheben ist das dynamische Wachstum Serbiens (+370 %), das sich von einem marginalen Lieferanten zu einem relevanten Handelspartner entwickelte. Libanon verzeichnete ebenfalls ein deutliches Wachstum (+37,9 %), während Indonesien als traditioneller Lieferant an Bedeutung verlor (−39,2 %).

Die Importkonzentration nahm zu, die Exportkonzentration nahm ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.815 (2015) auf 2.029 (2025), was einem Plus von 11,8 % entspricht. Dies deutet auf eine stärkere Konzentration der Einfuhren auf wenige Partnerländer hin — ein Risikofaktor für die Liefer­sicherheit. Die Exportkonzentration bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung: Der HHI sank von 1.051 auf 860 (−18,2 %), was auf eine breitere Streuung der Ausfuhren hindeutet.

Kennzahl (HHI, nach Wert) 2015 2025 Veränderung
Import-HHI 1.815 2.029 +11,8 %
Export-HHI 1.051 860 −18,2 %

Russland blieb das wichtigste Exportziel, Südkorea verzeichnete das stärkste Wachstum

Auf der Exportseite blieb die Russische Föderation mit 42,5 Mio. EUR (2025) der größte Abnehmer, obwohl der Wert gegenüber 2015 (45,6 Mio. EUR) leicht zurückging (−6,7 %). Ägypten (31,2 Mio. EUR) und die Vereinigten Staaten (25,4 Mio. EUR) folgten auf den Plätzen zwei und drei. Das mit Abstand dynamischste Wachstum verzeichnete die Republik Korea: von 4,0 Mio. EUR auf 8,1 Mio. EUR (+104,1 %). Demgegenüber fielen die Ausfuhren in die Ukraine drastisch (von 10,6 Mio. EUR auf 4,3 Mio. EUR; −59,6 %), was möglicherweise mit den geopolitischen Ereignissen seit 2022 zusammenhängt.

Innerhalb der EU dominierten Belgien und Griechenland den Re-Export

Die EU-internen Handelsströme zeigen eine klare Spezialisierung: Belgien war sowohl größter Importeur (115,2 Mio. EUR, 2025) als auch größter Exporteur (115,8 Mio. EUR, 2025) innerhalb der EU — ein Hinweis auf seine Rolle als zentraler Umschlagplatz. Griechenland, traditionell ein bedeutender Tabakverarbeitungsstandort, verdoppelte seinen Importwert nahezu (von 40,3 Mio. EUR auf 79,2 Mio. EUR; +96,8 %). Deutschland hingegen verlor stark an Bedeutung: Die Importe fielen um 68,9 % (von 45,4 Mio. EUR auf 14,1 Mio. EUR), die Exporte um 34,8 %.


3. Segmentveränderungen und Lieferkettenrisiken

Neben den gesamthandelspolitischen Trends zeigen sich im Detail der einzelnen Tabaksorten sowie bei der Volatilität der Lieferketten wesentliche Verschiebungen, die für Marktteilnehmer von hoher Relevanz sind.

Orienttabak dominiert die Importe, verliert aber mengenmäßig am stärksten

Sonnengetrockneter Orienttabak (24011060) war über den gesamten Zeitraum das mengen- und wertmäßig dominierende Importsegment. Allerdings sank das Importvolumen von 39.350 Tonnen (2015) auf 28.623 Tonnen (2025) — ein Rückgang von 27,3 %. Der Importwert stieg dennoch von 212,2 Mio. EUR auf 252,3 Mio. EUR (+18,9 %), getrieben von einer Preiserhöhung von 5.393 EUR/t auf 8.816 EUR/t (+63,5 %).

Sorte (Import) Menge 2015 Menge 2025 Δ Menge Preis 2015 Preis 2025 Δ Preis
Orienttabak (24011060) 39.350 t 28.623 t −27,3 % 5.393 EUR/t 8.816 EUR/t +63,5 %
Flue-cured (24011085) 6.627 t 7.458 t +12,5 % 4.317 EUR/t 4.748 EUR/t +10,0 %
Sonstige (24011095) 7.458 t 5.712 t −23,4 % 5.372 EUR/t 6.611 EUR/t +23,1 %
Dark-air-cured (24011070) 4.948 t 3.534 t −28,6 % 4.986 EUR/t 4.972 EUR/t −0,3 %
Light-air-cured (24011035) 1.493 t 1.696 t +13,6 % 3.512 EUR/t 4.888 EUR/t +39,2 %

Bemerkenswert ist, dass Flue-cured und Light-air-cured als einzige Segmente mengenmäßig wuchsen — allerdings auf niedrigem Niveau. Dark-air-cured verzeichnete den stärksten mengenmäßigen Rückgang (−28,6 %) bei gleichzeitig nahezu unverändertem Preis, was auf strukturelle Nachfrageverschiebungen hindeuten könnte.

Auf der Exportseite dominieren Orienttabak und ein starker Preisanstieg bei Nischensorten

Die EU-Exporte werden ebenfalls von Orienttabak dominiert, dessen Volumen jedoch von 30.303 Tonnen auf 16.501 Tonnen sank (−45,6 %). Der Exportpreis für Orienttabak stieg von 5.281 EUR/t auf 10.369 EUR/t (+96,3 %). Besonders auffällig ist die Preisentwicklung bei den Nischensorten: Der Exportpreis für light-air-cured Tabak (24011035) vervierfachte sich nahezu (von 3.315 EUR/t auf 10.708 EUR/t; +223 %), und bei dark-air-cured (24011070) stieg er von 2.642 EUR/t auf 6.917 EUR/t (+162 %).

Sorte (Export) Menge 2015 Menge 2025 Δ Menge Preis 2015 Preis 2025 Δ Preis
Orienttabak (24011060) 30.303 t 16.501 t −45,6 % 5.281 EUR/t 10.369 EUR/t +96,3 %
Flue-cured (24011085) 6.024 t 6.110 t +1,4 % 4.922 EUR/t 8.318 EUR/t +69,0 %
Sonstige (24011095) 2.410 t 1.138 t −52,8 % 7.749 EUR/t 12.787 EUR/t +65,0 %
Dark-air-cured (24011070) 1.102 t 647 t −41,3 % 2.642 EUR/t 6.917 EUR/t +161,9 %
Light-air-cured (24011035) 1.737 t 410 t −76,4 % 3.315 EUR/t 10.708 EUR/t +223,0 %

Lieferkettenrisiken: Hohe Volatilität bei einzelnen Partnern und bemerkenswerte Schocks

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass mehrere Handelspartner ungewöhnlich schwankungsanfällig sind. Auf der Importseite weisen das Vereinigte Königreich (Variationskoeffizient CV = 0,89) und China (CV = 0,61) die höchste Volatilität auf. Beim Vereinigten Königreich führte ein vollständiger Lieferausfall im Jahr 2025 (−100 %) zu einem als Supply-Schock klassifizierten Ereignis mit einer abnormalen Abweichung von 5,5. Die Lieferantenstruktur für Importe zeigt zudem zwei bemerkenswerte Preisschocks:

  • Indien (2022): Ein Preisschock mit einer Abnormalität von 10,3 und einem Preisanstieg von 23,1 %, betraf 4,3 % des Importwerts.
  • Serbien (2023): Ein Preisschock mit einer Abnormalität von 4,8 und einem Preisanstieg von 63,0 %, betraf 2,2 % des Importwerts.

Auf der Exportseite ist die Volatilität bei Nordmazedonien (CV = 0,89), Japan (CV = 0,62) und der Ukraine (CV = 0,59) besonders hoch, was die Unsicherheit in diesen Handelsbeziehungen unterstreicht.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für unentrippten Rohtabak (KN 240110) hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens eine fundamentale Preisprowadziłung, bei der sinkende Mengen durch steigende Preise überkompensiert wurden — sowohl bei Importen (+44 % Preissteigerung) als auch bei Exporten (+91 %). Zweitens eine deutliche Umstrukturierung der Handelspartner, insbesondere den Aufstieg Nordmazedoniens zum wichtigsten Importlieferanten, das rasante Wachstum Serbiens als Zulieferer sowie eine zunehmende Importkonzentration (HHI +12 %). Drittens eine Segmentverschiebung zugunsten höherwertiger Tabakqualitäten, erkennbar an den zum Teil drastischen Preissteigerungen bei den Nischensorten auf der Exportseite.

Für die Zukunft sind mehrere Risikofaktoren relevant: Die zunehmende Importkonzentration macht die EU-Lieferkette anfälliger für Störungen in einzelnen Herkunftsländern. Die hohen Volatitäten bei mehreren Handelspartnern und die dokumentierten Preis- und Lieferketten-Schocks unterstreichen die Notwendigkeit einer Diversifizierungsstrategie. Gleichzeitig deuten die mengenmäßigen Rückgänge bei gleichzeitig steigenden Werten auf eine strukturelle Transformation des Marktes hin — möglicherweise begünstigt durch sinkende Tabakkonsumquoten in der EU, steigende regulatorische Anforderungen und eine Verschiebung hin zu alternativen Nikotinprodukten.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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