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Marktentwicklung: Relais für eine Spannung von > 60 V bis <= 1.000 V (CN 853649) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Marktentwicklung des EU-Außenhandels mit Relais für Spannungen von mehr als 60 V bis 1.000 V (Zolltarifnummer 853649) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Das Produkt fällt in die übergeordnete Warenposition 8536 – Elektrische Geräte zum Schließen, Unterbrechen oder Verbinden von Stromkreisen und wird unter der PRODCOM-Nummer 27.12.24.50 auch in der europäischen Industriestatistik erfasst.

Im Untersuchungszeitraum zeichnet sich der EU-Markt für Hochspannungsrelais durch drei zentrale Dynamiken aus: Erstens eine deutliche Wertsteigerung bei gleichzeitigem Mengenrückgang, was auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten und steigende Einheitspreise hindeutet. Zweitens eine geopolitische Umstrukturierung der Handelspartnerschaften, insbesondere der Aufstieg Chinas als dominanter Importlieferant und der Rückgang traditioneller Partner wie Japan, Großbritannien und Tunesien. Drittens eine zunehmende Exportorientierung der EU bei gleichzeitig wachsender Konzentration der Importquellen.


1. Wertwachstum trotz Mengenrückgang — Die Preistransformation des EU-Relaishandels

1.1 Exporte: Wertsteigerung um 15,6 % bei sinkenden Mengen

Die EU-Exporte von Relais der Position 853649 stiegen im Betrachtungszeitraum von 1,005 Mrd. EUR (2015) auf 1,162 Mrd. EUR (2025), was einem Zuwachs von 15,6 % entspricht. Demgegenüber sank das exportierte Mengenvolumen von 16.233 Tonnen auf 15.541 Tonnen (−4,3 %). Der mittlere Exportpreis erhöhte sich entsprechend um 20,7 % – von 61.918 EUR/t auf 74.727 EUR/t.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 1,005 1,162 +15,6 %
Exportmenge (t) 16.233 15.541 −4,3 %
Exportpreis (EUR/t) 61.918 74.727 +20,7 %

Diese Entwicklung lässt sich als Preistransformation interpretieren: Die EU exportiert zwar mengenmäßig weniger Relais, erzielt dafür aber signifikant höhere Stückpreise. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren, technologisch anspruchsvolleren Relais-Produkten hin – etwa für den Einsatz in der Automatisierungstechnik, erneuerbaren Energien oder Elektromobilität.

1.2 Importe: Deutlicher Mengenrückgang und kräftiger Preisanstieg

Noch auffälliger ist die Entwicklung auf der Importseite. Der Importwert stieg lediglich um 2,9 % – von 467 Mio. EUR auf 480 Mio. EUR –, während die Importmenge um 25,8 % zurückging (von 10.105 t auf 7.494 t). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich drastisch um 38,7 % (von 46.188 EUR/t auf 64.074 EUR/t).

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 467 480 +2,9 %
Importmenge (t) 10.105 7.494 −25,8 %
Importpreis (EUR/t) 46.188 64.074 +38,7 %

Der kräftige Preisanstieg bei Importen könnte auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein: steigende Rohstoff- und Energiekosten bei den Herstellern, globale Lieferengpässe (insbesondere während und nach der COVID-19-Pandemie 2020–2021) sowie eine generelle Inflation der Vorproduktkosten in der Elektroindustrie.

1.3 Der Handelsbilanzüberschuss wächst kontinuierlich

Die EU verzeichnete im gesamten Zeitraum einen positiven Handelsbilanzüberschuss bei Relais 853649, der von 539 Mio. EUR (2015) auf 681 Mio. EUR (2025) anwuchs – ein Zuwachs von 26,5 %. Der Überschuss erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 2022 mit 580 Mio. EUR und stieg 2025 weiter auf den Maximalwert. Die Netto-Importabhängigkeit verschob sich von −9,9 % (2003) auf −48,7 % (2024), was die zunehmende Wettbewerbsstärke des EU-Relais-Sektors auf dem Weltmarkt unterstreicht.


2. Geopolitische Umstrukturierung der Handelspartnerschaften

2.1 Importseite: China als dominierender Lieferant im Aufwind

Die Importstruktur der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. China stieg zum mit Abstand wichtigsten Importpartner auf und verzeichnete ein Verdoppelung seiner Exporte in die EU (+100,6 %) – von 80 Mio. EUR auf 160 Mio. EUR. Im Jahr 2022 erreichten die chinesischen Lieferungen sogar 232 Mio. EUR, was einen historischen Höchstwert darstellte.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 79,9 160,3 +100,6 %
Indonesien 30,6 30,1 −1,6 %
Malaysia 17,3 18,3 +5,9 %
Türkei 12,3 16,9 +37,4 %
Japan 54,0 23,2 −57,1 %
Großbritannien 92,3 40,4 −56,2 %
Tunesien 13,0 1,0 −92,2 %

Gleichzeitig verloren drei traditionelle Lieferanten deutlich an Bedeutung:

  • Japan sank von 54 Mio. EUR auf 23 Mio. EUR (−57,1 %). Der Rückgang spiegelt die Verlagerung japanischer Produktionskapazitäten nach Asien wider.
  • Großbritannien fiel von 92 Mio. EUR auf 40 Mio. EUR (−56,2 %). Hier dürfte der Brexit und die damit einhergehenden Handelsbarrieren eine wesentliche Rolle spielen, verstärkt durch den Rückgang der Importmengen von 2.449 t auf 386 t.
  • Tunesien verlor fast seinen gesamten Export in die EU (−92,2 %). Die importierte Menge sank von 563 t auf lediglich 40 t. Dies ist bemerkenswert, da Tunesien in den Vorjahren ein relevanter Niedrigkostenlieferant war; der Rückgang könnte mit Produktionsverlagerungen oder Qualitätsanforderungen zusammenhängen.

2.2 Exportseite: Die USA als größter Absatzmarkt, Indien als stärkster Wachstumstreiber

Auf der Exportseite sind die Vereinigten Staaten mit 221 Mio. EUR (2025) der mit Abstand wichtigste Abnehmer der EU-Relais – ein Zuwachs von 44,5 % gegenüber 2015. China bleibt mit 137 Mio. EUR zweitgrößter Exportmarkt, jedoch weitgehend stabil (+2,7 %).

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 152,7 220,6 +44,5 %
China 133,0 136,6 +2,7 %
Türkei 72,5 77,6 +7,1 %
Großbritannien 81,2 90,6 +11,6 %
Indien 35,9 76,2 +112,3 %
VA Emirate 26,4 35,7 +35,6 %
Hongkong 40,0 29,1 −27,3 %

Besonders hervorzuheben ist Indien, dessen Importe aus der EU sich mehr als verdoppelt haben (+112,3 %). Dies spiegelt die rasante Industrialisierung und den Ausbau der Fertigungsindustrie in Indien wider. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (+35,6 %) verzeichnen ein starkes Wachstum, was auf die Diversifizierung der Golfstaatenwirtschaft und den Ausbau von Infrastrukturprojekten hindeuten dürfte. Die Exporte nach Hongkong hingegen sanken um 27,3 % – möglicherweise ein Effekt der geopolitischen Spannungen und der Verlagerung von Handelsströmen.

2.3 Zunehmende Konzentration der Importquellen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.130 (2015) auf 1.537 (2025) – ein Zuwachs von 36,1 %. Im Mengen-HHI war der Anstieg noch deutlicher: von 1.259 auf 2.975 (+136,3 %). Diese Zunahme der Konzentration spiegelt die wachsende Dominanz Chinas wider, das seinen Anteil an den EU-Importen von 17 % (2015) auf 33 % (2025) ausbaute.

Konzentrationsindikator 2015 2025 Veränderung
Import-HHI (Wert) 1.130 1.537 +36,1 %
Import-HHI (Menge) 1.259 2.975 +136,3 %
Export-HHI (Wert) 663 757 +14,1 %

Die Exportseite zeigt eine weitaus geringere Konzentrationszunahme (HHI von 663 auf 757, +14,1 %), was auf eine breitere Diversifizierung der EU-Exportmärkte hindeutet. Dennoch ist eine leichte Tendenz zur Konzentration erkennbar, insbesondere durch das wachsende Gewicht der USA.


3. Binnenmarktstruktur, Produktion und zunehmende Exportspezialisierung

3.1 Deutschland als Produktions- und Exportschwergewicht mit leicht rückläufigem Anteil

Innerhalb der EU ist Deutschland unangefochtener Marktführer im Relaishandel. Bei den Exporten entfielen 2025 rund 361 Mio. EUR auf Deutschland (31 % des EU-Gesamtexports), gefolgt von Finnland (99 Mio. EUR), der Tschechischen Republik (87 Mio. EUR) und Italien (76 Mio. EUR).

EU-Exporter 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 379,5 361,1 −4,8 %
Frankreich 159,6 148,9 −6,6 %
Finnland 81,0 98,5 +21,7 %
Tschechien 15,2 86,9 +470,1 %
Italien 51,4 76,1 +48,2 %
Schweden 80,3 75,5 −6,0 %
Spanien 73,8 83,1 +12,6 %

Auffällig ist der meteoraufstieg Tschechiens als Exporteur: Mit einem Zuwachs von 470 % (von 15 Mio. EUR auf 87 Mio. EUR) hat sich das Land von einem Nischenakteur zu einem bedeutenden Exporteur entwickelt. Gleichzeitig nahm Tschechien auch bei den Importen stark zu (+237 %). Dies deutet auf eine vertiefte Integration Tschechiens in europäische Wertschöpfungsketten hin – als Standort sowohl für Endmontage als auch als Durchgangsland für den Handel.

Deutschlands und Frankreichs leicht rückläufige Exportwerte spiegeln möglicherweise Produktionsverlagerungen in kostengünstigere EU-Länder wider.

3.2 Exportspezialisierung: Finnland, Tschechien und Malta führen

Die Analyse der spezifischen komparativen Vorteile (RSCA) zeigt für 2025 ein differenziertes Bild innerhalb der EU:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Malta 0,77 7,83 0,3 %
Finnland 0,63 4,42 4,4 %
Tschechien 0,49 2,90 13,9 %
Litauen 0,39 2,26 1,4 %
Österreich 0,38 2,22 7,3 %
Frankreich 0,36 2,13 16,6 %
Deutschland 0,03 1,07 22,7 %

Malta weist zwar den höchsten Spezialisierungsindex auf, produziert aber nur 0,3 % der EU-Gesamtmenge – es handelt sich um eine Nischenspezialisierung. Wesentlich relevanter sind Finnland (RSCA 0,63, 4,4 % Produktionsanteil), Tschechien (RSCA 0,49, 13,9 %) und Frankreich (RSCA 0,36, 16,6 %). Deutschland trotz seiner marktbeherrschenden Stellung zeigt mit einem RSCA von lediglich 0,03 nur eine schwache Spezialisierung – die enormen Exportvolumina sind eher auf die Größe der deutschen Elektroindustrie als auf eine überproportionale Konzentration auf Relais zurückzuführen.

Auf der Gegenseite weisen Irland (RSCA −0,97), die Slowakei (−0,88) und Griechenland (−0,88) die stärksten komparativen Nachteile auf.

3.3 EU-Produktion: Wachstum bei hoher Volatilität

Die EU-Produktionsdaten zeigen ein gemischtes Bild. Die Produktionsmenge stieg von 428 Mio. Stück (2015) auf 600 Mio. Stück (2024) – ein Zuwachs von 68,2 %. Allerdings war die Produktion extrem volatil: 2021–2022 wurden über 1 Mrd. Stück produziert, bevor die Menge 2024 wieder auf 600 Mio. fiel. Der Produktionswert entwickelte sich moderater (+16,0 %), von 2,39 Mrd. EUR auf 2,08 Mrd. EUR, wobei auch hier erhebliche Schwankungen zu verzeichnen waren (Spitzenwert 2022: 3,01 Mrd. EUR).

Jahr Produktionsmenge (Mio. Stück) Produktionswert (Mio. EUR)
2015 428 2.390
2020 373 2.295
2021 1.016 2.542
2022 1.057 3.007
2023 1.020 2.700
2024 600 2.081

Der Produktionsausbruch 2021–2022 korreliert mit der globalen Nachfrageerholung nach der Pandemie und der verstärkten Nachfrage im Zuge der Energiewende und Elektrifizierung. Der Rückgang 2024 könnte auf eine Marktkorrektur oder Datenbereinigung zurückzuführen sein.

3.4 Wachsende Exportintensität und Handelsoffenheit

Die Exportneigung der EU-Relaisindustrie stieg im Zeitraum 2003–2024 von 25,6 % auf 54,6 % – eine Verdopplung. Die Handelsintensität erhöhte sich von 36,2 % auf 62,7 %. Diese Daten zeigen, dass die EU-Relaisindustrie heute weit stärker in den Welthandel eingebunden ist als noch vor zwei Jahrzehnten.

Gleichzeitig stieg die Netto-Importabhängigkeit – gemessen als Netto-Importe in Prozent der gesamten Verfügbarkeit – von −9,9 % auf −48,7 %. Negative Werte bedeuten, dass die EU ein Nettoexporteur ist. Die Verstärkung dieses Werts unterstreicht, dass die EU ihre Position als globaler Nettoexporteur von Hochspannungsrelais in diesem Zeitraum erheblich ausgebaut hat.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Relais der Zolltarifnummer 853649 hat sich im Zeitraum 2015–2025 als ein dynamischer, exportorientierter Sektor mit wachsendem Handelsbilanzüberschuss entwickelt. Die zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erstens vollzieht sich eine deutliche Preistransformation: Sowohl bei Exporten als auch bei Importen sind die Mengen rückläufig, während die Werte – getrieben durch steigende Einheitspreise – zunehmen. Dies spricht für eine qualitative Aufwertung der gehandelten Produkte und/oder für die durchglobale Inflation der Produktionskosten.

Zweitens hat sich die geopolitische Landkarte des Handels neu gezeichnet. China hat sich als dominierender Importeur etabliert, während traditionelle Lieferanten wie Japan, Großbritannien und Tunesien stark an Boden verloren haben. Auf der Exportseite sind die USA und Indien die wichtigsten Wachstumsmärkte, wobei Indien mit einer Verdopplung der EU-Importe den stärksten prozentualen Zuwachs verzeichnete.

Drittens zeigt sich innerhalb der EU eine Verschiebung der Produktions- und Exportgewichte. Während Deutschland und Frankreich ihre Exportwerte leicht reduzierten, stiegen neue Akteure wie Tschechien (+470 %) und Italien (+48 %) deutlich auf. Die EU-Relaisindustrie ist heute doppelt so exportorientiert wie noch vor zwei Jahrzehnten, was die Abhängigkeit von globalen Märkten erhöht, aber auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Sektors widerspiegelt.

Die zunehmende Konzentration der Importquellen auf wenige Partnerländer – allen voran China – birgt jedoch ein strategisches Risiko. Sollten geopolitische Spannungen oder Handelskonflikte die Lieferketten stören, wäre die EU in diesem Segment verwundbar. Die Stärkung der inländischen Produktion und die Diversifizierung der Importquellen könnten daher als strategische Priorität betrachtet werden.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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