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Marktentwicklung: Polyurethan-Schaumstoffe (CN 392113) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 392113 umfasst Tafeln, Platten, Folien, Filme, Bänder und Streifen aus geschäumten Polyurethanen — sowohl weichgeschäumte (Unterposition 39211310) als auch hartgeschäumte Varianten (Unterposition 39211390). Diese Produkte finden breite Anwendung in der Automobilindustrie, im Bauwesen, in der Möbelherstellung und in technischen Dämmungen.

Im Zeitraum 2015 bis 2025 zeigt der EU-Außenhandel mit diesen Erzeugnissen ein bemerkenswertes Wachstum. Die EU ist in diesem Segment durchgehend Nettexporteurin — ein strukturelles Merkmal, das sich über den gesamten Beobachtungszeitraum vertieft hat. Gleichzeitig haben sich die Handelspartnerstrukturen durch geopolitische Ereignisse, insbesondere den Krieg in der Ukraine, sowie durch die sich vertiefende wirtschaftliche Verflechtung mit bestimmten Drittstaaten erheblich verschoben. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken anhand der verfügbaren Handels- und Produktionsdaten.


1. Stabiles Wachstum bei steigender Exportdominanz

Die EU-Ausfuhren wachsen überproportional zu den Einfuhren

Im Beobachtungszeitraum stiegen die EU-Ausfuhren von geschäumten Polyurethanen von 409,2 Mio. EUR (2015) auf 632,3 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 54,5 % entspricht. Die exportierte Menge erhöhte sich von 108.561 Tonnen auf 145.020 Tonnen (+33,6 %). Der durchschnittliche Ausfuhrpreis stieg von 3.768 EUR/t auf 4.360 EUR/t (+15,7 %), was auf eine zunehmende Wertschöpfung oder ein verändertes Produktmix hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Ausfuhrwert 409,2 Mio. EUR 632,3 Mio. EUR +54,5 %
Ausfuhrmenge 108.561 t 145.020 t +33,6 %
Ausfuhrpreis 3.768 EUR/t 4.360 EUR/t +15,7 %
Einfuhrwert 142,0 Mio. EUR 251,5 Mio. EUR +77,1 %
Einfuhrmenge 24.477 t 40.866 t +67,0 %
Einfuhrpreis 5.801 EUR/t 6.153 EUR/t +6,1 %

Die Einfuhren wuchsen zwar prozentual stärker (+77,1 % im Wert), bleiben aber in absoluten Zahlen deutlich unter den Ausfuhren. Interessant ist, dass der Einfuhrpreis durchgehend höher liegt als der Ausfuhrpreis — 2025 betrug die Differenz rund 1.793 EUR/t. Dies kann auf eine stärkere Spezialisierung importierter Qualitäten, höhere Produktionskosten in Herkunftsländern oder ein anderes Segmentmix hindeuten.

Der Handelsbilanzüberschuss bleibt robust

Die EU erzielte im gesamten Zeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo. Dieser stieg von 267,2 Mio. EUR (2015) auf 380,9 Mio. EUR (2025), mit einem Höchstwert von 497,0 Mio. EUR. Die Nettoimportabhängigkeit lag durchgehend im negativen Bereich (von −3,1 % auf −10,2 %), was die Position der EU als Nettolieferantin unterstreicht. Die Verdreifachung dieses Werts (pct_change: −231,7 %) signalisiert eine zunehmende Exportintensität.

Gleichzeitig stiegen sowohl die Handelsintensität (von 10,0 % auf 18,5 %) als auch die Exportneigung (von 6,7 % auf 14,3 %) erheblich. Die Exportneigung verzeichnete sogar den höchsten Salience-Score (150,8) unter allen Autarkie-Indikatoren — ein Beleg dafür, dass die EU-Polyurethan-Schaumstoffindustrie in zunehmendem Maße auf Drittmärkte orientiert ist.

Die EU-Produktion wächst noch schneller als der Außenhandel

Die inländische Produktion stieg mengenmäßig von 777.658 t auf 1.265.249 t (+62,7 %) und im Wert von 2,59 Mrd. EUR auf 4,80 Mrd. EUR (+85,3 %). Damit wuchs die Produktion überproportional zum Export, was darauf hindeutet, dass auch der EU-Binnenmarkt eine steigende Nachfrage verzeichnet — getrieben durch Baukonjunktur, Automobilproduktion und energetische Sanierung.


2. Geopolitische Brüche und neue Handelspartnerstrukturen

Russland als Einfuhrquelle vollständig weggebrochen

Die dramatischste Veränderung im Beobachtungszeitraum betrifft die Einfuhren aus der Russischen Föderation. Diese fielen von 6,3 Mio. EUR (2015) auf praktisch null (2025), was einem Rückgang von −100 % entspricht. Der Koeffizient der Variation (CV) lag bei 1,05 — dem höchsten Wert aller Handelspartner —, was die extreme Volatilität dieses Handelsstroms widerspiegelt. Die Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine führten hier zu einem vollständigen Handelsabbruch. Der Markthöchstwert lag bei 30,5 Mio. EUR und wurde somit bereits vor dem Konflikt erreicht.

China und Türkei als neue Wachstumsmärkte

Als Gegenpol zum russischen Wegfall verzeichneten andere Lieferländer erhebliche Zuwächse bei den EU-Einfuhren:

Lieferland 2015 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 49,2 Mio. EUR 67,4 Mio. EUR +37,0 %
Vereinigte Staaten 29,9 Mio. EUR 67,1 Mio. EUR +124,2 %
China 15,7 Mio. EUR 34,3 Mio. EUR +118,4 %
Schweiz 18,5 Mio. EUR 25,5 Mio. EUR +37,2 %
Türkei 4,0 Mio. EUR 12,1 Mio. EUR +206,6 %
Serbien 3,8 Mio. EUR 11,7 Mio. EUR +207,3 %

Besonders auffällig sind die Wachstumsraten aus der Türkei (+206,6 %) und Serbien (+207,3 %). Beide Länder profitieren möglicherweise von günstigen Produktionsbedingungen und — im Fall Serbiens — von der geografischen Nähe zur EU sowie einem fortschreitenden EU-Annäherungsprozess. China hat seine Lieferungen an die EU mehr als verdoppelt und ist mittlerweile der viertgrößte Einfuhrpartner. Preisschocks im China-Handel (2017: +55 % Preissprung bei einer Abnormalität von 256,4) deuten auf gelegentliche Marktverwerfungen hin.

Deutschland dominiert den EU-Export, Österreich und Irland wachsen stark

Innerhalb der EU ist Deutschland mit großem Abstand der wichtigste Exporteur: Die Ausfuhren stiegen von 149,8 Mio. EUR auf 209,2 Mio. EUR (+39,6 %). Deutschland allein repräsentiert damit rund ein Drittel aller EU-Ausfuhren in diesem Segment.

EU-Exportland 2015 2025 Veränderung
Deutschland 149,8 Mio. EUR 209,2 Mio. EUR +39,6 %
Österreich 31,6 Mio. EUR 70,1 Mio. EUR +121,8 %
Irland 27,7 Mio. EUR 53,2 Mio. EUR +92,2 %
Italien 25,2 Mio. EUR 48,4 Mio. EUR +92,0 %
Belgien 40,9 Mio. EUR 46,4 Mio. EUR +13,4 %

Österreich (+121,8 %) und Irland (+92,2 %) verzeichneten die stärksten Wachsraten unter den großen EU-Exporteuren. Im Bereich der Einfuhren in die EU-Mitgliedstaaten stachen die Niederlande (+331,2 %) und Polen (+327,7 %) hervor, was auf eine zunehmende Rolle dieser Länder als Handelsdrehscheiben oder verarbeitende Standorte hindeutet.


3. Produktsegmente, Spezialisierung und Preisdynamik

Hartgeschäumte Polyurethane gewinnen an Bedeutung

Der CN-Code 392113 teilt sich in zwei Unterpositionen auf: weichgeschäumte (39211310) und hartgeschäumte (39211390) Polyurethan-Produkte. Bei den Importen zeigt sich ein bemerkenswerter Strukturwandel:

Segment Menge 2015 Menge 2025 Veränderung
Weichschaum (39211310) 15.396 t 20.998 t +36,4 %
Hartschaum (39211390) 9.081 t 19.849 t +118,6 %

Während der Weichschaum mengenmäßig weiter dominiert, hat sich der Hartschaum nahezu verdoppelt. Auch im Wert stiegen die Hartschaum-Importe von 59,2 Mio. EUR auf 140,7 Mio. EUR — ein Zuwachs von 137,8 %. Der Hartschaum weist dabei einen deutlich höheren Einheitspreis auf (2025: 7.088 EUR/t gegenüber 5.268 EUR/t beim Weichschaum), was auf eine höhere Wertschöpfung oder spezialisiertere Anwendungen (z. B. im Bau- und Isolierbereich) schließen lässt.

Im Exportbereich sind beide Segmente vergleichbar stark vertreten, wobei der Hartschaum-Export mengenmäßig von 55.728 t auf 76.076 t (+36,5 %) und im Wert von 224,9 Mio. EUR auf 347,4 Mio. EUR (+54,5 %) wuchs. Der Weichschaum-Export stagnierte mengenmäßig nahezu (von 52.832 t auf 68.944 t) und verlor damit relativ an Anteil.

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Analyse der Spezialisierungsindizes (RSCA) für 2025 zeigt ein klares Muster: Kleine und mittlere EU-Länder weisen die höchsten Spezialisierungswerte auf, während große Volkswirtschaften tendenziell diversifizierter aufgestellt sind.

Land RSCA RCA Produktionsanteil
Litauen 0,484 2,88 1,8 %
Österreich 0,389 2,27 7,5 %
Slowenien 0,389 2,27 2,3 %
Portugal 0,341 2,04 2,8 %
Finnland 0,302 1,87 1,9 %

Litauen zeigt den höchsten RSCA-Wert (0,484), gefolgt von Österreich und Slowenien (je 0,389). Österreich ist dabei sowohl hochspezialisiert als auch volumenmäßig bedeutsam (7,5 % des EU-Produktionsanteils). Am unteren Ende der Skala rangieren Zypern (RSCA: −0,994), Irland (−0,903) und Bulgarien (−0,746), die in diesem Segment kaum komparative Vorteile aufweisen.

Die Marktkonzentration sinkt — sowohl bei Importen als auch bei Exporten

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importseite sank von 1.991 auf 1.798 (−9,7 %), für die Exportseite von 1.002 auf 820 (−18,2 %). Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Diversifizierung der Handelsbeziehungen hin — die EU bezieht ihre Polyurethan-Schaumstoffe aus einer breiteren Palette von Lieferländern und exportiert in eine zunehmend diversifizierte Zielmarktpalette.

Die Importkonzentration liegt jedoch weiterhin in einem Bereich, der auf moderate Konzentration hindeutet (HHI > 1.500), während die Exportseite bereits als unkonzentriert gelten kann (HHI < 1.000). Diese Asymmetrie spiegelt die Struktur wider: Die EU exportiert aus vielen Mitgliedstaaten in viele Drittländer, importiert jedoch stärker gebündelt aus wenigen Hauptherkunftsländern.

Preisschocks zeigen sich vor allem bei Drittstaaten-Lieferungen

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere bemerkenswerte Preisschocks. Neben dem bereits erwähnten China-Schock (2017) fiel ein signifikanter Preiseinbruch bei Importen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2019 auf (−29,3 %, Abnormalität 10,4). Dieses Ereignis fiel in eine Phase der Unsicherheit rund um den Brexit und könnte mit temporären Handelsverwerfungen oder strategischen Preisreduzierungen britischer Exporteure zusammenhängen.

Besonders volatile Handelspartner im Importbereich waren zudem die Ukraine (CV: 0,98) und Albanien (CV: 0,98), die jedoch mengenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielten. Im Exportbereich war Yemen (CV: 0,87) der volatilste Partner — die EU-Ausfuhren dorthin stiegen von 23.110 EUR auf 1,86 Mio. EUR (+7.938 %), was möglicherweise mit Hilfslieferungen oder Aufbauprojekten zusammenhängt.


Schlussfolgerung

Der Markt für geschäumte Polyurethan-Produkte (CN 392113) hat sich zwischen 2015 und 2025 als dynamisches und wachsendes Segment erwiesen. Die EU hat ihre Position als globaler Nettolieferant kontinuierlich ausgebaut — die Exportneigung hat sich nahezu verdoppelt, und der Handelsbilanzsaldo blieb durchgehend positig.

Die drei prägendsten Entwicklungen sind: Erstens das starke Gesamtwachstum, bei dem sowohl Produktion (+62,7 % mengenmäßig) als auch Handel (Exporte +54,5 % im Wert) deutlich zulegten — getrieben von der Nachfrage in Automobilbau, Bauwesen und technischer Dämmung. Zweitens die geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme: Der vollständige Wegfall russischer Lieferungen wurde durch Zuwächse aus China, der Türkei und Serbien mehr als kompensiert, während die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit weitgehend stabil blieben. Drittens einen Produktmix-Wandel hin zu hartgeschäumten Polyurethanen, die sowohl bei Importen als auch Exporten überproportional wuchsen und höhere Einheitspreise erzielen.

Die sinkende Handelskonzentration (rückläufiger HHI) und die steigende Spezialisierung einzelner Mitgliedstaaten deuten auf eine zunehmende arbeitsteilige Integration innerhalb der EU hin. Die Exportseite erscheint dabei robuster und diversifizierter als die Importseite, was die Abhängigkeitsrisiken der EU in diesem Segment als begrenzt erscheinen lässt.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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