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Marktentwicklung: Polyesterlacke (CN 32081090) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 32081090 umfasst Anstrichfarben und Lacke auf der Grundlage von Polyestern, die in einem nichtwässrigen Medium dispergiert oder gelöst sind. Diese Produkte finden breite Anwendung in der Industrielackierung, im Automobilbereich, bei Möbeln und in der allgemeinen Beschichtungstechnik. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wesentlichen strukturellen Veränderungen, geopolitischen Umbrüche und Preisentwicklungen, die den Markt für Polyesterlacke im letzten Jahrzehnt geprägt haben.

1. Volumenrückgang bei steigenden Preisen — ein Markt im strukturellen Wandel

Die EU bleibt ein bedeutender Nettoexporteur mit stabiler Handelsbilanz

Die EU weist im gesamten Betrachtungszeitraum eine positive Handelsbilanz bei Polyesterlacken auf. Die Exporte lagen zum Zeitraumbeginn bei rund 462 Mio. EUR und sanken bis 2025 geringfügig auf 455 Mio. EUR (-1,6 %), während die Importe von 96 Mio. EUR auf 98 Mio. EUR stiegen (+1,9 %). Der Handelsbilanzüberschuss verringerte sich damit leicht von 366 Mio. EUR auf 357 Mio. EUR (-2,5 %), blieb jedoch über den gesamten Zeitraum auf einem substantiellen Niveau (Gesamtübersicht).

Hinter stabilen Werten verbirgt sich ein dramatischer Volumenrückgang

Die nahezu stabile Exportwertentwicklung täuscht über die tatsächliche Marktentwicklung hinweg, denn die physischen Handelsvolumina haben erheblich abgenommen:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge 112.677 t 79.305 t -29,6 %
Importmenge 31.166 t 16.700 t -46,4 %
Exportpreis 4.101 EUR/t 5.733 EUR/t +39,8 %
Importpreis 3.077 EUR/t 5.851 EUR/t +90,2 %

Die EU-Produktion von Polyesterlacken hat stark gelitten

Besonders deutlich wird der Produktionsrückgang auf Seiten der EU-Hersteller. Die Produktionsmenge sank von 695.583 kg (2015) auf 413.000 kg (2025), was einem Rückgang von 40,6 % entspricht. Auch der Produktionswert ging um 16,0 % von 2,04 Mrd. EUR auf 1,71 Mrd. EUR zurück (Produktionsvolumen). Dies deutet auf eine strukturelle Veränderung hin: Die EU produziert zwar weniger, exportiert aber prozentual mehr, da die Exportquote (Exportpropensity) von 13,3 % auf 28,5 % stieg (+114,8 %) und die Handelsintensität sich von 16,0 % auf 31,6 % nahezu verdoppelte (Exportpropensity).

2. Geopolitische Umbrüche und die Neuausrichtung der Exportströme

Der russische Markt ist praktisch verschwunden

Die folgenreichste Einzelveränderung im betrachteten Zeitraum ist der Zusammenbruch der EU-Exporte in die Russische Föderation. Russland war 2015 mit einem Exportvolumen von rund 130 Mio. EUR mit Abstand der größte Abnehmer von EU-Polyesterlacken und stellte damit mehr als ein Viertel aller EU-Ausfuhren dar. Bis 2025 fielen die Exporte auf lediglich 163 EUR — ein Rückgang von praktisch 100 %. Dies ist unmittelbar auf die Sanktionen im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine zurückzuführen (Handelspartner).

Neue und gewachsene Absatzmärkte haben den russischen Wegfall kompensiert

Trotz des Wegfalls des russischen Marktes blieb der Exportwert insgesamt nahezu stabil. Dies erklärt sich durch das deutliche Wachstum mehrerer anderer Märkte:

Partnerland Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung
Russland 129,6 Mio. EUR 163 EUR -100,0 %
Ukraine 11,3 Mio. EUR 30,0 Mio. EUR +165,3 %
Weißrussland 10,0 Mio. EUR 31,1 Mio. EUR +210,5 %
Indien 8,7 Mio. EUR 19,4 Mio. EUR +123,3 %
Türkei 23,5 Mio. EUR 48,2 Mio. EUR +104,7 %
Großbritannien 58,1 Mio. EUR 40,4 Mio. EUR -30,4 %
Schweiz 20,4 Mio. EUR 30,4 Mio. EUR +48,6 %

Die Türkei hat sich zum zweitgrößten Exportmarkt entwickelt, Ukraine und Weißrussland haben ihr Exportvolumen verdreifacht bzw. verdoppelt. Indien wurde erstmals zu einem relevanten Absatzmarkt. Gleichzeitig sanken die Exporte nach Großbritannien — möglicherweise ein Nachwirkung des Brexits — um 30,4 %.

Auch die Importstruktur der EU hat sich verschoben

Der bis 2015 dominierende Importpartner Großbritannien verlor an Bedeutung (von 50,3 Mio. EUR auf 41,7 Mio. EUR, -17,0 %), während die Importe aus der Türkei von 2,8 Mio. EUR auf 8,0 Mio. EUR (+184,1 %) und aus der Ukraine von 0,2 Mio. EUR auf 1,3 Mio. EUR (+637,2 %) stark anstiegen. Die Importe aus Norwegen brachen um 58,2 % auf 4,0 Mio. EUR ein. Bemerkenswert ist auch, dass die EU-Staaten mit den stärksten Importzuwächsen Poland (+536,1 %) und Deutschland (+44,9 %) sind — beides Länder mit bedeutender verarbeitender Industrie (Importländer).

3. Diversifizierung, Spezialisierung und steigende Volatilität

Die Exportkonzentration hat stark abgenommen

Ein Blick auf den Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt eine bemerkenswerte Diversifizierung der Handelsströme. Der HHI der Exporte nach Werten sank von 1.101 auf 456 (-58,6 %), was den Übergang von einem stark Russland-dominierten zu einem breit diversifizierten Exportmarkt widerspiegelt. Auch bei den Importen ging die Konzentration von 3.524 auf 2.905 zurück (-17,6 %), bleibt aber auf einem deutlichen höheren Niveau (Konzentration).

Italien und Polen sind die neuen Exporttreiber innerhalb der EU

Die größten Veränderungen unter den EU-Exporteuren vollzogen sich bei Italien (+53,6 % auf 119 Mio. EUR), Poland (+74,4 %) und Spanien (+38,2 %). Deutschland, lange Zeit Exportführer, verliert hingegen an Boden (-25,6 % auf 99,5 Mio. EUR) und wurde von Italien als größter EU-Exporteur abgelöst. Im Bereich der Spezialisierung weisen Estland, Italien, Portugal, Schweden und Poland die höchsten Werte für den Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) auf (Spezialisierung).

Gezielte Preisschocks zeigen sich an einzelnen Handelsrouten

Die Volatilitätsanalyse identifiziert signifikante Preisschocks an bestimmten Handelsrouten. Bemerkenswert ist ein Preisschock beim Export nach Nordmazedonien im Jahr 2022 mit einer Abnormalität von 22,3 und einem Preisanstieg von 28,5 %. Die EU-Exporte in die Türkei verzeichneten 2022 ebenfalls einen markanten Preisschock (+26,6 %), der mit den globalen Energiepreissteigungen und Lieferkettenunterbrechungen nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges zusammenfällt. Der höchste Variationskoeffizient unter den Importpartnern weist Südkorea (CV = 1,15) auf, während bei den Exporten Russland (CV = 0,47) und Weißrussland (CV = 0,39) die höchsten Schwankungen zeigen (Preisschocks).

Fazit

Der EU-Markt für Polyesterlacke (CN 32081090) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert. Trotz äußerlich stabiler Exportwerte verbirgt sich ein erheblicher Rückgang der physischen Handelsvolumina, der durch signifikante Preissteigerungen — sowohl bei Exporten (+39,8 %) als auch bei Importen (+90,2 %) — kompensiert wird. Der mit Abstand gravierendende Einzelereignis war der vollständige Wegfall der Exporte nach Russland, dem einst wichtigsten Abnehmermarkt. Dieser Wegfall wurde jedoch durch das Wachstum neuer Märkte — insbesondere Türkei, Ukraine, Weißrussland und Indien — weitgehend aufgefangen. Innerhalb der EU haben sich Italien und Polen als neue Exporttreiber etabliert, während Deutschland und Schweden an Bedeutung verloren. Die EU als Ganzes ist trotz sinkender Produktionsmengen ein zunehmend exportorientierter und stärker diversifizierter Anbieter von Polyesterlacken geworden. Die Herausforderungen liegen nun in der Anpassung an höhere Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten und eine sich verändernde globale Wettbewerbslandschaft.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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