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Marktentwicklung: Pflanzenextrakte (CN 130219) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollcode 130219 (Pflanzensäfte und Pflanzenauszüge, ausgenommen Süßholzwurzeln, Hopfen, Opium sowie Ephedra) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Der CN-Code 130219 umfasst als Restkategorie ein breites Spektrum pflanzlicher Extrakte – darunter Aromen, pharmazeutische Rohstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe – und unterteilt sich in zwei Unterkapitel: 13021970 (allgemeine Pflanzenextrakte) und 13021905 (Vanille-Oleoresin). Der Markt zeigt im Betrachtungszeitraum ein bemerkenswertes Wachstum bei gleichzeitig tiefgreifenden strukturellen Verschiebungen – sowohl in Bezug auf Import- und Exportdynamik als auch auf die Herkunfts- und Absatzmärkte.


1. Stärkeres Wachstum der Exporte als der Importe — ein Defizitmarkt auf dem Weg zur Angleichung

Die EU verzeichnet im Zeitraum 2015–2025 bei beiden Handelsströmen ein deutliches Wertwachstum. Die Exporte stiegen um 163,8 % (von 216,3 Mio. EUR auf 570,5 Mio. EUR), während die Importe um 122,3 % zunahmen (von 271,5 Mio. EUR auf 603,5 Mio. EUR). Damit verringerte sich das strukturelle Handelsdefizit von −55,3 Mio. EUR auf −33,0 Mio. EUR (Verbesserung um 40,3 %). Das Defizit erreichte seinen Höhepunkt mit rund −142,2 Mio. EUR und seinen geringsten Wert mit −6,1 Mio. EUR.

Die Volumenentwicklung divergiert bei Importen und Exporten besonders stark

Während die Exportmengen um 54,2 % stiegen (von 13.323 t auf 20.545 t), explodierten die Importmengen um 327,7 % (von 15.506 t auf 66.325 t). Der Anstieg der Importvolumina war dabei nicht linear: 2022 wurde mit rund 128.487 t ein Spitzenwert erreicht, bevor die Mengen 2024–2025 wieder auf rund 66.000 t zurückgingen.

Kennzahl 2015 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015–2025
Importe (Wert, Mio. EUR) 271,5 605,5 603,5 +122,3 %
Importe (Menge, t) 15.506 128.487 66.325 +327,7 %
Exporte (Wert, Mio. EUR) 216,3 564,1 570,5 +163,8 %
Exporte (Menge, t) 13.323 18.754 20.545 +54,2 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −55,3 −41,4 −33,0 +40,3 %

Die EU steigert ihren Exportwert durch steigende Preise

Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 16.232 EUR/t auf 27.745 EUR/t (+70,9 %). Die EU exportiert also zwar mehr Mengen, profitiert aber vor allem davon, dass ihre Pflanzenextrakte im Ausland zu höheren Preisen abgesetzt werden. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder gestiegene Preisgestaltungsmacht.


2. Dramatischer Preisverfall bei Importen — Volumenwachstum auf Kosten der Wertschöpfung

Ein zentrales Merkmal des untersuchten Zeitraums ist die extreme Gegenläufigkeit von Importmengen und -preisen. Während die Importmengen um 327,7 % stiegen, sank der durchschnittliche Importpreis von 17.512 EUR/t auf 9.099 EUR/t (−48,0 %). Der niedrigste Preis wurde mit 4.712 EUR/t verzeichnet.

Der Haupttreiber: CN 13021970 (allgemeine Pflanzenextrakte)

Die Unterkategorie 13021970, die den überwiegenden Teil des Handelsvolumens ausmacht, zeigt diese Dynamik besonders deutlich:

Kennzahl 2015 2022 2025
Importmenge (t) 15.275 128.262 66.128
Importpreis (EUR/t) 16.852 4.472 8.876
Exportmenge (t) 13.095 18.545 20.219
Exportpreis (EUR/t) 15.293 29.433 27.121

Der Importpreis fiel für 13021970 von 16.852 EUR/t auf 8.876 EUR/t (−47,3 %), während der Exportpreis im gleichen Zeitraum von 15.293 EUR/t auf 27.121 EUR/t stieg (+77,3 %). Die EU importiert zunehmend günstigere Grundextrakte und exportiert offenbar aufbereitete, höherwertige Produkte.

Vanille-Oleoresin (CN 13021905): ein Nischenmarkt mit hoher Volatilität

Die Unterkategorie Vanille-Oleoresin ist mengenmäßig klein (Exporte zwischen 161 und 354 t), aber preislich extrem hoch. Die Exportpreise lagen zwischen 61.062 EUR/t (2015) und 221.937 EUR/t (2020). Nach einem Preisboom in 2019–2020 fielen die Preise 2025 wieder auf 66.566 EUR/t. Vanille-Oleoresin unterliegt typischerweise starken Angebotschwankungen aus Madagaskar und anderen Herkunftsländern, was die beobachtete Volatilität erklärt.


3. Verschiebung der Handelspartner — China, Indien und Vietnam gewinnen an Bedeutung

Die Analyse der wichtigsten Handelspartner zeigt eine deutliche Neuorientierung der EU-Importe.

Importpartner: Asien dominiert das Wachstum

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 87,2 250,3 +187,2 %
Indien 26,7 100,1 +275,4 %
Vietnam 0,05 21,7 +40.752 %
Dominikanische Republik 0,02 21,2 +135.213 %
USA 49,7 42,2 −14,9 %
Mexiko 8,8 17,8 +102,4 %
Brasilien 7,1 7,6 +7,6 %

China ist mit Abstand der größte Importlieferant (250,3 Mio. EUR) und hat seinen Anteil deutlich ausgebaut. Besonders auffällig sind die enormen prozentualen Zuwächse bei Vietnam und der Dominikanischen Republik – beide starteten von fast Null und erreichten rund 21 Mio. EUR. Die USA als drittgrößter Partner verloren hingegen leicht an Bedeutung.

Exportpartner: USA bleiben der wichtigste Absatzmarkt

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 56,5 180,4 +219,6 %
China 5,1 42,2 +735,0 %
Südkorea 17,6 46,4 +162,9 %
Vereinigtes Königreich 17,0 35,3 +107,9 %
Schweiz 18,4 30,7 +67,3 %
Brasilien 9,9 19,3 +95,5 %
Israel 4,4 5,9 +35,3 %

Die USA absorbieren mit 180,4 Mio. EUR fast ein Drittel aller EU-Exporte. China als Exportziel verachtfachte seinen Wert nahezu, was auf die wachsende Nachfrage nach hochwertigen Pflanzenextrakten in der chinesischen Lebensmittel- und Pharmaindustrie hindeuten könnte.

Interne Marktkonzentration nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.656 auf 2.142 (+29,4 %). Dies signalisiert eine zunehmende Konzentration der Importe auf weniger Herkunftsländer – ein potenzielles Risiko für Lieferketten. Der Export-HHI blieb mit einem Anstieg von 1.014 auf 1.267 moderater.

Innerhalb der EU: Deutschland, Spanien und Frankreich führen

Die wichtigsten EU-Länder als Importeure sind Deutschland (121,9 Mio. EUR), Italien (89,9 Mio. EUR), die Niederlande (88,3 Mio. EUR) und Spanien (76,5 Mio. EUR). Bei den Exporten sticht Frankreich mit einem Anstieg von 2,5 Mio. EUR auf 206,8 Mio. EUR hervor, was einem Wachstum von über 8.000 % entspricht – möglicherweise bedingt durch Umfirmierungen, neue Produktionskapazitäten oder die Ausweitung von Re-Exporten. Spanien zeigt ebenfalls eine starke Exportdynamik (+178,5 %) und verfügt gemäß dem RSCA-Indikator über die höchste Spezialisierung (RSCA 0,56), gefolgt von Frankreich (0,52) und Irland (0,40).


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Pflanzenextrakte (CN 130219) hat sich zwischen 2015 und 2025 sowohl in seiner Größenordnung als auch in seiner Struktur erheblich verändert. Der Gesamthandelswert verdoppelte sich nahezu, wobei die Exporte stärker wuchsen als die Importe und das Handelsdefizit sich verbesserte. Die auffälligste Dynamik liegt im gegensätzlichen Preisverlauf: Während die EU ihre Exporte zu deutlich höheren Preisen verkaufen kann, importiert sie zu stark gesunkenen Preisen immer größere Mengen – ein Muster, das auf eine zunehmende Spezialisierung der EU in der Wertschöpfungskette hindeutet.

Gleichzeitig verschiebt sich die Importseite geografisch: China, Indien und neu hinzukommende Lieferanten wie Vietnam und die Dominikanische Republik gewinnen stark an Bedeutung, was die Konzentration der Lieferantenbasis erhöht. Auf der Exportseite bleiben die USA der dominierende Markt, doch auch China und Südkorea werden zunehmend wichtige Absatzmärkte. Die hohe Volatilität bei bestimmten Partnern (Vietnam, Dominikanische Republik) und das Auftreten von Preisschocks unterstreichen die Notwendigkeit einer diversifizierten Beschaffungsstrategie. Insgesamt zeigt der Markt eine Tendenz zur Aufwertung der EU-Position in der Wertschöpfungskette, verbunden mit wachsender Abhängigkeit von asiatischen Grundextrakt-Lieferanten.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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