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Marktentwicklung: PET-Folien (CN 39206219) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 39206219 erfasst ungeschäumte Polyethylenterephthalat(PET)-Folien und -Tafeln mit einer Dicke von höchstens 0,35 mm, die weder verstärkt noch laminiert sind. Dieses Produkt findet breite Anwendung in der Verpackungsindustrie, im Druckwesen sowie in technischen Anwendungen. Die EU ist seit Jahren ein bedeutender Nettoimporteur dieses Produkts. Der vorliegende Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wesentlichen strukturellen Veränderungen, Verschiebungen der Handelspartnerlandschaft sowie die Auswirkungen externer Preisschocks.


1. Strukturelles Handelsdefizit trotz dynamischem Produktionsausbau

1.1 Das Handelsdefizit bleibt bestehen und vertieft sich leicht

Die EU weist im gesamten Betrachtungszeitraum ein durchgehend negatives Handelsbilanz bei PET-Folien (CN 39206219) auf. Das Defizit verschärfte sich von −217,4 Mio. € im Ausgangszeitraum auf −239,6 Mio. € im Jahr 2025, was einer Verschlechterung um 10,2 % entspricht (Handelsentwicklung).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 536,1 Mio. € 630,9 Mio. € +17,7 %
Exportwert 318,8 Mio. € 391,3 Mio. € +22,8 %
Handelsbilanz −217,4 Mio. € −239,6 Mio. € −10,2 %
Importmenge 211.107 t 247.080 t +17,0 %
Exportmenge 80.476 t 92.547 t +15,0 %

Obwohl die Exporte prozentual stärker wuchsen als die Importe, reichte dies nicht aus, das strukturelle Defizit zu schließen. Der Grund liegt in der deutlich unterschiedlichen Größenordnung: Die EU importierte 2025 rund 247.000 Tonnen, exportierte jedoch nur etwa 92.500 Tonnen.

1.2 Die EU produziert zunehmend, bleibt aber auf Importe angewiesen

Besonders bemerkenswert ist der starke Ausbau der inländischen Produktion (Produktionsvolumen):

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 231.943 t 400.000 t +72,5 %
Produktionswert 579 Mio. € 1.200 Mio. € +107,1 %

Trotz einer Verdopplung der Produktionsmenge blieb die Netto-Importabhängigkeit mit 15,2 % (2015) bzw. 15,4 % (2025) nahezu unverändert. Der Höchstwert lag bei 31,8 %, der Mindestwert bei 11,5 %. Die stabile Importabhängigkeit trotz Produktionsausbau spiegelt wider, dass die gestiegene inländische Nachfrage – getrieben durch die Verpackungsindustrie – das Produktionswachstum absorbierte.

1.3 Preispremium bei EU-Exporten deutet auf Spezialisierung hin

Ein auffälliges Strukturmerkmal ist die erhebliche Preisdifferenz zwischen Importen und Exporten:

Kennzahl 2015 2025
Exportpreis 3.961 €/t 4.228 €/t
Importpreis 2.540 €/t 2.553 €/t
Preispremium (Export/Import) +56,0 % +65,6 %

Die EU exportiert PET-Folien zu einem um ca. 66 % höheren Durchschnittspreis als sie importiert (Handelsentwicklung). Dies spricht dafür, dass die EU sich auf hochwertige, spezialisierte Folien konzentriert, während Standardfolien verstärkt aus kostengünstigen Produktionsstandorten importiert werden.


2. Tektonische Verschiebungen in der Handelspartnerlandschaft

2.1 Importe: Abkehr von Golfstaaten, Hinwendung zu Asien

Die Zusammensetzung der wichtigsten Importlieferanten hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert (Top-Handelspartner):

Partner 2015 2025 Veränderung
Türkiye 74,7 Mio. € 121,2 Mio. € +62,2 %
Indien 58,4 Mio. € 90,0 Mio. € +54,1 %
China 42,0 Mio. € 84,2 Mio. € +100,6 %
Südkorea 65,6 Mio. € 49,9 Mio. € −24,0 %
Vereinigtes Königreich 79,7 Mio. € 71,2 Mio. € −10,7 %
Bahrain 29,4 Mio. € 14,7 Mio. € −50,2 %
VAE 45,3 Mio. € 16,4 Mio. € −63,8 %

Die drei asiatischen Schwellenländer China, Indien und Türkiye haben ihre EU-Exporte in diesem Segment nahezu verdoppelt oder mehr als verdoppelt. China verfünffachte seinen Anteil von 42,0 Mio. € auf 84,2 Mio. € (+100,6 %). Gleichzeitig verloren die Golfstaaten stark an Boden: Bahrain sank um 50,2 %, die VAE sogar um 63,8 %. Auch Südkorea, einst ein bedeutender Lieferant, verlor 24,0 % seines EU-Geschäfts.

Diese Verschiebung spiegelt die Verlagerung der globalen PET-Produktionskapitäten wider: Während die Golfstaaten ihre Kapazitäten zunehmend in höhere Wertschöpfungsstufen (z. B. PET-Flaschenrohlinge) verlagerten, bauten asiatische Schwellenländer ihre Folienproduktion massiv aus.

2.2 Exporte: Russischer Markt bricht zusammen, neue Märkte entstehen

Auf der Exportseite vollzog sich eine noch dramatischere Umstrukturierung (Top-Handelspartner):

Partner 2015 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 107,8 Mio. € 108,9 Mio. € +1,0 %
USA 43,2 Mio. € 65,4 Mio. € +51,2 %
Schweiz 38,7 Mio. € 45,8 Mio. € +18,3 %
Türkiye 5,7 Mio. € 24,1 Mio. € +323,9 %
Mexiko 1,6 Mio. € 7,8 Mio. € +396,8 %
Indien 2,5 Mio. € 14,1 Mio. € +457,8 %
Russland 11,5 Mio. € 0,2 Mio. € −100,0 %

Der vollständige Zusammenbruch der EU-Exporte nach Russland (von 11,5 Mio. € praktisch auf null) infolge der Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 ist das auffälligste Ereignis. Gleichzeitig gewannen die USA (+51,2 %) und insbesondere aufstrebende Märkte wie Indien (+457,8 %), Mexiko (+396,8 %) und Türkiye (+323,9 %) erheblich an Bedeutung als Absatzmärkte.

2.3 Binnenmarkt: Deutschland dominiert Exporte, Italien übernimmt die Importführerschaft

Innerhalb der EU verschoben sich die Handelsströme ebenfalls (Top-Reporting-Länder):

Importe nach EU-Land:

Land 2015 2025 Veränderung
Italien 128,6 Mio. € 141,5 Mio. € +10,0 %
Deutschland 136,9 Mio. € 129,0 Mio. € −5,8 %
Frankreich 29,7 Mio. € 55,0 Mio. € +84,9 %
Niederlande 16,3 Mio. € 45,5 Mio. € +179,8 %
Spanien 22,1 Mio. € 44,2 Mio. € +100,5 %

Deutschland verlor seine Position als größter EU-Importer an Italien. Besonders dynamisch wuchsen die Importe der Niederlande (+179,8 %), Spaniens (+100,5 %) und Frankreichs (+84,9 %). Bei den Exporten blieb Deutschland mit 172,7 Mio. € unangefochtener Marktführer. Bemerkenswert ist der Aufstieg Ungarns als Exporteur: von lediglich 0,8 Mio. € auf 22,4 Mio. € (+2.607,9 %), was auf massive Investitionen in die PET-Folienproduktion in Ungarn hindeutet. Polen verlor hingegen bei Exporten (−47,3 %) und Importen (−21,9 %) an Boden.


3. Preisschocks 2022 und zunehmende Konzentration der Importquellen

3.1 Drei simultane Preisschocks bei Importen im Jahr 2022

Die Supply-Shock-Analyse identifiziert drei signifikante Preisschocks im Importbereich, die alle im Jahr 2022 auftraten:

Partner Schocktyp Abnormalität Preisänderung Anteil am Importwert
Bahrain Preis 21,3 +24,4 % 4,9 %
Türkiye Preis 16,3 +31,4 % 23,1 %
Indien Preis 8,7 +18,9 % 20,9 %

Die gleichzeitige Häufung dieser Preisschocks fällt in eine Phase multipler Krisen: die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie mit anhaltenden Lieferkettenstörungen sowie die durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise, die sich unmittelbar auf die energieintensive Kunststoffproduktion auswirkte. Da die drei Schockländer zusammen rund 49 % des EU-Importwertes repräsentierten, war die Auswirkung auf die gesamten EU-Importkosten erheblich.

3.2 Volatilität variiert stark zwischen Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse zeigt große Unterschiede in der Stabilität der Handelsbeziehungen (Variationskoeffizient, CV):

Importe – höchste Volatilität:

Partner CV
Thailand 0,953
VAE 0,854
Pakistan 0,691
Ägypten 0,480
Oman 0,366
Bahrain 0,331

Exporte – höchste Volatilität:

Partner CV
Südkorea 1,396
Mexiko 1,307
Indien 0,968
Brasilien 0,588
Russland 0,529
Türkiye 0,673

Die extrem hohe Volatilität bei Exporten nach Südkorea (CV 1,396) und Mexiko (CV 1,307) sowie bei Importen aus Thailand (CV 0,953) und den VAE (CV 0,854) unterstreicht, dass diese Handelsbeziehungen anfällig für Schwankungen sind und keine zuverlässige Planungsgrundlage bieten.

3.3 Zunehmende Konzentration der Importquellen verschärft Verwundbarkeit

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt eine asymmetrische Entwicklung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 982 1.116 +13,7 %
HHI Importe (Volumen) 1.119 1.646 +47,1 %
HHI Exporte (Wert) 1.708 1.315 −23,0 %
HHI Exporte (Volumen) 2.425 1.078 −55,6 %

Während die Exportseite sich deutlich diversifizierte (HHI −55,6 % beim Volumen), konzentrierten sich die Importquellen signifikant. Der HHI der Importe nach Volumen stieg um 47,1 %, was bedeutet, dass die EU heute stärker von weniger Lieferländern abhängt als noch 2015. Dies ist ein widersprüchliches Signal: Einerseits sind mehr Länder beteiligt, andererseits dominieren wenige Lieferanten (insbesondere Türkiye, Indien und China) das Geschäft zunehmend.

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass innerhalb der EU insbesondere Litauen (RCA 10,05) und Portugal (RCA 6,63) eine überdurchschnittliche Spezialisierung auf PET-Folien aufweisen, während große Volkswirtschaften wie Deutschland und Italien trotz ihres hohen absoluten Handelsvolumens keine nennenswerte Spezialisierung zeigen.


Fazit

Der EU-Markt für PET-Folien (CN 39206219) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt, ohne dass sich die grundlegende Struktur verändert hat:

  1. Das Handelsdefizit persistiert. Trotz einer Verdopplung der inländischen Produktionsmenge auf rund 400.000 Tonnen blieb die Netto-Importabhängigkeit bei stabilen 15 %. Die EU importiert mengenmäßig fast dreimal so viel wie sie exportiert, wobei die Exporte signifikant höhere Einheitspreise erzielen – ein Indiz für die Spezialisierung auf hochwertige Nischenprodukte.

  2. Die geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme ist die bedeutendste Veränderung. Die Golfstaaten und Südkorea verloren als Importquellen stark an Gewicht, während China, Indien und Türkiye zu den dominanten Lieferanten aufstiegen. Auf der Exportseite führten Sanktionen gegen Russland zum vollständigen Zusammenbruch dieses Marktes; gleichzeitig gewannen die USA und aufstrebende Märkte wie Indien und Mexiko erheblich an Bedeutung.

  3. Die Preisschocks von 2022 und die wachsende Importkonzentration bergen strategische Risiken. Die simultanen Preissteigerungen aus den drei wichtigsten Importländern (Türkei, Indien, Bahrain) im Krisenjahr 2022 verdeutlichen die Anfälligkeit der EU-Importseite. Die steigende Konzentration der Importquellen (HHI +47 % beim Volumen) verstärkt dieses Risiko. Die Diversifizierung der Exportseite (HHI −56 %) stellt demgegenüber eine Stabilisierung dar.

Insgesamt zeigt sich ein Markt, der trotz wachsender inländischer Kapazitäten zunehmend in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist und dabei sowohl von neuen Chancen (Diversifizierung der Exportmärkte) als auch von neuen Risiken (Importkonzentration, geopolitische Abhängigkeiten, Preisschocks) geprägt wird.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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