Marktentwicklung: Naturpolymere (CN 391390) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode 391390 erfasst natürliche Polymere und modifizierte natürliche Polymere in Primärformen — ausgenommen Alginsäure, ihre Salze und Ester (CN 391310). Dazu gehören beispielsweise gehärtete Eiweißstoffe und chemische Derivate von Naturkautschuk. Der Code ist als Restposition innerhalb der vierstelligen Position 3913 definiert und umfasst ein breites Spektrum biobasierter Polymerprodukte, die in der chemischen Industrie, in Verpackungen, in der Medizintechnik und in weiteren Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen.
Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 (Jahresfrequenz). Im Fokus stehen drei zentrale Dynamiken: die preisgetriebene Expansion des Exportwerts, die Rolle Schwedens als Exportlokomotive und die sich verschiebenden Handelspartnerschaften sowie die zunehmende Marktkonzentration und das Auftreten von Preisschocks.
1. Preisgetriebene Dreifachung des Exportwerts bei gedämpfter Mengenentwicklung
Der Handelsüberschuss hat sich von 200 Mio. € auf 871 Mio. € mehr als vervierfacht
Die EU ist im Zeitraum 2015–2025 durchgehend Nettoexporteur von Produkten des Zollcodes 391390. Der Handelsüberschuss stieg von 199,8 Mio. € (2015) auf 870,8 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 335,9 % entspricht. Die Netto-Importabhängigkeit vertiefte sich im selben Zeitraum von −43,9 % auf −116,8 %, was bedeutet, dass die EU ihren Exportüberschuss im Verhältnis zum Gesamthandel mehr als verdoppelt hat.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 404,5 Mio. € | 1.207,6 Mio. € | +198,5 % |
| Importwert | 204,8 Mio. € | 336,8 Mio. € | +64,5 % |
| Handelsbilanz | +199,8 Mio. € | +870,8 Mio. € | +335,9 % |
| Netto-Importabhängigkeit | −43,9 % | −116,8 % | — |
Quelle: General Overview
Exportpreise stiegen um 142 %, während die Mengen nur um 23 % wuchsen
Die zentrale Erkenntnis der vergangenen Dekade ist die Diskontinuität zwischen Wert- und Mengenentwicklung im Export. Der Exportwert verdreifachte sich nahezu von 404,5 Mio. € auf 1.207,6 Mio. € (+198,5 %), während die Exportmenge lediglich von 19.109 t auf 23.535 t wuchs (+23,2 %). Der Exportpreis stieg im selben Zeitraum von 21.163 €/t auf 51.302 €/t (+142,4 %) und erklärt damit den überwiegenden Teil der Wertexpansion. Auch die Importe verzeichneten ein Wertwachstum (+64,5 %), doch war dieses mengengetrieben (+28,0 %) bei moderater Preissteigerung (+28,5 %). Bemerkenswert ist, dass die Exportmenge in den Vorjahren mit 26.069 t ein deutliches Maximum erreichte, bevor sie auf das 2025er-Niveau von 23.535 t zurückging — der Exportwert hingegen blieb aufgrund steigender Preise auf Höchststand.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportmenge | 19.109 t | 23.535 t | +23,2 % |
| Exportpreis | 21.163 €/t | 51.302 €/t | +142,4 % |
| Importmenge | 18.672 t | 23.897 t | +28,0 % |
| Importpreis | 10.959 €/t | 14.086 €/t | +28,5 % |
Quelle: General Overview
Das Preispremium zwischen Exporten und Importen hat sich von 1,9-fach auf 3,6-fach ausgeweitet
Ein besonders aufschlussreiches Signal ist die zunehmende Divergenz zwischen Export- und Importpreisen. Im Jahr 2015 lag der durchschnittliche Exportpreis beim 1,9-fachen des Importpreises; bis 2025 hat sich dieses Preispremium auf das 3,6-fache ausgeweitet. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend höherwertige, weiterverarbeitete oder spezialisierte Naturpolymerprodukte exportiert, während die Importe eher aus Standard- oder Rohpolymeren bestehen. Die EU-Produktion wuchs im gleichen Zeitraum mengenmäßig um 20 % (von 100.000 t auf 120.000 t), wertmäßig jedoch um 69,8 % (von 706,8 Mio. € auf 1.200 Mio. €). Die Exportpropension stieg von 63,2 % auf 82,8 %, was unterstreicht, dass der EU-Markt zunehmend exportorientiert ist und die heimische Wertschöpfungskette eng mit internationalen Märkten verflochten bleibt.
2. Schweden als Exportlokomotive und die geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme
Schweden stellte 2025 über 71 % der gesamten EU-Exporte und trug 84 % des Wertzuwachses bei
Die EU-Exporterlandschaft wird von Schweden in außergewöhnlichem Maße dominiert. Schwedens Exporte stiegen von 184,4 Mio. € (2015) auf 859,5 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 366,1 % entspricht. Damit entfielen 2025 über 71 % der gesamten EU-Ausfuhren auf Schweden (2015: 46 %). Rechnerisch trug Schweden rund 84 % des gesamten EU-Exportwertzuwachses (675,1 Mio. € von 803,1 Mio. €) bei. Die anderen großen EU-Exporteure — Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien — verzeichneten weitaus moderatere Zuwächse. Dänemark stach mit einem Wachstum von 201,1 % hervor, allerdings ausgehend von einem deutlich kleineren Basiswert.
| EU-Mitgliedstaat | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweden | 184,4 Mio. € | 859,5 Mio. € | +366,1 % |
| Frankreich | 75,1 Mio. € | 96,1 Mio. € | +27,9 % |
| Italien | 33,3 Mio. € | 39,4 Mio. € | +18,3 % |
| Deutschland | 31,9 Mio. € | 36,7 Mio. € | +14,9 % |
| Spanien | 25,0 Mio. € | 25,0 Mio. € | +0,2 % |
| Niederlande | 23,4 Mio. € | 24,0 Mio. € | +2,5 % |
| Dänemark | 7,9 Mio. € | 23,9 Mio. € | +201,1 % |
Quelle: Top Reporter nach Wert
Schwedens Dominanz lässt sich mit der starken Forst- und Biomasseindustrie des Landes erklären, die eine natürliche Rohstoffbasis für die Herstellung biobasierter Polymere (z. B. Cellulosederivate) bietet. Die Tatsache, dass ein einziger Mitgliedstaat über zwei Drittel der EU-Exporte kontrolliert, stellt zugleich ein Konzentrionsrisiko dar.
Die USA, die Schweiz und China sind zu den dynamischsten Absatzmärkten aufgestiegen
Die Handelspartnerschaften der EU haben sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben. Die drei dynamischsten Exportmärkte waren die USA, die Schweiz und China:
| Exportziel | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA | 133,1 Mio. € | 454,7 Mio. € | +241,7 % |
| Schweiz | 30,5 Mio. € | 133,9 Mio. € | +339,4 % |
| China | 16,8 Mio. € | 109,0 Mio. € | +548,7 % |
| Kanada | 2,3 Mio. € | 12,1 Mio. € | +419,3 % |
| Japan | 33,0 Mio. € | 42,5 Mio. € | +28,7 % |
| Großbritannien | 37,9 Mio. € | 28,1 Mio. € | −26,0 % |
| Norwegen | 6,4 Mio. € | 6,3 Mio. € | −2,9 % |
Die USA sind mit 454,7 Mio. € mit Abstand der größte Exportmarkt und haben sich mehr als verdreifacht. China verfünffachte seine Importe aus der EU nahezu (+548,7 %) und stieg vom siebtgrößten zum drittgrößten Exportziel auf. Die Schweiz nahm EU-Exporte im Wert von 133,9 Mio. € ab (+339,4 %), was teilweise auf Re-Exporte über den Schweizer Handelsplatz zurückzuführen sein könnte. Großbritannien hingegen verlor als Exportmarkt an Bedeutung (−26,0 %), was möglicherweise mit den Handelsreibereien nach dem Brexit zusammenhängt.
Auf der Importseite ist China mit 172,4 Mio. € die größte Importquelle (+167,4 %), gefolgt von den USA mit 91,5 Mio. € (+29,1 %). Die Importe aus dem Vereinigten Königreich sanken leicht (−12,1 %).
| Importquelle | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 64,5 Mio. € | 172,4 Mio. € | +167,4 % |
| USA | 70,9 Mio. € | 91,5 Mio. € | +29,1 % |
| Japan | 13,8 Mio. € | 14,9 Mio. € | +7,6 % |
| Großbritannien | 19,9 Mio. € | 17,5 Mio. € | −12,1 % |
| Kanada | 1,7 Mio. € | 2,9 Mio. € | +73,9 % |
| Ägypten | 0,7 Mio. € | 1,0 Mio. € | +51,8 % |
| Belarus | 0,03 Mio. € | 0,1 Mio. € | +183,8 % |
Quelle: Top Partner nach Wert
China ist damit gleichzeitig größter Importlieferant und drittgrößtes Exportziel — ein Muster, das auf eine vertikale Arbeitsteilung hindeutet, bei der die EU Roh- oder Standardpolymere aus China bezieht und höherwertige Derivate dorthin und in andere Märkte exportiert.
Nordische Länder weisen die höchste Spezialisierung auf, während Südosteuropa marginal bleibt
Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt ein starkes Nord-Süd-Gefälle innerhalb der EU. Der Revealed Comparative Advantage (RCA) misst, inwieweit ein Land in einem Produkt überdurchschnittlich stark spezialisiert ist (RCA > 1 = komparativer Vorteil):
| Land | RCA | RSCA | Anteil des Produkts an den Exporten des Landes |
|---|---|---|---|
| Schweden | 7,78 | 0,77 | 18,7 % |
| Dänemark | 3,00 | 0,50 | 5,2 % |
| Frankreich | 2,07 | 0,35 | 16,2 % |
| Niederlande | 1,80 | 0,29 | 26,1 % |
| Italien | 1,42 | 0,17 | 11,4 % |
| Luxembourg | 0,02 | −0,95 | 0,008 % |
| Ungarn | 0,03 | −0,93 | 0,09 % |
| Portugal | 0,04 | −0,93 | 0,05 % |
| Griechenland | 0,04 | −0,92 | 0,03 % |
| Rumänien | 0,05 | −0,91 | 0,08 % |
Quelle: Spezialisierung
Schweden weist einen RCA von 7,78 auf — fast achtmal so hoch wie der EU-Durchschnitt. Mit 18,7 % des schwedischen Exportportfolios entfällt nahezu ein Fünftel aller schwedischen Ausfuhren auf diese Produktkategorie. Bemerkenswert ist auch, dass die Niederlande mit 26,1 % den höchsten Produktanteil an ihren Gesamtexporten aufweisen, was auf die Rolle der Niederlande als Handelsdrehscheibe (Rotterdam) zurückzuführen sein dürfte. Am unteren Ende der Skala finden sich Luxembourg, Ungarn, Portugal, Griechenland und Rumänien, die praktisch keine Exportaktivität in diesem Segment aufweisen.
3. Steigende Konzentration und Preisschocks als strategische Risikofaktoren
Die HHI-Konzentration stieg bei Importen um 41 % und bei Exporten um 49 %
Ein zentrales Ergebnis der Konzentrationsanalyse ist die zunehmende Abhängigkeit von wenigen Handelspartnern. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) — ein Maß für die Konzentration, bei dem Werte über 2.500 auf eine hohe Konzentration hindeuten — stieg sowohl bei Importen als auch bei Exporten signifikant an:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Import-HHI (Wert) | 2.429 | 3.424 | +40,9 % |
| Import-HHI (Menge) | 3.543 | 6.024 | +70,0 % |
| Export-HHI (Wert) | 1.429 | 2.127 | +48,9 % |
| Export-HHI (Menge) | 1.419 | 1.873 | +32,0 % |
Quelle: Konzentration HHI
Der Import-HHI nach Wert lag 2025 mit 3.424 bereits deutlich über der Schwelle hoher Konzentration. Der Mengen-HHI sogar bei 6.024 — was bedeutet, dass die EU mengenmäßig von sehr wenigen Lieferländern abhängig ist. Bei den Exporten stieg der HHI nach Wert von 1.429 auf 2.127, was vor allem auf Schwedens wachsenden Anteil zurückzuführen ist. Diese zunehmende Konzentration birgt das Risiko, dass Lieferunterbrechungen bei einzelnen Partnern erhebliche Auswirkungen auf den gesamten EU-Handel mit diesem Produkt haben könnten.
Preisschocks im Jahr 2022 betrafen den Handel mit Großbritannien und der Türkei
Die Analyse von Handelsschocks identifizierte drei signifikante Preisschocks im Beobachtungszeitraum:
| Partnerland | Richtung | Zeitpunkt | Abnormalität | Preisänderung | Anteil am Gesamtwert |
|---|---|---|---|---|---|
| Türkei | Export | 2022 | 13,6 | +210,9 % | 1,6 % |
| Großbritannien | Import | 2022 | 8,4 | +405,8 % | 7,4 % |
| Russland | Export | 2019 | 7,5 | +57,7 % | 2,4 % |
Quelle: Supply Shocks
Der Preisschock bei den Importen aus Großbritannien (2022) ist besonders bemerkenswert: Die Importpreise stiegen um 405,8 %, was angesichts des 7,4-prozentigen Anteils am Gesamtimportwert erhebliche Kostenfolgen hatte. Dieser Schock fällt in den Kontext der nach dem Brexit vollständig wirksam gewordenen Handelsbarrieren und der globalen Energiekrise 2022. Der Preisschock bei den Exporten in die Türkei (+210,9 %) im selben Jahr spiegelt die damalige Währungskrise und die hohe Inflation in der Türkei wider. Der Schock im Handel mit Russland (2019) — vor dem Beginn des Ukrainekriegs — könnte auf die seit 2014 bestehenden Sanktionen oder sich verschärfende Handelsstreitigkeiten zurückzuführen sein.
Japan und Russland weisen die höchste Handelsvolatilität als Importpartner auf
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Handelsströme bei einzelnen Partnern erheblichen Schwankungen unterliegen. Der Variationskoeffizient (CV) — ein standardisiertes Volatilitätsmaß, bei dem Werte über 0,5 auf hohe Schwankungen hinweisen — variiert stark zwischen den Partnern:
| Importpartner | CV | Exportpartner | CV |
|---|---|---|---|
| Russland | 2,04 | Bosnien-Herzegowina | 0,86 |
| Japan | 1,29 | Kanada | 0,78 |
| Großbritannien | 0,67 | Malaysia | 0,58 |
| Belarus | 0,65 | Norwegen | 0,53 |
| Indien | 0,40 | Russland | 0,43 |
| Kanada | 0,39 | Australien | 0,39 |
Quelle: Volatilität
Besonders auffällig ist die extreme Volatilität der Importe aus Russland (CV 2,04) und Japan (CV 1,29). Bei Russland ist dies teilweise auf die Sanktionen nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 und den damit einhergehenden Handelsrückgang zurückzuführen. Die Volatilität bei den Exporten ist insgesamt geringer, wobei die Handelsströme nach Bosnien-Herzegowina (CV 0,86) und Kanada (CV 0,78) die höchsten Schwankungen aufweisen. Die EU-weite Exportpropension von 82,8 % und die Handelsintensität von 86,7 % unterstreichen die hohe internationale Vernetzung dieses Marktes, die gleichzeitig Anfälligkeit für externe Schocks mit sich bringt.
Fazit
Die Analyse des EU-Handels mit Naturpolymeren (CN 391390) im Zeitraum 2015–2025 offenbart eine bemerkenswerte Transformation: Der Exportwert hat sich nahezu verdreifacht (+198,5 %), doch dieser Anstieg wurde überwiegend durch eine Verdopplung der Exportpreise (+142,4 %) und nicht durch Mengenwachstum (+23,2 %) getrieben. Die EU hat sich als zunehmend dominanter Nettoexporteur etabliert, mit einem Handelsüberschuss von 870,8 Mio. € im Jahr 2025. Der wachsende Abstand zwischen Export- und Importpreisen (3,6-fach vs. 1,9-fach im Jahr 2015) deutet auf eine Aufwertung der EU-Exportprodukte hin — möglicherweise bedingt durch die steigende Nachfrage nach hochwertigen biobasierten Materialien im Kontext der europäischen Nachhaltigkeitsagenda.
Zwei strukturelle Risikofaktoren verdienen jedoch besondere Aufmerksamkeit: Erstens hat sich die Handelskonzentration signifikant erhöht — Schweden allein stellt über 71 % der EU-Exporte, und die Importe mengenmäßig sind von wenigen Lieferländern abhängig. Zweitens haben geopolitische Ereignisse (Brexit, Ukrainekrise, Energiekrise 2022) wiederholt zu Preisschocks geführt, die die Kostenstruktur des Handels beeinflusst haben. Für eine langfristig resiliente Handelsstrategie erscheint es ratsam, sowohl die Exportbasis innerhalb der EU zu verbreitern als auch die Lieferketten bei kritischen Importen zu diversifizieren.