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Marktentwicklung: Mehrlagenleiterplatten (CN 85340011) — 2015–2025

Einleitung

Mehrlagenleiterplatten (Multilayer-Printed Circuit Boards, PCBs) sind zentrale Komponenten der Elektronikfertigung und finden sich in praktisch allen modernen elektronischen Geräten — von Smartphones über Automobilsteuergeräte bis hin zu Industrieanlagen. Der Zollcode CN 85340011 erfasst dabei gezielt Mehrlagenschaltungen, die lediglich mit Leiterbahnen oder Kontakten versehen sind — also Leiterplatten ohne bestückte Bauteile.

Der Zeitraum 2015–2025 war für die globale Elektroniklieferkette von erheblichen Umbrüchen geprägt: Handelskonflikte zwischen den USA und China, die COVID-19-Pandemie mit ihren Lieferengpässen, geopolitische Verschiebungen und die zunehmende strategische Neuausrichtung der EU in Richtung technologischer Souveränität. Der vorliegende Bericht analysiert, wie sich der EU-Handel mit Drittländern in diesem Umfeld entwickelt hat, welche strukturellen Veränderungen erkennbar sind und welche Abhängigkeiten und Risiken sich herausgebildet haben.


1. Strukturelle Handelsdefizit-Expansion: Volumenwachstum übertrifft Wertentwicklung

1.1. Das Handelsdefizit der EU hat sich erheblich ausgeweitet

Die EU weist im gesamten Betrachtungszeitraum ein erhebliches Handelsdefizit bei Mehrlagenleiterplatten auf. Dieses Defizit verschärfte sich von −1,79 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf −2,60 Mrd. EUR im Jahr 2025, was einer Verschlechterung um 45,4 % entspricht. Der tiefste Punkt (höchstes Defizit) wurde mit −3,20 Mrd. EUR erreicht.

Handelsentwicklung Übersicht

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert) 2,08 Mrd. EUR 2,93 Mrd. EUR +40,6 %
Exporte (Wert) 297 Mio. EUR 331 Mio. EUR +11,5 %
Handelsbilanz −1,79 Mrd. EUR −2,60 Mrd. EUR −45,4 %

1.2. Die Mengenentwicklung übertrifft die Wertentwicklung deutlich

Ein besonders auffälliges Merkmal der Periode ist die Diskrepanz zwischen Mengen- und Wertwachstum. Die Importmengen stiegen um 45,3 % (von 42.497 t auf 61.738 t), die Exportmengen sogar um 54,6 % (von 1.821 t auf 2.815 t). Die entsprechenden Werte wuchsen jedoch deutlich schwächer — bei den Importen um 40,6 % und bei den Exporten nur um 11,5 %. Dies ist auf sinkende durchschnittliche Preise zurückzuführen.

1.3. Die Preise fallen — Exportpreise besonders stark

Die durchschnittlichen Importpreise sanken im Zeitraum um 3,2 % (von 49.016 EUR/t auf 47.435 EUR/t). Wesentlich dramatischer war der Rückgang bei den Exportpreisen: Diese fielen um 27,9 % (von 163.130 EUR/t auf 117.600 EUR/t). Die EU exportierte also tendenziell hochpreisigere, möglicherweise spezialisiertere Leiterplatten, konnte diesen Preisvorsprung jedoch im Zeitverlauf nicht halten. Gleichzeitig drückte die zunehmende Importkonkurrenz aus Asien — insbesondere aus China — die Preise im EU-Binnenmarkt.


2. Chinas wachsende Dominanz und zunehmende Konzentration der Importstruktur

2.1. China festigt seine Stellung als dominierender Lieferant

China ist mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU bei Mehrlagenleiterplatten. Die Importe aus China stiegen von 1,26 Mrd. EUR (2015) auf 2,22 Mrd. EUR (2025), was einem Zuwachs von 76,0 % entspricht. Im Höchstjahr erreichten die chinesischen Lieferungen sogar 2,65 Mrd. EUR. China stellte damit zuletzt rund 75 % der gesamten EU-Importe in diesem Segment.

Top-Handelspartner nach Wert

2.2. Traditionelle Partner verlieren an Bedeutung

Während China seinen Anteil ausbaute, verloren mehrere traditionelle Lieferanten deutlich an Boden:

Partnerland Importe 2015 Importe 2025 Veränderung
China 1,26 Mrd. EUR 2,22 Mrd. EUR +76,0 %
Thailand 91,6 Mio. EUR 185,8 Mio. EUR +102,7 %
Taiwan 257,0 Mio. EUR 119,6 Mio. EUR −53,5 %
Hong Kong 109,2 Mio. EUR 49,7 Mio. EUR −54,5 %
Indien 55,5 Mio. EUR 21,8 Mio. EUR −60,7 %
Vereinigtes Königreich 55,6 Mio. EUR 31,7 Mio. EUR −42,9 %
Südkorea 55,4 Mio. EUR 78,3 Mio. EUR +41,2 %

Top-Handelspartner nach Wert

Taiwan und Hong Kong — beide traditionell wichtige Knotenpunkte der PCB-Fertigung — halbierten ihre Lieferungen nahezu. Thailand hingegen konnte als alternatives Produktionsland in Südostasien seinen Anteil mehr als verdoppeln und ist damit zum zweitwichtigsten Lieferanten aufgestiegen.

2.3. Die Importkonzentration nimmt stark zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 3.900 auf 5.801 — eine Zunahme um 48,8 %. Dieser Wert deutet auf einen stark konzentrierten Markt hin. Parallel dazu stieg die Nettostrom-Importabhängigkeit der EU von 45,0 % auf 59,6 % (+32,4 %), mit einem Spitzenwert von 65,6 %.

Konzentrationsindizes

Netto-Importabhängigkeit

2.4. Ein Preis-Schock bei chinesischen Importen im Jahr 2022

Im Jahr 2022 wurde ein signifikanter Preis-Schock bei den Importen aus China festgestellt: Die Anomalität betrug 31,7 (ein außergewöhnlich hoher Wert), und die Preise sprangen um 20,0 % nach oben. Angesichts der Tatsache, dass China 2022 einen Anteil von 92,3 % am Importwert hielt, wirkte sich dieser Schock unmittelbar auf die gesamten EU-Einfuhren aus. Als mögliche Ursachen kommen Lieferkettenengpässe nach der COVID-19-Pandemie, gestiegene Energie- und Rohstoffkosten sowie der anhaltende Handelskonflikt mit den USA in Betracht.

Preis-Schock-Ereignisse


3. Sinkende inländische Produktion und differenzierte Exportdynamik innerhalb der EU

3.1. Die EU-Produktion von Mehrlagenleiterplatten ist rückläufig

Die verfügbaren PRODCOM-Daten zeigen einen deutlichen Rückgang der EU-Produktion im Betrachtungszeitraum:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 542,3 Mio. Stück 492,0 Mio. Stück −9,3 %
Produktionswert 2,37 Mrd. EUR 1,75 Mrd. EUR −26,1 %

Produktionsvolumen

Der Rückgang des Produktionswertes (−26,1 %) fällt dabei stärker aus als der Rückgang der Stückzahl (−9,3 %), was auf einen erheblichen Preisverfall in der europäischen Produktion hindeutet. Dies korrespondiert mit dem beobachteten Rückgang der Exportpreise um 27,9 %.

3.2. Wenige EU-Staaten tragen die Spezialisierungslast

Die Analyse der komparativen Vorteile zeigt, dass nur eine Handvoll EU-Mitgliedstaaten eine nennenswerte Spezialisierung bei der Herstellung von Mehrlagenleiterplatten aufweisen:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Rumänien 0,63 4,45 7,4 %
Österreich 0,52 3,17 10,5 %
Spanien 0,45 2,66 15,4 %
Ungarn 0,40 2,31 6,2 %
Finnland 0,16 1,39 1,4 %

Die meisten anderen EU-Staaten — darunter Luxemburg, Irland, Griechenland und Malta — weisen praktisch keine eigene Produktionsbasis für dieses Segment auf.

3.3. Die Exportstruktur ist heterogen und dynamisch

Obwohl die EU als Ganzes netto ein großer Importeur ist, exportiert sie dennoch erhebliche Mengen — vor allem in Nachbarländer und Niedriglohnländer, möglicherweise zur Weiterverarbeitung.

Während die Exporte ins Vereinigte Königreich um 75,0 % einbrachen (von 74,9 Mio. EUR auf 18,7 Mio. EUR) — ein Effekt des Brexits —, stiegen die Exporte in mehrere andere Märkte deutlich:

Zielland Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung
Marokko 4,6 Mio. EUR 18,7 Mio. EUR +307,4 %
Ukraine 4,9 Mio. EUR 14,4 Mio. EUR +192,4 %
China 49,0 Mio. EUR 64,9 Mio. EUR +32,5 %
Nordmazedonien 19 Tsd. EUR 151 Tsd. EUR +715,6 %
Vereinigte Staaten 46,4 Mio. EUR 44,2 Mio. EUR −4,6 %

Top-Exportpartner nach Wert

Interessanterweise sank der HHI für Exporte von 1.442 auf 889 (−38,3 %), was bedeutet, dass sich die EU-Exporte im Zeitverlauf diversifiziert haben — im Gegensatz zur zunehmenden Konzentration der Importseite.

3.4. Innerhalb der EU verschieben sich die Handelsströme

Bei den Importen in die EU sticht Tschechien mit einem Anstieg von 339,4 % (von 38,6 Mio. EUR auf 169,8 Mio. EUR) besonders hervor. Deutschland bleibt mit Abstand der größte Importeur (827,9 Mio. EUR in 2025), gefolgt von Ungarn (382,8 Mio. EUR) und Rumänien (289,2 Mio. EUR). Diese drei Länder zusammen machten über die Hälfte aller EU-Drittlandsimporte aus.

Importe nach EU-Mitgliedstaaten

Auf der Exportseite verloren Deutschland (−27,6 %) und Ungarn (−65,1 %) an Gewicht, während Spanien (von unter 1 Mio. EUR auf 55,1 Mio. EUR), Italien (+153,4 %) und die Niederlande (+111,8 %) erheblich aufholten. Die Exporte aus Spanien stiegen dabei um bemerkenswerte 5.641 % — von einem nahezu irrelevanten Ausgangsniveau zur drittgrößten Exportnation der EU.


Schlussfolgerung

Die Analyse des EU-Handels mit Mehrlagenleiterplatten (CN 85340011) im Zeitraum 2015–2025 offenbart ein Bild zunehmender struktureller Abhängigkeit von Importen, insbesondere aus China. Fünf zentrale Befunde lassen sich zusammenfassen:

  1. Wachsende Importabhängigkeit: Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 45 % auf nahezu 60 %, das Handelsdefizit verschärfte sich um 45 %. Die EU produziert zunehmend weniger selbst — sowohl mengen- als auch wertmäßig.

  2. China-Dominanz und Konzentrationsrisiko: China kontrolliert mittels drei Viertel der EU-Importe den Markt. Der HHI stieg um fast 50 %, was die Verwundbarkeit der EU gegenüber Lieferunterbrechungen oder politischen Konflikten erhöht.

  3. Preisdruck auf beiden Seiten: Sowohl Import- als auch insbesondere Exportpreise sind gefallen. Die EU verliert offenbar ihre Fähigkeit, hochpreisige Nischenprodukte zu halten, während der asiatische Wettbewerbsdruck die gesamten Preise nach unten drückt.

  4. Regionale Umstrukturierung: Der Brexit führte zu einem dramatischen Rückgang der Exporte ins Vereinigte Königreich. Gleichzeitig gewinnen nordafrikanische und osteuropäische Märkte an Bedeutung — sowohl als Absatzmärkte als auch (bei Thailand) als alternative Lieferanten.

  5. Differenzierte EU-Binnenentwicklung: Während einige Mitgliedstaaten wie Rumänien, Österreich und Spanien eine wettbewerbsfähige Spezialisierung aufbauen, fehlt vielen anderen EU-Staaten jegliche Produktionsbasis in diesem strategisch wichtigen Segment. Die Verschiebung von Ungarn und Deutschland hin zu Tschechien, Rumänien und den Niederlanden deutet auf eine Neuausrichtung innerhalb der europäischen Wertschöpfungskette hin.

Insgesamt unterstreichen die Daten die Dringlichkeit der europäischen Bestrebungen zur Stärkung der technologischen Souveränität — etwa im Rahmen des European Chips Act und der Strategie für kritische Rohstoffe —, auch wenn diese sich bislang vor allem auf Halbleiter und weniger auf Leiterplatten konzentriert haben.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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