Marktentwicklung: Mangan und Schrott (CN 8111) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der EU im Bereich der Zollnomenklatur CN 8111 — Mangan und Waren daraus, a.n.g.; Abfälle und Schrott, aus Mangan im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Kategorie umfasst Mangan in Rohform und als Pulver (PRODCOM 24.45.30.85), Abfälle und Schrott aus Mangan (24.45.30.86) sowie sonstige Waren aus Mangan (24.45.30.87). Als Schlüsselrohstoff für die Stahlindustrie und zunehmend für Batterietechnologien ist Mangan von strategischer Bedeutung für die europäische Industrie. Die Analyse basiert auf jährlichen Handelsdaten zwischen der EU und Drittländern und beleuchtet sowohl Struktur als auch Dynamik des Marktes.
1. Strukturelle Schieflage: Wachsende Importabhängigkeit bei sinkender Exportfähigkeit
Die EU ist ein Nettoimporteur mit sich vertiefendem Defizit
Der Handelsbilanzsaldo der EU im Bereich CN 8111 war über den gesamten Betrachtungszeitraum negativ und hat sich spürbar verschlechtert. Das Defizit vertiefte sich von −139,1 Mio. EUR im Jahr 2015 auf −183,5 Mio. EUR im Jahr 2025, was einer Verschlechterung um 31,9 % entspricht. Der tiefste Punkt wurde mit −485,4 Mio. EUR erreicht, während das geringste Defizit bei −125,6 Mio. EUR lag.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsbilanz (EUR) | −139,1 Mio. | −183,5 Mio. | −31,9 % |
| Netto-Importabhängigkeit | 64,7 % | 83,1 % | +28,5 % |
| Handelsintensität | 78,4 % | 90,5 % | +15,5 % |
Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 64,7 % auf 83,1 % — ein bemerkenswerter Anstieg, der zeigt, dass die EU heute deutlich stärker auf Drittlandlieferungen angewiesen ist als noch zu Beginn des Betrachtungszeitraums. Die Handelsintensität erreichte 2025 mit 90,5 % nahezu ihr Maximum (92,9 %), was bedeutet, dass der inländische Bedarf fast vollständig über den Außenhandel gedeckt wird.
Die Importe wachsen, während die Exporte erodieren
Die gegenläufige Entwicklung von Importen und Exporten verstärkt die strukturelle Schieflage:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert | 164,9 Mio. EUR | 200,0 Mio. EUR | +21,3 % |
| Importvolumen | 93.058 t | 110.375 t | +18,6 % |
| Exportwert | 25,8 Mio. EUR | 16,5 Mio. EUR | −36,0 % |
| Exportvolumen | 10.146 t | 5.789 t | −42,9 % |
Während die Einfuhren sowohl mengen- als auch wertmäßig zulegten, schrumpften die Ausfuhren um mehr als ein Drittel. Besonders auffällig: Die EU-Exporte fielen mengenmäßig stärker (−42,9 %) als wertmäßig (−36,0 %), was auf steigende Exportpreise hindeutet — ein Zeichen dafür, dass die verbleibenden Exporte sich tendenziell in höhere Wertschöpfungssegmente verlagert haben.
Die inländische Produktion zeigt ein gespaltenes Bild
Die EU-Produktion weist eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Mengen- und Wertentwicklung auf. Die Produktionsmenge stieg von 2,5 Mio. kg auf 8,9 Mio. kg (+252,2 %), während der Produktionswert von 140,1 Mio. EUR (Maximum) auf lediglich 41,1 Mio. EUR sank (−62,6 % gegenüber dem Ausgangswert von 110,0 Mio. EUR). Dies deutet darauf hin, dass die EU zwar mengenmäßig mehr Mangan produziert, dies jedoch zu deutlich niedrigeren Preisen — möglicherweise bedingt durch den Zustrom günstiger Importe und die Verschiebung der Produktmixes hin zu geringerwertigen Erzeugnissen.
2. China dominiert den EU-Manganmarkt, während sich neue Lieferanten etablieren
China als unangefochten dominanter Importpartner
Der Importmarkt wird in außergewöhnlichem Maße von China beherrscht. Im Jahr 2025 beliefen sich die chinesischen Lieferungen an die EU auf 181,0 Mio. EUR — das entspricht über 90 % des gesamten EU-Importwerts von 200,0 Mio. EUR. Im Vergleich dazu betrug der Importwert aus China 2015 noch 147,2 Mio. EUR (+23,0 %).
| Importpartner | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung | CV |
|---|---|---|---|---|
| China | 147,2 Mio. | 181,0 Mio. | +23,0 % | 0,12 |
| Südafrika | 12,3 Mio. | 7,9 Mio. | −36,1 % | 0,54 |
| Indonesien | 0,006 Mio. | 7,8 Mio. | +121.899 % | 0,82 |
| Ukraine | 0,3 Mio. | 7,7 Mio. | +2.237 % | 1,14 |
| Gabun | 1,4 Mio. | 0,004 Mio. | −99,7 % | 0,84 |
Chinas Dominanz wird durch seine außergewöhnlich niedrige Volatilität (Variationskoeffizient von lediglich 0,12) unterstrichen — die chinesischen Lieferungen sind mengenmäßig und wertmäßig äußerst konstant, was auf eine stabile und tief integrierte Lieferkette schließen lässt. Der Importmarkt weist insgesamt einen HHI von 8.237 auf (Konzentration nach Wert), was eine hohe Konzentration bestätigt.
Neue Lieferanten gewinnen an Bedeutung
Hinter dem chinesischen Monolith haben sich zwei bemerkenswerte neue Lieferanten etabliert:
-
Indonesien stieg von praktisch null (6.387 EUR) auf 7,8 Mio. EUR — ein Anstieg um über 121.000 %. Indonesien ist einer der weltweit größten Manganproduzenten, und der deutliche Zustrom spiegelt wahrscheinlich sowohl gestiegene EU-Nachfrage als auch den Ausbau indonesischer Exportkapazitäten wider.
-
Ukraine entwickelte sich von einem marginalen Lieferanten (328.502 EUR) zu einem signifikanten Partner (7,7 Mio. EUR, +2.237 %). Dieser Anstieg ist bemerkenswert und könnte teilweise mit der Handelsliberalisierung im Rahmen des EU-Assoziierungsabkommens zusammenhängen, jedoch ist die hohe Volatilität (CV = 1,14) ein Hinweis auf die Instabilität dieser Lieferbeziehung, möglicherweise auch bedingt durch den seit 2022 andauernden Krieg.
Gleichzeitig sind traditionelle Lieferanten wie Gabun (−99,7 %) und Südafrika (−36,1 %) stark zurückgegangen. Gabun war 2015 noch ein relevanter Partner mit 1,4 Mio. EUR, ist 2025 aber fast vollständig vom EU-Markt verschwunden. Südafrika, trotz seines Rückgangs, bleibt mit 7,9 Mio. EUR der zweitwichtigste Partner nach China.
Die EU-Exportmärkte sind fragmentierter und volatiler
Im Gegensatz zur Importseite ist der Exportmarkt deutlich diversifizierter (HHI von 1.552 vs. 8.237 bei den Importen). Die wichtigsten Exportmärkte sind:
| Exportpartner | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 5,0 Mio. | 4,6 Mio. | −8,5 % |
| Indien | 2,6 Mio. | 2,6 Mio. | −0,3 % |
| Kanada | 3,5 Mio. | 2,2 Mio. | −36,8 % |
| Norwegen | 1,7 Mio. | 1,9 Mio. | +7,9 % |
| Vereinigtes Königreich | 4,0 Mio. | 1,8 Mio. | −55,9 % |
| Türkei | 1,1 Mio. | 1,3 Mio. | +19,9 % |
| Brasilien | 0,09 Mio. | 0,3 Mio. | +208,4 % |
Die USA bleiben mit Abstand der wichtigste Exportmarkt, haben aber ebenfalls an Bedeutung verloren. Auffällig ist der starke Rückgang der Ausfuhren ins Vereinigtes Königreich (−55,9 %), was möglicherweise mit den Handelsreibungen nach dem Brexit zusammenhängt.
3. Mitgliedstaatenprofile: Niederlande als Drehkreuz, Deutschland als aufstrebender Akteur
Die Niederlande dominieren sowohl Importe als auch Spezialisierung
Die Handelsstruktur nach EU-Mitgliedstaaten offenbart eine extreme Konzentration auf die Niederlande. Mit Importen von 161,8 Mio. EUR im Jahr 2025 (+35,7 % gegenüber 2015) entfielen über 80 % des gesamten EU-Importwerts auf die Niederlande. Im Spezialisierungsranking weisen die Niederlande mit einem RSCA von 0,7004 und einem RCA von 5,6764 die mit Abstand höchste Spezialisierung auf. Das Profil deutet auf eine klassische Drehkreuzfunktion hin: Die Niederlande importieren große Mengen Mangan — wahrscheinlich über den Hafen von Rotterdam — und verteilen diese anschließend innerhalb der EU oder re-exportieren sie.
| EU-Importland | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 119,2 Mio. | 161,8 Mio. | +35,7 % |
| Deutschland | 2,9 Mio. | 9,0 Mio. | +209,2 % |
| Spanien | 15,8 Mio. | 9,9 Mio. | −37,3 % |
| Schweden | 5,0 Mio. | 5,7 Mio. | +14,1 % |
| Frankreich | 2,0 Mio. | 3,6 Mio. | +75,7 % |
Deutschland und Slowenien verzeichnen die stärksten Importzuwächse
Zwei Mitgliedstaaten stechen bei den Importzuwächsen besonders hervor:
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Deutschland erhöhte seine Einfuhren um 209,2 % (von 2,9 Mio. auf 9,0 Mio. EUR). Angesichts der Bedeutung der deutschen Stahlindustrie und des wachsenden Batteriesektors ist dieser Anstieg plausibel.
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Slowenien stieg von marginalen 84.540 EUR auf 674.964 EUR (+698,4 %), wenn auch auf niedrigerem absoluten Niveau.
Demgegenüber verzeichneten Spanien (−37,3 %) und Italien (−26,9 %) Rückgänge bei den Importen, was auf veränderte Produktions- oder Beschaffungsstrukturen in diesen Ländern hindeuten könnte.
Das Exportprofil ist geprägt von starken Rückgängen
Auf der Exportseite dominieren die Abwärtstrends:
| EU-Exportland | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 10,6 Mio. | 7,8 Mio. | −25,6 % |
| Niederlande | 4,6 Mio. | 2,8 Mio. | −38,7 % |
| Belgien | 0,8 Mio. | 3,4 Mio. | +297,0 % |
| Frankreich | 3,0 Mio. | 0,2 Mio. | −92,3 % |
| Spanien | 4,7 Mio. | 1,1 Mio. | −75,6 % |
| Schweden | 1,5 Mio. | 0,5 Mio. | −63,3 % |
Besonders dramatisch ist der Rückgang Frankreichs (−92,3 %) und Spaniens (−75,6 %), die beide von bedeutenden Exporteuren zu marginalen Akteuren wurden. Der einzige nennenswerte Gegenpart ist Belgien mit einem Anstieg um 297,0 %, das seine Exporte von 0,8 Mio. EUR auf 3,4 Mio. EUR steigerte und damit zum drittgrößten EU-Exporteur aufstieg.
Preisdruck als strukturelles Merkmal
Die Exportpreisschocks weisen auf eine Phase extremer Preisdrift hin, insbesondere 2021 und 2022:
| Markt | Schocktyp | Zeitpunkt | Abnormität | Preisänderung |
|---|---|---|---|---|
| USA (Export) | Preis | 2022 | 266,4 | +79,3 % |
| Türkei (Export) | Preis | 2021 | 22,7 | +78,2 % |
| Kanada (Export) | Preis | 2021 | 10,1 | +81,4 % |
Der Preisschock bei den Exporten in die USA im Jahr 2022 (Abnormität von 266,4) ist außergewöhnlich stark und fiel in eine Phase globaler Rohstoffpreisexplosion, verursacht durch die Energiekrise und Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie. Die EU-Exportpreise stiegen insgesamt von 2.545 EUR/t auf 2.855 EUR/t (+12,2 %), während die Importpreise mit 1.772 EUR/t auf 1.812 EUR/t lediglich um 2,3 % zulegten — ein Hinweis darauf, dass die EU auf der Exportseite in der Lage war, Preiserhöhungen weiterzugeben, während die Importpreise trotz des Anstiegs relativ moderat blieben, möglicherweise dank der dominanten Stellung Chinas als Preisgeber.
Die Importvolatilität variiert erheblich zwischen den Partnern. China (CV = 0,12) liefert äußerst konstant, während die Ukraine (CV = 1,14) und Südkorea (CV = 2,34) hochvolatile Lieferbeziehungen aufweisen. Für die EU als Ganzes bedeutet dies, dass die Abhängigkeit von China zwar mengenmäßig sicher ist, die Konzentration auf einen einzigen Lieferanten dennoch ein strategisches Risiko darstellt.
Schlussfolgerung
Der EU-Manganmarkt (CN 8111) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in eine klar erkennbare Richtung bewegt: zunehmende Importabhängigkeit bei gleichzeitig schwindender Exportfähigkeit. Die Netto-Importabhängigkeit stieg auf 83,1 %, die Handelsbilanz verschlechterte sich kontinuierlich, und die inländische Produktion — obwohl mengenmäßig gewachsen — verlor deutlich an Wert.
Die Marktstruktur wird durch eine extreme Konzentration auf China geprägt, das über 90 % der EU-Importe beliefert. Gleichzeitig haben sich mit Indonesien und Ukraine neue Lieferanten etabliert, die zwar die Diversifizierung fördern, aber auch höhere Volatilität mit sich bringen. Traditionelle Lieferanten wie Gabun und Südafrika haben hingegen stark an Bedeutung verloren.
Innerhalb der EU fungieren die Niederlande als zentrales Handelsdrehkreuz, während sich Deutschland als wachsender Marktakteur profiliert. Die starken Rückgänge bei den Exporten mehrerer Mitgliedstaaten (Frankreich, Spanien) deuten auf eine zunehmende Konzentration der EU-Exportaktivitäten auf wenige Länder hin.
Die identifizierten Preisschocks der Jahre 2021–2022 unterstreichen die Vulnerabilität des Marktes gegenüber globalen Rohstoffmarktstörungen. Für die Rohstoffsicherheitsstrategie der EU sind diese Entwicklungen von erheblicher Relevanz: Die Kombination aus hoher Importabhängigkeit, Konzentration auf wenige Lieferanten und ungleicher Verteilung innerhalb der EU erfordert sowohl auf europäischer als auch auf Mitgliedstaatsebene strategische Maßnahmen zur Diversifizierung der Lieferketten und zur Stärkung der inländischen Wertschöpfung.