Marktentwicklung: Kobalt (CN 8105) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarif CN 8105 umfasst Cobaltmatte und sonstige Zwischenerzeugnisse der Cobaltmetallurgie, Rohcobalt und Pulver (810520), Abfälle und Schrott aus Cobalt (810530) sowie Waren aus Cobalt, a.n.g. (810590). Kobalt ist ein kritischer Rohstoff für die Batterie-, Luftfahrt- und Chemieindustrie und unterliegt als solcher besonderer geoökonomischer Aufmerksamkeit. Im Zeitraum 2015 bis 2025 verzeichnete der EU-Außenhandel mit Kobalt erhebliche Volumen- und Preisschwankungen, die sowohl auf Nachfragezyklen (v. a. durch die Elektromobilität) als auch auf geopolitische Verschiebungen bei den Lieferketten zurückzuführen sind. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken, Preisentwicklungen und strukturellen Veränderungen.
1. Steigende Exporte und eine sich verbessernde Handelsbilanz
1.1 Die EU-Exporte wachsen deutlich schneller als die Importe
Über den gesamten Betrachtungszeitraum stiegen die EU-Außenhandelsexporte bei CN 8105 in Wert um 95,3 % — von 123,9 Mio. EUR (2015) auf 242,0 Mio. EUR (2025). Die Importe hingegen wuchsen im gleichen Zeitraum lediglich um 17,6 % — von 318,8 Mio. EUR auf 375,0 Mio. EUR. Der Handelsüberblick zeigt damit eine deutliche Konvergenz der Handelsströme.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exporte (Wert, Mio. EUR) | 123,9 | 242,0 | +95,3 % |
| Importe (Wert, Mio. EUR) | 318,8 | 375,0 | +17,6 % |
| Exporte (Menge, t) | 4.244 | 7.780 | +83,3 % |
| Importe (Menge, t) | 11.180 | 12.111 | +8,3 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | −194,9 | −132,9 | +31,8 % (Verbesserung) |
1.2 Der Rohcobalt-Segment dominiert die Strukturentwicklung
Die Aufschlüsselung nach Produktsegmenten zeigt, dass der Bereich Rohcobalt und Pulver (810520) sowohl bei Importen als auch bei Exporten mengen- und wertmäßig dominiert. Die Importe bei 810520 stiegen von 9.132 t (2015) auf einen Höchststand von 20.069 t im Jahr 2018 — getrieben vom damaligen Cobalt-Preisboom — und sanken danach wieder auf 10.026 t (2025). Parallel dazu verliefen auch die Importwerte: von 238,6 Mio. EUR (2015) über 853,7 Mio. EUR (2018) zurück auf 225,3 Mio. EUR (2025).
Im Gegensatz dazu verzeichneten die Cobalt-Waren (810590) ein stetiges Wachstum: Die Importe verdoppelten sich von 73,9 Mio. EUR auf 144,3 Mio. EUR, die Exporte von 48,5 Mio. EUR auf 96,2 Mio. EUR. Dies deutet auf eine zunehmende Wertschöpfung innerhalb der EU im Bereich der Cobalt-Verarbeitung hin.
1.3 Die EU-Produktion zeigt eine Verschiebung von Wert zu Volumen
Die EU-Produktion bei CN 8105 stieg mengenmäßig von 8.900 t auf 34.474 t (+287,3 %), während der Produktionswert von 394,7 Mio. EUR auf 288,6 Mio. EUR sank (−26,9 %). Dies spiegelt den starken Preisrückgang nach dem Supercycle 2017/18 wider: Mehr Volumen bei niedrigeren Einheitspreisen führte trotz Produktionsausbau zu einem nominalen Wertverlust. Deutschland (Produktionsanteil 19,0 %), die Niederlande (27,6 %) und Belgien (30,6 %) sind die wichtigsten EU-Produzenten.
2. Extreme Preiszyklen und spezifische Lieferanten-Schocks
2.1 Der Cobalt-Supercycle 2017/18 und die Preiskorrektur 2019
Die durchschnittlichen Import-Einheitspreise für Rohcobalt (810520) stiegen von 26.132 EUR/t (2015) auf 40.523 EUR/t (2017) und erreichten 2018 mit 42.535 EUR/t ihren Höchststand. Angetrieben wurde dieser Preisanstieg durch die rasante Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge. Bereits 2019 fielen die Preise jedoch auf 22.668 EUR/t zurück — ein Rückgang von 47 % innerhalb eines Jahres.
| Jahr | Importpreis 810520 (EUR/t) | Importpreis 810530 (EUR/t) | Importpreis 810590 (EUR/t) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 26.132 | 9.574 | 53.065 |
| 2017 | 40.523 | 13.891 | 58.118 |
| 2018 | 42.535 | 17.960 | 68.998 |
| 2019 | 22.668 | 12.081 | 71.552 |
| 2020 | 20.113 | 6.471 | 86.259 |
| 2022 | 40.183 | 26.396 | 96.894 |
| 2023 | 22.692 | 9.711 | 108.987 |
| 2025 | 22.468 | 8.996 | 96.873 |
2.2 Ein zweiter Preisanstieg 2022, gefolgt von erneuter Korrektur
Ein zweiter, wenn auch schwächerer Preisanstieg ist 2022 zu beobachten: Der durchschnittliche Importpreis für Rohcobalt stieg auf 40.183 EUR/t, begleitet von einem Anstieg des Schrottpreises (810530) auf 26.396 EUR/t. Die Schock-Analyse identifiziert drei bemerkenswerte Preisschocks:
| Schock | Partnerland | Zeitpunkt | Typ | Anstieg | Abnormalität |
|---|---|---|---|---|---|
| Importe aus China | China | 2017 | Preis | +78,5 % | 227,8 |
| Importe aus UK | Vereinigtes Königreich | 2022 | Preis | +69,2 % | 25,6 |
| Importe aus Russland | Russische Föderation | 2017 | Preis | +109,9 % | 19,7 |
Der extremste Schock betraf die Importe aus China im Jahr 2017 mit einer Abnormalität von 227,8 — dies spiegelt die damalige chinesische Nachfrage- und Lagerbildung im Vorfeld des Batteriebooms wider. Bemerkenswert ist auch der Preisschock bei Importen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2022, der mit einem Anstieg von 69,2 % und einer Abnormalität von 25,6 einherging — möglicherweise bedingt durch Handelsumleitungen nach dem Brexit.
2.3 Die Cobalt-Waren (810590) zeigen gegenläufige Preisentwicklung
Während die Rohcobalt-Preise stark zyklisch schwanken, stiegen die Einheitspreise für Cobalt-Waren (810590) nahezu kontinuierlich — von 53.065 EUR/t (2015) auf 108.987 EUR/t (2023), bevor sie 2025 auf 96.873 EUR/t leicht korrigierten. Dieser Trend unterstreicht die steigende Wertschöpfungstiefe bei verarbeiteten Cobalt-Produkten und die relative Preisstabilität in diesem Segment.
3. Strukturelle Verschiebungen bei Handelspartnern und wachsende Importkonzentration
3.1 Der Kollaps der Importe aus der DR Kongo und der Aufstieg neuer Lieferanten
Die gravierendste Veränderung in der Handelspartnerstruktur betrifft die Demokratische Republik Kongo: Die Importe brachen von 33,3 Mio. EUR (2015) auf 1,1 Mio. EUR (2025) ein — ein Rückgang von 96,7 %. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um 349,4 % (von 13,0 Mio. auf 58,5 Mio. EUR), aus den USA um 91,1 % (von 77,1 Mio. auf 147,4 Mio. EUR) und aus Kanada um 288,9 % (von 11,6 Mio. auf 45,1 Mio. EUR).
| Lieferant | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 77,1 | 147,4 | +91,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 50,3 | 39,6 | −21,3 % |
| Kanada | 11,6 | 45,1 | +288,9 % |
| DR Kongo | 33,3 | 1,1 | −96,7 % |
| China | 13,0 | 58,5 | +349,4 % |
| Madagaskar | 30,1 | 8,7 | −71,1 % |
| Norwegen | 31,3 | 2,5 | −91,9 % |
Diese Verschiebung spiegelt sowohl den Aufstieg Chinas als Raffinerie-Standort für Kobalt als auch eine bewusste Diversifikation der EU-Lieferantenbasis wider — mit verstärktem Bezug aus Nordamerika (USA, Kanada). Der Wegfall traditioneller afrikanischer Lieferanten (DR Kongo, Madagaskar) wurde durch diese neuen Quellen mehr als kompensiert.
3.2 Steigende Importkonzentration trotz Diversifikationsbemühungen
Paradoxerweise nahm die Importkonzentration (HHI) nach dem Herfindahl-Hirschman-Index über den Betrachtungszeitraum zu — von 1.234 (2015) auf 2.095 (2025), ein Anstieg von 69,8 %. Der HHI-Minimumwert lag bei 942 (2016), was auf die geringste Konzentration in der gesamten Periode hindeutet. Die Zunahme der Konzentration erklärt sich durch die wachsende Dominanz weniger Lieferanten: Die USA allein machten 2025 fast 40 % der Importe aus, und mit China zusammen bereits über 55 %.
Im Gegensatz dazu verbesserte sich die Exportkonzentration: Der HHI bei den Exporten sank von 2.273 auf 1.287 (−43,4 %), was auf eine breitere Streuung der EU-Exportmärkte hinweist.
3.3 Deutschland und Belgien als Drehscheiben des EU-Kobalthandels
Die EU-internen Handelsströme zeigen eine zunehmende Konzentration auf wenige Mitgliedstaaten:
| EU-Mitgliedstaat | Exporte 2025 (Mio. EUR) | Veränderung gg. 2015 | Spezialisierung (RSCA) |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 88,6 | +53,4 % | −0,054 |
| Belgien | 69,0 | +3.312 % | +0,567 |
| Frankreich | 32,5 | +143,3 % | +0,190 |
| Niederlande | 32,7 | −19,7 % | +0,311 |
| Irland | 6,7 | +165,1 % | — |
Belgien verzeichnete mit +3.312 % das mit Abstand stärkste Exportwachstum und weist mit einem RSCA-Wert von 0,567 die höchste Spezialisierung innerhalb der EU auf. Die Niederlande, die 2015 noch mit 169,0 Mio. EUR größter Importeur waren, büßten diese Position ein (Rückgang auf 92,4 Mio. EUR, −45,3 %), was teilweise auf den Bedeutungsverlust des Rotterdamer Hafens als Cobalt-Transithub zurückzuführen sein könnte. Deutschland blieb mit 88,6 Mio. EUR in Exporten der größte EU-Exporteur.
3.4 Die EU bleibt strukturell importabhängig bei Kobalt
Die Netto-Importabhängigkeit blieb über den gesamten Zeitraum relativ stabil — zwischen 32,3 % (Minimum) und 41,3 % (Maximum), mit einem leichten Anstieg von 37,4 % (2015) auf 38,6 % (2025). Die Handelsintensität stieg von 88,0 % auf 91,8 %, und die Exportneigung von 72,2 % auf 80,2 %. Die EU ist damit ein hochgradig in den globalen Kobaltmarkt integrierter Akteur, der trotz eigener Raffinerie- und Verarbeitungskapazitäten weiterhin auf erhebliche Rohstoffimporte angewiesen ist.
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die wenigst stabilen Importpartner die Türkei (CV: 1,24), die DR Kongo (CV: 1,09) und Südafrika (CV: 1,16) sind — allesamt Partner mit stark schwankenden Liefermengen. Dies unterstreicht das strategische Risiko einer zu starken Abhängigkeit von einzelnen, volatilen Quellen.
Fazit
Der EU-Kobalthandel (CN 8105) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich transformiert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
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Exportdynamik: Die EU hat ihre Exporte nahezu verdoppelt und ihre Handelsbilanz deutlich verbessert, insbesondere durch den Aufbau von Verarbeitungskapazitäten (810590) und die Expansion Belgiens als Exportdrehscheibe.
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Preiszyklen: Der Markt wurde von zwei ausgeprägten Preiszyklen (2017/18 und 2022) geprägt, die mit dem Aufbau der Batterie-Wertschöpfungskette und geopolitischen Verwerfungen zusammenhingen. Die Rohcobalt-Preise blieben dabei deutlich volatiler als die für verarbeitete Cobalt-Produkte.
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Strukturwandel bei den Lieferanten: Die traditionelle Abhängigkeit von afrikanischen Rohstofflieferanten (DR Kongo, Madagaskar) wurde durch eine Verschiebung nach Nordamerika und nach China als Raffineriestandort abgelöst — was die Importkonzentration trotz Diversifikationsbemühungen erhöhte. Die strategische Verwundbarkeit der EU bei diesem kritischen Rohstoff bleibt damit bestehen, auch wenn sich die Handelsbilanz verbessert hat.