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Marktentwicklung: Lederschuhe (CN 640359) — 2015–2025

Einführung

Der Zollcode CN 640359 umfasst Schuhe mit Laufsohlen und Oberteil aus Leder, soweit sie nicht den Knöchel bedecken, Sportschuhe, orthopädische Schuhe oder Spielzeugcharakter aufweisen. Es handelt sich um eine Restkategorie innerhalb von CN 6403, die ein breites Produktspektrum — von klassischen Herren- und Damenschuhen über Sandalen bis hin zu Pantoffeln — vereint. Der vorliegende Bericht analysiert den EU-Außenhandel mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Veränderungen, Handelspartnerdynamiken sowie Preis- und Volumenentwicklungen.


1. Volumeneinbruch und Preispremiung: Der Strukturwandel des EU-Lederschuhhandels

Die EU bleibt Nettoexporteur, doch das Handelsvolumen schrumpft dramatisch

Die EU verzeichnete im gesamten Beobachtungszeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo mit Drittländern. Dieser lag 2015 bei rd. 1,74 Mrd. EUR und sank bis 2025 auf rd. 1,47 Mrd. EUR (−15,9 %). Dennoch zeigt sich unter der Oberfläche ein fundamental verändertes Bild: Während der Exportwert um 19,5 % sank (von 2,14 Mrd. EUR auf 1,72 Mrd. EUR), brach die Exportmenge in Tonnen um 51,1 % ein — von 17.362 t auf nur noch 8.491 t. Die Zahl exportierter Schuhpaare halbierte sich sogar um 56,6 % (von 22,6 Mio. auf 9,8 Mio. Paare).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 2,14 1,72 −19,5 %
Exportmenge (t) 17.362 8.491 −51,1 %
Exportpaare (Mio.) 22,6 9,8 −56,6 %
Durchschnittspreis/Paar (EUR) 94,69 175,85 +85,7 %

Importe schrumpfen noch stärker — die EU wird noch unabhängiger

Die Importe aus Drittländern entwickelten sich noch schwächer: Der Importwert sank von 395 Mio. EUR auf 256 Mio. EUR (−35,1 %), die importierte Menge in Tonnen gar um 63,0 % (von 8.360 t auf 3.095 t), und die importierte Paarzahl sank um 61,6 % (von rd. 14,0 Mio. auf 5,4 Mio. Paare). Der Nettoimportabhängigkeitsindikator verschob sich von −15,7 % (2015) auf −27,3 % (2025), was bedeutet, dass die EU ihre Position als Nettoexporteur in diesem Segment deutlich ausgebaut hat.

Die Pandemie als Zäsur: 2020 markiert den tiefsten Punkt

Das Jahr 2020 stellt den deutlichsten Einbruch dar. Sowohl Export- als auch Importvolumina erreichten in diesem Jahr ihre Minima. Die Exportpaare sanken auf 9,8 Mio. (von 17,0 Mio. in 2019), die Importpaare auf 8,2 Mio. (von 13,9 Mio. in 2019). Die Erholung in den Folgejahren blieb unvollständig: 2025 liegen die Volumina weiter deutlich unter dem Vorkrisenniveau, was auf einen nachhaltigen Strukturwandel — weg von mengenorientiertem hin zu wertorientiertem Handel — hindeutet.


2. Geopolitische Verschiebungen: Neue Handelsströme und Konzentrationsrisiken

Der US-Markt wird immer wichtiger — Europa und Asien verlieren

Die bedeutendste Verschiebung auf der Exportseite betrifft die Konzentration auf den US-amerikanischen Markt. Die USA waren 2015 mit rd. 527 Mio. EUR bereits der größte Exportpartner und wuchsen bis 2025 auf 566 Mio. EUR (+7,4 %) — als einziger bedeutender Partner gegen den Gesamttrend. Der Anteil der USA an den EU-Exporten stieg damit erheblich.

Gleichzeitig verloren traditionelle Märkte deutlich:

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 526,8 566,0 +7,4 %
Schweiz 326,8 173,1 −47,0 %
Vereinigtes Königreich 256,8 139,6 −45,6 %
Hongkong 202,3 70,9 −65,0 %
Russische Föderation 119,9 25,8 −78,5 %
Japan 96,4 83,6 −13,3 %
China 112,2 112,7 +0,4 %

Der Rückgang bei Hongkong (−65,0 %) und Russland (−78,5 %) ist besonders auffällig. Die Exportkonzentration (HHI) stieg in Wertbegriffen von 1.198 auf 1.485 (+24,0 %), was eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Absatzmärkten signalisiert.

Importpartner: Brexit und Lieferkettenverlagerungen

Auch auf der Importseite vollzog sich eine Umstrukturierung. Die Schweiz — 2015 mit 130 Mio. EUR größter Importpartner — verlor 60,4 % ihres Handelsvolumens mit der EU (2025: 52 Mio. EUR). Das Vereinigte Königreich sank von 89 Mio. EUR auf 43 Mio. EUR (−52,2 %), ein Effekt, der maßgeblich mit dem Brexit und den damit verbundenen Handelsbarrieren zusammenhängt. Indien verlor als Importquelle 68,2 % (von 54 Mio. EUR auf 17 Mio. EUR).

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Schweiz 130,2 51,6 −60,4 %
Vereinigtes Königreich 89,4 42,7 −52,2 %
China 32,6 28,8 −11,6 %
Indien 54,4 17,3 −68,2 %
Tunesien 10,7 4,0 −62,9 %
Türkei 9,8 9,5 −3,3 %

Die Importkonzentration (HHI) sank hingegen von 1.906 auf 1.082 (−43,2 %), was auf eine Diversifizierung der Importquellen hindeutet — wenngleich das absolute Volumen insgesamt stark gesunken ist.

Volatilität: Insbesondere beim Handel mit dem Vereinigten Königreich

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass der Handel mit dem Vereinigten Königreich sowohl bei Importen (CV = 1,11) als auch bei Exporten (CV = 0,52) die höchste Schwankungsintensität aufweist. Dies unterstreicht die destabilisierende Wirkung des Brexit auf etablierte Handelsbeziehungen im Schuhsektor. Beim Exportmarkt Russland betrug der Variationskoeffizient 0,56, was die massive Handelsstörung infolge der Sanktionen nach 2022 widerspiegelt.


3. Produktionsrückgang und Premiumisierung: Italien als Drehscheibe des europäischen Lederschuhexports

Die EU-Produktion halbiert sich mengenmäßig, bleibt aber wertstark

Die EU-Produktion von Lederschuhen unter CN 640359 verzeichnete einen dramatischen Rückgang. Die Produktionsmenge sank von rd. 540 Mio. Paaren (2015) auf rd. 200 Mio. Paare (2025) — ein Rückgang von 62,9 %. Der Produktionswert ging im gleichen Zeitraum lediglich um 18,1 % zurück (von 10,9 Mrd. EUR auf 8,9 Mrd. EUR). Dies ergibt eine Verdopplung des durchschnittlichen Produktionspreises pro Paar und belegt eine klare Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten.

Italien dominiert, Frankreich und Deutschland gewinnen an Bedeutung

Die Exportstruktur nach EU-Mitgliedstaaten wird von Italien dominiert. 2015 machte Italien rd. 1,61 Mrd. EUR der EU-Exporte aus, 2025 noch 1,06 Mrd. EUR (−34,5 %). Dennoch entfielen weiterhin rund 61 % des EU-Exportwertes auf Italien. Italien weist zudem mit einem RCA-Wert von 6,07 und einem RSCA von 0,72 eine hohe Spezialisierung auf dieses Segment auf. Portugal ist mit einem RCA von 8,30 und RSCA von 0,79 sogar noch stärker spezialisiert, jedoch auf deutlich kleinerem Volumen (Exportanteil am Gesamthandel des Landes: rd. 1,4 %).

Interessant ist der Aufstieg Frankreichs und Deutschlands:

EU-Exporteur 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 1.613,4 1.056,9 −34,5 %
Frankreich 281,8 379,3 +34,6 %
Spanien 127,7 94,7 −25,9 %
Deutschland 48,1 84,9 +76,5 %
Niederlande 7,5 51,8 +591,2 %

Frankreichs Exporte wuchsen um 34,6 %, Deutschlands gar um 76,5 %. Die Niederlande verzeichneten ein bemerkenswertes Plus von 591,2 %, was möglicherweise auf eine zunehmende Rolle als Handels- und Logistikdrehscheibe hindeutet.

Produktsegmente: Damenschuhe bleiben das Rückgrat, Riemenschuhe als Wachstumstreiber

Innerhalb der Produktsegmente dominieren auf der Exportseite Damen-Lederschuhe (CN 64035999) mit einem Exportwert von rd. 828 Mio. EUR (2025), gefolgt von Herren-Lederschuhen (CN 64035995) mit 239 Mio. EUR. Auffällig ist die Entwicklung des Segments „Schuhe, deren Blatt aus Riemen gefertigt oder nicht geschlossen ist" (CN 64035911): Hier stieg der Exportwert von 161 Mio. EUR (2015) auf 294 Mio. EUR (2025), ein Plus von rd. 82 % — trotz Rückgangs in den Volumina (−26,5 % nach Tonnen). Dieses Segment profitiert besonders stark von der Preispremiung und könnte auf eine Nachfrageverschiebung hin zu modischen Sandalen und Riemenschuhen hindeuten.

Auf der Importseite zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei der Preisanstieg bei nahezu allen Segmenten signifikant ausfällt. Die durchschnittlichen Importpreise pro Paar stiegen bei Herrenschuhen (64035995) von rd. 55 EUR auf rd. 71 EUR, bei Damenschuhen (64035999) von rd. 46 EUR auf rd. 75 EUR.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Lederschuhen (CN 640359) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt. Drei zentrale Trends prägen die Marktentwicklung:

  1. Premiumisierung bei schrumpfenden Volumina: Sowohl bei Exporten als auch bei Importen sind die physischen Mengen drastisch gefallen, während die Werte — und insbesondere die Preise pro Paar — gestiegen sind. Die EU-Lederschuhindustrie hat sich offenbar von mengenorientierter Massenproduktion hin zu hochwertigeren, preisintensiveren Positionen bewegt.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Die Handelsströme haben sich verschoben. Der US-amerikanische Markt wurde noch wichtiger, während traditionelle europäische Partner (Schweiz, Vereinigtes Königreich) und asiatische Märkte (Hongkong, Indien) an Bedeutung verloren. Der Brexit und die Sanktionen gegen Russland haben etablierte Handelsbeziehungen nachhaltig gestört und zu erhöhter Volatilität geführt.

  3. Italienisches Cluster trotz Erholungsdefiziten: Italien bleibt das unangefochtene Zentrum der EU-Lederschuhproduktion und -ausfuhr, verliert aber proportional an Marktanteil. Frankreich und Deutschland konnten ihre Exporte hingegen signifikant steigern, was auf eine gewisse Diversifizierung der europäischen Produktionslandschaft hindeutet.

Die anhaltend negative Nettoimportabhängigkeit (−27,3 % im Jahr 2025) zeigt, dass die EU in diesem Segment weiterhin ein starker Nettoexporteur bleibt. Die gleichzeitig gestiegene Exportneigung von rd. 42 % (2015) auf rd. 99 % (2025) deutet jedoch auf eine zunehmende Abhängigkeit von Auslandsmärkten hin, die bei konjunkturellen Abschwüngen oder Handelskonflikten zum Risikofaktor werden könnte.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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