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Marktentwicklung: Lederhalbschuhe (CN 64039993) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 64039993 erfasst Lederhalbschuhe mit Sohlen aus Kautschuk, Kunststoff oder rekonstituiertem Leder und einem Oberteil aus Leder (Innensohle ≥ 24 cm), die nicht eindeutig als Herren- oder Damenschuhe erkennbar sind — ausgenommen Knöchelschuhe, Schutzkappenschuhe, Holzsohlenschuhe, Riemenblattschuhe, Haus- und Sportschuhe sowie orthopädische Schuhe. Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen: Einen rasanten Exportaufwuchs, eine geographische Neuausrichtung der Beschaffung und eine zunehmende Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten — begleitet von einem drastischen Rückgang der europäischen Eigenproduktion.

Überblick über die Produktdefinition: Produktübersicht CN 64039993


1. Der Exportboom: Wie die EU zum Nettexporteur auf dem Weg wurde — doch das Handelsdefizit blieb bestehen

1.1 Exporte vervierfachten sich, Importe verdoppelten sich

DieEU-Exporte von Lederhalbschuhen stiegen im Betrachtungszeitraum von 154,9 Mio. € (2015) auf 711,3 Mio. € (2025) — ein Zuwachs von 359 %. Die Importe wuchsen im selben Zeitraum von 570,3 Mio. € auf 1.129,4 Mio. €, was einem Plus von 98 % entspricht. Obwohl die Exporte also deutlich stärker wuchsen als die Importe, blieb die EU in diesem Segment ein Nettoimporteur. Das Handelsdefizit lag 2015 bei −415,3 Mio. € und 2025 bei −418,1 Mio. € — nahezu unverändert. Das Minimum wurde 2020 mit −222,4 Mio. € erreicht (bedingt durch pandemiebedingt eingebrochene Importe), das Maximum 2022 mit −628,6 Mio. €.

Kennzahlen zur Handelsentwicklung:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. €) 0,155 0,711 +359,0 %
Importwert (Mrd. €) 0,570 1,129 +98,0 %
Handelsbilanz (Mrd. €) −0,415 −0,418 −0,7 %
Exportmenge (t) 3.857 12.488 +223,8 %
Importmenge (t) 30.856 64.210 +108,1 %

1.2 Die USA und die Schweiz trieben den Exportaufwuchs an

Die außergewöhnliche Exportdynamik wurde vor allem durch drei Märkte getrieben: Das Vereinigte Königreich als traditionell wichtigstem Exportziel (von 54,3 Mio. € auf 130,1 Mio. €, +140 %), die Vereinigten Staaten (von 13,0 Mio. € auf 204,5 Mio. €, +1.469 %) sowie die Schweiz (von 30,0 Mio. € auf 125,3 Mio. €, +317 %). Die USA entwickelten sich damit vom Nischenmarkt zum wichtigsten einzelnen Exportpartner — ein bemerkenswerter Strukturwandel. China als Exportziel wuchs ebenfalls stark (von 6,6 Mio. € auf 38,8 Mio. €, +486 %).

Top-Exportziele: Partnerländer

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 54,3 130,1 +139,6 %
Vereinigte Staaten 13,0 204,5 +1.468,9 %
Schweiz 30,0 125,3 +317,2 %
Norwegen 7,9 33,3 +321,5 %
Türkei 9,0 14,2 +58,0 %
Russische Föderation 4,7 8,1 +73,9 %
China 6,6 38,8 +486,3 %

1.3 Die EU exportiert hochpreisigere Schuhe als sie importiert

Ein zentrares Merkmal der Handelsstruktur ist die deutliche Preisspreizung: Die Exportpreise lagen 2015 bei 40.186 €/t und stiegen bis 2025 auf 56.957 €/t (+42 %). Die Importpreise lagen im selben Zeitraum bei 18.482 €/t bzw. 17.589 €/t (−5 %). Bezogen auf das Paar lag der Exportpreis 2025 bei 46,88 €, der Importpreis bei lediglich 15,39 € — ein Verhältnis von mehr als 3:1. Dies spiegelt wider, dass die EU qualitativ hochwertigere, preisintensivere Schuhe exportiert und gleichzeitig volumenstarke, günstigere Schuhe importiert.

Preisentwicklung: Handelsübersicht

Preisindikator 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (€/t) 40.186 56.957 +41,7 %
Importpreis (€/t) 18.482 17.589 −4,8 %
Exportpreis (€/Paar) 31,80 46,88 +47,4 %
Importpreis (€/Paar) 15,35 15,39 +0,3 %

2. Globale Beschaffungsumstrukturierung: Vietnam verdrängt China als wichtigsten Lieferanten

2.1 Vietnam wurde zum dominierenden Importpartner

Die größte tektonische Verschiebung im Handelszeitraum vollzog sich auf der Importseite. Vietnam überholte China als wichtigsten Lieferanten der EU und baute seinen Vorsprung massiv aus: Die Importe aus Vietnam stiegen von 178,0 Mio. € (2015) auf 544,7 Mio. € (2025, +206 %). China, das 2015 mit 143,8 Mio. € noch der zweitwichtigste Partner war, wuchs zwar nominal auf 231,8 Mio. € (+61 %), verlor aber relativ an Bedeutung. Indonesien behauptete seinen dritten Platz (von 103,9 Mio. € auf 147,2 Mio. €, +42 %). Auffällig ist der dramatische Aufstieg Kambodschas (von 14,5 Mio. € auf 58,5 Mio. €, +304 %).

Importquellen: Partnerländer

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vietnam 178,0 544,7 +205,9 %
China 143,8 231,8 +61,2 %
Indonesien 103,9 147,2 +41,6 %
Kambodscha 14,5 58,5 +304,1 %
Indien 47,9 27,0 −43,7 %
Vereinigtes Königreich 25,9 5,6 −78,3 %
Brasilien 1,4 15,0 +983,8 %

2.2 Der Brexit und geopolitische Faktoren veränderten die Handelsströme

Zwei bemerkenswerte gegenläufige Entwicklungen prägten die Periode: Erstens der deutliche Rückgang der Importe aus dem Vereinigten Königreich (von 25,9 Mio. € auf 5,6 Mio. €, −78 %) — ein klarer Brexit-Effekt. Parallel dazu stiegen die EU-Exporte in das Vereinigte Königreich überproportional (von 54,3 Mio. € auf 130,1 Mio. €), was darauf hindeutet, dass die EU ihre Rolle als Lieferant des britischen Marktes ausbaute, während umgekehrt das VK als Lieferant für die EU an Relevanz verlor.

Zweitens: Indien verlor als Importquelle erheblich an Boden (−44 %), während Brasilien mit einem Anstieg von 984 % auf 15,0 Mio. € als neue Bezugsquelle aufstieg. Diese Verschiebungen deuten auf eine Diversifizierung der Beschaffung über Südostasien hinaus hin.

2.3 Die Konzentration der Importe nahm zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.089 (2015) auf 2.966 (2025, +42 %). Der HHI für Exporte sank dagegen von 1.790 auf 1.569 (−12 %). Die Importe konzentrierten sich also zunehmend auf weniger Partner — allen voran Vietnam —, während die Exporte breiter gestreut wurden. Dies bedeutet eine wachsende Abhängigkeit der EU von wenigen asiatischen Lieferanten bei gleichzeitig verbesserter Exportdiversifizierung.

Konzentrationsindizes: Marktkonzentration

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.089 2.966 +41,9 %
HHI Exporte (Wert) 1.790 1.569 −12,4 %
HHI Importe (Volumen) 2.161 2.721 +25,9 %
HHI Exporte (Volumen) 2.208 1.610 −27,1 %

3. Sinkende Produktion, wachsende Importabhängigkeit und Schockanfälligkeit

3.1 Die europäische Produktion brach dramatisch ein

Die EU-Produktion von Lederhalbschuhen (CN 64039993) fiel im Betrachtungszeitraum von 213,1 Mio. Paar (2015) auf 78,5 Mio. Paar (2025) — ein Rückgang von 63 %. Der Produktionswert sank von 5.355 Mio. € auf 4.550 Mio. € (−15 %). Die Diskrepanz zwischen dem Rückgang der Produktionsmenge (−63 %) und des Produktionswertes (−15 %) zeigt, dass die verbleibende Produktion hochpreisiger wurde. Innerhalb der EU ist Deutschland mit einem Produktionsanteil von 42,6 % der mit Abstand größte Hersteller, gefolgt von den Niederlanden (19,2 %) und Tschechien (5,4 %).

Produktionsentwicklung: Produktionsvolumen

Produktionsindikator 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mio. Paar) 213,1 78,5 −63,2 %
Produktionswert (Mrd. €) 5,355 4,550 −15,0 %

3.2 Deutschland als Sonderfall: Produktionsrückgang, Exportboom

Deutschland zeigt ein besonders bemerkenswertes Spannungsverhältnis. Einerseits ging die inländische Produktion massiv zurück (die EU-weite Produktion sank um 63 %, wobei Deutschland als größter Produzent hiervon besonders betroffen war). Andererseits stiegen Deutschlands Exporte in diesem Segment von 52,9 Mio. € auf 474,8 Mio. € (+797 %). Auch die Importe in Deutschland sanken leicht (von 273,5 Mio. € auf 227,7 Mio. €, −17 %). Dies deutet darauf hin, dass Deutschland in zunehmendem Maße als Handelsdrehscheibe fungiert — Schuhe werden in Asien produziert, über deutsche Häfen importiert und teilweise weiter exportiert.

Deutschland bliebt mit einem RCA-Wert von 2,01 und einem RSCA von 0,34 der am stärksten spezialisierte EU-Mitgliedstaat in diesem Segment. Die Niederlande folgen mit einem RCA von 1,32 und profitierten sowohl bei Importen (+734 %) als auch bei Exporten von der Funktion als Handels- und Logistik-Hub.

Spezialisierung: Marktspezialisierung

Land RCA (2025) RSCA (2025) Prod.-Anteil EU
Deutschland 2,01 0,34 42,6 %
Niederlande 1,32 0,14 19,2 %
Kroatien 1,19 0,09 0,5 %
Tschechien 1,12 0,06 5,4 %
Polen 1,03 0,02 6,9 %

3.3 Preisschocks in Asien und wachsende Lieferkettenverwundbarkeit

Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt: Sowohl Vietnam als auch Indonesien verzeichneten signifikante Preisschocks bei den Exporten in die EU. Die abnormalen Preisausschläge erreichten bei Vietnam eine Abnormalität von 47,9 (mit einem Preisanstieg von 26,7 %) und bei Indonesien 13,7 (+25,3 %). Diese Schocks fielen zeitlich mit der globalen Inflationswelle, den Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie sowie steigenden Energie- und Transportkosten zusammen. Die Importpreise aus Vietnam stiegen in diesem Jahr sprunghaft an.

Preisschocks: Angebots-Schocks

Schock-Ereignis Land Typ Jahr Abnormalität Preissprung Anteil am Importwert
Vietnam-Preisschock Vietnam Preis 2022 47,9 +26,7 % 51,0 %
Indonesien-Preisschock Indonesien Preis 2022 13,7 +25,3 % 19,6 %
Russland-Preisschock Russland Preis 2020 7,7 +77,6 % 3,3 %

Die Volatilitätskoeffizienten (CV) zeigen zudem, dass die Importströme aus Kambodscha (CV 0,51), Vietnam (CV 0,47), Brasilien (CV 0,57) sowie den Philippinen (CV 1,61) und Myanmar (CV 1,00) besonders volatil waren — ein Indikator für die Anfälligkeit der Lieferketten.

Volatilitätsanalyse: Volatilitätsindikatoren

Die Netto-Importabhängigkeit der EU lag 2025 bei −23,9 % (2015: −21,5 %). Die Handelsintensität stieg von 57,1 % auf 100,5 %, und die Exportquote verdoppelte sich von 45,3 % auf 100,9 % — beides Indikatoren für die zunehmende globale Verflechtung der EU in diesem Segment.


Fazit

Die Marktentwicklung von Lederhalbschuhen (CN 64039993) in der EU zwischen 2015 und 2025 ist durch drei zentrale Dynamiken geprägt:

Erstens einen Exportboom: Die EU-Exporte wuchsen um 359 %, getrieben vor allem durch die Märkte USA, Schweiz und Vereinigtes Königreich. Die EU exportiert dabei zunehmend hochpreisige Schuhe (46,88 €/Paar im Export gegenüber 15,39 €/Paar im Import), was auf eine Spezialisierung in der oberen Preisklasse hindeutet.

Zweitens eine geostrategische Neuausrichtung der Beschaffung: Vietnam hat China als wichtigsten Lieferanten überholt und dominiert mit einem Anteil von fast 50 % am EU-Importwert. Kambodscha und Indonesien gewinnen ebenfalls an Bedeutung, während Indien und das Vereinigte Königreich an Boden verloren. Die Importkonzentration (HHI) nahm dabei zu — ein widersprüchlicher Trend zur Diversifizierungsrhetorik.

Drittens einen Strukturwandel der europäischen Produktion: Die inländische Produktion fiel um 63 %, während die Importe sich nahezu verdoppelten. Deutschland entwickelt sich dabei vom Produzenten zum Handelsdrehscheibe. Die Preisschocks von 2022 aus Vietnam und Indonesien zeigen die Verwundbarkeit dieser neuen Lieferkettenstruktur auf.

Insgesamt bleibt die EU trotz wachsender Exporte ein Nettoimporteur mit einem relativ stabilen Defizit. Die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre wird sein, die wachsende Abhängigkeit von wenigen asiatischen Lieferanten zu managen — insbesondere angesichts geopolitischer Unsicherheiten, möglicher Handelskonflikte und der Notwendigkeit, Lieferketten resilienter zu gestalten.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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