Marktentwicklung: Kupferschrott (CN 74040010) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Segment Abfälle und Schrott aus raffiniertem Kupfer (KN-Code 74040010) im Zeitraum 2015 bis 2025. Der betrachtete Warencode umfasst Kupferschrott und -abfälle aus raffiniertem Kupfer, ausgenommen Rohblöcke aus eingeschmolzenen Abfällen, Aschen und Rückstände sowie Abfälle von Batterien und Akkumulatoren. Als Sekundärrohstoff ist Kupferschrott sowohl für die europäische Kreislaufwirtschaft als auch für die globale Rohstoffversorgung von zentraler Bedeutung.
Im Untersuchungszeitraum durchlief der EU-Handel mit Kupferschrott drei fundamentale Veränderungen: einen Strukturwandel hin zu einer Nettoexportposition, eine massive preisgetriebene Wertexpansion sowie eine geopolitische Neuausrichtung der Handelspartner. Diese drei Entwicklungen werden in den folgenden Abschnitten detailliert analysiert.
1. Vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur — Strukturwandel der EU-Handelsposition
Die EU hat ihre Handelsposition im Kupferschrotthandel grundlegend transformiert
Der markanteste Trend im Untersuchungszeitraum ist der Wandel der EU von einer Nettoimport- zu einer Nettoexportposition. Die Nettoimportabhängigkeit sank von +44,6 % (2015) auf −31,0 % (2025), was einer Veränderung von −169,5 % entspricht. Ein positiver Wert signalisierte zu Beginn des Zeitraums, dass die EU für ihre Kupferschrott-Versorgung in erheblichem Maße auf Importe angewiesen war. Der negative Wert am Ende des Betrachtungszeitraums zeigt hingegen, dass die EU ihre Exporte so stark ausgeweitet hat, dass sie in Relation zur heimischen Produktion einen Überschuss erzielt.
Die Exporte wuchsen deutlich dynamischer als die Importe
Die Handelsdaten verdeutlichen die unterschiedlichen Wachstumspfade von Exporten und Importen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 0,35 | 1,14 | +228,4 % |
| Exportmenge (t) | 151.857 | 181.427 | +19,5 % |
| Importwert (Mrd. EUR) | 1,07 | 1,88 | +75,5 % |
| Importmenge (t) | 272.181 | 224.322 | −17,6 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | −722 | −737 | −2,1 % |
Die Exporte verzeichneten ein Wertwachstum von 228,4 %, während die Importe lediglich um 75,5 % zulegten. Bemerkenswert ist, dass die Exportmenge nur moderat stieg (+19,5 %), während die Importmenge sogar sank (−17,6 %). Die Handelsbilanz blieb im gesamten Zeitraum negativ (von −722 Mio. EUR auf −737 Mio. EUR), erreichte jedoch in den Zwischenjahren weitaus größere Defizite (Minimum: −1.435 Mio. EUR) und weist auch Phasen deutlich geringerer Defizite auf (Maximum: −432 Mio. EUR). Diese Schwankungen unterstreichen die Dynamik des Marktes.
Die Exportneigung belegt die Rolle der EU als Recycling-Drehscheibe
Die Exportneigung stieg von 144,0 % auf 150,6 %. Ein Wert über 100 % bedeutet, dass die EU mehr Kupferschrott exportiert als sie selbst produziert. Dies ist konsistent mit der Interpretation, dass die EU als zentraler Knotenpunkt im globalen Kreislauf von Kupferschrott fungiert: Material wird importiert, aufbereitet und teilweise wieder exportiert. Die Handelsintensität lag im gesamten Zeitraum über 100 % und stieg von 113,6 % auf 122,3 %, was die außenwirtschaftliche Verflechtung dieses Segments bestätigt. Die EU-Produktion von Sekundärkupfer (Prodcom 38.32.23.00) wuchs im selben Zeitraum von 475.200 t auf 510.000 t (+7,3 %) bzw. von 1.628 Mio. EUR auf 2.100 Mio. EUR (+29,0 %) — ein Wachstum, das jedoch hinter der Exportdynamik zurückblieb.
2. Preisanstieg als dominanter Wachstumstreiber — Wertexpansion ohne Mengenexpansion
Die Kupferschrottpreise haben sich im Betrachtungszeitraum nahezu verdreifacht
Die Preisentwicklung war der zentrale Treiber der Wertexpansion. Während die Mengen nur moderat wuchsen (Exporte) bzw. sogar schrumpften (Importe), stiegen die durchschnittlichen Preise drastisch:
| Preisindikator | 2015 (EUR/t) | 2025 (EUR/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis | 2.282 | 6.273 | +174,9 % |
| Importpreis | 3.925 | 8.360 | +113,0 % |
Der Exportpreis stieg von 2.282 EUR/t auf 6.273 EUR/t (+174,9 %), der Importpreis von 3.925 EUR/t auf 8.360 EUR/t (+113,0 %). Der Preisanstieg ist primär auf die weltweite Kupferpreisentwicklung zurückzuführen: Die gestiegene globale Nachfrage nach Kupfer als Schlüsselmetall für Elektrifizierung, erneuerbare Energien und Elektromobilität trieb auch die Sekundärrohstoffpreise in die Höhe. Der Importpreis lag durchgehend über dem Exportpreis — im Schnitt etwa 40–50 % höher —, was auf qualitative Unterschiede im gehandelten Material oder auf strukturelle Lieferantenmacht hindeuten könnte.
Preischocks verstärkten die Volatilität in bestimmten Handelsbeziehungen
Die Analyse der Preisvolatilität zeigt, dass bestimmte Handelsbeziehungen besonders starken Preisschwankungen unterlagen. Die erkannten Preischocks umfassen signifikante Ereignisse:
| Partner | Fluss | Zeitpunkt | Preisverschiebung | Anormalitätsgrad | Wertanteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Pakistan | Exporte | 2021 | +59 % | 25,0 | 1,6 % |
| Vereinigtes Königreich | Importe | 2021 | +44 % | 13,7 | 27,2 % |
| Japan | Exporte | 2020 | +89 % | 5,8 | 4,0 % |
Der Preischock bei den Exporten nach Pakistan im Jahr 2021 (Preisverschiebung +59 %, höchster Anormalitätsgrad aller erfassten Ereignisse: 25,0) sowie der gleichzeitige Preisschock bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich (+44 %, mit einem Wertanteil von 27,2 % an den Gesamtimporten) dürften mit der globalen Erholung nach der COVID-19-Pandemie und den gestörten Lieferketten zusammenhängen. Der Japan-Schock im Jahr 2020 (+89 %) fiel in die akute Phase der Pandemie und spiegelt möglicherweise kurzfristige Angebotsverknappungen wider.
Die EU-Mitgliedstaaten zeigen höchst divergierende Handelsmuster
Die Binnenhandelsanalyse offenbart erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bei Importen und Exporten:
Größte Importeure in die EU (nach Wert, 2025):
| Land | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Belgien | 97 | 571 | +489,8 % |
| Deutschland | 308 | 382 | +24,0 % |
| Griechenland | 116 | 231 | +99,5 % |
| Spanien | 92 | 204 | +121,7 % |
| Polen | 0,8 | 126 | +16.062 % |
| Bulgarien | 128 | 117 | −8,7 % |
| Schweden | 128 | 36 | −71,6 % |
Größte Exporteure aus der EU (nach Wert, 2025):
| Land | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Spanien | 51 | 517 | +915,4 % |
| Italien | 30 | 169 | +464,5 % |
| Deutschland | 79 | 126 | +60,4 % |
| Schweden | 52 | 52 | −0,5 % |
| Niederlande | 55 | 33 | −39,9 % |
| Frankreich | 18 | 36 | +99,8 % |
| Irland | 10 | 55 | +471,3 % |
Spanien hat sich zum mit Abstand größten EU-Exporteur entwickelt (517 Mio. EUR, +915,4 %), während Belgien seine Importe um nahezu 500 % steigerte. Polens Importwachstum von unter 1 Mio. EUR auf 126 Mio. EUR signalisiert den Aufbau neuer Recyclingkapazitäten in Osteuropa. Gleichzeitig sanken die schwedischen Importe von 128 Mio. EUR auf 36 Mio. EUR (−71,6 %), was auf eine mögliche Verlagerung der Beschaffungsstrategie oder eine Umstellung auf Binnenquellen hindeutet.
3. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme und wachsende Konzentrationsrisiken
Die USA sind zur dominanten Importquelle der EU aufgestiegen
Die Analyse der Handelspartner zeigt eine dramatische Verschiebung bei den Importquellen. Die USA entwickelten sich von einem mittelgroßen Lieferanten (106 Mio. EUR, 2015) zur mit Abstand wichtigsten Importquelle (912 Mio. EUR, 2025), was einem Anstieg von 762,7 % entspricht:
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 106 | 912 | +762,7 % |
| Vereinigtes Königreich | 320 | 248 | −22,6 % |
| Schweiz | 98 | 166 | +68,3 % |
| Tunesien | 28 | 45 | +61,5 % |
| Libanon | 43 | 59 | +39,1 % |
| Saudi-Arabien | 31 | 27 | −13,6 % |
| Norwegen | 27 | 27 | +1,3 % |
Der Bedeutungszuwachs der USA als Importquelle ist bemerkenswert: 2015 trugen die USA etwa 10 % der EU-Importe bei, 2025 hingegen fast die Hälfte. Das Vereinigte Königreich, das 2015 noch die wichtigste Importquelle war (320 Mio. EUR), verlor an relativer Bedeutung und sank auf 248 Mio. EUR (−22,6 %). Die Importkonzentration nach dem Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) stieg dementsprechend von 1.180 auf 2.697 (+128,4 %) — ein Wert, der auf einen moderat konzentrierten Markt hindeutet, der sich jedoch in Richtung höherer Konzentration bewegt. Auch mengenmäßig stieg der Import-HHI von 1.034 auf 2.274 (+120,0 %). Dies birgt strategische Risiken: Die EU ist zunehmend von wenigen Lieferanten abhängig.
China bleibt das dominante Ziel der EU-Kupferschrott-Exporte, die Konzentration sinkt jedoch
Bei den Exporten blieb China der mit Abstand wichtigste Abnehmer, mit einem Anstieg von 243 Mio. EUR auf 673 Mio. EUR (+177,2 %). Allerdings zeigt sich bei den Exporten ein gegenläufiger Trend zur Importseite: Der Export-HHI sank von 5.069 auf 3.645 (−28,1 %), was eine Diversifizierung der Absatzmärkte signalisiert:
| Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 243 | 673 | +177,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 34 | 70 | +101,8 % |
| Japan | 1,5 | 52 | +3.317 % |
| Indien | 11 | 28 | +155,0 % |
| Pakistan | 2,6 | 9,6 | +271,6 % |
| Hongkong | 9 | 16 | +77,6 % |
| Russische Föderation | 34 | 27 | −19,9 % |
Der außergewöhnliche Anstieg der Exporte nach Japan (+3.317 %) und Pakistan (+271,6 %) zeigt eine zunehmende Diversifizierung der Absatzmärkte. Japan stieg von 1,5 Mio. EUR auf 52 Mio. EUR zum zweitgrößten Nicht-EU-Exportziel nach China auf — ein Indiz für die gestiegene japanische Nachfrage nach Sekundärkupfer. Die Exporte in die Russische Föderation sanken hingegen von 34 Mio. EUR auf 27 Mio. EUR (−19,9 %), was im Kontext der sich verschlechternden EU-Russland-Beziehungen und der ab 2022 verhängten Sanktionen interpretiert werden kann.
Die Volatilität der Handelsbeziehungen variiert erheblich und birgt Lieferrisiken
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass bestimmte Handelsbeziehungen besonders schwankungsanfällig sind. Der Variationskoeffizient (CV) als Maß für die relative Schwankungsintensität variiert stark zwischen den Partnern:
Volatilität der Exportströme (Variationskoeffizient):
| Partner | CV |
|---|---|
| Thailand | 1,02 |
| Hongkong | 1,01 |
| Russische Föderation | 0,89 |
| Japan | 0,73 |
| Malaysia | 0,67 |
| Republik Korea | 0,65 |
| Indien | 0,64 |
| China | 0,53 |
Volatilität der Importströme (Variationskoeffizient):
| Partner | CV |
|---|---|
| Kanada | 0,86 |
| Mexiko | 0,61 |
| Vereinigte Staaten | 0,56 |
| Norwegen | 0,55 |
| Libanon | 0,55 |
| Saudi-Arabien | 0,41 |
| Vereinigtes Königreich | 0,29 |
| Tunesien | 0,21 |
| Schweiz | 0,08 |
Die Exportbeziehungen nach Thailand (CV 1,02) und Hongkong (CV 1,01) sind die volatilsten, was auf unstetige, möglicherweise von Einzelaufträgen dominierte Handelsmuster hindeutet. Bei den Importen zeigt Kanada mit einem CV von 0,86 die höchste Schwankungsintensität. Bemerkenswert ist die geringe Volatilität der Importe aus der Schweiz (CV 0,08), was auf eine besonders stabile und verlässliche Handelsbeziehung schließen lässt. Die hohe Volatilität bei den US-Importen (CV 0,56) steht im Kontrast zum dominanten Wertwachstum — die Importe aus den USA schwanken zwar stark von Jahr zu Jahr, folgen aber einem klaren Aufwärtstrend.
Schlussfolgerung
Die Analyse des EU-Handels mit Kupferschrott (KN 74040010) im Zeitraum 2015–2025 offenbart einen Markt im fundamentalen Wandel. Drei zentrale Ergebnisse verdichten sich zu einem kohärenten Bild.
Erstens hat sich die EU von einem Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur entwickelt. Die Nettoimportabhängigkeit sank von +44,6 % auf −31,0 %, und die Exportneigung von über 150 % zeigt, dass die EU mehr Kupferschrott exportiert als sie selbst produziert. Die EU positioniert sich damit als zentraler Recycling- und Handelsknoten im globalen Kupferschrottmarkt.
Zweitens war die gesamte Wertexpansion — Exportwert +228 %, Importwert +76 % — im Wesentlichen preisgetrieben. Die Mengenentwicklung blieb deutlich hinter der Wertentwicklung zurück, mit nur moderatem Exportmengenwachstum (+19,5 %) und sogar rückläufigen Importmengen (−17,6 %). Dies unterstreicht die extreme Preissensitivität des Marktes und die Abhängigkeit von der globalen Rohstoffkonjunktur.
Drittens hat sich die geopolitische Landschaft der Handelspartner verschoben. Die USA sind zur dominanten Importquelle aufgestiegen (+763 %), China bleibt der wichtigste Exportmarkt, und die Exportkonzentration ist rückläufig (HHI −28 %). Innerhalb der EU haben insbesondere Spanien (+915 % Exportwachstum), Belgien (+490 % Importwachstum) und Polen (+16.062 % Importwachstum) ihre Positionen stark ausgebaut, während traditionelle Akteure wie Schweden und die Niederlande an Bedeutung verloren.
Die zunehmende Importkonzentration (HHI-Anstieg um 128 %) birgt strategische Risiken für die Versorgungssicherheit der EU, insbesondere angesichts der Dominanz der USA als Lieferant. Gleichzeitig signalisiert die Diversifizierung der Exportziele eine gewisse Robustheit der europäischen Exportseite. Für die europäische Rohstoffpolitik unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung des Kupferschrottrecyclings als strategischen Sektor im Kontext der Energiewende und der Kreislaufwirtschaft — ein Sektor, der sowohl wirtschaftlich als auch geopolitisch an Relevanz gewinnt.