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Marktentwicklung: Körperdesodorierungsmittel und Antitranspirationsmittel, zubereitet (CN 330720) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Außenhandel mit zubereiteten Körperdesodorierungsmitteln und Antitranspirationsmitteln (KN-Code 330720) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 dynamisch entwickelt. Die EU ist in diesem Marktsegment durchgehend Nettexporteurin, wobei der Handelsbilanzüberschuss von 186 Mio. EUR im Jahr 2015 auf rund 334 Mio. EUR im Jahr 2025 anwuchs — ein Plus von 79,5 %. Gleichzeitig vollzog sich eine markante Verschiebung: Während die Exportmengen nahezu stagnierten (−1,8 %), stieg der Exportwert um 54,4 %. Diese Disaggregation zwischen Volumen und Wert ist ein zentraler Befund dieses Berichts.

Weitere strukturelle Veränderungen umfassen die geografische Umorientierung der Handelsströme — insbesondere im Kontext des Brexits und der Sanktionen gegen Russland — sowie eine zunehmende Spezialisierung einzelner EU-Mitgliedstaaten. Die EU-Produktion im Sinne des PRODCOM-Codes 20.42.19.60 wuchs im selben Zeitraum von geschätzten 1,06 Mrd. EUR auf 1,44 Mrd. EUR.

Übersicht der Handelsdaten


1. Preisgetriebene Wertschöpfung: Die Dominanz des Preiswachstums über das Volumenwachstum

1.1 Exportpreise steigen um 57 %, Mengen bleiben nahezu unverändert

Das auffälligste Merkmal der Marktentwicklung ist die massive Preissteigerung bei gleichzeitig stagnierenden Handelsmengen. Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich von 6.075 EUR/t (2015) auf 9.552 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 57,2 % entspricht. Im gleichen Zeitraum sanken die exportierten Mengen von 93.770 t auf 92.080 t (−1,8 %). Der Exportwert stieg dennoch um 54,4 % auf 880 Mio. EUR, was zeigt, dass das Wachstum nahezu vollständig preisinduziert war.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 570 880 +54,4 %
Exportmenge (t) 93.770 92.080 −1,8 %
Exportpreis (EUR/t) 6.075 9.552 +57,2 %
Importwert (Mio. EUR) 384 546 +42,2 %
Importmenge (t) 62.540 67.625 +8,1 %
Importpreis (EUR/t) 6.134 8.068 +31,5 %

1.2 Importpreise entwickeln sich parallel, bleiben aber unter dem Exportniveau

Auch die Importpreise stiegen deutlich — von 6.134 EUR/t auf 8.068 EUR/t (+31,5 %) — allerdings in geringerem Ausmaß als bei den Exporten. Die Preisschere zwischen Export- und Importpreisen hat sich somit geöffnet: Lag der Unterschied 2015 noch bei lediglich 59 EUR/t zugunsten der Importe, betrug die Differenz 2025 rund 1.484 EUR/t zugunsten der Exporte. Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung der EU-Exporte hin — etwa durch verstärkten Export von Premiummarken oder höherwertig formulierten Produkten.

1.3 COVID-19 als temporärer Mengenschock mit rascher Erholung

Die Pandemie hinterließ 2020/2021 deutliche Spuren im Mengengerüst. Die Exportmengen fielen von 91.623 t (2019) auf 76.461 t (2021), was einem Rückgang von 16,6 % entspricht. Die Importmengen sanken von 78.842 t (2019) auf 57.838 t (2022), ein Minus von 26,6 %. Bemerkenswert ist, dass sich die Mengen bis 2025 noch nicht vollständig erholten, während die Werte infolge der Preissteigerungen neue Höchststände erreichten. Dies unterstreicht die These, dass die Pandemie als Katalysator für Preissteigerungen wirkte — möglicherweise durch Lieferkettenunterbrechungen, erhöhte Hygienebewusstsein und nachgelagerte Kostenerhöhungen.


2. Geopolitische Umbrüche und Handelspartner-Dynamik

2.1 Das Vereinigte Königreich als dominierter Handelspartner — mit divergenten Entwicklungen

Das Vereinigte Königreich ist mit großem Abstand der wichtigste Handelspartner der EU im Segment 330720, allerdings mit gegenläufigen Trends bei Importen und Exporten.

Richtung 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
EU-Importe aus UK 309 443 +43,3 %
EU-Exporte nach UK 168 144 −14,1 %

Die EU-Importe aus dem Vereinigten Königreich stiegen kräftig an — von 309 Mio. EUR auf 443 Mio. EUR —, was das UK als Zulieferer noch stärker positionierte. Gleichzeitig gingen die EU-Exporte in das UK von 168 Mio. EUR auf 144 Mio. EUR zurück. Der Brexit scheint hier zu einer Verschiebung des bilateralen Handelsmusters beigetragen zu haben: Während die EU verstärkt Vorprodukte oder Fertigwaren aus dem UK bezieht, haben sich die Exportströme in umliegende Märkte diversifiziert.

Top-Handelspartner nach Werten

2.2 Russland als Fallbeispiel geopolitischen Handelskollapses

Der russische Handel zeigt einen dramatischen Verlauf. Die EU-Importe aus Russland kollabierten von 13,4 Mio. EUR (2015) und einem Höchststand von 32,0 Mio. EUR (2021) auf praktisch null (0,7 Mio. EUR in 2025). Dies entspricht einem Rückgang von −100 % gegenüber dem Ausgangswert. Der Koeffizient der Variation (CV) der Importmengen aus Russland beträgt 0,76 — der zweithöchste aller erfassten Partner —, was die extreme Volatilität dieser Handelsbeziehung unterstreicht.

Die EU-Exporte nach Russland entwickelten sich hingegen widersprüchlich: Sie stiegen von 45,4 Mio. EUR auf 61,4 Mio. EUR (+35,4 %). Angesichts der Sanktionen seit 2022 ist diese Zunahme bemerkenswert und könnte teilweise auf Zeitverzögerungen in der Handelsstatistik, Weiterleitungen über Drittländer oder Ausnahmegenehmigungen zurückzuführen sein.

2.3 Neue Wachstumsmärkte: Türkei, Ukraine und VAE

Während traditionelle Handelsbeziehungen unter Druck gerieten, zeigten mehrere Märkte ein außerordentliches Wachstum bei den EU-Exporten:

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Türkei 17,8 44,4 +149,0 %
Ukraine 9,1 32,5 +258,2 %
Vereinigte Arabische Emirate 39,9 58,7 +46,9 %
Mexiko 11,2 31,5 +180,6 %

Die Türkei und die Ukraine entwickelten sich zu dynamischen Abnehmern, wobei das Ukraine-Wachstum teilweise auch mit der EU-Unterstützungspolitik und dem Wiederaufbau kontextualisiert werden kann. Die VAE profitieren ihrerseits von ihrer Rolle als Handelsdrehscheibe für den Nahen Osten und Afrika.

Gleichzeitig wuchs auch die EU-Importseite mit neuen Partnern: Importe aus der Türkei stiegen von 4,1 Mio. EUR auf 11,7 Mio. EUR (+186 %), und die Philippinen vergrößerten ihre Lieferungen von 11,1 Mio. EUR auf 14,4 Mio. EUR (+29,5 %).

2.4 Sinkende Konzentration der Exportmärkte

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Exportkonzentration sank im Wert von 1.088 (2015) auf 519 (2025), was einem Rückgang von 52,3 % entspricht. Dies bedeutet eine erhebliche Diversifizierung der Exportdestinationen. Im Gegensatz dazu blieb der HHI der Importe mit rund 6.551 bis 6.651 weitgehend stabil (+1,5 %), was die anhaltende Dominanz des Vereinigten Königreichs auf der Importseite widerspiegelt.

Konzentrationsanalyse (HHI)


3. Binnenmarktstruktur: Spezialisierung, Produktion und Autonomie

3.1 Polen als Export-Spezialist mit klarem Komparativvorteil

Die Analyse der Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) zeigt, dass Polen unter den EU-Mitgliedstaaten die stärkste Spezialisierung im Segment 330720 aufweist:

Land RSCA RCA Produktionsanteil
Polen 0,378 2,22 14,7 %
Dänemark 0,313 1,91 3,3 %
Slowakei 0,198 1,50 3,2 %
Frankreich 0,174 1,42 11,1 %
Spanien 0,172 1,41 8,2 %

Polens Exporte im Segment 330720 beliefen sich 2025 auf 139 Mio. EUR — ein Plus von 140,8 % gegenüber 2015. Damit hat Polen die Niederlande überholt und ist nach Deutschland (220 Mio. EUR) und Frankreich (135 Mio. EUR) der drittgrößte Exporteur der EU. Polens RCA von 2,22 zeigt, dass das Land im Verhältnis zu seiner gesamten Exportstruktur überproportional in diesem Segment engagiert ist.

Deutschland, der größte Exporteur absolut, weist hingegen einen RSCA nahe null auf (−0,022), was bedeutet, dass dieser Markt proportional zur deutschen Gesamtwirtschaft keine besondere Spezialisierung darstellt.

Spezialisierungskarte der EU-Mitgliedstaaten

3.2 Wachsende EU-Produktion untermauert den Nettexporteur-Status

Die EU-Produktion (PRODCOM 20.42.19.60) wuchs von geschätzten 1,06 Mrd. EUR (2015) auf 1,44 Mrd. EUR (2024), was einem Anstieg von 85,6 % über den gesamten Zeitraum entspricht. Der Höchstwert wurde 2023 mit rund 1,50 Mrd. EUR erreicht. Diese Produktionsdynamik bildet die Grundlage für den zunehmenden Nettexportüberschuss und bestätigt, dass die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit im Segment der Körperpflegemittel ausgebaut hat.

3.3 Zunehmende Handelsautonomie und Exportneigung

Drei Indikatoren belegen die wachsende Verflechtung und Exportorientierung der EU in diesem Segment:

Indikator 2015 2024/25 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit (%) −0,4 % −27,6 % −6.297 %
Exportneigung (%) 32,5 % 57,1 % +75,6 %
Handelsintensität (%) 48,9 % 68,3 % +39,7 %

Die Netto-Importabhängigkeit sank von nahezu null auf −27,6 % — negativ bedeutet hier, dass die EU Nettexporteurin ist. Die Exportneigung, also der Anteil der Produktion, der in Drittländer exportiert wird, stieg von 32,5 % auf 57,1 %. Dies zeigt, dass die EU ihre Überkapazitäten zunehmend auf Exportmärkte ausrichtet.

Das Minimum der Netto-Importabhängigkeit wurde 2012 mit −37,5 % erreicht; der Wert von 2025 (−27,6 %) liegt darunter, was darauf hindeutet, dass die EU zwar weiterhin stark exportorientiert ist, die Abhängigkeit von Exportmärkten aber etwas abgenommen hat.

Netto-Importabhängigkeit

Exportneigung

3.4 Volatilität: Risikokonzentration bei ausgewählten Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse (Koeffizient der Variation der Mengen) zeigt, dass bestimmte Handelsbeziehungen erheblichen Schwankungen unterliegen. Auf der Importseite fallen vor allem Indien (CV 1,74), die VAE (1,01) und Singapur (0,99) mit hoher Volatilität auf — allesamt jedoch mit relativ kleinen Handelsvolumina. Der wichtigste Importpartner, das Vereinigte Königreich, zeigt dagegen eine moderate Volatilität (CV 0,11), was die Stabilität dieser Kernbeziehung unterstreicht.

Auf der Exportseite ist die Volatilität insgesamt geringer. Algerien (CV 0,50) und Marokko (0,29) zeigen die höchsten Schwankungen, während die wichtigsten Destinationen — Vereinigtes Königreich (0,27), Russland (0,17) und Südafrika (0,10) — relativ stabil sind.

Volatilitätsanalyse


Fazit

Der EU-Markt für Körperdesodorierungsmittel und Antitranspirationsmittel hat sich zwischen 2015 und 2025 entlang dreier zentraler Linien entwickelt:

  1. Preisdominanz über Volumen: Das Wachstum von 54 % beim Exportwert wurde fast ausschließlich durch Preissteigerungen (+57 %) getrieben, während die Mengen stagnierten. Dies deutet auf Premiumisierung, Inflationseffekte und möglicherweise eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktkategorien hin.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Der Brexit und die Russland-Sanktionen haben die Handelsgeografie nachhaltig verändert. Während die traditionelle UK-Importdominanz bestehen blieb, diversifizierten sich die Exportmärkte stark (HHI-Rückgang um 52 %). Neue Wachstumsmärkte wie die Türkei, die Ukraine und Mexiko haben an Bedeutung gewonnen.

  3. Gestärkte Autonomie der EU: Die EU hat ihre Position als Nettexporteurin ausgebaut (Handelsbilanzüberschuss +79,5 %), ihre Exportneigung nahezu verdoppelt und eine differenzierte Binnenproduktionsbasis aufgebaut, in der neben Deutschland zunehmend Polen und Frankreich eine tragende Rolle spielen.

Die größten Risiken liegen in der anhaltenden Abhängigkeit vom Vereinigten Königreich als Importquelle (rund 81 % aller EU-Importe aus Nicht-EU-Ländern) sowie in der Preisgetriebenheit des Wachstums, die bei einer konjunkturellen Abkühlung oder veränderten Konsumentenpräferenzen kippen könnte.

Methodik und Gesamtübersicht

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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