Marktentwicklung: Kombinierte Kühl- und Gefrierschränke, mit gesonderten Außentüren oder Schubladen, oder Kombinationen davon (CN 841810) — 2015–2025
Einleitung
Der Markt für kombinierte Kühl- und Gefrierschränke (KN-Code 841810) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental verändert. Was als ein durch etablierte Handelsbeziehungen und eine breit aufgestellte europäische Produktion geprägtes Segment begann, entwickelte sich zu einem Markt, der zunehmend von Importen aus Fernost dominiert wird. Der Überblick über den Gesamthandel zeigt drei zentrale Trends: eine Verdopplung der Importe bei moderatem Exportwachstum, eine massive Konzentration auf China als Lieferant sowie einen spürbaren Rückgang der inländischen Produktion. Der Nettoimportanteil stieg von 26,9 % im Jahr 2015 auf 39,1 % im Jahr 2025 — ein Anstieg um 45,5 %, der die wachsende Abhängigkeit der EU von Drittlandlieferungen unterstreicht.
Die in diesem Bericht analysierten Daten umfassen den gesamten Zeitraum 2015–2025 auf Jahresbasis, wobei unvollständige Perioden bereits ausgeschlossen sind. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Handel der EU mit Drittländern (nicht-EU-Ländern).
1. Verdoppelte Importe und ein sich vertiefendes Handelsdefizit
1.1 Die Einfuhren wuchsten doppelt so schnell wie die Ausfuhren
Im Zeitraum 2015–2025 haben sich die extra-EU-Importe von KN 841810 nahezu verdoppelt — von 972 Mio. € auf 2.053 Mio. €, was einem Anstieg von 111,2 % entspricht. Im gleichen Zeitraum stiegen die Exporte lediglich von 549 Mio. € auf 720 Mio. € (+31,1 %). Die Mengenentwicklung bestätigt dieses Bild: Während die Importmenge von 279.359 auf 575.474 Einheiten wuchs (+106,0 %), erhöhte sich die Exportmenge nur von 113.394 auf 119.151 Einheiten (+5,1 %). Die EU hat damit den Zeitraum 2015–2025 mit einem Handelsbilanzdefizit von −1.333 Mio. € abgeschlossen, verglichen mit −423 Mio. € zu Beginn des Zeitraums.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 549 Mio. € | 720 Mio. € | +31,1 % |
| Importwert | 972 Mio. € | 2.053 Mio. € | +111,2 % |
| Handelsbilanz | −423 Mio. € | −1.333 Mio. € | −214,9 % |
| Exportmenge (t) | 113.394 | 119.151 | +5,1 % |
| Importmenge (t) | 279.359 | 575.474 | +106,0 % |
1.2 Steigende Exportpreise bei stagnierenden Importpreisen
Ein bemerkenswerter Aspekt der Preisentwicklung: Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen von 4.839 €/t (2015) auf 6.039 €/t (2025), ein Plus von 24,8 %. Die Importpreise hingegen verharrten mit nur 2,5 % Anstieg (von 3.480 auf 3.567 €/t) auf einem weitgehend stabilen Niveau. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertigere oder teurere Kühlschränke exportiert, während die Importe — insbesondere aus Asien — preisgünstig bleiben. Der Mindestexportpreis wurde 2015 mit 4.500 €/t verzeichnet, der Höchstpreis 2025 mit 6.039 €/t.
1.3 Die drei Pandemiejahre als Wendepunkt
Betrachtet man die jährliche Handelsentwicklung, so fällt auf, dass die Importe von 2019 bis 2021 einen besonders starken Sprung machten: von 1.479 Mio. € (2019) über 1.537 Mio. € (2020) auf 2.016 Mio. € (2021) — ein Anstieg von über 36 % in zwei Jahren. Die Exporte erreichten ihren Höchstwert dagegen erst 2023 mit 767 Mio. €, bevor sie 2024–2025 leicht auf 720 Mio. € zurückgingen. Der COVID-19-Nachfrageschub und anschließende Lieferkettenanpassungen haben die Importdynamik nachhaltig verstärkt.
2. Chinas Dominanz und die zunehmende Konzentration der Importstruktur
2.1 China als Hegemon der EU-Einfuhren
China hat sich im betrachteten Zeitraum zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU entwickelt. Die Einfuhren aus China stiegen von 370 Mio. € (2015) auf 1.466 Mio. € (2025) — ein Anstieg von 296,7 %. China allein machte 2025 rund 71 % des gesamten extra-EU-Importwerts aus. Die Importmenge aus China verfünffachte sich nahezu: von 120.658 t (2015) auf 437.546 t (2025). Der Partnerländer-Vergleich illustriert diese Dominanz eindrücklich.
| Partner | Import 2015 (Mio. €) | Import 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 370 | 1.466 | +296,7 % |
| Türkiye | 352 | 344 | −2,4 % |
| Serbien | 67 | 85 | +27,0 % |
| Thailand | 46 | 57 | +23,4 % |
| Korea, Rep. | 98 | 49 | −50,6 % |
| Indonesien | 4 | 10 | +146,7 % |
2.2 Die Herkunftskonzentration verdoppelte sich fast
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe verdoppelte sich nahezu — von 2.935 (2015) auf 5.411 (2025), ein Anstieg von 84,4 %. Ein HHI über 2.500 gilt bereits als mäßig konzentriert; Werte über 5.000 deuten auf eine hohe Konzentration hin. Die Exportseite zeigt im Gegensatz dazu eine stabil dezentrale Struktur (HHI zwischen 1.029 und 1.336). Die wachsende Importkonzentration ist fast ausschließlich auf das Wachstum Chinas zurückzuführen — alle anderen Hauptlieferanten verloren an Marktanteilen.
2.3 Rückgang traditioneller Lieferanten
Während China expandierte, verloren andere wichtige Partner an Boden:
- Südkorea: Halbierung der Importe von 98 Mio. € (2015) auf 49 Mio. € (2025), ein Rückgang von 50,6 %. Die Importmenge sank von 18.498 t auf 7.295 t.
- Vereinigtes Königreich: Rückgang der Importe von 20 Mio. € auf 9 Mio. € (−57,2 %), vermutlich infolge des Brexits und der neuen Handelsbeziehungen.
- Türkiye: Trotz anfänglichen Wachstums (bis 2022 mit 537 Mio. €) sanken die Einfuhren auf 344 Mio. € — leicht unter das Ausgangsniveau von 2015.
2.4 Segmentanalyse: Kleine und große Kühlschränke
Die Untergliederung nach Produktsegmenten zeigt, dass sowohl die Kategorie ≤340 Liter (84181080) als auch die Kategorie >340 Liter (84181020) ein starkes Importwachstum verzeichneten. Bei den kleineren Geräten stiegen die Importe von 496 Mio. € auf 989 Mio. €, bei den größeren von 476 Mio. € auf 1.064 Mio. €. Interessanterweise sind die Importpreise für größere Geräte durchgängig höher (z. B. 2025: 4.066 €/t vs. 3.152 €/t für kleinere Geräte), während die Exportpreise beider Kategorien konvergierten und 2025 bei rund 5.957–6.179 €/t lagen.
3. Rückgang der EU-Produktion und geopolitische Verschiebungen im Export
3.1 Die europäische Produktion schrumpft spürbar
Die EU-Produktionsvolumina zeigen einen rückläufigen Trend. Die Produktionsmenge sank von schätzungsweise 7,3 Mio. Einheiten (2022) auf 6,0 Mio. Einheiten (2024), ein Rückgang von 17,8 %. Der Produktionswert fiel im selben Zeitraum von 2,66 Mrd. € auf 2,00 Mrd. € (−24,7 %). Diese Daten sind teils gerundet oder geschätzt, doch die Richtung ist eindeutig: Die EU verliert Produktionskapazitäten in diesem Segment.
3.2 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU
Die Spezialisierungskarte für 2025 zeigt ein heterogenes Bild innerhalb der EU. Polen ist mit einem RCA von 5,79 und einem RSCA von 0,71 der mit Abstand spezialisierte Exporteur, gefolgt von Bulgarien (RCA 11,23, RSCA 0,84), Lettland (RCA 2,87) und Rumänien (RCA 2,29). Polen allein erzeugte 2025 rund 38,5 % der EU-Produktion und exportierte im Wert von 196 Mio. €. Auf der Gegenseite stehen Länder wie Irland (RSCA −0,89), Finnland (−0,87), Frankreich (−0,82) und Belgien (−0,74), die stark importabhängig sind.
| Land | RCA (2025) | RSCA (2025) | Produktionsanteil |
|---|---|---|---|
| Polen | 5,79 | 0,71 | 38,5 % |
| Bulgarien | 11,23 | 0,84 | 7,1 % |
| Italien | 1,44 | 0,18 | 11,5 % |
| Rumänien | 2,29 | 0,39 | 3,8 % |
| Deutschland | 0,73 | −0,15 | 15,5 % |
3.3 Geopolitische Schocks im Exportbereich
Die Analyse von Handelsschocks deckt mehrere bemerkenswerte Ereignisse auf:
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Russland: Der dramatischste Schock betrifft die Exporte in die Russische Föderation. Von 88 Mio. € (2018) und 18.460 t sanken die Ausfuhren auf 25 Mio. € und 3.998 t (2025) — ein Rückgang von 60,2 % bzw. 77,6 %. Der Zeitpunkt (2022) korrespondiert klar mit den Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Volatilitätsanalyse bestätigt Russland als hochvolatilen Partner (CV 0,50).
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Ukraine: Gleichzeitig stiegen die Exporte in die Ukraine von 29 Mio. € (2015) auf 62 Mio. € (2025, +113,8 %), mit einem Höchstwert von 79 Mio. € (2023). Die Ukraine wurde damit zum zweitwichtigsten Exportmarkt der EU.
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Marokko: Die Exporte nach Marokko wuchsen von 11 Mio. € auf 49 Mio. € (+333,4 %) — das stärkste Wachstum aller großen Exportpartner. Dies spiegelt die zunehmende Integration marokkanischer Produktions- und Absatzmärkte wider.
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Norwegen und Schweiz: Beide Märkte blieben als Exportziele stabil (Norwegen 48 Mio. €, Schweiz 60 Mio. €), was auf die geografische Nähe und bestehende Handelsabkommen hindeutet.
3.4 Die Exportlandkarte verschiebt sich nach Süden und Osten
Zusammenfassend zeigt die Exportpartner-Analyse eine klare Verschiebung der Exportstruktur. Während das Vereinigte Königreich seinen Spitzenplatz behielt (164 Mio. € → 216 Mio. €, +31,6 %), verloren etablierte Märkte wie Russland und Österreich (−64,5 %) an Bedeutung. Stattdessen gewannen Märkte in Nordafrika (Marokko, Tunesien), Südosteuropa (Rumänien, Bulgarien, Kosovo) und der Ukraine an Gewicht. Diese Verschiebung ist sowohl geopolitischen Umbrüchen als auch einer strategischen Diversifizierung der EU-Exporteure geschuldet.
Innerhalb der EU exportierte Rumänien besonders dynamisch: von 37 Mio. € (2015) auf 109 Mio. € (2025, +194,3 %), was das Land zum viertgrößten EU-Exporteur aufsteigen ließ. Deutschland blieb mit 184 Mio. € zweitgrößter Exporteur, verzeichnete aber nur ein moderates Wachstum (+45,7 %).
Fazit
Der EU-Markt für kombinierte Kühl- und Gefrierschränke durchlebt eine strukturelle Transformation. Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich festhalten:
Erstens hat sich die EU-Handelsbilanz im Zeitraum 2015–2025 drastisch verschlechtert. Aus einem Defizit von 423 Mio. € wurde ein Defizit von 1.333 Mio. €. Die Importe verdoppelten sich, während die Exporte nur moderat wuchsen. Der Nettoimportanteil stieg auf fast 40 %.
Zweitens dominiert China den EU-Importmarkt mit einem Anteil von über 70 % am Importwert. Die Konzentration der Importe hat sich nahezu verdoppelt (HHI von 2.935 auf 5.411). Traditionelle Lieferanten wie Südkorea und das Vereinigte Königreich verloren deutlich an Marktanteilen.
Drittens schrumpft die europäische Eigenproduktion, während geopolitische Ereignisse die Exportstruktur nachhaltig umformten. Der Einbruch der Exporte nach Russland nach 2021 und das gleichzeitige Wachstum in Richtung Ukraine, Marokko und Südosteuropa kennzeichnen eine fundamentale Neuausrichtung der EU-Außenhandelsstruktur in diesem Segment. Die Zukunft des Marktes wird maßgeblich davon abhängen, ob es der EU gelingt, ihre Produktionsbasis zu stabilisieren und ihre Exportmärkte weiter zu diversifizieren, während die Abhängigkeit von chinesischen Importen weiter steigt.