Marktentwicklung: Kokosöl (CN 151311) — 2015–2025
Einleitung
Rohe Kokosöl (CN 151311) ist ein strategisch bedeutsamer Rohstoff für die europäische Lebensmittel- und Industriewirtschaft. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten zeigen drei zentrale Trends: ein starkes Preiswachstum bei gleichzeitig rückläufigen Importmengen, eine wachsende Konzentration auf wenige Lieferantenländer in Südostasien sowie eine zunehmende Preisvolatilität, die die Verwundbarkeit der EU gegenüber externen Schocks verdeutlicht.
1. Importpreise verdoppelt, Mengen stagnieren — eine preisgetriebene Marktentwicklung
Der Importwert stieg um über 80 %, obwohl die Mengen leicht zurückgingen
Die EU-Importe von rohem Kokosöl verzeichneten im Betrachtungszeitraum ein bemerkenswertes Wertwachstum: Der Einfuhrwert erhöhte sich von 630,8 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 1.139,0 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Anstieg von 80,6 % entspricht (Gesamtübersicht). Dieses Wachstum wurde jedoch nicht durch steigende Mengen getrieben. Die Importmenge sank im selben Zeitraum von 600.202 t auf 562.945 t (−6,2 %). Der durchschnittliche Importpreis hingegen verdoppelte sich nahezu — von 1.051 EUR/t auf 2.023 EUR/t (+92,5 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (EUR) | 630.826.039 | 1.139.046.891 | +80,6 % |
| Importmenge (t) | 600.202 | 562.945 | −6,2 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.051 | 2.023 | +92,5 % |
Der Preisgipfel 2022 markiert einen Wendepunkt
Die Preise folgten keiner linearen Entwicklung. Nach einem Tiefststand von 748 EUR/t (2019) stiegen die Importpreise sprunghaft an und erreichten 2022 mit 1.704 EUR/t ein vorläufiges Maximum (Produktsegmente). Der Höchstwert wurde schließlich 2025 mit 2.023 EUR/t erreicht. Diese Preisentwicklung spiegelt globale Faktoren wider — insbesondere pandemiebedingte Lieferkettenstörungen, gestiegene Energiekosten und wetterbedingte Ernteausfälle in den Anbauländern.
Die Preisspitze 2021 betraf vor allem die Philippinen
Ein besonders markanter Schock wurde 2021 bei den Importen aus den Philippinen festgestellt: Der Preis sprang um 64,3 %, mit einer Abweichung (Abnormality) von 20,6 — dem höchsten im gesamten Datensatz (Schocks). Dies ist besonders relevant, da die Philippinen mit einem Wertanteil von 80,7 % an den EU-Importen der dominierende Lieferant sind. Ein einzelner Preisschock dort wirkt sich unmittelbar auf den gesamten europäischen Markt aus.
2. Philippinische Dominanz und wachsende Lieferantenkonzentration
Die Philippinen liefern über drei Viertel der EU-Importe
Die Philippinen sind mit weitem Abstand der wichtigste Lieferant der EU. Im Jahr 2025 importierte die EU Kokosöl im Wert von 872,7 Mio. EUR von den Philippinen — gegenüber 419,4 Mio. EUR im Jahr 2015 (+108,1 %). Indonesien folgt als zweitgrößter Lieferant mit 204,0 Mio. EUR, was lediglich einem Viertel des philippinischen Volumens entspricht (Handelspartner).
| Lieferant | Importwert 2015 (EUR) | Importwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Philippinen | 419.385.833 | 872.748.681 | +108,1 % |
| Indonesien | 170.131.958 | 203.982.284 | +19,9 % |
| Sri Lanka | 14.931.537 | 34.887.895 | +133,7 % |
| Papua-Neuguinea | 12.223.145 | 11.582.866 | −5,2 % |
| Französisch-Polynesien | 6.623.388 | 5.873.894 | −11,3 % |
Sri Lanka verzeichnete mit +133,7 % das stärkste prozentuale Wachstum unter den Hauptlieferanten, blieb aber mit 34,9 Mio. EUR absolut gesehen ein Nischenakteur. Die Lieferanten Singapore (−99,0 %) und Malaysia (−66,4 %) verloren hingegen fast vollständig an Bedeutung.
Der Herfindahl-Hirschman-Index zeigt steigende Konzentration
Die Konzentration der Importe, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), nahm im Betrachtungszeitraum zu. Der HHI-Wert (nach Werten) stieg von 5.158 (2015) auf 6.202 (2025), ein Anstieg um 20,2 % (Konzentration). Ein HHI über 2.500 gilt als Hinweis auf eine hohe Marktinkonzentration; der hier gemessene Wert deutet auf einen stark konzentrierten Markt hin, der sich über die Zeit weiter verengt hat.
Die Volatilität variiert stark je nach Herkunftsland
Die Lieferanten unterscheiden sich erheblich in der Stabilität ihrer Exporte in die EU. Die Philippinen weisen mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,13 die niedrigste Volatilität auf — ein Zeichen für stabile und zuverlässige Lieferbeziehungen. Demgegenüber stehen Lieferanten wie Papua-Neuguinea (CV = 0,85), Singapore (CV = 0,98) und Malaysia (CV = 1,06) für hochvolatile und damit weniger verlässliche Handelsströme (Volatilität).
| Lieferant | Variationskoeffizient (CV) | Bewertung |
|---|---|---|
| Philippinen | 0,13 | Sehr stabil |
| Indonesien | 0,32 | Moderat stabil |
| Sri Lanka | 0,22 | Stabil |
| Papua-Neuguinea | 0,85 | Volatil |
| Singapore | 0,98 | Sehr volatil |
| Malaysia | 1,06 | Sehr volatil |
Dieses Muster legt nahe, dass die Dominanz der Philippinen auch auf deren Lieferzuverlässigkeit zurückzuführen ist, nicht nur auf Preisvorteile.
3. EU-Binnenmarkt: Niederlande als Drehkreuz, Produktion wächst schnelter als der Handel
Die Niederlande sind das zentrale Importdrehkreuz der EU
Innerhalb der EU konzentrieren sich die Einfuhren von rohem Kokosöl auf wenige Mitgliedstaaten. Die Niederlande importierten 2025 Kokosöl im Wert von 606,0 Mio. EUR — ein Plus von 78,5 % gegenüber 2015 und ein Anteil von über 53 % am gesamten EU-Importwert. Deutschland folgt mit 231,3 Mio. EUR (+18,1 %). Auffällig ist das starke Wachstum in Spanien (+616,7 %, von 20,4 Mio. auf 146,4 Mio. EUR) und Italien (+147,8 %) (EU-Reporter).
| EU-Mitgliedstaat | Importwert 2015 (EUR) | Importwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 339.457.489 | 606.003.405 | +78,5 % |
| Deutschland | 195.871.254 | 231.343.164 | +18,1 % |
| Spanien | 20.430.360 | 146.427.787 | +616,7 % |
| Italien | 37.422.443 | 92.739.429 | +147,8 % |
| Frankreich | 26.559.382 | 41.704.679 | +57,0 % |
Laut Spezialisierungsanalyse weisen die Niederlande einen hohen RCA-Wert (Revealed Comparative Advantage) von 4,54 und einen positiven RSCA von 0,64 auf, was ihre herausragende Rolle als Import- und Verteilungszentrum bestätigt (Spezialisierung).
Die EU-Produktion von Kokosöl wuchs deutlich stärker als die Einfuhren
Während die Importmengen leicht sanken (−6,2 %), stieg die in der EU produzierte Menge an rohem Kokosöl — gemessen in der PRODCOM-Statistik — von 1.500 Mio. kg im Jahr 2015 auf 2.400 Mio. kg im Jahr 2025, ein Plus von 60,0 %. Der Produktionswert erhöhte sich im selben Zeitraum von 912 Mio. EUR auf 1.278 Mio. EUR (+40,2 %) (Produktionsvolumen). Dies deutet darauf hin, dass die EU ihre inländische Verarbeitungskapazität ausgebaut hat, möglicherweise als Reaktion auf die gestiegenen Importpreise und die zunehmende Konzentration der Lieferketten.
Die Handelsintensität sinkt, die Exportneigung nimmt ab
Trotz der wachsenden Produktion sank die Handelsintensität (Trade Intensity) von 85,2 % (2015) auf 78,8 % (2025), und die Exportneigung ging von 61,5 % auf 47,4 % zurück (Verwundbarkeit). Dies bedeutet, dass die EU einen wachsenden Anteil ihrer Kokosölproduktion selbst verbraucht, anstatt sie zu exportieren. Die EU-Exporte bleiben mit 8,8 Mio. EUR im Jahr 2025 ohnehin marginal — lediglich 0,8 % des Importwerts. Die Netto-Importabhängigkeit blieb mit rund 50 % nahezu unverändert (Netto-Importabhängigkeit).
Fazit
Der EU-Markt für rohes Kokosöl (CN 151311) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert, wenngleich die Grundstruktur — starke Importabhängigkeit bei geringer Exportneigung — erhalten blieb. Die drei zentralen Entwicklungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
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Preisgetriebenes Wachstum: Der Importwert stieg um 80,6 %, obwohl die Mengen leicht sanken. Der durchschnittliche Importpreis hat sich nahezu verdoppelt, was globale Faktoren wie pandemiebedingte Störungen und Wetterschwankungen in den Anbauländern widerspiegelt.
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Zunehmende Konzentration: Die Philippinen haben ihre dominante Stellung als Hauptlieferant weiter ausgebaut. Der HHI stieg um 20,2 %, was das Lieferantenrisiko erhöht. Gleichzeitig sind die philippinischen Lieferungen die stabilsten aller Lieferanten, was die Abhängigkeit noch vertieft.
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Binnenmarktstruktur: Die Niederlande fungieren als zentrales EU-Drehkreuz, während die inländische Produktion um 60 % wuchs. Die sinkende Exportneigung deutet darauf hin, dass die EU zunehmend dazu übergeht, Kokosöl im Inland zu verarbeiten und zu konsumieren.
Angesichts der hohen Preis- und Liefervolatilität sowie der wachsenden Konzentration auf wenige Herkunftsländer bleibt die Versorgungssicherheit der EU mit rohem Kokosöl eine Herausforderung, die strategische Diversifizierung der Lieferketten erfordert.