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Marktentwicklung: Klebstoffe auf der Grundlage von Polymeren der Pos. 3901 bis 3913 oder von Kautschuk (ausg. in Aufmachungen für den Einzelverkauf mit einem Gewicht des Inhalts von <= 1 kg) (CN 350691) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Klebstoffen auf Polymer- oder Kautschukbasis (KN-Code 350691) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Dieser Zollcode umfasst zubereitete Klebstoffe auf Basis von Polymeren der Positionen 3901 bis 3913 oder von Kautschuk — ausgenommen Einzelverkaufsverpackungen mit einem Füllgewicht von ≤ 1 kg — und lässt sich weiter untergliedern in den allgemeinen Klebstoffcode (35069190) sowie optisch klare, trägerfreie Klebebänder und Flüssigklebstoffe speziell für die Herstellung von Flach- oder Touchscreens (35069110).

Der Markt dieses Produkts ist von grundlegender Bedeutung für zahlreiche industrielle Wertschöpfungsketten — von der Automobilindustrie über die Elektronik bis hin zum Bauwesen. Die EU ist in diesem Segment sowohl ein bedeutender Produzent als auch ein bedeutender Exporteur. Im Folgenden werden die wesentlichen Handelsdynamiken, die Marktstruktur sowie die auftretenden Preisschocks und Abhängigkeiten dargestellt und interpretiert.


1. Robustes Wachstum bei steigender Exportdominanz: Bilanz und Volumenentwicklung 2015–2025

Der EU-Handelsüberschuss hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt

Im gesamten Betrachtungszeitraum verzeichnete die EU einen konstant positiven Handelsbilanzüberschuss bei CN 350691. Dieser Überschuss stieg von 467,8 Mio. € (2015) auf 803,6 Mio. € (2025), was einem Anstieg von +71,8 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit 912,0 Mio. € erreicht, bevor der Überschuss 2023 leicht zurückging und sich danach stabilisierte. Die EU ist damit im Segment der Polymerklebstoffe eindeutig ein Nettoexporteur — die Netto-Importabhängigkeit verschärfte sich von −7,6 % (2015) auf −27,3 % (2025), was den zunehmenden Exportüberschuss widerspiegelt.

Die Exporte wuchsen deutlich stärker als die Einfuhren — sowohl im Wert als auch im Preis

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 881,1 1.314,0 +49,1 %
Importwert (Mio. €) 413,3 510,5 +23,5 %
Exportmenge (Tonnen) 294.960 322.460 +9,3 %
Importmenge (Tonnen) 119.168 143.596 +20,5 %
Exportpreis (€/Tonne) 2.987 4.075 +36,4 %
Importpreis (€/Tonne) 3.468 3.555 +2,5 %

Die Exporte übertrafen die Einfuhren in allen Jahren um ein Vielfaches. Auffällig ist, dass das Exportwachstum primär preisgetrieben war: Während die exportierte Menge um lediglich 9,3 % stieg, erhöhte sich der Exportpreis um 36,4 %. Auf der Importseite war die Dynamik umgekehrt: Die Importmänge stiegen mit 20,5 % deutlich, während der Importpreis nur marginal zunahm (+2,5 %). Dies deutet auf eine zunehmende Wertschöpfung der EU-Exporte sowie auf einen wachsenden Bedarf an preisgünstigeren Importen aus Drittländern hin.

Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt: Exportpreise schossen in die Höhe

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass 2022 sowohl der Export- als auch der Importwert einen Spitzenwert erreichte (1.431,7 Mio. € bzw. 519,7 Mio. €). Der Exportpreis kletterte 2022 auf 4.275 €/Tonne — den höchsten Wert im gesamten Zeitraum. Hintergrund dürften die nach der COVID-19-Pandemie stark gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sein, die sich 2022 infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiter zuspitzten. In den Folgejahren normalisierten sich die Preise leicht, blieben aber deutlich über dem Vorkrisenniveau.

Die EU-Produktion wertete sich stärker auf als sie mengenmäßig wuchs

Die EU-Produktion von zubereiteten Klebstoffen (Prodcom 20.52.10.80) lag mengenmäßig zwischen ca. 2,7 und 4,5 Mio. Tonnen, wertmäßig zwischen 2,6 und 6,0 Mrd. €. Der Produktionswert stieg von 2015 (3.964 Mio. €) auf 2025 (5.778 Mio. €) um rund +75,7 %, während die Produktionsmenge nur um +5,0 % zunahm. Diese Schere zwischen Wert- und Mengenwachstum unterstreicht den Trend zu höherwertigen Klebstoffen und spiegelt die Preissteigerungen wider.


2. Verschiebung der Handelsströme: Neue Partner auf der Importseite, Russland-Verlust auf der Exportseite

China und Südkorea sind die dynamischsten Importpartner der EU geworden

Die Struktur der EU-Importe hat sich im Betrachtungszeitraum erheblich verändert. Traditionell dominierten die Schweiz (180,5 Mio. € in 2025), das Vereinigte Königreich (97,8 Mio. €) und die USA (81,6 Mio. €) als Lieferanten. Die mit Abstand dynamischste Entwicklung zeigt sich jedoch bei China: Die chinesischen Exporte in die EU stiegen von lediglich 11,3 Mio. € (2015) auf 59,0 Mio. € (2025) — ein Plus von +422,2 %. Noch extremer war der Anstieg bei Südkorea (+1.073,7 %, von 2,3 Mio. € auf 27,2 Mio. €) und bei der Türkei (+213,5 %, von 6,3 Mio. € auf 19,6 Mio. €).

Gleichzeitig sanken die Importe aus den USA um 41,6 % — von 139,8 Mio. € (2015) auf 81,6 Mio. € (2025). Diese Verschiebung spiegelt sich auch in der Herfindahl-Hirschman-Index-Entwicklung (HHI) wider: Der Import-HHI sank von 2.904 (2015) auf 2.082 (2025) — ein Rückgang von 28,3 %. Die Importquellen der EU haben sich also deutlich diversifiziert.

Top-Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Schweiz 153,3 180,5 +17,7 %
Vereinigtes Königreich 77,5 97,8 +26,1 %
China 11,3 59,0 +422,2 %
USA 139,8 81,6 −41,6 %
Türkei 6,3 19,6 +213,5 %
Südkorea 2,3 27,2 +1.073,7 %

Auf der Exportseite: China und die USA als Wachstumsmärkte, Russland als Verlust

Die EU-Exporte verteilten sich 2025 auf ein breites Partnerland-Portfolio. Die drei größten Abnehmer waren das Vereinigte Königreich (156,6 Mio. €), China (192,2 Mio. €) und die Türkei (117,7 Mio. €). Der stärkste absolute Zuwachs ging von China aus: Die EU-Exporte dorthin stiegen um +181,4 % (von 68,3 auf 192,2 Mio. €). Auch die USA (+155,5 %) und die Ukraine (+61,8 %) verzeichneten kräftige Zuwächse.

Demgegenüber sanken die EU-Exporte in die Russische Föderation um 30,0 % — von 115,5 Mio. € (2015) auf 80,8 Mio. € (2025). Die Exportmänge in Richtung Russland halbierten sich sogar von 45.376 Tonnen auf 24.191 Tonnen. Dieser Rückgang ist vor allem auf die seit 2022 verhängten Sanktionen der EU gegen Russland zurückzuführen. Die Exportpreise in Richtung Russland stiegen zwar ebenfalls (von 2.545 auf 3.341 €/Tonne), konnten aber den mengenmäßigen Rückgang nicht kompensieren.

Top-Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 134,5 156,6 +16,4 %
Russische Föderation 115,5 80,8 −30,0 %
Türkei 90,9 117,7 +29,4 %
USA 51,5 131,5 +155,5 %
China 68,3 192,2 +181,4 %
Schweiz 55,5 57,1 +2,9 %

Der Exportsektor zeigt eine moderate Konzentrationsabnahme

Während die Importkonzentration deutlich abnahm, blieb die Exportkonzentration mit einem HHI von ca. 653–725 throughout relativ stabil und niedrig. Dies bedeutet, dass die EU-Exporte bereits seit 2015 breit gestreut waren — die Märkte sind heterogen und es gibt keine extreme Abhängigkeit von einzelnen Abnehmern. Die Spezialisierungskarte zeigt, dass innerhalb der EU insbesondere Deutschland (RSCA: 0,349, RCA: 2,07), Frankreich (RSCA: 0,233, RCA: 1,61) und Italien (RSCA: 0,204, RCA: 1,51) eine klare komparative Spezialisierung in diesem Produktsegment aufweisen.


3. Preisschocks und Volatilität: COVID-19-Nachholeffekte und geopolitische Turbulenzen

Die Preisvolatilität variiert stark nach Herkunftsland

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Importmengen aus einzelnen Partnern stark schwanken. Der Variationskoeffizient (CV) der importierten Mengen reicht von 0,07 (Schweiz, sehr stabil) bis 1,28 (Ägypten, extrem schwankend). Bemerkenswert hohe Volatilität weisen auch Südkorea (CV: 0,81) und China (CV: 0,75) auf — beides Partner, deren Handelsströme im betrachteten Zeitraum erst stark anwuchsen.

Auf der Exportseite ist die Volatilität insgesamt deutlich geringer. Der niedrigste CV findet sich bei Saudi-Arabien (0,05) und der Türkei (0,06). Das bedeutendste Handelspartner mit der höchsten Schwankung ist die USA (CV: 0,24), gefolgt von Serbien (0,20) und Norwegen (0,19). Die geringe Exportvolatilität unterstreicht die breite Diversifizierung und die Stabilität der Handelsbeziehungen der EU.

Mehrere Preisschocks im Jahr 2022 — ein Cluster außergewöhnlicher Preisbewegungen

Die Schockerkennung identifizierte mehrere signifikante Preisschocks bei den EU-Exporten, die sich auffällig auf das Jahr 2022 konzentrieren:

Schockereignis Land Preisabweichung Preisverschiebung Anteil am Exportwert
Preis-Schock 2022 Mexiko 20,1 σ +24,0 % 2,8 %
Preis-Schock 2022 Algerien 12,8 σ +22,7 % 1,5 %
Preis-Schock 2022 VAE 10,5 σ +21,0 % 1,7 %
Preis-Schock 2017 Saudi-Arabien 11,8 σ +17,2 % 1,5 %

Bei Mexiko stieg der durchschnittliche Exportpreis im Basiszeitraum 2020/21 (4.296 €/Tonne) im Schockjahr 2022 auf 5.329 €/Tonne — ein Plus von 24 %. Die exportierte Menge erhöhte sich gleichzeitig um 30,5 %. Dies deutet auf eine stark überhöhte Nachfrage hin, die möglicherweise durch Nachholeffekte nach der Pandemie und Lieferkettenengpässe in Lateinamerika verursacht wurde. Der Preis blieb auch 2023/24 mit 4.940 €/Tonne weiterhin über dem Basisniveau, was auf eine teilweise strukturelle Neubewertung hindeutet.

Bei Algerien war das Muster anders: Hier sank die exportierte Menge 2022 auf 88,4 % des Basiswerts, während der Preis um 22,7 % stieg — ein typisches Angebotsverknappungsmuster. In den Folgejahren 2023/24 normalisierte sich die Menge wieder, aber der Preis verblieb 31,3 % über dem Basisniveau.

Deutschland und Italien dominieren die EU-Produktion — die Marktführerschaft verfestigt sich

Innerhalb der EU ist die Produktion von CN 350691 stark konzentriert. Deutschland produzierte 2025 Klebstoffe im Wert von geschätzten 2.539 Mio. € (43,8 % des EU-Gesamtwerts) und exportierte 666,4 Mio. € — ein Zuwachs von 45,5 % gegenüber 2015. Italien verdoppelte seine Exporte nahezu (von 111,1 auf 231,7 Mio. €, +108,5 %), und auch Spanien (+373,4 %) sowie Polen (+72,6 %) verzeichneten kräftige Zuwächse.

Auf der Importseite zeigte sich eine bemerkenswerte Verschiebung innerhalb der EU: Während Deutschland als größter EU-Importeur relativ stabil blieb (−13,2 %), stiegen die Importe in Polen (+240,7 %), die Niederlande (+163,7 %) und insbesondere Tschechien (+667,5 %) massiv an. Dies deutet auf eine zunehmende industrielle Verflechtung in Mittel- und Osteuropa hin.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Klebstoffe auf Polymer- und Kautschukbasis (CN 350691) zeichnet sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Trends aus:

Erstens hat sich die EU als starker Nettoexporteur etabliert und ihre Exportdominanz weiter ausgebaut. Der Handelsüberschuss verdoppelte sich fast, und die Exportpreise stiegen deutlich stärker als die Importpreise — ein Hinweis auf eine Aufwertung der EU-Produkte im internationalen Wettbewerb.

Zweitens vollzieht sich eine tektonische Verschiebung der Handelsströme: Auf der Importseite gewinnen asiatische Hersteller (insbesondere China und Südkorea) rapide an Bedeutung, während die US-amerikanischen Lieferanten Marktanteile verlieren. Auf der Exportseite entwickeln sich China und die USA zu den wichtigsten Wachstumsmärkten, während die Ausfuhren nach Russland — bedingt durch Sanktionen — deutlich schrumpfen. Die Importquellen der EU haben sich dabei signifikant diversifiziert.

Drittens markiert das Jahr 2022 einen Wendepunkt: Hohe Rohstoff- und Energiekosten, Nachholeffekte nach der Pandemie sowie geopolitische Turbulenzen führten zu einem vorübergehenden Exportpreishöchststand und mehreren signifikanten Preisschocks bei Exporten in Drittländer. Die Preise haben sich seitdem leicht normalisiert, verbleiben aber strukturell über dem Vorkrisenniveau. Die EU-Klebstoffindustrie — angeführt von Deutschland, Italien und Frankreich — zeigt sich insgesamt als robust und wettbewerbsfähig, muss jedoch die zunehmende Importdynamik aus Asien sowie die geopolitischen Risiken im Blick behalten.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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