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Marktentwicklung: Kautschukprofile (CN 4006) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 4006 umfasst Stäbe, Stangen, Rohre, Profile und andere Formen aus nichtvulkanisiertem Kautschuk sowie Waren daraus. Er gliedert sich in zwei Unterpositionen: 400610 (Rohlaufprofile für Reifen) und 400690 (sonstige Formen und Waren). Die EU zeigt sich in diesem Marktsegment über den gesamten Betrachtungszeitraum als Nettexporteur, wobei die Handelsbilanz 2015 bei rd. €26,9 Mio. lag und 2025 mit €27,1 Mio. nahezu unverändert blieb. Hinter dieser scheinbaren Stabilität verbergen sich jedoch tiefgreifende strukturelle Veränderungen: Die Handelsvolumen sind erheblich gesunken, die Preise stark gestiegen, und die geografische Zusammensetzung der Handelspartner hat sich signifikant verschoben. Der vorliegende Bericht analysiert diese Dynamiken auf Basis der Daten von 2015 bis 2025.


1. Mengenrückgang und Preisdynamik: Weniger Handel zu höheren Preisen

Die EU-Exporte verloren fast ein Drittel ihres Volumens

Das Exportvolumen sank von 15.653 Tonnen (2015) auf 10.974 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 29,9 % entspricht. Der Exportwert fiel im gleichen Zeitraum um 10,0 % von rd. €61,6 Mio. auf €55,4 Mio. — der Wertverlust fiel also deutlich geringer aus als der Mengenrückgang, da steigende Preise teilweise kompensierend wirkten.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportvolumen (t) 15.653 10.974 −29,9 %
Exportwert (€ Mio.) 61,6 55,4 −10,0 %
Exportpreis (€/t) 3.933 5.037 +28,1 %

Der Importrückgang war noch dramatischer

Auf der Importseite ist der Rückgang noch ausgeprägter: Das Importvolumen halbierte sich nahezu von 11.739 Tonnen auf 5.723 Tonnen (−51,2 %). Der Importwert sank von €34,7 Mio. auf €28,3 Mio. (−18,4 %), während der durchschnittliche Importpreis um 67,1 % von €2.955/t auf €4.937/t stieg.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (t) 11.739 5.723 −51,2 %
Importwert (€ Mio.) 34,7 28,3 −18,4 %
Importpreis (€/t) 2.955 4.937 +67,1 %

Der Rohlaufprofile-Segment (400610) kollabierte im Export

Ein wesentlicher Treiber des Gesamtrückgangs ist der Einbruch im Segment 400610 (Rohlaufprofile für Reifen). Die Exporte dieses Segments brachen von rd. €19,9 Mio. (2015) auf nur noch €1,6 Mio. (2025) ein — ein Rückgang von über 92 %. Mengenmäßig sanken die Exporte von 6.094 Tonnen auf 555 Tonnen. Parallel dazu sind die Importpreise für 400610 von €2.760/t auf rd. €8.966/t explodiert, was auf eine fundamentale Umstrukturierung dieses Teilmarktes hindeutet — möglicherweise durch Verlagerung der Reifenaufbereitung in Drittländer oder technologische Veränderungen.

Das Segment 400690 hielt sich wertseitig besser

Demgegenüber blieb das Hauptsegment 400690 (sonstige Formen und Waren) deutlich stabiler. Die Exporte lagen 2025 bei €53,8 Mio. (2015: €41,7 Mio.), was einem Wertzuwachs von rd. 29 % entspricht. Allerdings sank auch hier das Volumen von 9.559 Tonnen auf 10.419 Tonnen im Jahr 2023, bevor es 2025 auf 10.419 Tonnen fiel — der Preisanstieg (von €4.361/t auf €5.155/t) kompensierte den Volumenverlust.


2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme

Der Brexit veränderte die Handelsbeziehungen zum Vereinigten Königreich nachhaltig

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit Abstand der wichtigste Exportpartner der EU mit rd. €14,2 Mio. und der zweitwichtigste Importpartner mit €7,6 Mio. Bis 2025 sanken die Exporte um 64,1 % auf €5,1 Mio. und die Importe um 57,9 % auf €3,2 Mio. Der Volatilitätskoeffizient der Exporte in Richtung UK liegt bei 0,61, was auf erhebliche Schwankungen im Zeitverlauf hinweist. Ein signifikanter Preisschock wurde 2018 detektiert, als die Exportpreise nach UK um 66,7 % sprangen.

China entwickelte sich zum dominanten Importlieferanten

Der mit Abstand stärkste Wandel zeigt sich bei den Importen aus China: von €2,6 Mio. (2015) auf €9,8 Mio. (2025), ein Plus von 276,7 %. China stieg damit vom fünftwichtigsten zum mit Abstand wichtigsten Importpartner auf. Der Höchstwert wurde 2022 mit rd. €20,1 Mio. erreicht, als Lieferengpässe und Nachholeffekte nach der Pandemie die Nachfrage befeuerten.

Serbien und die Türkei gewannen als Exportmärkte stark an Bedeutung

Zwei Partner verzeichneten außergewöhnliches Wachstum bei den EU-Exporten: Serbien (+256,1 %, von €1,9 Mio. auf €6,8 Mio.) und die Türkei (+61,8 %, von €6,1 Mio. auf €9,8 Mio.). Die Türkei wurde damit zum wichtigsten einzelnen Exportziel der EU, noch vor den USA und dem UK. Serbiens starkes Wachstum spiegelt die zunehmende Integration des Landes in europäische Wertschöpfungsketten wider.

Exportpartner 2015 (€ Mio.) 2025 (€ Mio.) Veränderung
Türkiye 6,1 9,9 +61,8 %
United States 7,1 8,1 +14,0 %
Serbia 1,9 6,8 +256,1 %
United Kingdom 14,2 5,1 −64,1 %
China 3,3 2,2 −35,0 %
India 1,2 0,7 −43,2 %

Belarus als neuer Importpartner — mit hoher Volatilität

Ein bemerkenswerter Trend zeigt sich bei den Importen aus Belarus: von lediglich €16.349 im Jahr 2015 auf €2,4 Mio. im Jahr 2025 (+14.791 %). Dieses Wachstum ist jedoch mit einer extrem hohen Volatilität (CV = 0,65) verbunden und muss im Kontext der geopolitischen Sanktionslage kritisch betrachtet werden. Der Höchstwert wurde mit rd. €9,0 Mio. vor den massiven Sanktionsverschärfungen erreicht.


3. Produktionsrückgang, Konzentration und strategische Position der EU

Die EU-Produktion ist deutlich geschrumpft

Die inländische Produktion von CN 4006 verzeichnete im Betrachtungszeitraum einen Rückgang von rd. 180.118 Tonnen auf 110.000 Tonnen (−38,9 %). Der Produktionswert sank von €598 Mio. auf €540 Mio. (−9,8 %). Daraus ergibt sich ein Anstieg der Produktionspreise, der den Marktpreistrend bestätigt. Der geringere Wertverlust gegenüber dem Mengenrückgang zeigt, dass die EU-Produktion in höhere Wertsegmente migriert oder dass Rohstoffkosten gestiegen sind.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktion (t) 180.118 110.000 −38,9 %
Produktionswert (€ Mio.) 598 540 −9,8 %

Deutschland konsolidierte seine Rolle als Exporteur, während Frankreich und Italien verloren

Innerhalb der EU zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung der Exportführerschaft: Deutschland mehrte seine Exporte von €10,2 Mio. auf €27,3 Mio. (+168,7 %) und wurde damit zum mit Abstand führenden EU-Exporteur. Italien halbierte seine Exporte nahezu (von €20,3 Mio. auf €10,6 Mio., −48,1 %), und Frankreich verlor sogar 86,9 % (von €14,8 Mio. auf €1,9 Mio.).

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (€ Mio.) Exporte 2025 (€ Mio.) Veränderung
Germany 10,2 27,3 +168,7 %
Italy 20,3 10,6 −48,1 %
France 14,8 1,9 −86,9 %
Belgium 4,8 3,2 −33,4 %

Die Spezialisierung konzentriert sich auf Südeuropa und Österreich

Gemäß dem RSCA-Indikator weisen Italien (RSCA 0,46), Frankreich (0,41), Österreich (0,38), Portugal (0,29) und Spanien (0,29) die höchste Spezialisierung im Bereich CN 4006 auf. Bemerkenswert ist, dass Frankreich trotz des massiven Exportrückgangs weiterhin eine hohe Spezialisierung aufweist — dies deutet darauf hin, dass die Spezialisierung auf dem Binnenmarkt und in der Produktion erhalten blieb, während die Exporte außereuropäisch zurückgingen.

Die Importkonzentration nahm zu, Exporte blieben diversifiziert

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 1.646 auf 1.748 (nach Wert), was eine zunehmende Konzentration der Importquellen anzeigt — getrieben vor allem durch das Wachstum Chinas als Lieferant. Die Exportkonzentration blieb mit einem HHI von 918 auf niedrigem Niveau und damit relativ diversifiziert (Anstieg lediglich von 902).

Die EU bleibt Nettexporteur, doch die Handelsintensität steigt

Die Nettoimportabhängigkeit der EU lag im gesamten Zeitraum im negativen Bereich (zwischen −3,9 % und −9,2 %), was die Position als Nettoexporteur bestätigt. Allerdings stiegen sowohl die Handelsintensität (von 12,5 % auf 16,4 %) als auch die Exportneigung (von 9,3 % auf 11,2 %), was bedeutet, dass der EU-Markt trotz fallender Volumen im Verhältnis zur Produktion offener für Drittlandstrade geworden ist.


Fazit

Der Markt für nichtvulkanisierte Kautschukprodukte (CN 4006) durchlief zwischen 2015 und 2025 eine Phase tiefgreifender struktureller Veränderung. Die drei zentralen Dynamiken lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Volumenrückgang bei steigenden Preisen: Sowohl Import- als auch Exportvolumen sind deutlich gesunken, insbesondere im Segment der Rohlaufprofile (400610). Die steigenden Einheitspreise — bei Importen um 67 % — deuten auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten und/oder gestiegene Inputkosten hin.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Der Brexit reduzierte den bilateralen Handel mit dem Vereinigten Königreich massiv. China festigte seine Stellung als wichtigster Importlieferant, während Serbien und die Türkei als Exportmärkte stark an Bedeutung gewannen. Diese Verschiebung spiegelt sowohl geopolitische Realitäten als auch die Integration Südosteuropas in europäische Lieferketten wider.

  3. Deutsche Dominanz bei Produktion und Export: Deutschland hat seine Vormachtstellung als EU-Exporteur ausgebaut, während traditionell starke Exportländer wie Frankreich und Italien erheblich an Boden verloren haben. Die EU-Produktion ist gleichzeitig um fast 40 % geschrumpft, was die Frage aufwirft, ob und wie weit die europäische Wertschöpfungskette in diesem Segment unter Druck gerät.

Insgesamt zeigt sich ein Markt im Strukturwandel: kleiner werdende Volumen, steigende Preise, eine Konzentration der EU-Exporte auf wenige Mitgliedstaaten und eine zunehmende Abhängigkeit von chinesischen Importen — bei gleichzeitiger Abkehr von traditionellen Handelspartnern wie dem Vereinigten Königreich.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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