Marktentwicklung: Handbohrmaschinen aller Art, mit eingebautem Elektromotor (CN 846721) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Bereich der Handbohrmaschinen mit eingebautem Elektromotor (KN-Code 846721) über den Zeitraum 2015 bis 2025. Der betrachtete Code umfasst drei Unterkategorien: Akkubetriebene Handbohrmaschinen (84672110), elektropneumatische Maschinen (84672191) sowie Netzbetriebene Geräte mit Ausnahme elektropneumatischer Maschinen (84672199). Die Analyse basiert auf den verfügbaren Handelsdaten und beleuchtet die wichtigsten Trends, Strukturverschiebungen und Vulnerabilitäten des EU-Marktes.
1. Struktureller Rückgang von Exporten und Importen bei steigenden Einheitspreisen
Der EU-Außenhandel mit Handbohrmaschinen ist im untersuchten Zeitraum deutlich geschrumpft – sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite. Dieser Rückgang vollzog sich jedoch nicht linear, sondern war von mehreren Krisenjahren und einem bemerkenswerten Anstieg der durchschnittlichen Exportpreise geprägt.
Die EU-Exporte verloren über ein Drittel ihres Werts und die Hälfte ihrer Menge
Im Zeitraum 2015–2025 sanken die EU-Exporte von 447,3 Mio. € auf 274,8 Mio. €, was einem Rückgang von 38,6 % entspricht. Noch dramatischer fiel der Rückgang der exportierten Mengen aus: von 21.717 Tonnen (2015) auf 10.846 Tonnen (2025), ein Minus von 50,1 %. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Exportpreis von 20.595 €/t auf 25.334 €/t (+23,0 %), was auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder gestiegene Produktionskosten hindeutet. Der stärkste Einbruch der Exportmengen erfolgte zwischen 2021 und 2023, als die Mengen von 19.335 t auf 11.870 t sanken.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. €) | 447,3 | 274,8 | −38,6 % |
| Exportmenge (t) | 21.717 | 10.846 | −50,1 % |
| Exportpreis (€/t) | 20.595 | 25.334 | +23,0 % |
Die Importe schwankten stärker, stabilisierten sich aber zuletzt auf niedrigerem Niveau
Die EU-Importe erreichten 2022 mit 1.061,9 Mio. € ihren Höhepunkt, bevor sie 2023 auf nur noch 555,4 Mio. € einbrachen – ein Rückgang von 47,7 % in einem einzigen Jahr. Bis 2025 erholten sie sich wieder auf 669,7 Mio. €. Die importierte Menge zeigte ein ähnliches Muster: von 95.450 t im Spitzenjahr 2021 auf 40.982 t im Jahr 2023. Der durchschnittliche Importpreis sank über den gesamten Zeitraum von 13.573 €/t auf 10.388 €/t (−23,5 %), was auf den wachsenden Anteil preisgünstigerer Importe – insbesondere aus Asien – hindeutet.
| Kennzahl | 2015 | 2022 (Höhepunkt) | 2023 (Tiefpunkt) | 2025 | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. €) | 890,4 | 1.061,9 | 555,4 | 669,7 | −24,8 % |
| Importmenge (t) | 65.598 | 81.557 | 40.982 | 64.469 | −1,7 % |
| Importpreis (€/t) | 13.573 | — | — | 10.388 | −23,5 % |
Das Handelsdefizit verringerte sich leicht, bleibt aber erheblich
Die EU weist im gesamten Zeitraum ein strukturelles Handelsdefizit bei Handbohrmaschinen auf. Dieses verbesserte sich von −443,1 Mio. € (2015) auf −394,9 Mio. € (2025), was einer Verbesserung von 10,9 % entspricht. Der niedrigste Defizitwert wurde 2023 mit −233,4 Mio. € erreicht, als die Importe stark einbrachen. Die Netto-Importabhängigkeit sank von 44,1 % auf 39,1 % (Details zur Netto-Importabhängigkeit).
2. China dominiert die Importseite, während Russland als Handelspartner praktisch verschwindet
Die geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme gehört zu den markantesten Entwicklungen im untersuchten Zeitraum. China festigte seine Stellung als dominierender Importeur, während der Handel mit Russland – einst ein bedeutender Partner für Importe und Exporte – vollständig zusammenbrach.
China als Importquelle: Dominanz mit deutlichen Schwankungen
China war im gesamten Zeitraum mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU. Der chinesische Importanteil lag durchschnittlich bei rund 85 % der EU-Gesamtimporte (nach Wert). Allerdings war dieser Handelsstrom erheblichen Schwankungen unterworfen:
| Jahr | China-Importe (Mio. €) | Anteil an EU-Gesamtimporten |
|---|---|---|
| 2015 | 771,9 | 86,7 % |
| 2019 | 785,6 | 82,3 % |
| 2021 | 909,9 | 86,3 % |
| 2022 | 941,6 | 88,7 % |
| 2023 | 476,0 | 85,7 % |
| 2025 | 585,2 | 87,4 % |
Besonders bemerkenswert ist der Preisschock bei China-Importen im Jahr 2022: Während die Menge leicht rückläufig war, stieg der durchschnittliche Preis um 17,6 % über das Baseline-Niveau, was auf Lieferkettenprobleme oder gestiegene Rohstoffkosten zurückzuführen sein könnte. In den Folgejahren 2023–2024 sanken sowohl Menge als auch Preis deutlich unter das Baseline-Niveau (Menge auf 54,9 %, Preis auf 110,2 % des Ausgangswerts).
Malaysia: Vom Aufstieg zum Einbruch
Malaysia entwickelte sich zwischen 2017 und 2020 zu einem bedeutenden Importpartner mit Importen von bis zu 74,1 Mio. € (2019). Diese Entwicklung wurde jedoch abrupt beendet: 2023 sanken die Importe auf nur noch 16,6 Mio. € und stabilisierten sich 2025 bei 9,5 Mio. €. Der Variationskoeffizient von 0,67 unterstreicht die hohe Volatilität dieses Handelsstroms.
Russland: Vollständiger Zusammenbrach bilateralen Handels
Der Handel mit Russland ist das eindrücklichste Beispiel für die Auswirkungen geopolitischer Ereignisse:
- Importe aus Russland: Von 17,0 Mio. € (2015) auf praktisch null (2023–2025)
- Exporte nach Russland: Von 37,6 Mio. € (2015) auf 0,5 Mio. € (2024), dann vollständig eingestellt
Dieser Einbruch spiegelt die Sanktionspolitik der EU gegenüber Russland wider und führte zu einer Umleitung der Handelsströme.
Die wichtigsten Exportmärkte: Rückgänge bei traditionellen Partnern
Die Top-Exportmärkte der EU verzeichneten überwiegend Rückgänge:
| Partnerland | Exporte 2015 (Mio. €) | Exporte 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 76,7 | 53,0 | −30,9 % |
| Vereinigte Staaten | 60,2 | 46,3 | −23,1 % |
| Russland | 37,6 | 0,5 | −98,7 % |
| Schweiz | 42,7 | 35,8 | −16,1 % |
| Türkei | 27,1 | 26,3 | −3,1 % |
| Norwegen | 25,8 | 14,3 | −44,8 % |
Die Türkei und die Schweiz erwiesen sich als die stabilsten Exportmärkte. Die Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate sanken um 41,1 % von 15,2 Mio. € auf 9,0 Mio. €.
3. Verschiebungen innerhalb der EU: Deutschland verliert, Osteuropa gewinnt an Bedeutung
Neben den Veränderungen bei den Handelspartnern vollzog sich innerhalb der EU eine bemerkenswerte Neuverteilung der Handelsströme. Deutschland verlor seine dominante Stellung, während mehrere osteuropäische Länder – insbesondere Rumänien und Ungarn – stark an Bedeutung gewannen.
Deutschland: Deutlicher Bedeutungsverlust als Exporteur und Importeur
Deutschland war 2015 mit Abstand der wichtigste Exporteur und Importeur innerhalb der EU. Im Zeitraum 2015–2025 halbierten sich die deutschen Exporte von 250,7 Mio. € auf 108,9 Mio. € (−56,6 %), die Importe sanken von 324,1 Mio. € auf 134,5 Mio. € (−58,5 %). Deutschland blieb zwar der größte einzelne Mitgliedstaat, sein Anteil an den EU-Gesamtexporten ging jedoch deutlich zurück.
Rumänien und Ungarn: Aufstieg zu wichtigen Exporteuren
Dem deutschen Rückgang steht ein bemerkenswerter Aufstieg Rumäniens und Ungarns gegenüber:
| Mitgliedstaat | Exporte 2015 (Mio. €) | Exporte 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Rumänien | 5,1 | 43,6 | +747,8 % |
| Ungarn | 10,2 | 25,4 | +149,8 % |
| Schweden | 6,3 | 10,7 | +69,3 % |
Rumänien entwickelte sich mit einem RCA-Index von 10,86 und einem RSCA-Wert von 0,83 zum am stärksten spezialisierten EU-Mitgliedstaat in diesem Produktsegment. Der Anteil Rumäniens an der EU-Produktion lag 2025 bei 18,1 %. Auch Ungarn (RCA: 2,12, RSCA: 0,36) und Estland (RCA: 2,71, RSCA: 0,46) zeigten eine deutliche Spezialisierung.
Produktionsvolumen relativ stabil, aber mit schwankenden Werten
Die EU-Produktion von Handbohrmaschinen blieb mengenmäßig relativ stabil: von 4,5 Mio. Stück (2015) auf 5,5 Mio. Stück (2025), was einem leichten Anstieg von 5,9 % entspricht. Der Produktionswert sank jedoch von 510,2 Mio. € auf 461,5 Mio. € (−9,5 %), was auf sinkende Preise oder eine Verschiebung in der Produktmixzusammensetzung hindeuten könnte. Der Höchstwert wurde 2018 mit 630,3 Mio. € erreicht, das mengenmäßige Maximum 2021 mit 7,6 Mio. Stück.
Konzentration der Exporte nimmt zu, Importe bleiben hoch konzentriert
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert lag durchgehend im Bereich von 6.678 bis 7.900, was eine hohe Konzentration auf wenige Lieferländer (insbesondere China) widerspiegelt. Bei den Exporten stieg der HHI von 778 (2015) auf 1.008 (2025), was auf eine zunehmende Konzentration der Exportmärkte hindeutet.
Produktsegmente: Akku-Bohrmaschinen dominieren den Import, elektropneumatische Geräte verlieren
Die Aufschlüsselung nach Unterkategorien zeigt unterschiedliche Entwicklungen:
| Segment | Beschreibung | Importanteil 2025 (Wert) | Trend Exportmenge |
|---|---|---|---|
| 84672110 | Akkubetriebene Bohrmaschinen | 68,9 % | Stabil (von 5.867 t auf 4.947 t) |
| 84672199 | Netzbetriebene Bohrmaschinen | 20,2 % | Rückläufig (von 5.765 t auf 2.242 t) |
| 84672191 | Elektropneumatische Bohrmaschinen | 10,8 % | Stark rückläufig (von 10.085 t auf 3.656 t) |
Die elektropneumatischen Bohrmaschinen verloren sowohl bei Importen als auch bei Exporten stark an Bedeutung. Bei den Exporten sanken die Mengen von 10.085 t (2015) auf 3.656 t (2025), was einem Rückgang von 63,7 % entspricht. Die Akku-Bohrmaschinen entwickelten sich hingegen zum dominanten Importsegment.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Handbohrmaschinen mit eingebautem Elektromotor hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
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Strukturelle Schrumpfung bei steigender Wertschöpfung: Sowohl Export- als auch Importvolumina sind deutlich gesunken, wobei die Exportpreise gestiegen sind – ein Hinweis auf eine mögliche Verschiebung hin zu höherwertigen Nischenprodukten.
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Geopolitische Neuausrichtung: Der Zusammenbruch des Handels mit Russland und die anhaltende Dominanz Chinas bei den Importen haben die Verwundbarkeit der EU gegenüber einzelnen Lieferländern offenbart. Die Netto-Importabhängigkeit ist zwar leicht gesunken, bleibt mit 39,1 % weiterhin erheblich.
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Inner-EU-Verschiebung der Produktionslandschaft: Der Bedeutungsverlust Deutschlands und der Aufstieg Rumäniens, Ungarns und anderer mittel- und osteuropäischer Staaten deuten auf eine Verlagerung der Produktionskapazitäten innerhalb der EU hin – ein Trend, der durch Kostenvorteile und Investitionen in diesen Ländern begünstigt wird.
Die Handelsintensität blieb mit rund 85 % auf hohem Niveau, was die anhaltende Bedeutung des internationalen Handels für diesen Produktbereich unterstreicht. Für die Zukunft werden die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen mit China, die Konsolidierung der osteuropäischen Produktionsbasis und die Fähigkeit der EU-Industrie, sich im Bereich hochwertiger Elektrowerkzeuge zu positionieren, entscheidende Faktoren sein.