Marktentwicklung: Elektrohandbohrmaschinen (CN 846721) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 846721 erfasst Handbohrmaschinen aller Art, mit eingebautem Elektromotor, unterteilt in drei Unterpositionen: akkubetriebene Maschinen (84672110), elektropneumatische Bohrmaschinen (84672191) und netzbetriebene Maschinen (84672199). In den untersuchten zehn Jahren (2015–2025) durchlebte der EU-Außenhandel mit diesem Produkt eine Phase grundlegender Veränderungen: Die Handelsvolumina sowohl im Import als auch im Export sind spürbar gesunken, während sich die Preisstrukturen, die geografische Ausrichtung und die Segmentzusammensetzung des Marktes verschoben haben. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken auf Grundlage der vorliegenden Handels- und Produktionsdaten.
1. Rückgang der Handelsvolumina gepaart mit einer deutlichen Preisverschiebung
Der EU-Importmarkt: Mengenstabilität bei fallenden Werten
Die EU-Importe von Elektrohandbohrmaschinen verloren über den Betrachtungszeitraum rund ein Viertel ihres Werts — von 890 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 670 Mio. EUR im Jahr 2025 (−24,8 %). Auffällig ist, dass die importierte Masse hingegen nahezu unverändert blieb (2015: 65.598 t, 2025: 64.469 t; −1,7 %), während die Importpreise pro Tonne um 23,5 % fielen — von 13.573 EUR/t auf 10.390 EUR/t. Dies deutet darauf hin, dass die importierten Produkte tendenziell leichter geworden sind (z. B. durch den Trend zu kompakteren Akkugeräten), und/oder dass Preisdruck — insbesondere aus asiatischer Produktion — die Stückkosten spürbar senkte. Im Gegensatz dazu stieg die importierte Stückzahl (bzw. die Anzahl der Stücke) von 18,5 Mio. auf 19,3 Mio. (+4,3 %): Die EU importierte also ähnlich viele Geräte, zahlte aber pro Gerät deutlich weniger.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (EUR) | 890.386.391 | 669.866.479 | −24,8 % |
| Importvolumen (t) | 65.598 | 64.469 | −1,7 % |
| Importpreis (EUR/t) | 13.573 | 10.390 | −23,5 % |
| Import-Stückzahl | 18.504.307 | 19.292.739 | +4,3 % |
| Importpreis (EUR/Stück) | 48,12 | 34,71 | −27,9 % |
Der Export der EU: Wert- und Mengenverluste in doppeltem Ausmaß
Noch stärker betroffen war der EU-Export: Der Wert sank von 447 Mio. EUR auf 275 Mio. EUR (−38,6 %), das exportierte Volumen in Tonnen sogar um die Hälfte — von 21.717 t auf 10.846 t (−50,1 %). Gleichzeitig stiegen die Exportpreise pro Tonne um 23,0 % (von 20.595 EUR/t auf 25.335 EUR/t) und der Exportpreis pro Stück um 20,8 % — ein Indiz dafür, dass sich die EU auf hochwertigere Spezialbohrmaschinen (z. B. elektropneumatische Modelle) konzentrierte und/oder dass die Wettbewerbsfähigkeit im Volumenbereich abnahm.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (EUR) | 447.283.158 | 274.778.449 | −38,6 % |
| Exportvolumen (t) | 21.717 | 10.846 | −50,1 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 20.595 | 25.335 | +23,0 % |
| Export-Stückzahl | 4.365.326 | 2.220.044 | −49,1 % |
| Exportpreis (EUR/Stück) | 102,46 | 123,77 | +20,8 % |
Das Handelsdefizit: leicht verbessert, aber stabil hoch
Die EU weist im Segment Elektrohandbohrmaschinen durchgehend ein strukturelles Handelsdefizit gegenüber Drittländern auf. Dieses schrumpfte von −443 Mio. EUR (2015) auf −395 Mio. EUR (2025), wobei der tiefste Punkt 2021 mit −725 Mio. EUR erreicht wurde — ein Jahr, in dem der Importwert (1.062 Mio. EUR) einen Höchststand erreichte, während die Exporte noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau zurückgekehrt waren. Der Nettoimportanteil sank insgesamt von 44,1 % auf 39,1 %, was auf eine moderate Verbesserung der Eigenversorgung hindeutet — wenngleich die EU nach wie vor stark importabhängig bleibt.
2. Chinas beherrschende Stellung und geopolitische Brüche in den Lieferketten
China als dominierender Importpartner
Über den gesamten Zeitraum hinweg war China mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU. Im Jahr 2015 machten chinesische Lieferungen 772 Mio. EUR aus — rund 87 % des gesamten EU-Importwerts. Auch 2025 lag China mit 585 Mio. EUR weiterhin klar an der Spitze, wenngleich der Anteil nach den Covid-bedingten Ausreißerjahren (2020–2021) etwas zurückging. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe lag durchgehend zwischen 6.678 und 7.900 (2015: 7.550; 2025: 7.707) — Werte, die auf eine hohe Konzentration und damit potenzielle Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten hindeuten.
| Partnerland (Importe) | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 771.946.822 | 585.241.236 | −24,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 32.221.979 | 48.190.280 | +49,6 % |
| Malaysia | 9.383.035 | 9.453.571 | +0,8 % |
| Japan | 30.597.096 | 8.334.387 | −72,8 % |
| Russische Föderation | 16.984.958 | 654 | −100,0 % |
| Schweiz | 14.024.316 | 6.873.724 | −51,0 % |
| Vereinigte Staaten | 3.142.326 | 2.721.634 | −13,4 % |
Russland-Sanktionen: ein vollständiger Handelsabbruch
Die geopolitisch einschneidendste Veränderung im Betrachtungszeitraum ist der Zusammenbruch des Handels mit der Russischen Föderation. Die EU-Importe aus Russland fielen von 17 Mio. EUR (2015) auf praktisch null (2025), die EU-Exporte nach Russland sogar von 37,6 Mio. EUR auf 503.732 EUR — ein Rückgang von 98,7 %. Dies spiegelt die nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 erlassenen EU-Sanktionen wider, die unter anderem den Export bestimmter Industriegüter nach Russland untersagen. Russland war 2015 noch der drittgrößte Exportmarkt der EU für Elektrobohrmaschinen.
Preis-Schocks und Lieferketten-Volatilität
Im Bereich der Preisvolatilität fallen zwei importseitige Partner besonders auf: Hongkong (Variationskoeffizient: 1,04) und Malaysia (CV: 0,67). Für Lieferungen aus Hongkong schwankte der Wert extrem, was auf Umschlags- und Re-Export-Dynamiken hindeutet. Ebenso wurde 2022 ein signifikanter Importpreisanstieg aus China von +17,6 % festgestellt (Abnormalitätsindex: 6,3), was wahrscheinlich den Nachwirkungen der Covid-19-Lieferkettenstörungen und gestiegener Frachtkosten geschuldet ist. Auf der Exportseite stach ein Preis-Schock in Richtung Marokko im Jahr 2023 hervor (+137,8 %), der jedoch mit einem Wertanteil von nur 0,5 % am EU-Gesamtexport von untergeordneter Bedeutung war.
3. Neuaufstellung innerhalb der EU — Verschiebungen bei Produktion, Exportländern und Produktprioritäten
Produktionsentwicklung: Mengenwachstum bei sinkendem Produktionswert
Die EU-Produktion von Elektrohandbohrmaschinen in Stückzahl stieg zwischen 2015 und 2025 leicht (+5,9 %; von 5,15 Mio. auf 5,46 Mio. Stück). Der Produktionswert sank hingegen um 9,5 % (von 510 Mio. EUR auf 462 Mio. EUR). Diese Diskordanz deutet auf eine Verschiebung hin zu günstigeren Produktsegmenten oder auf Preiserosion im Wettbewerb mit Importen hin. Im Tiefpunkt 2020 sank die Produktion auf lediglich 3,22 Mio. Stück und 264 Mio. EUR — beides Corona-bedingte Einbrüche, von denen sich die Mengenzahl bis 2025 erholte, die Wertentwicklung jedoch nicht.
Deutschland als das Herzstück — massive Einbußen bei Import und Export
Innerhalb der EU ist Deutschland sowohl der größte Importeur als auch der größte Exporteur von Elektrobohrmaschinen. Allerdings verlor Deutschland in beiden Dimensionen erheblich: Die deutschen Importe fielen von 324 Mio. EUR auf 135 Mio. EUR (−58,5 %), die deutschen Exporte von 251 Mio. EUR auf 109 Mio. EUR (−56,6 %). Dies steht im Einklang mit der Verlagerung von Produktionsstandorten und der wachsenden Rolle mittel- und osteuropäischer Länder.
Aufstieg Rumäniens und Ungarns als Exporteure
Während traditionelle Produzenten an Boden verloren, verzeichneten einige mittel- und osteuropäische EU-Mitgliedstaaten ein bemerkenswertes Exportwachstum. Rumänien steigerte seinen Exportwert um 747,8 % (von 5,1 Mio. EUR auf 43,6 Mio. EUR), Ungarn um 149,8 % (von 10,2 Mio. EUR auf 25,4 Mio. EUR) und Schweden um 69,3 %. Rumänien weist 2025 mit einem RCA-Index von 10,86 und einem RSCA von 0,83 die höchste Spezialisierung aller EU-Länder in diesem Produktsegment auf — ein Indiz für den Aufbau lokaler Produktionsstrukturen, möglicherweise verbunden mit Direktinvestitionen internationaler Werkzeughersteller.
Segmentverschiebung: Akkumaschinen gewinnen, elektropneumatische Geräte verlieren
Die Unterscheidung nach Unterpositionen zeigt eine klare Verschiebung der Nachfrage. Im Import dominiert das Segment der Akku-Bohrmaschinen (84672110), dessen Wert von 573 Mio. EUR auf 462 Mio. EUR sank (−19,4 %), während die Stückzahl sogar stieg. Dagegen brach der Import elektropneumatischer Bohrmaschinen (84672191) von 145 Mio. EUR auf 72 Mio. EUR ein — ein Rückgang von über 50 %.
| Segment (Importe) | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 84672110 — Akku-Bohrmaschinen | 573.227.021 | 461.583.799 | −19,4 % |
| 84672199 — Netzbetriebene Maschinen | 172.128.632 | 135.571.763 | −21,3 % |
| 84672191 — Elektropneumatisch | 145.030.738 | 72.489.270 | −50,0 % |
Auf der Exportseite ist der Trend noch deutlicher: Exporte elektropneumatischer Bohrmaschinen sanken von 215 Mio. EUR auf 87 Mio. EUR (−59,5 %), was auf eine sinkende Nachfrage nach diesem spezialisierten Gerätetyp hindeutet. Akku-Bohrmaschinen blieben im Export mit rund 138 Mio. EUR relativ stabil (nur −6,7 %), was ihre Position als Wachstumsmarkt bestätigt. Die Exportpreise pro Stück stiegen für alle Segmente — am deutlichsten bei netzbetriebenen Maschinen (von 52 EUR/Stück auf 122 EUR/Stück), was auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Geräten hindeutet.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Elektrohandbohrmaschinen (CN 846721) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt. Die Handelsvolumina — sowohl im Import als auch im Export — sind spürbar gesunken, wobei die EU-Versorgung weitgehend über China (mit importseitig hohem Konzentrationsgrad) abgewickelt wird. Die Nettoimportabhängigkeit hat sich leicht entspannt, bleibt mit 39 % aber signifikant. Der Exportbereich verlor noch stärker als der Importbereich, was die EU von einem ohnehin defizitären zu einem noch stärker importabhängigen Akteur im Segment macht. Gleichzeitig vollzieht sich innerhalb der EU eine ostwärts gerichtete Umstrukturierung: Rumänien und Ungarn gewinnen als Exporteure an Gewicht, während Deutschland — trotz seiner nach wie vor dominierenden Position — erhebliche Anteile verliert. Geopolitische Schocks (Russland-Sanktionen) und pandemiebedingte Lieferkettenstörungen haben die Handelsstruktur nachhaltig geprägt. Produktseitig verschiebt sich der Markt hin zu Akku-Bohrmaschinen, während das Nischensegment elektropneumatischer Bohrmaschinen sowohl im Import als auch im Export an Bedeutung verloren hat.