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Marktentwicklung: Haarpflegemittel (CN 3305) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarif CN 3305 umfasst zubereitete Haarbehandlungsmittel und gliedert sich in vier Unterpositionen:

CN-Code Beschreibung
330510 Haarwaschmittel (Shampoo)
330520 Dauerwellmittel und Entkrausungsmittel
330530 Haarlacke (Haarsprays)
330590 Sonstige zubereitete Haarbehandlungsmittel

Der Markt für diese Produkte hat sich im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2025 dynamisch entwickelt. Die EU ist in diesem Segment ein ausgeprägter Nettoexporteur, dessen Handelsüberschuss sich in zehn Jahren um über 50 % ausgeweitet hat. Dieser Bericht analysiert die zugrunde liegenden Dynamiken — von der preisgetriebenen Wertschöpfung über die geopolitischen Brüche bis hin zu strukturellen Verschiebungen innerhalb der Produktsegmente.


1. Preisgetriebener Ausbau des Exportüberschusses

Der EU-Handelsüberschuss wuchs um mehr als eine halbe Milliarde Euro

Die EU erzielte 2015 im Handel mit Haarpflegemitteln (außerhalb der EU) einen Exportüberschuss von 1,69 Mrd. EUR. Bis 2025 stieg dieser auf 2,59 Mrd. EUR — ein Zuwachs von 53,6 %. Die Exporte wuchsen im selben Zeitraum von 2,34 Mrd. EUR auf 3,72 Mrd. EUR (+58,9 %), während die Importe von 653 Mio. EUR auf 1,13 Mrd. EUR (+72,5 %) stiegen. Trotz des stärkeren prozentualen Importwachstums blieb der Überschuss robust, da die EU ein Vielfaches ihres Importvolumens exportiert.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Wert, Mrd. EUR) 2,34 3,72 +58,9 %
Importe (Wert, Mrd. EUR) 0,65 1,13 +72,5 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 1,69 2,59 +53,6 %
Exporte (Menge, t) 561.566 654.660 +16,6 %
Importe (Menge, t) 104.716 123.588 +18,0 %

Preiseffekte trugen den Großteil des Wertwachstums

Ein zentrales Ergebnis der Datenanalyse ist, dass der Wertzuwachs im Außenhandel überwiegend auf Preissteigerungen und nicht auf Mengenwachstum zurückzuführen ist. Die Exportpreise stiegen im Durchschnitt von 4.167 EUR/t auf 5.679 EUR/t (+36,3 %), die Importpreise sogar von 6.236 EUR/t auf 9.116 EUR/t (+46,2 %). Rechnerisch erklärt sich der Exportwertzuwachs von 58,9 % aus einem Mengenwachstum von 16,6 % und einem Preiseffekt von 36,3 % (1,166 × 1,363 ≈ 1,589). Dies deutet auf eine strukturelle Verteuerung der Handelsströme hin — verursacht durch Faktoren wie Inflation, Rohstoffkosten, Premiumisierung und gestiegene Logistikkosten.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (EUR/t) 4.167 5.679 +36,3 %
Importpreis (EUR/t) 6.236 9.116 +46,2 %

Die EU-Produktion wuchs langsamer als der Außenhandel

Die EU-Inlandsproduktion von Haarpflegemitteln (Wert) stieg von 4,88 Mrd. EUR (2015) auf 5,77 Mrd. EUR (2025), was einem Zuwachs von lediglich 18,2 % entspricht. Das Produktionstief lag 2020 bei 4,07 Mrd. EUR (COVID-19-Effekt), das Maximum bei 5,96 Mrd. EUR. Da die Exporte im Wert um 58,9 % stiegen und die Produktion nur um 18,2 %, hat sich der Anteil der Produktion, der in Drittländer exportiert wird, stark erhöht — ein Indiz für die zunehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit des EU-Haarpflegesektors.


2. Wachsende Exportorientierung und zunehmende Partnerdiversifizierung

Die EU wurde vom moderaten zum starken Nettoexporteur

Die Netto-Importabhängigkeit (negative Werte = Nettoexporteur) verschob sich von −17,6 % im Jahr 2015 auf −78,8 % im Jahr 2025. Parallel dazu stieg die Exportquote von 23,3 % auf 62,7 % (+169,5 %), und die Handelsintensität erhöhte sich von 29,2 % auf 68,6 % (+135,1 %). Diese Kennzahlen belegen, dass der EU-Haarpflegesektor seine Exportbasis in Relation zur inländischen Wertschöpfung massiv ausgeweitet hat.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit (%) −17,6 −78,8 −348,4 %
Exportquote (%) 23,3 62,7 +169,5 %
Handelsintensität (%) 29,2 68,6 +135,1 %

Die Herkunfts- und Absatzkonzentration sank deutlich

Ein weiteres strukturell bedeutsames Ergebnis ist die zunehmende Diversifizierung der Handelsbeziehungen. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe (nach Wert) sank von 2.822 auf 1.991 (−29,4 %), was einem Übergang von moderater zu niedriger Konzentration entspricht. Der HHI für Exporte fiel von 749 auf 630 (−15,9 %). Die EU bezieht ihre Haarpflegemittelimporte also aus einer breiteren Palette von Lieferländern und exportiert gleichmäßiger in mehr Absatzmärkte.

Geopolitische Ereignisse prägten die Handelsströme

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass einzelne Handelsbeziehungen erheblichen Schwankungen unterlagen. Besonders auffällig sind drei Schockereignisse:

Partner Schocktyp Richtung Zeitpunkt Abnormalität Preisänderung
Türkei Preis Importe 2022 87,4 +30,7 %
Türkei Preis Exporte 2022 19,5 +37,1 %
Kasachstan Preis Exporte 2020 43,4 +123,8 %

Der Türkei-Schock von 2022 korreliert mit der schweren Währungskrise und Inflation der türkischen Lira in den Jahren 2021/2022, die zu einem drastischen Anstieg der Importpreise führte. Die Importe aus der Türkei wuchsen im Gesamtzeitraum von 13 Mio. EUR auf 70 Mio. EUR (+438,6 %) — ein außergewöhnlicher Anstieg, der teilweise durch die Währungsdynamik und türkische Billigexporte erklärt werden kann. Besonders volatile Handelspartner waren zudem Russland (Variationskoeffizient 0,88 bei Importen) und Brasilien (0,60 bei Importen).

Die Exporte in die Russische Föderation stagnierten bei rund 254 Mio. EUR (2015) bzw. 249 Mio. EUR (2025), nachdem sie in der Zwischenzeit auf bis zu 366 Mio. EUR gestiegen waren — ein Muster, das auf die Sanktionswirkung nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hindeutet. Im Gegenzug wuchsen die Exporte in die Ukraine von 56 Mio. EUR auf 161 Mio. EUR (+187,8 %).

Italien und Deutschland sind die EU-Exportmotoren

Innerhalb der EU entfielen die größten Exportwerte auf Deutschland und Italien. Italien verzeichnete mit +109,5 % das stärkste relative Wachstum (von 374 Mio. EUR auf 783 Mio. EUR), dicht gefolgt von Polen (+89,6 %) und Frankreich (+85,1 %). Belgien war der einzige große Exporteur mit einem Rückgang (−17,4 %). Auf der Importseite stachen die Niederlande (+145,0 %) und Frankreich (+181,2 %) hervor, während Spanien als einziger großer Importeur schrumpfte (−22,6 %).

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 374 783 +109,5 %
Deutschland 521 682 +30,8 %
Frankreich 290 537 +85,1 %
Spanien 246 442 +79,8 %
Polen 134 254 +89,6 %
Niederlande 125 225 +79,8 %
Belgien 202 167 −17,4 %

3. Strukturelle Verschiebungen im Produktsegment-Mix

Shampoo dominiert das Exportwachstum, Dauerwellmittel schrumpft

Die Analyse der Unterpositionen zeigt ein differenziertes Bild. Im Exportvolumen konnte lediglich Shampoo (CN 330510) nennenswert zulegen (+34,3 %), während die Mengen bei Haarlacken (−43,4 %) und insbesondere Dauerwellmitteln (−60,6 %) erheblich schrumpften. Im Import stieg die Menge des Segments „Sonstige" (CN 330590) am stärksten (+32,4 %), während Dauerwellmittelimporte um 43,3 % einbrachen.

Exportentwicklung nach Segment (Mengen, Tonnen):

Segment 2015 2025 Veränderung
Sonstige (330590) 283.708 305.653 +7,7 %
Shampoo (330510) 247.535 332.417 +34,3 %
Haarlacke (330530) 26.960 15.265 −43,4 %
Dauerwellmittel (330520) 3.362 1.325 −60,6 %

Importentwicklung nach Segment (Mengen, Tonnen):

Segment 2015 2025 Veränderung
Sonstige (330590) 49.973 66.185 +32,4 %
Shampoo (330510) 48.186 52.415 +8,8 %
Haarlacke (330530) 4.266 3.686 −13,6 %
Dauerwellmittel (330520) 2.292 1.301 −43,3 %

Besonders bemerkenswert ist der Rückgang der Haarlack-Exporte. Das Volumen fiel von 26.960 t (2015) auf lediglich 14.891 t im Pandemiejahr 2020 und erholte sich bis 2025 nur auf 15.265 t — ein Zeichen dafür, dass die COVID-19-bedingten Friseursalon-Schließungen und der Trend zu Homeoffice-Lifestyle nachhaltige Spuren hinterlassen haben. Dauerwellmittel waren bereits vor der Pandemie auf dem absteigenden Ast und setzen diesen Trend unverändert fort.

Preissteigerungen fielen je Segment sehr unterschiedlich aus

Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen in allen Segmenten, allerdings mit deutlichen Unterschieden:

Segment Exportpreis 2015 (EUR/t) Exportpreis 2025 (EUR/t) Veränderung
Dauerwellmittel (330520) 5.192 9.559 +84,1 %
Haarlacke (330530) 4.151 6.897 +66,2 %
Sonstige (330590) 5.181 7.606 +46,8 %
Shampoo (330510) 2.993 3.836 +28,2 %

Dauerwellmittel verzeichneten mit +84,1 % den stärksten Preisanstieg — bei gleichzeitigem Volumenrückgang. Dies deutet auf eine zunehmende Premiumisierung und Spezialisierung in einer Nische hin: Übrig bleiben hochprezigere, professionellere Produkte, während das Massengeschäft schrumpft. Shampoo hingegen zeigte das geringste Preiswachstum (+28,2 %), was mit dem ausgeprägten Wettbewerb und dem Volumengeschäft in diesem Massenmarktsegment vereinbar ist.

Auch die Importpreise stiegen überproportional, am stärksten bei Dauerwellmitteln (+56,7 %) und Haarlacken (+45,7 %):

Segment Importpreis 2015 (EUR/t) Importpreis 2025 (EUR/t) Veränderung
Dauerwellmittel (330520) 5.970 9.356 +56,7 %
Haarlacke (330530) 6.177 8.999 +45,7 %
Sonstige (330590) 7.781 11.222 +44,2 %
Shampoo (330510) 4.651 6.459 +38,9 %

Sonstige Haarbehandlungsmittel dominieren den Importwert

Im Jahr 2025 entfielen rund 65,9 % des EU-Importwerts auf das Segment „Sonstige" (CN 330590), gefolgt von Shampoo mit 30,1 %. Im Export dominierte „Sonstige" ebenfalls (62,5 %), wobei Shampoo mit 34,3 % einen deutlich größeren Exportanteil als Importanteil aufweist. Dies unterstreicht die Rolle der EU als globaler Shampoo-Exporteur.

Anteile am Gesamthandelswert (2025):

Segment Anteil am Importwert Anteil am Exportwert
Sonstige (330590) 65,9 % 62,5 %
Shampoo (330510) 30,1 % 34,3 %
Haarlacke (330530) 2,9 % 2,8 %
Dauerwellmittel (330520) 1,1 % 0,3 %

Dauerwellmittel sind sowohl im Import als auch im Export zu einer Randerscheinung geworden (zusammen unter 1,5 % des Gesamthandelswerts), was den globalen Trend weg von chemischen Haarverformungsbehandlungen bestätigt.


Fazit

Der EU-Markt für zubereitete Haarpflegemittel (CN 3305) hat sich zwischen 2015 und 2025 entlang mehrerer Achsen grundlegend verändert:

  1. Preisgetriebenes Wachstum: Der Handelsüberschuss expandierte um 53,6 % auf 2,59 Mrd. EUR, wobei Preissteigerungen — nicht Mengenwachstum — der dominante Treiber waren. Die durchschnittlichen Handelspreise stiegen um 36–46 %, getrieben durch Inflation, Rohstoffkosten und Premiumisierungseffekte.

  2. Exportorientierung und Diversifizierung: Die EU entwickelte sich vom moderaten zum starken Nettoexporteur (Netto-Importabhängigkeit von −17,6 % auf −78,8 %). Gleichzeitig sank die Konzentration der Handelspartner — die EU diversifizierte sowohl ihre Bezugsquellen als auch ihre Absatzmärkte. Geopolitische Ereignisse (Türkei-Währungskrise 2022, Russland-Sanktionen, COVID-19-Pandemie) hinterließen zwar Spuren in einzelnen Handelsströmen, destabilisierten den Gesamtmarkt jedoch nicht nachhaltig.

  3. Segmentverschiebungen: Shampoo stieg zum klar dominanten Exportvolumensegment auf, während Dauerwellmittel und Haarlacke an Bedeutung verloren. Der Trend zur Premiumisierung ist besonders in den Nischensegmenten mit den stärksten Preissteigerungen erkennbar. Die COVID-19-Pandemie traf insbesondere die salonorientierten Produkte dauerhaft.

Insgesamt zeigt der Markt eine robuste Wachstumsdynamik bei gleichzeitiger struktureller Transformation — hin zu höheren Wertschöpfungsanteilen, breiterer internationaler Verflechtung und einer Konzentration auf volumenstarke Massenprodukte im Export sowie hochprezige Spezialprodukte in schrumpfenden Nischen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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