Marktentwicklung: Glaserkitt, Harzzement und andere Kitte; Spachtelmassen für Anstreicherarbeiten (CN 321410) — 2015–2025
Einführung
Der Markt für Glaserkitt, Harzzement und andere Kitte sowie Spachtelmassen für Anstreicherarbeiten (KN-Code 321410) hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: ein deutliches Preiswachstum bei gleichzeitig rückläufigen Exportmengen, eine gravierende geopolitische Umstrukturierung der Handelsbeziehungen — insbesondere den Wegfall des russischen Marktes — sowie eine zunehmende Handelsoffenheit der EU bei gleichzeitig wachsender Inlandsproduktion. Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum ein substantieller Nettexporteur, wobei sich die Zusammensetzung der Handelspartner und die Preisstrukturen erheblich veränderten.
Übersicht der EU-Handelsströme
1. Preisgetriebenes Exportwachstum bei rückläufigen Mengen
Der Wertanstieg der EU-Exporte beruht fast vollständig auf Preissteigerungen
Die EU-Exporte von CN 321410 stiegen im Wert von 1,34 Mrd. € (2015) auf 1,70 Mrd. € (2025), was einem Zuwachs von 26,5 % entspricht. Gleichzeitig sanken die exportierten Mengen von 474.753 Tonnen auf 413.009 Tonnen (−13,0 %). Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich im selben Zeitraum von 2.829 €/t auf 4.114 €/t (+45,5 %). Dies zeigt, dass die Wertschöpfung der EU-Exporteure trotz rückläufiger Volumina gesteigert wurde — ein Muster, das auf Qualitätsverbesserungen, gestiegene Rohstoffkosten und/oder Inflationseffekte zurückzuführen sein kann.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 1,34 | 1,70 | +26,5 % |
| Exportmenge (t) | 474.753 | 413.009 | −13,0 % |
| Exportpreis (€/t) | 2.829 | 4.114 | +45,5 % |
| Importwert (Mrd. €) | 0,30 | 0,47 | +56,0 % |
| Importmenge (t) | 92.570 | 139.539 | +50,7 % |
| Importpreis (€/t) | 3.246 | 3.359 | +3,5 % |
Die EU-Inlandsproduktion wuchs in Wert und Menge stärker als die Exporte
Die EU-Produktion von KN 321410 (erfasst über PRODCOM) stieg im Zeitraum 2015–2024 in der Menge von 1,32 Mio. t auf 1,63 Mio. t (+23,8 %) und im Wert von 2,32 Mrd. € auf 3,27 Mrd. € (+40,7 %). Der Produktionspreis erhöhte sich dabei von 1,76 €/kg auf 2,00 €/kg. Die Produktion wuchs damit sowohl in der Menge als auch im Wert schneller als die Exporte, was auf eine gesteigerte Inlandsnachfrage und/oder einen relativen Bedeutungszuwachs des Binnenmarktes hindeuten könnte.
Importe wuchsen preisstabil, Exporte preisgetrieben — die Handelsbilanz blieb deutlich positiv
Während bei den Importen sowohl die Menge (+50,7 %) als auch der Wert (+56,0 %) stark stiegen und der Preis weitgehend stabil blieb (+3,5 %), war das Exportwachstum rein preisgetrieben. Der Handelsüberschuss der EU erhöhte sich dennoch von 1,04 Mrd. € auf 1,23 Mrd. € (+18,0 %). Allerdings verringerte sich die Nettoexportquote relativ zur Produktion: Die Netto-Importabhängigkeit bewegte sich von −81,5 % (2015) über ein Tief von −84,2 % (2016) auf −68,3 % (2024), was bedeutet, dass die Importe relativ zur Produktion stärker wuchsen als die Exporte.
2. Geopolitische Umbrüche und die Umstrukturierung der Handelspartner
Der Zusammenbruch des russischen Exportmarktes als gravierendster Einzelereignis
Die dramatischste Veränderung im Untersuchungszeitraum war der vollständige Wegfall Russlands als Exportdestination. 2015 war die Russische Föderation mit 179 Mio. € der zweitgrößte Abnehmer der EU-Exporte; 2022 sank der Wert auf 59 Mio. €, und 2023–2025 beliefen sich die Exporte auf praktisch null (62.796 € in 2025). Dies entspricht einem Rückgang von −100 %. Die Datenanalyse identifiziert dies als einen extremen Versorgungsschock mit einer Abnormalität von 3,2 Standardabweichungen. Gleichzeitig stiegen die Preise der verbleibenden Restexporte nach Russland auf über 51.000 €/t — ein Anstieg von 1.356 % gegenüber der Basislinie — was auf verbleibende Nischenprodukte oder Sanktionsumgehungen hindeuten könnte. Der russische Markt hatte vor 2022 einen Exportanteil von rund 9,3 % am gesamten EU-Exportwert.
| Jahr | Exporte Russland (Mio. €) | Menge (t) | Preis (€/t) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 179,3 | 79.321 | 2.261 |
| 2019 | 172,1 | 65.510 | 2.627 |
| 2021 | 175,6 | 59.962 | 2.928 |
| 2022 | 59,1 | 17.443 | 3.389 |
| 2023 | 0,2 | 4,3 | 45.992 |
| 2024 | 0,5 | 10,7 | 46.052 |
| 2025 | 0,06 | 1,2 | 51.095 |
Die USA und die Türkei füllen das entstandene Vakuum auf Exportseite teilweise
Die USA entwickelten sich zum dynamischsten Exportmarkt der EU: von 115 Mio. € (2015) auf 231 Mio. € (2025), ein Zuwachs von 100,4 %. Im Jahr 2024 erreichten die US-Exporte mit 284 Mio. € sogar ihr Maximum. Die Türkei als drittgrößter Exportpartner wuchs von 108 Mio. € auf 148 Mio. € (+37,0 %), mit einem Peak von 167 Mio. € in 2023. Der Vereinigte Königreich blieb mit 269 Mio. € (2025) der mit Abstand wichtigste Exportmarkt (+32,5 %). Insgesamt kompensierte die Umorientierung auf diese Märkte den Wegfall Russlands nur teilweise, führte aber zu einer breiter diversifizierten Exportbasis.
Handelspartner der EU nach Wert
Auf der Importseite gewannen die Türkei, Serbien und das Vereinigte Königreich erheblich an Bedeutung
Die Importe aus der Türkei vervierfachten sich nahezu von 8,8 Mio. € auf 41,6 Mio. € (+371,6 %). Serbien verzeichnete das stärkste prozentuale Wachstum aller Importpartner: von 0,6 Mio. € auf 8,9 Mio. € (+1.449 %). Die Importe aus dem Vereinigten Königreich — das nach dem Brexit als Drittland erfasst wird — verdoppelten sich von 44 Mio. € auf 100 Mio. € (+126,1 %). Der Herfindahl-Hirschman-Index der Importkonzentration sank von 3.533 auf 2.605 (−26,3 %), was eine deutliche Diversifizierung der Importquellen belegt. Die Schweiz blieb mit 200 Mio. € der größte Importpartner, wuchs aber moderat (+19,4 %).
| Importpartner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 167,9 | 200,5 | +19,4 % |
| Vereinigtes Königreich | 44,2 | 99,8 | +126,1 % |
| Türkei | 8,8 | 41,6 | +371,6 % |
| USA | 37,3 | 69,3 | +86,0 % |
| Serbien | 0,6 | 8,9 | +1.449 % |
| Norwegen | 7,9 | 5,7 | −27,4 % |
Preisschocks betrafen insbesondere die Exporte nach Serbien und Australien
Neben dem russischen Schock identifizieren die Daten signifikante Preisschocks bei den Exporten nach Serbien (2022: +24,7 %, Abnormalität 82,4) und Australien (2022: +47,8 %, Abnormalität 4,1). Diese Schocks fielen zeitlich mit dem Beginn des Ukraine-Krieges und den damit verbundenen Lieferkettenstörungen zusammen. Die Mengenexporte nach Serbien sanken dabei von 9.474 t (2021) auf 7.339 t (2022), blieben danach aber relativ stabil.
3. Zunehmende Handelsoffenheit und regionale Spezialisierung innerhalb der EU
Die Handelsintensität der EU stieg signifikant an
Sowohl die Handelsintensität als auch die Exportquote der EU im Segment 321410 nahmen deutlich zu. Die Handelsintensität — definiert als (Exporte + Importe) / Produktion — stieg von 42,1 % (2015) auf 61,1 % (2025, +45,0 %). Die Exportquote erhöhte sich von 33,8 % auf 55,4 % (+63,9 %). Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da sie zeigt, dass der EU-Markt trotz seines großen Binnenmarktes zunehmend international verflochten ist.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsintensität | 42,1 % | 61,1 % | +45,0 % |
| Exportquote | 33,8 % | 55,4 % | +63,9 % |
| Nettorexportquote | −81,5 % (2015) | −68,3 % (2024) | Abschwächung |
Deutschland dominiert die EU-Exportstruktur; baltische Staaten weisen die höchste Spezialisierung auf
Deutschland war mit 731 Mio. € (2025) der mit Abstand größte Exporteur innerhalb der EU und hielt einen Produktionsanteil von 31,7 %. Es folgten Belgien (215 Mio. €), Frankreich (166 Mio. €) und die Niederlande (114 Mio. €). Gemäß dem standardisierten komparativen Vorteilsindex (RSCA) wiesen Estland (RSCA 0,73, RCA 6,36) und Lettland (RSCA 0,55, RCA 3,47) die höchste Spezialisierung auf — beide Länder sind trotz ihres kleinen Marktanteils stark auf dieses Produktsegment ausgerichtet. Belgien (RSCA 0,39), Slowenien (RSCA 0,36) und Deutschland (RSCA 0,20) folgten.
| EU-Mitgliedstaat | Exporte 2025 (Mio. €) | RSCA | RCA |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 731,5 | 0,199 | 1,50 |
| Belgien | 214,7 | 0,392 | 2,29 |
| Frankreich | 166,3 | 0,010 | 1,02 |
| Niederlande | 113,5 | −0,199 | 0,67 |
| Estland | 45,4 | 0,728 | 6,36 |
| Lettland | — | 0,553 | 3,47 |
Spachtelmassen zeigen ein dynamischeres Wachstum als traditionelle Kitte
Die Produktsegmentaufschlüsselung zeigt, dass Glaserkitt, Harzzement und andere Kitte (32141010) mit 1,53 Mrd. € (2025) rund 90 % der Exporte ausmachten, während Spachtelmassen für Anstreicherarbeiten (32141090) mit 166 Mio. € den kleineren, aber dynamischeren Teil darstellten. Die Spachtelmassen-Exporte wuchsen im Wert von 105 Mio. € auf 166 Mio. € (+58,4 %), bei relativ stabilen Mengen (101.817 t auf 92.274 t, −9,4 %). Der Spachtelmassen-Exportpreis stieg von 1.031 €/t auf 1.802 €/t (+74,8 %). Im Importbereich dominierten ebenfalls die Kitte (32141010: 392 Mio. €), doch die Importe von Spachtelmassen stiegen von 61 Mio. € auf 77 Mio. € (+25,6 %) — ein Hinweis auf eine wachsende Nachfrage nach diesen Produkten auch aus Drittländern.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Glaserkitt, Harzzement und Spachtelmassen (CN 321410) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich transformiert. Drei Entwicklungen stehen dabei im Vordergrund: Erstens führte ein starkes Preiswachstum (+45,5 % bei Exporten) dazu, dass die Exportwerte trotz sinkender Mengen gesteigert werden konnten. Zweitens hinterließ der Wegfall des russischen Marktes eine Lücke von rund 180 Mio. € Exportvolumen, die durch das Wachstum in den USA, der Türkei und anderen Märkten nur teilweise kompensiert wurde. Drittens nahm die Handelsoffenheit der EU in diesem Segment deutlich zu, wobei die Importe aus neu aufstrebenden Lieferanten wie der Türkei und Serbien stark wuchsen.
Die EU bleibt ein dominanter Nettexporteur mit einem Handelsüberschuss von 1,23 Mrd. € (2025), doch die zunehmende Importdiversifizierung (HHI-Rückgang um 26 %) und das dynamische Wachstum der Einfuhren deuten auf eine wachsende internationalen Verflechtung hin. Deutschland, Belgien und Frankreich bilden das Herzstück der europäischen Produktionsbasis, während baltische Staaten wie Estland und Lettland eine bemerkenswerte Spezialisierung aufweisen. Angesichts des anhaltenden Preisdrucks und der geopolitischen Unsicherheiten — insbesondere im Verhältnis zu Russland und der Türkei — dürfte die Diversifizierung der Handelsbeziehungen ein zentrales strategisches Thema für die europäische Kitt- und Spachtelmassenindustrie bleiben.