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Marktentwicklung: Geschirr und andere Artikel für den Tisch- oder Küchengebrauch, aus Kunststoffen (CN 392410) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU für den Zolltarif 392410 — Geschirr und andere Artikel für den Tisch- oder Küchengebrauch aus Kunststoffen — über den Zeitraum 2015 bis 2025. Die Produktdefinition umfasst sämtliche Kunststoffwaren für Haushalt, Küche und Tisch, eingebettet in die übergeordnete Warengruppe der Kunststofferzeugnisse (KN 3924). Der untersuchte Zeitraum ist durch mehrere einschneidende Ereignisse geprägt: die anhaltende Globalisierung der Lieferketten, die COVID-19-Pandemie (2020), globale Lieferengpässe und Inflation (2021–2022), den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (Brexit, wirksam ab 2021) sowie geopolitische Spannungen. Die Daten zeigen eine Reihe struktureller Verschiebungen, die den europäischen Markt für Kunststoffgeschirr grundlegend verändert haben.


1. Wachsende Importabhängigkeit bei schwindender Exportbasis

Der Handelsbilanzdefizit hat sich zwischen 2015 und 2025 nahezu verdoppelt

Die Handelsbilanz der EU für CN 392410 entwickelte sich über den gesamten Zeitraum hinweg deutlich in Richtung eines größeren Defizits. Das Handelsbilanzdefizit vergrößerte sich von −376 Mio. EUR im Jahr 2015 auf −671 Mio. EUR im Jahr 2025, was einer Verschlechterung von −78,6 % entspricht. Besonders ausgeprägt war der Einbruch in den Jahren 2021–2022, als das Defizit mit −777 Mio. EUR seinen Tiefststand erreichte.

Indikator 2015 2020 2022 2025 Veränderung 2015→2025
Exporte (Mio. EUR) 556 418 467 491 −11,8 %
Importe (Mio. EUR) 932 856 1.245 1.161 +24,6 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −376 −438 −777 −671 −78,6 %

Die EU exportiert weniger Mengen, aber zu höheren Preisen

Ein zentrales Muster der Periode ist die Gegenläufigkeit von Mengen- und Wertentwicklung bei den Ausfuhren. Während die Exportmenge von 89.539 Tonnen (2015) auf 57.059 Tonnen (2025) sank — ein Rückgang von −36,3 % — stieg der durchschnittliche Exportpreis von 6.212 EUR/t auf 8.598 EUR/t, ein Plus von +38,4 %. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder auf inflationsbedingte Preissteigerungen. Die EU verlor insbesondere preisgünstige Standardprodukte aus ihrem Exportportfolio.

Die Importpreise blieben weitgehend stabil, während die Importmengen stark stiegen

Auf der Importseite stieg die Menge von 205.638 Tonnen auf 271.123 Tonnen (+31,8 %), bei einem leicht rückläufigen Durchschnittspreis von 4.531 EUR/t auf 4.284 EUR/t (−5,5 %). Dieses Muster — steigende Mengen bei sinkenden Einheitspreisen — ist typisch für zunehmende Importe aus kostengünstigen Produktionsländern und unterstreicht die Wettbewerbsdruck auf die europäische Hersteller.

Die binnenländische Produktion ist stark geschrumpft

Die EU-Produktionsdaten belegen einen drastischen Rückgang der inländischen Fertigung. Die Produktionsmenge sank von 944 Mio. Stück (2015) auf 333 Mio. Stück (2024), was einem Rückgang von −47,8 % entspricht. Der Produktionswert fiel von 1.745 Mio. EUR auf 1.346 Mio. EUR (−29,3 %). Dieser stärkere Rückgang der Stückzahlen gegenüber dem Wert impliziert ebenfalls eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produktlinien in der verbleibenden europäischen Produktion.


2. Strukturelle Umorientierung der Handelsströme: China dominiert, das Vereinigte Königreich verschwindet

China hat seine Dominanz als Importlieferant weiter ausgebaut

Die Importpartner der EU zeigen eine klare Konzentration auf wenige Hauptlieferanten. China blieb mit Abstand der größte Lieferant mit Importen von 548 Mio. EUR (2015) auf 789 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von +44,0 % entspricht. China allein stellte 2025 rund 68 % der gesamten EU-Importe in diesem Segment.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 548 789 +44,0 %
Türkiye 79 132 +67,4 %
Vereinigtes Königreich 98 21 −78,2 %
Indien 14 24 +65,0 %
Taiwan 36 21 −40,7 %
Thailand 27 24 −11,9 %
Serbien 8 16 +97,3 %

Türkiye entwickelte sich zum zweitwichtigsten Importpartner der EU

Der bemerkenswerteste Anstieg nach China verzeichnete Türkiye: Die EU-Importe aus der Türkei stiegen von 79 Mio. EUR auf 132 Mio. EUR (+67,4 %). Die Türkei profitierte dabei von ihrer geografischen Nähe zur EU, zollpräferenziellen Handelsabkommen und wettbewerbsfähigen Produktionskosten. Die Importmengen aus der Türkei verdoppelten sich nahezu von 26.142 Tonnen auf 43.806 Tonnen. Auch Serbien (+97,3 %) und Indien (+65,0 %) gewannen deutlich an Bedeutung als Lieferanten.

Der Brexit verursachte einen dramatischen Rückgang der Handelsströme mit dem Vereinigten Königreich

Das Vereinigte Königreich stellte 2015 noch den drittgrößten Importpartner der EU dar (98 Mio. EUR). Nach dem Ende der Übergangsphase zum Brexit (Januar 2021) brachen die Importe aus dem VK dramatisch ein: von 88 Mio. EUR (2020) auf 26 Mio. EUR (2021), ein Rückgang von über 70 % in einem einzigen Jahr. Bis 2025 sanken die Importe weiter auf 21 Mio. EUR (−78,2 % gegenüber 2015). Der Koeffizient der Variation (CV) der Importe aus dem VK lag bei 0,682 — der höchste Wert unter allen wichtigen Partnern, was die extreme Volatilität dieser Handelsbeziehung widerspiegelt.

Die EU-Exportmärkte zeigen ein differenziertes Bild

Auf der Exportseite verloren traditionelle Absatzmärkte an Bedeutung. Die Exporte in die Schweiz sanken von 88 Mio. EUR auf 60 Mio. EUR (−32,3 %), in die USA von 61 Mio. EUR auf 41 Mio. EUR (−32,6 %), nach Norwegen von 49 Mio. EUR auf 31 Mio. EUR (−37,4 %) und nach Russland von 29 Mio. EUR auf 8 Mio. EUR (−73,3 %). Letzterer Rückgang ist klar auf die Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 zurückzuführen.

Demgegenüber stehen bemerkenswerte Zuwächse: Die Exporte nach China explodierten von 12 Mio. EUR auf 98 Mio. EUR (+701,5 %), nach Israel stiegen sie von 10 Mio. EUR auf 16 Mio. EUR (+63,2 %).

Die Konzentration der Importe hat stark zugenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 3.691 (2015) auf 4.914 (2025), eine Zunahme von +33,1 %. Werte oberhalb von 2.500 gelten als Hinweis auf einen hochkonzentrierten Markt. Die zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Partnerländer — insbesondere China — erhöht die Anfälligkeit der EU gegenüber Lieferunterbrechungen, politischen Spannungen und Handelskonflikten.

Innerhalb der EU dominieren Deutschland, die Niederlande und Italien die Handelsströme

Die EU-internen Handelsströme zeigen eine Konzentration auf wenige große Volkswirtschaften. Deutschland war 2025 mit 215 Mio. EUR der größte EU-Importeur, gefolgt von den Niederlanden (219 Mio. EUR) und Frankreich (122 Mio. EUR). Bemerkenswert ist der Anstieg der Importe in die Niederlande (+99,5 %) und nach Italien (+84,8 %), was auf die Rolle der Häfen Rotterdam und Genua als Einfuhrdrehscheiben hindeutet.


3. Steigende Verwundbarkeit und rezente Preisschocks

Die Netto-Importabhängigkeit der EU hat sich um das Zwölffache erhöht

Der Indikator der Netto-Importabhängigkeit (Net Import Reliance) stieg von 2,5 % im Jahr 2003 auf 30,8 % im Jahr 2024 — eine Zunahme von über 1.100 %. Der Höchstwert wurde 2022 mit 33,4 % erreicht. Dieser Indikator misst den Anteil des inländischen Verbrauchs, der durch Netto-Importe gedeckt wird. Die rasante Zunahme zeigt, dass die EU bei Kunststoffgeschirr und -tischwaren zunehmend von ausländischen Lieferungen abhängig geworden ist.

Indikator 2015 2020 2024 Veränderung 2015→2024
Netto-Importabhängigkeit (%) 17,7 23,5 30,8 +73,7 %
Handelsintensität (%) 25,5 24,5 67,0 +162,8 %
Exportneigung (%) 13,5 29,3 39,4 +191,2 %

Die Handelsintensität und Exportneigung haben stark zugenommen

Die Handelsintensität (Trade Intensity), die den Anteil des Außenhandels am Gesamtverbrauch misst, stieg von 25,5 % (2015) auf 67,0 % (2024). Die Exportneigung (Export Propensity) — der Anteil der inländischen Produktion, der exportiert wird — erhöhte sich von 13,5 % auf 39,4 %. Diese Entwicklungen spiegeln die zunehmende Integration des EU-Marktes in globale Wertschöpfungsketten wider, sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite.

Preis- und Mengenschocks trafen den Handel mit mehreren Partnern

Die Schockanalyse identifizierte mehrere signifikante Handelsstörungen im Zeitraum 2020–2022:

Partnerland Schocktyp Zeitpunkt Abweichung Preisänderung
Kanada (Exporte) Preis 2020 22,5σ +35,7 %
Indien (Importe) Preis 2022 14,3σ +34,0 %
Israel (Exporte) Preis 2022 7,6σ +56,2 %
Bosnien und Herz. (Exporte) Preis 2022 6,6σ +27,9 %

Der Preis-Schock bei Exporten nach Kanada im Jahr 2020 fiel mit der COVID-19-Pandemie zusammen: Die Exportmenge halbierte sich nahezu (von 1.252 t auf 540 t), während der Preis um 35,7 % anstieg. Der Import-Preisschock aus Indien im Jahr 2022 (+34,0 %) spiegelt die globalen Lieferkettenstörungen und Energiepreissteigerungen wider. Der Exportpreisschock nach Israel im Jahr 2022 (+56,2 %) war der prozentual größte und ging mit einem Rückgang der Exportmenge um 42 % einher.

Die Volatilität der Handelsströme variiert erheblich zwischen den Partnern

Der Variationskoeffizient (CV) der Importmengen zeigt große Unterschiede in der Stabilität der Handelsbeziehungen:

Partner (Importe) CV Bewertung
Taiwan 0,102 Sehr stabil
China 0,172 Stabil
Thailand 0,178 Stabil
Serbien 0,189 Stabil
Indien 0,191 Stabil
Türkei 0,280 Moderat
Vietnam 0,243 Moderat
Vereinigtes Königreich 0,682 Hoch volatil

China und Taiwan zeichnen sich als die stabilsten Importpartner aus, was ihre Rolle als zuverlässige Großlieferanten unterstreicht. Die hohe Volatilität des VK-Handels (CV = 0,682) ist eine direkte Folge des Brexit und der damit verbundenen Handelsumleitung.


Schlussfolgerung

Der Markt für Kunststoffgeschirr und -tischwaren (CN 392410) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt. Drei zentrale Trends prägen die Entwicklung:

Erstens hat sich die EU von einem Netto-Exporteur mit eigenem Produktionsstamm zu einer zunehmend importabhängigen Volkswirtschaft entwickelt. Die Netto-Importabhängigkeit stieg auf über 30 %, während die inländische Produktionsmenge um nahezu die Hälfte einbrach.

Zweitens haben geopolitische Ereignisse die Handelsströme nachhaltig umgeleitet. Der Brexit führte zum weitgehenden Wegfall des VK als Handelspartner — sowohl als Quelle von Importen als auch als Zielmarkt für EU-Exporte. Die Sanktionen gegen Russland reduzierten die Exporte dorthin um drei Viertel. Gleichzeitig gewannen China und die Türkei als Importlieferanten weiter an Dominanz.

Drittens erhöht die zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Herkunftsländer — allen voran China mit einem Anteil von rund 68 % — die strategische Verwundbarkeit der EU. In Verbindung mit der gesunkenen inländischen Produktionskapazität ergibt sich ein Bild einer Volkswirtschaft, die bei diesem Alltagsprodukt in hohem Maße von globalen Lieferketten abhängig geworden ist. Die rezenten Preis-Schocks (2020–2022) verdeutlichen, wie störanfällig diese Abhängigkeit sein kann.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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