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Marktentwicklung: Gerüstmaterial, Schalungsmaterial oder Stützmaterial, aus Eisen oder Stahl (ausg. zusammengesetzte Spundwanderzeugnisse sowie Schalplatten für Betonguss, die die Eigenschaften von Formen aufweisen) (CN 730840) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Gerüst-, Schalungs- und Stützmaterial aus Eisen oder Stahl (KN 730840) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 erheblich gewandelt. Die EU, traditionell ein starker Nettoexporteur in diesem Segment, verzeichnete in diesem Jahrzehnt eine zunehmende Verschiebung der Handelsströme: Während die Exporte nominal und mengenmäßig rückläufig waren, stiegen die Importe – insbesondere aus Drittländern wie China, der Türkei und Indien – deutlich an. Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte von rund 845 Mio. € (2015) auf 266 Mio. € (2025). Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken, beleuchtet die strukturelle Verschiebung der Handelspartner und bewertet Schocks sowie Verwundbarkeiten des EU-Marktes. Die Analyse basiert ausschließlich auf den vorliegenden Daten der EU-Handelsstatistik für KN 730840.


1. Divergente Handelsströme: Schrumpfende Exporte, explodierende Importe

1.1 Die EU-Exporte verloren mengenmäßig deutlich an Dynamik

Die EU-Exporte von Gerüst- und Schalungsmaterial in Drittländer entwickelten sich über den gesamten Betrachtungszeitraum rückläufig. Der Exportwert sank von 1.105 Mio. € (2015) auf 987 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 10,6 % entspricht. Noch deutlicher fällt der mengenmäßige Rückgang aus: Die exportierte Menge fiel von 469.332 Tonnen (2015) auf 294.479 Tonnen (2025) – ein Minus von 37,3 %. Der Tiefpunkt wurde 2020 mit nur noch 271.991 Tonnen und einem Exportwert von lediglich 640 Mio. € erreicht, was auf die COVID-19-Pandemie und die damit verbundene Baukonjunkturschwäche zurückzuführen ist.

Jahr Exportwert (Mio. €) Exportmenge (t) Durchschnittspreis (€/t)
2015 1.105 469.332 2.353
2016 884 383.010 2.309
2017 899 378.599 2.374
2018 897 362.711 2.474
2019 845 349.921 2.416
2020 640 271.991 2.353
2021 781 294.751 2.649
2022 995 299.985 3.318
2023 950 288.017 3.299
2024 1.022 308.033 3.319
2025 987 294.479 3.352

Quelle: Handelsentwicklung (EU-Übersicht)

1.2 Der durchschnittliche Exportpreis stieg um 42,5 %

Während die Mengen sanken, stiegen die Exportpreise kontinuierlich an: von 2.353 €/t (2015) auf 3.352 €/t (2025), was einem Anstieg von 42,5 % entspricht. Der Preissprung ab 2022 (von 2.649 auf 3.318 €/t) spiegelt die globalen Stahlpreisanstiege infolge der Energiekrise und gestörter Lieferketten wider. Die EU exportierte somit weniger Volumen zu höheren Stückpreisen – ein Muster, das auf eine Verlagerung hin zu höherwertigen Produkten oder auf gestiegene Produktionskosten hindeuten kann.

1.3 Die Importe verdreifachten sich nahezu – sowohl im Wert als auch in der Menge

Im Gegensatz zu den Exporten durchliefen die EU-Importe einen beispiellosen Anstieg. Der Importwert stieg von 260 Mio. € (2015) auf 721 Mio. € (2025) – ein Plus von 177,8 %. Mengenmäßig wuchsen die Importe von 153.348 Tonnen auf 389.528 Tonnen (+154,0 %). Damit überstiegen die Importmengen 2025 erstmals die Exportmengen (389.528 t vs. 294.479 t), wenngleich die EU im Wert weiterhin ein Überschussland blieb.

Jahr Importwert (Mio. €) Importmenge (t) Durchschnittspreis (€/t)
2015 260 153.348 1.693
2016 268 159.998 1.675
2017 336 208.806 1.609
2018 395 240.378 1.642
2019 441 263.247 1.677
2020 401 232.556 1.724
2021 560 275.213 2.036
2022 716 295.133 2.426
2023 595 266.068 2.238
2024 589 277.373 2.123
2025 721 389.528 1.852

Quelle: Handelsentwicklung (EU-Übersicht)

1.4 Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte um fast 70 %

Der Saldo aus Export- und Importwerten entwickelte sich von einem Überschuss von 845 Mio. € (2015) auf nur noch 266 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 68,5 % entspricht. Den Tiefpunkt markierte 2022 mit nur noch 221 Mio. € Überschuss – dem Jahr, in dem die Importe mit 716 Mio. € ihren vorläufigen Höchststand erreichten. Die Netto-Importabhängigkeit blieb zwar throughout negativ (d. h. die EU blieb Nettoexporteur), näherte sich aber dem Gleichgewicht an.


2. Strukturelle Verschiebungen: Neue Importakteure und wachsende Konzentration

2.1 China und die Türkei als dominierende Importquellen

Die Analyse der wichtigsten Handelspartner zeigt eine klare Verschiebung der Importstruktur. China festigte seine Position als mit Abstand größter Lieferant: Die Importe aus China stiegen von 92 Mio. € (2015) auf 323 Mio. € (2025) – ein Plus von 250,5 %. China allein machte damit 2025 rund 44,8 % aller EU-Importe in diesem Segment aus.

Noch dynamischer entwickelten sich die Importe aus der Türkei: von 21 Mio. € (2015) auf 119 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 480,1 % entspricht. Die Türkei stieg damit vom sechstgrößten zum zweitgrößten Importlieferanten der EU auf.

Partnerland Import 2015 (Mio. €) Import 2025 (Mio. €) Veränderung (%) Anteil 2025 (%)
China 92 323 +250,5 44,8
Türkei 21 119 +480,1 16,5
Indien 25 51 +109,5 7,1
Schweiz 33 54 +64,9 7,4
Vereinigtes Königreich 17 48 +183,5 6,7
Tunesien 12 21 +75,9 3,0
Bosnien und Herzegowina 8 14 +73,9 2,0

Quelle: Wichtigste Handelspartner – Importe

2.2 Die Importkonzentration nahm deutlich zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.699 (2015) auf 2.477 (2025), was einem Anstieg von 45,8 % entspricht. Ein HHI von über 2.500 gilt in der Wettbewerbstheorie als Hinweis auf einen hochkonzentrierten Markt. Die Importe konzentrieren sich somit zunehmend auf wenige Lieferländer – allen voran China, dessen Anteil allein fast die Hälfte des Importmarktes ausmacht. Die mengenbasierte Konzentration stieg sogar noch stärker (+84,0 %), was darauf hindeutet, dass die wachsenden Importvolumina insbesondere von wenigen, volumenstarken Lieferanten getragen werden.

Jahr HHI Importe (Wert) HHI Exporte (Wert)
2015 1.699 495
2018 1.909 574
2020 1.682 615
2022 2.128 768
2025 2.477 582

2.3 Deutschland dominiert sowohl Importe als auch Exporte innerhalb der EU

Auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten ist Deutschland der mit Abstand größte Akteur. Bei den Exporten lag Deutschland 2025 bei 376 Mio. € (38,1 % der EU-Exporte), gefolgt von Österreich (159 Mio. €) und Spanien (95 Mio. €). Allerdings gingen die Exporte der traditionell starken Exportländer wie Spanien (−37,1 %), Italien (−41,4 %) und Österreich (−18,2 %) im Vergleichszeitraum deutlich zurück, während Deutschland nahezu stabil blieb (−4,9 %).

Land Export 2015 (Mio. €) Export 2025 (Mio. €) Veränderung (%)
Deutschland 395 376 −4,9
Österreich 194 159 −18,2
Spanien 151 95 −37,1
Italien 151 89 −41,4
Frankreich 32 61 +90,9
Schweden 38 41 +7,6
Polen 29 47 +60,5

Bei den Importen stiegen besonders Polen (+622,7 %, von 9 Mio. € auf 64 Mio. €) und Belgien (+338,0 %) stark an, was auf verstärkte Warenumschlags- und Weiterverarbeitungsfunktionen in diesen Ländern hindeuten könnte.

Quelle: Wichtigste EU-Mitgliedstaaten – Handelspartner

2.4 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Österreich (RSCA: 0,57, RCA: 3,65) und Lettland (RSCA: 0,56, RCA: 3,54) die am stärksten spezialisierten Exporteure in der EU sind. Deutschland (RSCA: 0,28, RCA: 1,79) weist ebenfalls eine positive Spezialisierung auf, ist aber aufgrund seines großen Gesamtexports weniger stark auf dieses Produkt segment konzentriert. Am anderen Ende des Spektrums stehen Irland (RSCA: −0,79), Frankreich (RSCA: −0,77) und Dänemark (RSCA: −0,71), die in diesem Segment importdominiert sind.

2.5 Die EU-Produktion stieg im Wert deutlich, mengenmäßig moderater

Die EU-Produktion verzeichnete im Betrachtungszeitraum ein beachtliches Wertwachstum: von 2.334 Mio. € (2015) auf 3.878 Mio. € (2024), was einem Anstieg von rund 110 % entspricht. Mengenmäßig wuchs die Produktion von 1.795 Mio. Tonnen (2015) auf 2.215 Mio. Tonnen (2024), also um 23 %. Der deutlich höhere Wert- gegenüber dem Mengenanstieg spiegelt die gestiegenen Stahlpreise und Produktionskosten wider. Der durchschnittliche Produktionspreis stieg von 1,30 €/kg (2015) auf 1,75 €/kg (2024).


3. Schocks, Volatilität und geopolitische Verwerfungen

3.1 Der vollständige Exportstopp gegenüber Russland nach 2022

Der gravierendste Angebotsschock im untersuchten Zeitraum war der vollständige Zusammenbruch der EU-Exporte in die Russische Föderation nach 2022. Die Exportmengen sanken von durchschnittlich 12.701 Tonnen (2015–2022) auf praktisch null (2023–2025). Der Exportpreis vor dem Schock lag bei durchschnittlich 2.722 €/t. Dieser Einbruch ist klar auf die EU-Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 zurückzuführen. Der Anteil Russlands an den EU-Exporten betrug vor dem Krieg rund 3,4 %.

Phase Zeitraum Ø Menge (t) Ø Preis (€/t) Anteil vs. Basis
Basis 2015–2022 12.701 2.722 100 %
Exit 2023–2025 199 2.279 1,6 %

3.2 Preisvolatilität bei Importen aus Indien

Ein signifikanter Preisschock wurde 2022 bei Importen aus Indien festgestellt. Der Importpreis stieg um 40,8 % gegenüber dem Vorjahresniveau (von 1.550 auf 2.111 €/t), bei gleichzeitig nur leicht gestiegenen Mengen (+14,1 %). Dies geschah vor dem Hintergrund der globalen Stahlpreisspitzen infolge der Energiekrise und der Unterbrechung von Lieferketten nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Der durchschnittliche Importpreis aus Indien blieb auch 2023–2024 mit 1.846 €/t bzw. 1.888 €/t deutlich über dem Vorkrisenniveau, was auf anhaltend höhere Kosten oder eine qualitative Aufwertung der Importe hindeutet.

3.3 Die VAE-Exporte zeigen die höchste Volatilität

Bei den Exporten in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wurde der mit Abstand höchste Variationskoeffizient (CV: 0,70) aller großen Handelspartner festgestellt. Die Exportmengen schwankten zwischen 2.676 Tonnen (2020) und 27.369 Tonnen (2017), also um mehr als das Zehnfache. Ähnlich stark schwanken die Exporte in die Türkei (CV: 0,42) und nach Chile (CV: 0,46). Diese hohe Volatilität bei Drittlandexporten deutet auf projektbasierte, diskontinuierliche Nachfrage hin – typisch für Großbauprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Auf der Importseite weisen Lieferungen aus Südkorea (CV: 0,77) und der Türkei (CV: 0,59) die höchsten Schwankungen auf, was auf sporadische Großlieferungen und möglicherweise Preisdumping-Untersuchungen oder Handelsmaßnahmen hindeuten könnte.

3.4 Die Handelsintensität stieg signifikant – die EU wurde verflochtener

Die Handelsintensität, gemessen als Summe aus Im- und Exporten relativ zur Produktion, stieg von 21,2 % (2015) auf 36,1 % (2024) – ein Plus von 70,6 %. Die Exportquote allein erhöhte sich von 16,7 % auf 26,4 %. Dies zeigt, dass der EU-Markt für Gerüstmaterial über den Betrachtungszeitraum deutlich stärker in den globalen Handel integriert wurde. Die gleichzeitig steigende Importabhängigkeit bei konstantem Nettexporteur-Status deutet darauf hin, dass die EU zwar weiterhin Überschüsse produziert, aber zunehmend auf Drittlandslieferungen angewiesen ist, um die wachsende inländische Nachfrage zu bedienen.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Gerüst-, Schalungs- und Stützmaterial aus Eisen oder Stahl durchlebte zwischen 2015 und 2025 eine fundamentale Transformation. Die Kernergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Exporte rückläufig, Importe stark steigend: Die EU verlor mengenmäßig erheblich an Boden als Exporteur (−37,3 %), während die Importe sowohl im Wert (+177,8 %) als auch in der Menge (+154,0 %) explodierten. Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte um 68,5 %.

  2. Zunehmende Importabhängigkeit von wenigen Lieferanten: China (44,8 % der Importe) und die Türkei (16,5 %) dominieren den Importmarkt. Der HHI für Importkonzentration stieg um 45,8 % auf 2.477 – ein niveau, das auf eine erhebliche Abhängigkeit von wenigen Quellen hinweist.

  3. Geopolitische Schocks und Volatilität: Der vollständige Exportstopp gegenüber Russland, Preisspitzen bei indischen Importen 2022 sowie extreme Mengenschwankungen bei Exporten in die VAE und die Türkei kennzeichnen einen Markt, der zunehmend anfällig für geopolitische Ereignisse und konjunkturelle Schwankungen ist.

  4. Steigende Preise trotz Mengenrückgang bei Exporten: Die EU exportiert tendenziell weniger Volumen zu höheren Preisen, was sowohl auf gestiegene Produktionskosten (Energie, Rohstoffe) als auch auf eine qualitative Differenzierung hindeuten könnte.

Die Netto-Importabhängigkeit der EU blieb zwar throughout negativ (d. h. die EU blieb formal Nettoexporteur), doch der Trend zeigt eine klare Annäherung an den Nullpunkt. Sollten die Importe aus China und der Türkei weiter in diesem Tempo wachsen, könnte die EU in den kommenden Jahren erstmals zum Nettoimporteur in diesem Segment werden – mit entsprechenden Implikationen für die strategische Autonomie im Bausektor.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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