Marktentwicklung: Gefrorene Tintenfische (CN 030743) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollcode 030743 – Tintenfische und Kalmare, gefroren, auch ohne Schale. Der CN-Code 030743 umfasst eine breite Palette gefrorener Tintenfisch- und Kalmare-Produkte, darunter Gattungen wie Loligo, Illex, Sepia, Ommastrephes und Todarodes. Vollständige Jahresdaten liegen für den Zeitraum 2017 bis 2025 vor. Die EU ist in diesem Segment ein ausgeprägter Nettoimporteur mit einer Importabhängigkeit von rund 76 %, wobei die Binnenproduktion (2025: ca. 207.000 t im Wert von 1,06 Mrd. EUR) die Importe (430.000 t, 2,11 Mrd. EUR) bei Weitem nicht ausgleicht. Die wesentlichen Erkenntnisse des Berichts lassen sich in drei zentrale Dynamiken zusammenfassen.
1. Preisgetriebenes Importwachstum bei mengenmäßiger Stagnation
Die EU-Importe sind nominal um 23 % gestiegen, mengenmäßig jedoch nahezu unverändert
Die Einfuhren von CN 030743 stiegen im Betrachtungszeitraum von 1,71 Mrd. EUR (2017) auf 2,11 Mrd. EUR (2025) — eine Steigerung um 23,2 %. Im gleichen Zeitraum blieb die importierte Menge mit 428.851 t bzw. 430.411 t praktisch unverändert (+0,4 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich dementsprechend von 3.996 EUR/t auf 4.903 EUR/t (+22,7 %). Die gesamte Wertsteigerung der Einfuhren ist somit nahezu vollständig auf Preissteigerungen zurückzuführen. Gesamtübersicht
| Kennzahl | 2017 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert | 1,71 Mrd. EUR | 2,11 Mrd. EUR | +23,2 % |
| Importmenge | 428.851 t | 430.411 t | +0,4 % |
| Importpreis | 3.996 EUR/t | 4.903 EUR/t | +22,7 % |
Die COVID-19-Pandemie verursachte 2020 einen deutlichen Einbruch
Das Importminimum lag bei 1,37 Mrd. EUR und 356.992 t — beides im Jahr 2020. Die pandemiebedingten Störungen in der globalen Logistik und Verarbeitung führten zu einem spürbaren Rückgang. Die Erholung verlief jedoch rasch: Bereits 2022 überstiegen die Importe das Vorkrisenniveau, bevor 2025 ein neuer Höchststand erreicht wurde.
Die Preisdynamik variiert stark zwischen den einzelnen Produktsegmenten
Die Produktsegmente unterscheiden sich erheblich in Preisniveau und Preisentwicklung. Loligo vulgaris (CN 03074331) wurde 2025 zu einem Durchschnittspreis von 8.942 EUR/t importiert, während Illex spp. (CN 03074392) mit 4.747 EUR/t deutlich günstiger waren. Besonders stark gestiegen sind die Preise für Loligo gahi (CN 03074335): von 2.799 EUR/t (2017) auf 4.226 EUR/t (+51 %). Demgegenüber blieb Sepia officinalis (CN 03074329) mit Preisen zwischen 4.000 und 6.600 EUR/t relativ stabil.
Das allgemeine Kalmare-Segment dominiert mengenmäßig
Mit 178.665 t (41,5 % der Gesamtmenge) im Jahr 2025 stellt CN 03074399 — die Restkategorie für nicht anderweitig klassifizierte Tintenfische und Kalmare — das mit Abstand größte Importsegment dar. Loligo gahi folgt mit 78.618 t (18,3 %), Loligo spp. (exkl. dreier Hauptarten) mit 68.595 t (15,9 %) und Illex spp. mit 37.171 t (8,6 %). Mengenrückgänge waren bei Loligo spp. (CN 03074338) zu beobachten: von 94.679 t (2017) auf 68.595 t (2025, −27,5 %).
2. Zunehmende Bedeutung der EU als Verarbeitungs- und Re-Exportstandort
Die Exporte stiegen um 132 % an Wert — weit stärker als die Importe
Die Ausfuhren von CN 030743 wuchsen von 51,7 Mio. EUR (2017) auf 119,6 Mio. EUR (2025), ein Plus von 131,6 %. Mengenmäßig stiegen die Exporte von 16.186 t auf 28.150 t (+73,9 %), bei gleichzeitig steigenden Exportpreisen (3.191 auf 4.246 EUR/t, +33,1 %). Dieses überproportionale Wachstum deutet darauf hin, dass die EU zunehmend Rohware importiert, verarbeitet und mit höherem Wertschöpfungsanteil wieder ausführt. Gesamtübersicht
| Kennzahl | 2017 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 51,7 Mio. EUR | 119,6 Mio. EUR | +131,6 % |
| Exportmenge | 16.186 t | 28.150 t | +73,9 % |
| Exportpreis | 3.191 EUR/t | 4.246 EUR/t | +33,1 % |
Spanien ist der Motor des EU-Exports mit einem Anteil von über 80 %
Spanien exportierte 2025 gefrorene Tintenfische im Wert von 95,9 Mio. EUR — entsprechend rund 80 % der gesamten EU-Ausfuhren. Das Land profitiert von seiner geografischen Nähe zu den Fanggebieten vor Westafrika und Südamerika sowie einer etablierten Verarbeitungsindustrie. Italien (7,1 Mio. EUR) und Portugal (3,8 Mio. EUR) folgen mit deutlichem Abstand. EU-Mitgliedstaaten
| EU-Land | Exportwert 2017 | Exportwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Spanien | 40,6 Mio. EUR | 95,9 Mio. EUR | +136,1 % |
| Italien | 3,4 Mio. EUR | 7,1 Mio. EUR | +107,4 % |
| Portugal | 2,1 Mio. EUR | 3,8 Mio. EUR | +84,9 % |
| Griechenland | 0,5 Mio. EUR | 3,9 Mio. EUR | +648,9 % |
Das Exportmaximum wurde 2022 erreicht, gefolgt von einer Korrektur
Sowohl Exportwert (144,7 Mio. EUR) als auch Exportmenge (40.071 t) erreichten 2022 ihren Höchststand. Besonders auffällig war der Sprung bei Illex-Kalmaren (CN 03074392), deren Exporte von 4.478 t (2021) auf 19.430 t (2022) sprungen und danach wieder auf 7.752 t (2025) sanken. Diese Schwankung könnte mit außergewöhnlich guten Fangquoten oder temporären Handelsverschiebungen zusammenhängen. Die Korrektur nach 2022 deutet darauf hin, dass dieser Peak teilweise durch Sondereffekte getrieben war.
Das Handelsbilanzdefizit bleibt strukturell hoch
Das EU-Handelsbilanzdefizit verschärfte sich von −1,66 Mrd. EUR (2017) auf −1,99 Mrd. EUR (2025, −19,8 %). Trotz des überproportionalen Exportwachstums ist der Anteil der Ausfuhren am Gesamthandel weiterhin gering: Die Handelsintensität liegt bei 82 %, die Exportneigung hingegen bei lediglich 21 %. Die EU verbleibt somit im Wesentlichen als Konsument auf dem Weltmarkt.
3. Geografische Verschiebung der Lieferantenbasis und steigende Exportkonzentration
Südamerika und Nordafrika gewinnen als Importquellen deutlich an Bedeutung
Indien bleibt mit 379 Mio. EUR (2025) der größte EU-Lieferant, verlor jedoch relativ an Boden (Importanteil: 22,6 % → 18,0 %). Deutlich zulegen konnten insbesondere südamerikanische und nordafrikanische Quellen. Importpartner
| Lieferant | Importwert 2017 | Importwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Indien | 388 Mio. EUR | 379 Mio. EUR | −2,3 % |
| Marokko | 205 Mio. EUR | 336 Mio. EUR | +64,3 % |
| China | 278 Mio. EUR | 297 Mio. EUR | +7,1 % |
| Peru | 115 Mio. EUR | 244 Mio. EUR | +111,6 % |
| Falklandinseln | 135 Mio. EUR | 237 Mio. EUR | +76,3 % |
| Chile | 37 Mio. EUR | 94 Mio. EUR | +156,7 % |
| Argentinien | 64 Mio. EUR | 60 Mio. EUR | −6,2 % |
Die Verschiebung zugunsten Südamerikas (Peru, Chile, Falklandinseln) spiegelt die wachsende Fangkapazität in südostpazifischen Gewässern wider. Marokkos Zuwachs als Importquelle deutet auf vertiefte Handelsbeziehungen im Mittelmeerraum hin, wobei Marokko gleichzeitig als Exportpartner stark an Bedeutung gewann.
Die Importkonzentration blieb stabil, die Exportkonzentration hingegen explodierte
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank leicht von 1.138 auf 1.105 (−2,9 %), was auf eine stabile und moderate Diversifizierung der Bezugsquellen hindeutet. Im Gegensatz dazu explodierte der Export-HHI von 585 auf 1.599 (+173,5 %) — ein Anstieg von niedriger zu moderater Konzentration. Ursache ist die zunehmende Bündelung der Ausfuhren auf wenige Abnehmer: Marokko (Exporte: 7,7 Mio. → 42,8 Mio. EUR, +457 %) und China (3,3 Mio. → 13,7 Mio. EUR, +309 %) machten zusammen bereits 47 % der EU-Exporte aus.
Chile und Vietnam weisen die höchste Lieferantenvolatilität auf
Der Variationskoeffizient (CV) der Importwerte zeigt erhebliche Unterschiede in der Stabilität der Bezugsquellen. Die wichtigsten Lieferanten Indien (CV 0,10) und Peru (CV 0,18) sind vergleichsweise stabil. Demgegenüber stehen Chile (CV 0,53), Vietnam (CV 0,46) und Südafrika (CV 0,47) als volatile Quellen, deren Lieferungen stark schwanken. Volatilitätsanalyse
| Lieferant | CV Importwert | Stabilität |
|---|---|---|
| Indien | 0,10 | hoch |
| Falklandinseln | 0,14 | hoch |
| Peru | 0,18 | hoch |
| Neuseeland | 0,22 | mittel |
| China | 0,24 | mittel |
| Marokko | 0,25 | mittel |
| Argentinien | 0,26 | mittel |
| Südafrika | 0,47 | niedrig |
| Vietnam | 0,46 | niedrig |
| Chile | 0,53 | niedrig |
Preis-Schocks im Jahr 2020 betrafen Import- und Exportseite
Im Jahr 2020 wurden drei signifikante Preis-Schocks identifiziert. Auf der Exportseite verzeichnete Marokko einen stark abnormalen Preisanstieg (Abnormalität: 402,6) mit einer Preisverschiebung von +31,8 % bei einem Wertanteil von 37,2 % an den Exporten. Auf der Importseite verzeichneten die Falklandinseln einen Preis-Schock (Abnormalität: 17,0, +32,7 %) und Südafrika einen weiteren auf der Exportseite (Abnormalität: 16,0, +64,2 %). Diese Ereignisse fallen mit den pandemiebedingten Störungen in der globalen Fischereiwirtschaft zusammen, als Fangquoten, Logistik und Nachfrage simultan unter Druck gerieten. Liefer-Schocks
Spanien dominiert Produktion und Spezialisierung innerhalb der EU
Die Produktionsspezialisierung konzentriert sich stark auf südeuropäische Mitgliedstaaten:
| Land | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion |
|---|---|---|---|
| Spanien | 0,83 | 10,93 | 63,3 % |
| Portugal | 0,77 | 7,75 | 10,7 % |
| Griechenland | 0,62 | 4,21 | 2,8 % |
| Kroatien | 0,61 | 4,16 | 1,7 % |
Die EU-Produktion wuchs von 161.440 t (2017) auf 207.128 t (2025, +28,3 %), der Produktionswert stieg von 734 Mio. EUR auf 1,06 Mrd. EUR (+44,2 %). Der höhere Wertzuwachs gegenüber der Mengenausdehnung spiegelt ebenfalls die allgemeine Preisinflation im Segment wider.
Schluss
Der EU-Markt für gefrorene Tintenfische und Kalmare (CN 030743) weist im Zeitraum 2017–2025 drei zentrale Merkmale auf: Erstens sind die Importkosten um 23 % gestiegen, obwohl sich die eingeführten Mengen kaum verändert haben — ein klares Signal für Preisinflation in der globalen Meeresfrüchteversorgung. Zweitens gewinnt die EU, allen voran Spanien, als Verarbeitungs- und Re-Exportstandort an Bedeutung, wenngleich die Exporte nach dem Peak von 2022 wieder korrigierten und das Handelsbilanzdefizit mit fast 2 Mrd. EUR weiterhin hoch ist. Drittens zeigt sich eine zunehmende geografische Verlagerung der Lieferantenbasis weg von Indien hin zu Südamerika und Nordafrika, während sich die Exporte gleichzeitig auf immer weniger Abnehmer — insbesondere Marokko — konzentrieren. Angesichts einer Netto-Importabhängigkeit von rund 76 % bleibt die EU in diesem Segment strukturell auf Weltmarktlieferungen angewiesen, wobei steigende Preise die Handelsbilanz weiter belasten dürften.