Marktentwicklung: Gasherde (CN 732111) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollcode 732111 im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Warenerfassung umfasst Back-, Brat-, Grill-, Koch- und Warmhaltevorrichtungen sowie Tellerwärmer für den Haushalt, aus Eisen oder Stahl, die mit gasförmigen Brennstoffen oder einer Kombination aus Gas und anderen Brennstoffen betrieben werden, ausgenommen Großküchengeräte. Die Kennziffer 732111 bündelt zwei Unterpositionen: 73211110 (mit Backofen, einschließlich Einbau-Backöfen) und 73211190 (ohne Backofen, einschließlich Tellerwärmer).
Der Untersuchungszeitraum war von tiefgreifenden Veränderungen geprägt: Die EU wandelte sich von einem Nettexporteur mit einem Überschuss von rund 118 Mio. EUR (2015) zu einem Nettoimporteur mit einem Defizit von rund 230 Mio. EUR (2025). Gleichzeitig ging die heimische Produktion in Stückzahlen um fast 60 % zurück, während die Einfuhren — insbesondere aus China — massiv zunahmen. Im Folgenden werden die drei zentralen Dynamiken dieses Strukturwandels analysiert.
1. Vom Nettexporteur zum Nettoimporteur — Die strukturelle Wende im EU-Handelsbilanz
1.1 Die Handelsbilanz kehrt sich grundlegend um
Die EU-Handelsbilanz bei CN 732111 durchlief im Jahrzehnt 2015–2025 einen tiefgreifenden Wandel. Im Ausgangsjahr 2015 verzeichnete die EU einen Überschuss von 117,7 Mio. EUR; im letzten vollständigen Berichtsjahr 2025 belief sich das Defizit auf −229,7 Mio. EUR. Der Wendepunkt lässt sich auf die Jahre 2019–2021 eingrenzen, als die Einfuhren infolge der Pandemie und der gestiegenen Nachfrage nach Haushaltsgeräten stark anstiegen, während die Ausfuhren gleichzeitig stagnierten. Im Jahr 2022 erreichte das Defizit mit −470,7 Mio. EUR seinen historischen Höchststand, bevor es sich bis 2025 teilweise erholte.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 0,562 | 0,427 | 0,489 | 0,418 | −25,5 % |
| Importwert (Mrd. EUR) | 0,444 | 0,556 | 0,960 | 0,648 | +45,9 % |
| Saldo (Mrd. EUR) | +0,118 | −0,129 | −0,471 | −0,230 | — |
1.2 Mengen- und Preisentwicklung laufen auseinander
Die Umkehr der Handelsbilanz beruht auf einer bemerkenswerten Divergenz zwischen Mengen- und Preisentwicklung. Auf der Exportseite sank die Ausfuhrmenge von 81.118 Tonnen (2015) auf 44.398 Tonnen (2025) — ein Rückgang um 45,3 %. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Exportpreis von 6.927 EUR/t auf 9.425 EUR/t (+36,1 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochpreisige Nischenprodukte exportiert, während das Volumengeschäft an Drittländer verloren geht.
Auf der Importseite hingegen stiegen sowohl Volumen (+44,7 %, von 95.247 t auf 137.834 t) als auch Wert (+45,9 %) nahezu synchron, während der Importpreis mit 4.664 EUR/t (2015) bzw. 4.703 EUR/t (2025) praktisch unverändert blieb (+0,8 %). Die Differenz zwischen Export- und Importpreis — 2025 rund 4.722 EUR/t — unterstreicht das Preisgefälle zwischen teurer EU-Produktion und preisgünstiger Importware.
In Stückzahlen betrachtet, sanken die Exporte von 3,26 Mio. Stück auf 1,97 Mio. Stück (−39,7 %), während die Importe von 6,35 Mio. auf 10,46 Mio. Stück stiegen (+64,7 %). Der Import-Stückpreis fiel dabei von 70,0 EUR/Stück auf 62,0 EUR/Stück (−11,4 %), was auf zunehmende Mengenrabatte oder eine Verschiebung hin zu günstigeren Produktsegmenten hindeuten kann.
1.3 Die Netto-Importabhängigkeit erreicht neue Dimensionen
Der Indikator der Netto-Importabhängigkeit unterstreicht den Strukturwandel: Lag die EU 2015 mit −39,5 % noch deutlich im exportdominierten Bereich, so stieg der Wert bis 2025 auf +24,4 % — ein Anstieg um 161,6 %. Im Krisenjahr 2022 erreichte die Importabhängigkeit sogar 47,2 %. Parallel dazu verdoppelte sich die Handelsintensität von 44,2 % (2015) auf 98,1 % (2025), während die Exportneigung von 38,5 % auf 95,6 % anstieg. Diese beiden Indikatoren zeigen, dass der EU-Binnenmarkt in diesem Segment zunehmend in globale Handelsströme eingebunden ist — sowohl als Abnehmer als auch als Lieferant, wobei die Importabhängigkeit die Exportorientierung überwiegt.
2. Chinas Dominanz wächst — Konzentration und Herkunftsverschiebung bei den EU-Importen
2.1 China festigt seine Stellung als dominanter Importpartner
Die Importpartnerstruktur der EU hat sich im Untersuchungszeitraum erheblich verschoben. China war 2015 mit einem Importwert von 239,1 Mio. EUR bereits der wichtigste Lieferant; bis 2025 verdoppelte sich dieser Wert auf 480,8 Mio. EUR (+101,1 %). Im Jahr 2022, als die Gesamtimporte ihren Höchststand erreichten, beliefen sich die chinesischen Lieferungen sogar auf 738,0 Mio. EUR. China steigerte damit seinen Anteil an den EU-Importen von rund 54 % (2015) auf über 74 % (2025).
| Herkunftsland | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 239,1 | 480,8 | +101,1 % |
| Türkei | 91,6 | 116,4 | +27,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 35,5 | 16,9 | −52,3 % |
| USA | 52,8 | 6,8 | −87,1 % |
| Kanada | 9,2 | 11,5 | +25,3 % |
| Ukraine | 0,8 | 0,007 | −99,2 % |
| Vietnam | 2,8 | 2,1 | −25,6 % |
2.2 Traditionelle Lieferanten verlieren an Bedeutung
Während China und die Türkei ihre Positionen ausbauten, verloren mehrere traditionelle Handelspartner erheblich an Bedeutung. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich sanken um 52,3 % von 35,5 Mio. auf 16,9 Mio. EUR — ein Rückgang, der zum Teil mit dem Brexit und veränderten Handelsmodalitäten zusammenhängen dürfte. Noch dramatischer war der Rückgang bei den US-Importen: von 52,8 Mio. EUR (2015) auf nur noch 6,8 Mio. EUR (2025), ein Minus von 87,1 %. Die Importe aus der Ukraine brachen nach 2022 praktisch vollständig ein (−99,2 %), was auf die Folgen des Krieges und die Zerstörung von Produktionskapazitäten zurückzuführen sein dürfte.
Die türkischen Exporte in die EU wuchsen moderat um 27,1 % von 91,6 Mio. auf 116,4 Mio. EUR. Mit einem variabilitätskoeffizient (CV) von nur 0,095 weist die türkische Lieferbeziehung die geringste Schwankung aller wichtigen Importpartner auf — ein Zeichen für stabile, langfristige Handelsbeziehungen.
2.3 Die Importkonzentration nimmt deutlich zu
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 3.536 (2015) auf 5.838 (2025) — ein Anstieg um 65,1 %. Der HHI nach Volumen folgte einem ähnlichen Muster (von 4.032 auf 6.271, +55,5 %). Werte oberhalb von 2.500 gelten in der Wettbewerbstheorie als Zeichen für einen hochkonzentrierten Markt; die EU-Importe bei CN 732111 liegen damit weit über dieser Schwelle. Diese zunehmende Konzentration birgt Risiken: Engpässe, politische Spannungen oder Handelsbeschränkungen seitens Chinas könnten die EU-Versorgung erheblich beeinträchtigen.
Im Gegensatz dazu blieb die Exportkonzentration der EU mit einem HHI zwischen 639 und 800 über den gesamten Zeitraum hinweg moderat und leicht rückläufig (−3,2 %). Die EU exportiert demnach in eine Vielzahl von Märkten, wobei sich die Gewichtung verschoben hat — ein Aspekt, der im nächsten Abschnitt vertieft wird.
3. Schrumpfende Produktion und veränderte Exportmärkte
3.1 Die EU-Produktion fällt drastisch
Die Produktionsdaten der EU zeigen einen gravierenden Rückgang der heimischen Fertigung. Die Produktionsmenge sank von 7,16 Mio. Stück (2015) auf 2,88 Mio. Stück (2025) — ein Minus von 59,9 %. Der Produktionswert fiel von 909,5 Mio. EUR auf 406,1 Mio. EUR (−55,3 %). Der Tiefpunkt wurde 2024 mit nur noch 2,63 Mio. Stück bzw. 406,1 Mio. EUR erreicht. Diese Entwicklung korrespondiert eng mit dem Anstieg der Importe und belegt einen fundamentalen Standortverlust der EU-Produktion in diesem Segment.
Die Relation zwischen Produktions- und Importpreis unterstreicht die Wettbewerbsproblematik: Der durchschnittliche Exportpreis pro Stück (212,6 EUR/Stück in 2025) liegt mehr als dreimal so hoch wie der Importpreis (62,0 EUR/Stück). Die EU-Produktion konzentriert sich damit zunehmend auf hochwertige, premiumpreisige Produkte, während das Volumengeschäft an außereuropäische Hersteller verloren geht.
3.2 Die EU-Exportziele verschieben sich erheblich
Die Exportpartnerstruktur der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 tiefgreifend verändert:
| Bestimmungsland | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 106,6 | 48,1 | −54,9 % |
| Saudi-Arabien | 70,8 | 39,9 | −43,6 % |
| Russische Föderation | 55,4 | 10,4 | −81,1 % |
| USA | 38,4 | 84,4 | +119,6 % |
| Australien | 35,6 | 21,3 | −40,2 % |
| VAE | 20,6 | 17,3 | −16,3 % |
| Algerien | 28,0 | 4,3 | −84,7 % |
Drei Entwicklungen fallen besonders auf. Erstens: Der Export in die USA hat sich mehr als verdoppelt — von 38,4 Mio. auf 84,4 Mio. EUR (+119,6 %). Die USA sind damit vom viertgrößten zum größten Exportmarkt der EU aufgestiegen. Zweitens: Die Exporte nach Russland brachen nach 2021 um 81,1 % ein — von 55,4 Mio. auf 10,4 Mio. EUR. Diese Entwicklung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die nach der Invasion der Ukraine verhängten EU-Sanktionen zurückzuführen. Drittens: Der Export nach Algerien sank um 84,7 % von 28,0 Mio. auf 4,3 Mio. EUR, was auf eine hohe Volatilität dieses Marktes hindeutet (CV = 0,97).
3.3 Italien bleibt Exporteur Nr. 1, verliert aber stark an Boden
Innerhalb der EU ist Italien mit weitem Abstand der größte Exporteur von Gasherden. Allerdings sanken Italiens Exporte von 327,2 Mio. EUR (2015) auf 184,8 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang um 43,5 %. Italien weist mit einem RCA-Wert von 2,00 und einem RSCA von 0,33 eine klare Spezialisierung auf dieses Produkt auf. Die Niederlande (RCA 2,19) und Dänemark (RCA 2,36) sind ebenfalls spezialisiert, während die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten — darunter Bulgarien, Irland und Ungarn — eine negative Spezialisierung aufweisen und überwiegend Importmärkte darstellen.
Deutschland und die Niederlande sind die größten EU-internen Importeure: Deutschland importierte 2025 Waren im Wert von 136,1 Mio. EUR (+51,5 % gegenüber 2015), die Niederlande 139,8 Mio. EUR (+90,4 %). Auffällig ist das Wachstum in Rumänien (+122,5 % auf 32,8 Mio. EUR) und Spanien (+95,7 % auf 37,8 Mio. EUR), was auf eine Verlagerung der Nachfrage innerhalb der EU hindeuten könnte.
Bei den Segmenten zeigt sich, dass die Unterposition 73211190 (ohne Backofen) das Hauptwachstumssegment bei den Importen darstellt: Die Einfuhren stiegen in Tonnen von 73.015 t auf 112.972 t (+54,7 %). Bei Exporten hingegen sanken die Volumina beider Unterpositionen erheblich — 73211110 (mit Backofen) um 69,1 % in Tonnen, 73211190 um 2,3 %.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Gasherde (CN 732111) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend transformiert. Drei zentrale Trends lassen sich zusammenfassen:
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Strukturwandel der Handelsbilanz: Die EU hat sich von einem Nettexporteur mit einem Überschuss von 118 Mio. EUR zu einem Nettoimporteur mit einem Defizit von 230 Mio. EUR gewandelt. Die heimische Produktion fiel um rund 60 % in Stückzahlen, während die Importe in Volumen und Wert um jeweils über 44 % stiegen.
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Zunehmende Importabhängigkeit von China: China hat seine dominante Stellung als Lieferant ausgebaut und stellt mittlerweile über 74 % der EU-Importe nach Wert. Der HHI-Index der Importkonzentration stieg um 65 % auf über 5.800 Punkte — ein niveau, das erhebliche Lieferrisiken birgt.
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Verlagerung der Exportmärkte: Die EU-Exporte haben sich von traditionellen Märkten wie Russland, Algerien und dem Vereinigten Königreich hin zu den USA als größtem einzelnen Exportmarkt verlagert. Dies geschieht vor dem Hintergrund schrumpfender Produktionsvolumina, wodurch sich die EU-Exporte zunehmend auf hochpreisige Nischenprodukte konzentrieren.
Die beobachteten Entwicklungen werfen strategische Fragen auf: Die steigende Importabhängigkeit von einem einzelnen Herkunftsland, kombiniert mit dem Rückgang der heimischen Produktionsbasis, erhöht die Anfälligkeit der EU gegenüber Lieferkettenunterbrechungen und geopolitischen Spannungen. Gleichzeitig ermöglicht die hohe Exportpreispositionierung der EU-Hersteller weiterhin eine profitable Nischenstrategie, deren Tragfähigkeit angesichts sinkender Produktionsvolumina jedoch langfristig hinterfragt werden muss.