Marktentwicklung: Fleisch von Schweinen, gesalzen, in Salzlake, getrocknet oder geräuchert (ausg. Schinken oder Schulter und Teile davon, mit Knochen sowie Bäuche "Bauchspeck" und Teile davon) (CN 021019) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode CN 021019 erfasst ein breites Segment der verarbeiteten Schweinefleischprodukte — insbesondere gesalzenes, gepökeltes, getrocknetes oder geräuchertes Schweinefleisch, jedoch ausgenommen Knochen-Schinken, -Schultern sowie Bauchspeck. Damit handelt es sich um einen Sammelcode (sog. Residualposition), der Produkte wie Speck-Hälften („bacon"), Kotelettstränge, Vorderteile, Middles und diverse gesalzen/geräucherte Fleischzuschnitte von Hausschweinen umfasst. Die hier analysierte Position wird durch PRODCOM-Code 10.13.11.80 abgebildet und korrespondiert im Wesentlichen mit der industriellen Verarbeitung von Schweinefleisch zu haltbaren Produkten Produktübersicht.
Der Berichtszeitraum 2015–2025 war von mehreren strukturellen Umbrüchen geprägt: COVID-19-bedingte Lieferkettenstörungen, der Brexit, die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Teilen Europas und Chinas sowie eine anhaltende Inflation bei Erzeugerpreisen. Die folgende Analyse zeigt, dass die EU bei diesem Produktsegment zwar ihre Position als Nettoexporteur behaupten konnte, sich dabei jedoch eine tiefgreifende Transformation vollzog — weg von Volumen, hin zu Wert.
1. Preistriebene Exportexpansion: Höhere Werte trotz schrumpfender Mengen
Die Exportentwicklung zeigt ein auffälliges Wert-Volumen-Divergenz-Muster
Die EU-Exporte von CN 021019 in Drittländer entwickelten sich über den Berichtszeitraum entgegengesetzt in Bezug auf Wert und Menge. Während der Exportwert von 931,6 Mio. EUR (2015) auf 1.203,2 Mio. EUR (2025) stieg — eine Zunahme um 29,2 % — sank die exportierte Menge von 234.305 Tonnen auf 199.796 Tonnen (−14,7 %). Dies führte zu einem kräftigen Preisanstieg von 3.976 EUR/t auf 6.022 EUR/t (+51,5 %) Handelsübersicht.
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 931,6 | 866,1 | 1.203,2 | +29,2 % |
| Exportmenge (t) | 234.305 | 198.533 | 199.796 | −14,7 % |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 3.976 | 4.362 | 6.022 | +51,5 % |
| Importwert (Mio. EUR) | 45,0 | 23,0 | 22,0 | −51,0 % |
| Importmenge (t) | 11.905 | 6.130 | 6.550 | −45,0 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | 886,7 | 843,1 | 1.181,2 | +33,2 % |
Die EU-Produktion unterliegt einem langfristigen Mengenrückgang bei steigendem Produktionswert
Hinter dem Exportmuster steht eine fundamentale Veränderung auf der Angebotsseite. Die EU-weite Produktionsmenge (PRODCOM 10.13.11.80) sank von 881 Mio. kg (2003) bzw. 724 Mio. kg (2015) auf rund 700 Mio. kg (2024) — ein Rückgang um 20,5 % seit 2003 bzw. 3,3 % seit 2015 Produktionsvolumen. Der Produktionswert stieg hingegen von 3.390 Mio. EUR (2015) auf 4.441 Mio. EUR (2024), was einem Anstieg von 34,6 % entspricht Produktionswert. Der durchschnittliche Erzeugerpreis stieg damit von 4,68 EUR/kg (2015) auf 6,34 EUR/kg (2024) — ein Plus von 35,5 %.
Dieses Muster — schrumpfende Mengen, steigende Werte — deutet auf eine Kombination aus Produktionskostensteigerungen (Energie, Futter, Arbeitskraft), Premiumisierung und einer gezielten Verschiebung hin zu höherwertigen Produktvarianten innerhalb der Zollposition.
Die Preisdynamik an den Exportmärkten war heterogen
Besonders bemerkenswert ist die Preisentwicklung in den einzelnen Teilsegmenten von CN 021019. Der Exportpreis für „getrocknetes/geräuchertes Fleisch ohne Knochen" (02101981) stieg von 8.377 EUR/t (2015) auf 14.275 EUR/t (2025) — ein Anstieg um 70,4 %. Dagegen stieg der Preis für „gesalzene 3/4-sides" (02101920) von 2.468 EUR/t auf 6.038 EUR/t (+144,7 %), allerdings bei stark rückläufigen Mengen Produktaufschlüsselung Exporte. Diese starke Heterogenität spiegelt unterschiedliche Nachfragestrukturen und Wertschöpfungstiefen wider.
2. Geographische Neuordnung: Diversifizierung der Absatzmärkte und Konzentration der Importe
Das Vereinigte Königreich bleibt der dominierende, aber stagnierende Absatzmarkt
Mit einem Exportanteil von 52,3 % (2025) bzw. 68,5 % (2015) blieb das Vereinigte Königreich der mit Abstand wichtigste Abnehmer der EU. Allerdings sanken die Exporte dorthin in absoluten Zahlen von 638,4 Mio. EUR auf 628,7 Mio. EUR (−1,5 %), wobei die exportierte Menge von 206.737 t auf 156.221 t (−24,4 %) fiel. Die steigenden Preise kompensierten den Mengenrückgang nur teilweise Länderanalyse Partner. Dies spiegelt veränderte Konsummuster im VK nach dem Brexit wider, einschließlich erhöhter administrativer Handelshemmnisse und einer zunehmenden Eigenversorgung.
Die USA und lateinamerikanische Märkte wachsen dynamisch
Ein wesentlicher Strukturwandel vollzog sich bei den übrigen Exportmärkten. Die Exporte in die USA verdoppelten sich nahezu von 109,4 Mio. EUR (2015) auf 224,6 Mio. EUR (2025), bei steigenden Mengen von 8.493 t auf 15.381 t (+81,1 %). Besonders starke Zuwächse verzeichneten auch:
| Markt | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA | 109,4 | 224,6 | +105,3 % |
| Schweiz | 33,9 | 51,2 | +50,9 % |
| Australien | 17,3 | 25,7 | +48,5 % |
| Mexiko | 13,4 | 34,0 | +153,3 % |
| Brasilien | 7,7 | 20,5 | +165,6 % |
Die Expansion in Überseemärkte führte zu einer messbaren Diversifizierung: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte nach Ländern sank von 4.911 (2015) auf 3.141 (2025) — eine Abnahme um 36 %, was eine signifikant geringere Konzentration bedeutet Konzentrationsanalyse. Trotz der Brexit-bedingten Herausforderungen gelang es der EU somit, ihre Exportbasis breiter aufzustellen.
Die EU-Importe sind stark vom Vereinigten Königreich abhängig
Auf der Importseite dominieren Einfuhren aus dem VK mit einem Anteil von 91,5 % (2025). Der Importwert sank von 43,6 Mio. EUR (2015) auf 20,1 Mio. EUR (2025), ein Rückgang um 53,8 %. Die übrigen Importpartner (Norwegen, Schweiz, USA, Montenegro) spielen mengenmäßig nur eine marginale Rolle, weisen aber eine hohe Volatilität auf. Die Konzentration der Importe (HHI) blieb mit 8.607 (2025) hoch, wenngleich sie gegenüber 2015 (9.411) leicht abnahm Konzentrationsanalyse.
Italien, die Niederlande und Spanien prägen das EU-Exportprofil — Deutschland und Polen verlieren an Bedeutung
Innerhalb der EU verschob sich die Rolle der exportierenden Mitgliedstaaten deutlich. Die drei wichtigsten Exportländer 2025 waren:
| EU-Mitgliedstaat | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 259,2 | 386,3 | +49,0 % |
| Niederlande | 217,6 | 320,9 | +47,5 % |
| Spanien | 78,3 | 239,8 | +206,1 % |
| Dänemark | 159,8 | 151,5 | −5,2 % |
| Deutschland | 103,4 | 20,8 | −79,8 % |
| Polen | 92,7 | 1,3 | −98,6 % |
| Irland | 3,3 | 41,7 | +1.162,6 % |
Besonders auffällig ist der dramatische Rückgang Deutschlands (−79,8 %) und Polens (−98,6 %). Deutschland wandelte sich vom zweitgrößten Exporteur (2015) zu einem marginalen Akteur (2025), während Polen nahezu vollständig aus dem Drittlandsexit ausschied. Parallel dazu stieg Spanien mit +206,1 % zum drittgrößten Exporteur auf, und Irland verzwölffachte seine Exporte. Diese Verschiebung deutet auf eine Südwanderung der Exportkapazitäten innerhalb der EU hin, möglicherweise bedingt durch die ASP-Krise, die insbesondere Deutschland und Osteuropa traf, sowie durch die starke Spezialisierung der iberischen Schweinefleischverarbeitung.
3. Produktspezialisierung, Segmentwandel und nachhaltige Handelsautonomie der EU
Die EU zeigt eine klare Spezialisierung im Vergleichsniveau, getrieben von Italien und Spanien
Die Analyse der Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) für 2025 zeigt, dass die EU bei CN 021019 über eine deutliche internationale Wettbewerbsfähigkeit verfügt, die von wenigen Mitgliedstaaten getragen wird Spezialisierungsanalyse:
| Land | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion |
|---|---|---|---|
| Italien | 0,6822 | 5,29 | 42,4 % |
| Spanien | 0,6669 | 5,00 | 29,0 % |
| Kroatien | 0,2180 | 1,56 | 0,6 % |
| Österreich | 0,0591 | 1,13 | 3,7 % |
| Deutschland | −0,2372 | 0,62 | 13,1 % |
Italien und Spanien besitzen mit RCA-Werten über 5 eine sehr starke Spezialisierung. Gemeinsam produzieren sie über 71 % der gesamten EU-Produktion in diesem Segment. Demgegenüber stehen Länder wie Finnland (RSCA −0,9986), Bulgarien (−0,9968) und Griechenland (−0,9963) am unteren Ende der Spezialisierungsskala — sie sind Nettoimportoren mit praktisch keiner eigenen Produktion.
Innerhalb des Produktsegments vollzog sich ein deutlicher Strukturwandel
Die Zusammensetzung der Exporte innerhalb der Subcodes von CN 021019 hat sich über den Zeitraum erheblich verschoben. Die mengenmäßig größten Veränderungen betrafen:
- 02101950 (gesalzenes/gepökeltes Schweinefleisch, divers): Die Exportmenge sank drastisch von 152.065 t (2015) auf 6.217 t (2025) — ein Rückgang um 95,9 %.
- 02101940 (Kotelettstränge, gesalzen/gepökel): Die Exportmenge stieg von 8.888 t auf 131.290 t — ein Anstieg um 1.377 %.
- 02101981 (getrocknet/geräuchert, ohne Knochen): Stabiles Niveau bei rund 45.000 t, jedoch mit einem stark steigenden Wertanteil (von 408 Mio. EUR auf 643 Mio. EUR).
Die Exporte verschoben sich damit hin zu höherwertigen, stärker verarbeiteten Segmenten — insbesondere Kotelettstränge und getrocknetes/geräuchertes Fleisch ohne Knochen — während das mengenstarke Standardsegment 02101950 fast vollständig zurückging. Diese Verschiebung ist konsistent mit einer Premiumisierungsstrategie und der Fokussierung auf höherwertige Märkte.
Die EU bleibt ein stabiler Nettoexporteur mit hoher Handelsautonomie
Die Nettorelianz auf Importe (Net Import Reliance) lag im gesamten Zeitraum im negativen Bereich — die EU war und blieb Nettoexporteur. Der Wert schwankte zwischen −23,3 % (2004) und −37,5 % (2008), wobei er 2025 bei −37,2 % lag — also sogar leicht über dem Vorjahresniveau Handelsautonomie. Die Exportpropensity (Exportquote bezogen auf die Produktion) stieg von 27,1 % (2015) auf 27,7 % (2025), nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auf 19,2 % (2016/2021) Exportquote.
Die EU-Importe sind trotz ihres geringen Umfangs (22 Mio. EUR, 6.550 t in 2025) volatiler als die Exporte. Die Variationskoeffizienten (CV) der einzelnen Importpartner liegen deutlich über denen der Exportpartner — mit CV-Werten von 1,1 bis 1,6 für Norwegen, Japan, Kanada und Andorra gegenüber 0,07–0,31 für die wichtigsten Exportpartner Volatilitätsanalyse. Ein identifizierter Preisschock betraf 2020 Importe aus dem VK: Die Importe fielen mengenmäßig um 51 % (von 6.290 t auf 3.115 t), der Preis stieg um 24,8 % über das Baseline-Niveau — konsistent mit den Brexit-bedingten Handelsreibungen Schockanalyse.
Fazit
Die Marktentwicklung von CN 021019 zwischen 2015 und 2025 lässt sich als eine Geschichte der wertorientierten Transformation zusammenfassen. Trotz rückläufiger Produktionsmengen und sinkender Exportvolumina konnte die EU ihren Exportwert um rund 29 % steigern und ihre Handelsbilanz auf über 1,18 Mrd. EUR ausbauen. Dies geschah durch drei parallel verlaufende Dynamiken:
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Preistreibende Premiumisierung: Die Exportpreise stiegen um über 50 %, getrieben durch Kosteninflation, Qualitätsorientierung und eine Verschiebung hin zu höherwertigen Teilsegmenten (insbesondere Kotelettstränge und getrocknetes Fleisch ohne Knochen).
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Geographische Diversifizierung: Während das VK als Hauptmarkt stagnierte, expandierten die EU-Exporte stark in die USA, nach Lateinamerika und in pazifische Märkte. Gleichzeitig verschob sich innerhalb der EU die Exportdominanz von Deutschland und Polen nach Südeuropa (Italien, Spanien).
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Strukturelle Autonomie: Die EU blieb durchgehend Nettoexporteur mit einer stabilen Nettorelianz von rund −37 %. Die Importabhängigkeit ist gering und konzentriert sich fast ausschließlich auf das VK. Die hohe Spezialisierung Italiens und Spaniens (RCA > 5) bildet das Fundament dieser Wettbewerbsfähigkeit.
Die größten Risiken für die Zukunft liegen in der Abhängigkeit vom britischen Markt (52 % der Exporte), möglichen weiteren Tierseuchen-Ausbrüchen sowie der zunehmenden Konkurrenz aus Südamerika — insbesondere Brasilien, das seine EU-Exporte in diesem Segment zwar mengenmäßig gering hielt, aber auf dem Weltmarkt zunehmend als Konkurrent auftritt.