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Marktentwicklung: Fischöle (CN 150420) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel mit Fischölen und deren Fraktionen (CN 150420) hat sich zwischen 2015 und 2025 innerhalb der EU in bemerkenswerter Weise verändert. Das untersuchte Produkt umfasst sowohl flüssige Fraktionen (CN 15042090) als auch feste Fraktionen (CN 15042010) von Fischfetten und -ölen, die raffiniert, jedoch nicht chemisch modifiziert sind (ausgenommen Leberöle). Die Zeitspanne von 2015 bis 2025 deckt somit mehr als ein Jahrzehnt ab und erlaubt es, makroökonomische Trends, Preisdynamiken und geopolitische Verschiebungen im Kontext des globalen Fischölmarktes zu analysieren. Der Handel zwischen der EU und Drittstaaten weist dabei drei zentrale Entwicklungen auf, die im Folgenden detailliert untersucht werden.


1. Preisgetriebenes Umsatzwachstum bei moderater Mengenentwicklung

Der Handelswert stieg deutlich stärker als die physischen Volumina

Im Zeitraum 2015–2025 wuchs der EU-Exportwert von Fischölen um 116,3 % von rund 258 Mio. EUR auf 558 Mio. EUR. Im gleichen Zeitraum nahm das Exportvolumen lediglich um 36,6 % von 130.431 t auf 178.211 t zu. Die Differenz zwischen diesen beiden Wachstumsraten spiegelt sich in einem Preisanstieg von 58,2 % wider — von 1.977 EUR/t auf 3.127 EUR/t. Diese Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenwachstum ist ein zentrales Merkmal des untersuchten Zeitraums und zeigt, dass die Wertschöpfung im Fischölhandel zunehmend preisgetrieben war.

Die EU-Importe folgen einem vergleichbaren, jedoch schwächeren Muster

Die EU-Importe stiegen im Wert um 72,1 % (von 278 Mio. EUR auf 478 Mio. EUR), während die Mengen nur um 21,9 % wuchs (von 170.051 t auf 207.213 t). Der Importpreis erhöhte sich um 41,2 % von 1.633 EUR/t auf 2.305 EUR/t. Die Preisaufschläge bei Exporten waren also erheblich stärker als bei Importen, was auf eine steigende Wertschöpfungskette innerhalb der EU hindeutet.

Die Jahre 2022 und 2023 markieren einen Preisgipfel

Besonders auffällig ist die Preisentwicklung im Detail. Der Exportpreis erreichte 2023 mit 4.814 EUR/t sein Maximum, während der Importpreis 2022 mit 4.099 EUR/t seinen Höchststand verzeichnete. Diese Phase lässt sich mit den globalen Lieferkettenstörungen und der Energiekrise im Zuge des Ukraine-Konflikts in Verbindung bringen. Danach fielen die Preise wieder — auf 3.127 EUR/t (Export) bzw. 2.305 EUR/t (Import) im Jahr 2025 — blieben aber deutlich über dem Vorkrisenniveau.

Kennzahl 2015 2020 2022 2023 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mio. EUR) 258 322 367 512 558 +116 %
Exportmenge (t) 130.431 175.027 141.283 128.460 178.211 +37 %
Exportpreis (EUR/t) 1.977 1.840 2.607 4.018 3.127 +58 %
Importwert (Mio. EUR) 278 353 465 685 478 +72 %
Importmenge (t) 170.051 212.988 190.712 179.239 207.213 +22 %
Importpreis (EUR/t) 1.633 1.652 2.458 3.823 2.305 +41 %

2. Neuausrichtung der Handelspartnerschaften und veränderte Konzentrationsstrukturen

Norwegen bleibt der dominante Handelspartner, gewinnt aber bei Exporten deutlich an Bedeutung

Im Exportgeschäft ist Norwegen mit Abstand der wichtigste Partner der EU: Die Exporte nach Norwegen stiegen von 163 Mio. EUR auf 396 Mio. EUR (+143,0 %) und machten 2025 rund 71 % des gesamten Exportwerts aus. Der Konzentrationsindex (HHI) bei Exporten lag zuletzt bei 5.218 — ein Wert, der auf eine sehr hohe Konzentration hindeutet und sich im Vergleich zu 2015 (4.688) sogar noch verschärft hat. Die Volatilität der norwegischen Exporte ist dabei vergleichsweise gering (Variationskoeffizient von 0,13), was auf eine stabile Handelsbeziehung schließen lässt.

Der Importsektor ist diversifizierter — und wurde es noch weiter

Im Gegensatz zu den Exporten weisen die EU-Importe eine deutlich geringere Konzentration auf. Der HHI für Importe sank von 1.838 auf 1.088 (−40,8 %), was eine zunehmende Diversifizierung der Importquellen belegt. Peru blieb mit 95 Mio. EUR der größte Importpartner, gefolgt von Norwegen (77 Mio. EUR) und Chile (49 Mio. EUR). Bemerkenswert ist der Aufstieg Chiles: Die Importe aus Chile stiegen um 362,4 % von 11 Mio. EUR auf 49 Mio. EUR, was auf die wachsende Bedeutung südamerikanischer Fischölproduzenten für den europäischen Markt hindeutet.

Neue Exportmärkte treten hervor, alte verlieren an Gewicht

Im Exportgeschäft zeigt sich ein bemerkenswerter Strukturwandel. Während Island 2015 praktisch keine Exporte empfing (638 EUR), stiegen diese bis 2025 auf 29 Mio. EUR. Die Exporte in die USA wuchsen um 837 % auf 11 Mio. EUR, jene nach Chile um 19.126 % auf 6,3 Mio. EUR. Demgegenüber verloren traditionelle Märkte wie Peru an Bedeutung (−85,5 %). Diese Verschiebung lässt sich teilweise mit dem Brexit erklären: Das Vereinigte Königreich, das 2015 noch 52 Mio. EUR an Exporten erhielt, erreichte 2025 nur noch 56 Mio. EUR — ein Zuwachs von lediglich 7,8 %, was im Kontext des Gesamtwachstums einen relativen Bedeutungsverlust darstellt.

Partnerland Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Peru 87 95 +9 %
Norwegen 56 77 +37 %
Chile 11 49 +362 %
Marokko 31 41 +29 %
USA 25 23 −10 %
Mauretanien 15 13 −17 %
Vereinigtes Königreich 9 9 +11 %

3. Wandel der EU-Handelsposition vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur

Die EU wurde im Zeitraum 2015–2025 zum Nettoexporteur von Fischölen

Die wohl signifikanteste Entwicklung ist der Wandel der Nettohandelsposition der EU. 2015 betrug die Netto-Importabhängigkeit noch +15,6 % — die EU war also Nettoimporteur. 2025 lag dieser Wert bei −7,7 %, was bedeutet, dass die EU erstmals mehr Fischöl exportierte als sie importierte. Der Handelsbilanzsaldo entwickelte sich entsprechend: von −20 Mio. EUR (Defizit) im Jahr 2015 auf +80 Mio. EUR (Überschuss) im Jahr 2025. Der Höhepunkt der Importabhängigkeit wurde 2022 mit rund 70 % erreicht, bevor die Dynamik 2023 einsetzte.

Dänemark als Kern der europäischen Fischölindustrie

Die EU-Binnenhandelsstruktur zeigt, dass Dänemark der unangefochtene Motor der EU-Fischölproduktion und -exporte ist. Dänische Exporte wuchsen von 204 Mio. EUR auf 384 Mio. EUR (+88 %) und repräsentieren damit rund 69 % aller EU-Exporte. Auch bei den Importen ist Dänemark führend (207 Mio. EUR), was auf eine bedeutende Verarbeitungs- und Re-Exportfunktion hindeutet. Andere EU-Länder wie Spanien (+1.606 % auf 17 Mio. EUR Exporte), Belgien (+811 % auf 46 Mio. EUR) und Deutschland (+346 % auf 14 Mio. EUR) zeigen ebenfalls starkes Wachstum, blieben aber in absoluten Zahlen weit hinter Dänemark zurück.

Spezialisierung und Rohstoffversorgung bestimmen die Wettbewerbsposition

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass innerhalb der EU vor allem die baltischen Staaten eine hohe Spezialisierung im Fischölsektor aufweisen: Lettland (RSCA von 0,85, RCA von 12,2) und Estland (RSCA von 0,73, RCA von 6,4) sind die am stärksten spezialisierten Exporteure, gefolgt von Spanien (RSCA von 0,53) und Frankreich (RSCA von 0,44). Dänemark trotz seiner absoluten Dominanz weist eine nur moderate Spezialisierung auf (RSCA von 0,20), da der Fischölhandel im Verhältnis zur gesamten dänischen Wirtschaftsleistung weniger stark ins Gewicht fällt. Gleichzeitig stieg die EU-Produktion im Wert um 586 % (von 82 Mio. EUR auf 560 Mio. EUR), während die Mengen nur um 2,4 % zunahmen — ein Beleg für die enorme Preisaufwertung innerhalb der europäischen Verarbeitungskette.

EU-Land Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Dänemark 204 384 +88 %
Frankreich 20 54 +166 %
Niederlande 13 24 +81 %
Belgien 5 46 +811 %
Deutschland 3 14 +346 %
Spanien 1 17 +1.606 %
Irland 5 10 +105 %

Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Fischölen (CN 150420) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend transformiert. Die EU wandelte sich vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur, wobei dieser Wandel vor allem durch drei Faktoren getrieben wurde: erstens ein überproportionales Preiswachstum, das den Exportwert stärker steigerte als die physischen Handelsvolumina; zweitens eine Diversifizierung der Importquellen bei gleichzeitiger Konzentration der Exporte auf wenige Schlüsselpartner (allen voran Norwegen); und drittens den Aufstieg Dänemarks als zentraler europäischer Verarbeitungs- und Handelsstandort. Die Preisgipfel von 2022/2023 verdeutlichen die Anfälligkeit des Marktes für externe Schocks, wenngleich die Handelsbeziehungen — insbesondere mit Norwegen — eine bemerkenswerte Stabilität aufweisen. Die steigende Exportquote der EU (von 81 % auf 116 % der Produktion) unterstreicht die wachsende Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Fischölindustrie auf dem Weltmarkt.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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