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Marktentwicklung: Filamentgarne (CN 5406) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollcode CN 5406Garne aus synthetischen oder künstlichen Filamenten, in Aufmachungen für den Einzelverkauf (ausgenommen Nähgarne) — im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Produkt (Prodcom-Code 13.10.81.50) umfasst typischerweise Handarbeits- und Strickgarne aus Synthesefasern, die im Einzelhandel vertrieben werden.

Der Untersuchungszeitraum war von mehreren strukturellen Umbrüchen geprägt: die Nachwirkungen der Eurokrise, der Brexit (2020), die COVID-19-Pandemie, globale Lieferkettenstörungen und steigende Rohstoff- und Energiepreise. Im Folgenden werden die drei wichtigsten Marktdynamiken dargestellt und interpretiert.


1. Mengenrückgang bei steigenden Einheitswerten — eine sich vertiefende Handelslücke

1.1 Die EU-Exporte sind im Betrachtungszeitraum stark eingebrochen

Der EU-Außenhandel mit CN 5406 zeigt einen deutlichen Rückgang der Ausfuhren — sowohl in Bezug auf den Wert als auch auf das Volumen:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 3.955.389 2.551.427 −35,5 %
Exportmenge (t) 352 155 −55,8 %
Exportpreis (EUR/t) 11.233 16.367 +45,7 %

Quelle: Trade Dashboard — Überblick

Die Exportmenge fiel von 352 Tonnen im Jahr 2015 auf lediglich 155 Tonnen im Jahr 2025 — ein Rückgang von über 55 Prozent. Der Exportwert sank im gleichen Zeitraum um 35,5 Prozent. Der differenzierte Rückgang zwischen Menge (−55,8 %) und Wert (−35,5 %) erklärt sich durch einen starken Preisanstieg: Die durchschnittlichen Ausfuhrpreise stiegen von 11.233 EUR/t auf 16.367 EUR/t (+45,7 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend nur noch höherwertige Nischenprodukte exportiert, während günstigere Standardgarne aus dem Exportportfolio verschwinden. Die Exportpreise erreichten mit 16.367 EUR/t im Jahr 2025 ihren höchsten Wert im gesamten Beobachtungszeitraum.

1.2 Importe blieben wertmäßig relativ stabil, doch die Mengen gingen zurück

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 12.124.076 13.332.275 +10,0 %
Importmenge (t) 1.722 1.455 −15,5 %
Importpreis (EUR/t) 7.037 9.161 +30,2 %

Auch bei den Importen zeigt sich ein divergierendes Bild: Während der Importwert nominal um 10 Prozent stieg, sank die eingeführte Menge um 15,5 Prozent. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 7.037 EUR/t auf 9.161 EUR/t (+30,2 %). Im gesamten Zeitraum schwankte die Importmenge zwischen einem Minimum von 1.135 Tonnen und einem Maximum von 3.555 Tonnen, der Importwert zwischen 8.656.918 EUR und 19.668.366 EUR — eine beachtliche Bandbreite, die auf konjunkturelle und geopolitische Einflüsse hindeutet.

1.3 Die Handelsbilanz hat sich um über 30 Prozent verschlechtert

Die Handelsbilanz der EU bei CN 5406 war über den gesamten Zeitraum negativ und verschlechterte sich weiter:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsbilanz (EUR) −8.168.687 −10.780.849 −32,0 %
Netto-Importabhängigkeit (%) 0,40 % 4,02 % +912,7 %
Exportquote (%) 2,52 % 0,79 % −68,8 %
Handelsintensität (%) 5,28 % 5,48 % +3,9 %

Das Defizit wuchs von rund 8,2 Mio. EUR auf 10,8 Mio. EUR. Parallel dazu stieg die Netto-Importabhängigkeit von nahezu null (0,4 %) auf 4,0 Prozent — im gesamten Zeitraum erreichte sie sogar einen Spitzenwert von 9,95 %. Gleichzeitig sank die Exportquote drastisch von 2,52 % auf 0,79 % (−68,8 %), während die Handelsintensität mit 5,3 % auf 5,5 % nahezu unverändert blieb. Diese Indikatoren deuten auf eine zunehmende Importabhängigkeit der EU bei gleichzeitig nachlassender Exportorientierung hin.


2. Tektonische Verschiebungen bei den Handelspartnern

2.1 Die Türkei hat China als wichtigsten EU-Importpartner abgelöst

Die Importpartnerstruktur der EU hat sich im Beobachtungszeitraum grundlegend verändert. Die auffälligste Dynamik ist der Aufstieg der Türkei und der relative Bedeutungsverlust Chinas:

Importpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
China 7.633.305 5.395.394 −29,3 %
Türkiye 1.448.212 5.609.987 +287,4 %
Taiwan 430.950 185.974 −56,8 %
Indien 49.012 136.444 +178,4 %
Indonesien 44.748 3.378 −92,5 %

Quelle: Trade Dashboard — Handelspartner

China war im Jahr 2015 mit 7,6 Mio. EUR der dominierende Importlieferant und erreichte im Beobachtungszeitraum einen Spitzenwert von 16,1 Mio. EUR. Im Jahr 2025 lag der chinesische Anteil jedoch nur noch bei 5,4 Mio. EUR — ein Rückgang um 29,3 Prozent gegenüber 2015. Die Türkei hingegen verfünffachte ihre Exporte in die EU nahezu: von 1,4 Mio. EUR auf 5,6 Mio. EUR (+287,4 %). Damit überholte die Türkei China im Jahr 2025 als wichtigsten Importpartner der EU für CN 5406. Dies spiegelt die zunehmende Bedeutung der türkischen Textilindustrie sowie die geografische Nähe und kürzeren Lieferketten wider, die insbesondere nach den Lieferkettenstörungen der Pandemiezeit an Bedeutung gewannen. Die Importkonzentration (HHI) sank im gleichen Zeitraum von 4.240 auf 3.517 (−17,1 %), was die Diversifizierung der Importquellen bestätigt — auch wenn der Wert weiterhin auf einem hohen Konzentrationsniveau verbleibt.

2.2 Brexit und geopolitische Umbrüche verdrängten traditionelle Handelspartner

Zwei weitere Partnerschaften verloren im Beobachtungszeitraum dramatisch an Bedeutung:

  • Vereinigtes Königreich: Die britischen Importe in die EU fielen von 585.719 EUR auf 30.184 EUR — ein Rückgang von 94,8 %. Dies ist klar auf den Brexit und die damit verbundenen Handelsbarrieren zurückzuführen. Vor dem Austritt war das Vereinigte Königreich ein relevanter Handelspartner; seither ist es für diesen Zollcode praktisch bedeutungslos.

  • Vereinigte Staaten: Die US-Importe sanken von 1.122.200 EUR auf 142.073 EUR (−87,3 %). Dieser dramatische Einbruch könnte auf protektionistische Maßnahmen, veränderte Lieferketten oder eine Verschiebung der US-Nachfrage hin zu anderen Produktkategorien hindeuten.

  • Indonesien: Ebenfalls stark rückläufig (von 44.748 EUR auf 3.378 EUR, −92,5 %), was auf eine veränderte Wettbewerbssituation in Südostasien hindeuten könnte.

Hingegen gewannen Indien (+178,4 %) an Bedeutung, während Taiwan trotz eines Rückgangs (−56,8 %) mit 185.974 EUR immer noch ein relevanter Partner blieb. Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die etablierten Importpartner wie die Türkei (CV 0,32) und China (CV 0,52) relativ stabile Handelsströme aufweisen, während neuere Partner wie Indien (CV 1,35) oder Vietnam (CV 1,75) deutlich volatiler sind.

2.3 Die europäischen Exportmärkte haben sich grundlegend neu sortiert

Auch auf der Exportseite kam es zu erheblichen Umstrukturierungen:

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Schweiz 594.560 559.323 −5,9 %
Peru 8.703 143.637 +1.550 %
Tunesien 225.557 14.669 −93,5 %
Marokko 106.267 5.421 −94,9 %
Syrien 2.434 22.123 +809 %
Indien 113.133 11.269 −90,0 %

Quelle: Trade Dashboard — Handelspartner

Die traditionellen nordafrikanischen Exportmärkte Tunesien (−93,5 %) und Marokko (−94,9 %) brachen nahezu vollständig ein. Gleichzeitig stiegen die Exporte nach Peru (von 8.703 EUR auf 143.637 EUR, +1.550 %) und in die Arabische Republik Syrien (von 2.434 EUR auf 22.123 EUR, +809 %) sprunghaft an. Bei den identifizierten Preisschocks fielen extreme Preisanstiege auf: Der Exportpreis nach Marokko stieg 2018 um 2.194 %, nach Peru 2020 um 636 % und nach Syrien 2022 um 658 %. Diese Schocks sind klare Anzeichen für außergewöhnliche, punktuelle Handelsereignisse — möglicherweise im Zusammenhang mit Konflikten, Engpässen oder Sondereffekten.

Die Schweiz blieb mit 559.323 EUR der mit Abstand wichtigste Exportmarkt und verlor lediglich 5,9 Prozent — ein Hinweis auf die stabile Handelsbeziehung im Rahmen des bilateralen Abkommens.

Innerhalb der EU-Mitgliedstaaten veränderten sich die Handelsströme ebenfalls erheblich:

EU-Mitgliedstaat Rolle 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Italien Exporteur 2.570.900 841.608 −67,3 %
Spanien Exporteur 120.908 483.442 +299,8 %
Deutschland Importeur 1.657.815 2.667.980 +60,9 %
Niederlande Importeur 4.648.613 1.174.541 −74,7 %

Italien blieb zwar der größte EU-Exporteur, verlor aber zwei Drittel seines Drittlandexports. Spanien hingegen vervierfachte seine Exporte fast. Bei den Importen übernahm Deutschland die Führungsrolle (+60,9 %), während die Niederlande als traditionell größter Importeur drei Viertel ihres Volumens einbüßten (−74,7 %).


3. Produktionsboom in der EU bei sinkender Exportorientierung

3.1 Die EU-Produktion hat sich im Beobachtungszeitraum vervielfacht

Die EU-Produktion von CN 5406 verzeichnete ein außerordentliches Wachstum:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (kg) 8.000.000 37.760.000 +372 %
Produktionswert (EUR) 27.624.045 279.000.000 +910 %

Quelle: Trade Dashboard — Produktionsvolumen

Die Produktionsmenge stieg von 8.000 Tonnen auf 37.760 Tonnen, der Produktionswert gar von 27,6 Mio. EUR auf 279 Mio. EUR. Im gesamten Beobachtungszeitraum wurden Spitzenwerte von 92.595 Tonnen bzw. 415,5 Mio. EUR erreicht, was auf eine zwischenzeitliche Überhitzung hindeutet. Der stärkere Anstieg des Produktionswerts (+910 %) gegenüber der Menge (+372 %) weist auf eine deutliche Aufwertung der Produktionspalette hin — die EU produzierte 2025 zwar das Vierfache der Menge von 2015, aber der Produktionswert war fast zehnmal so hoch. Dies unterstreicht die Verschiebung hin zu höherwertigen, spezialisierten Garnen.

3.2 Die Exportquote ist trotz Produktionsboom drastisch gefallen

Paradoxerweise ging die Exportquote im gleichen Zeitraum, in dem die Produktion explodierte, erheblich zurück. Die Exportquote sank von 2,52 % auf 0,79 % (−68,8 %), während die Netto-Importabhängigkeit von 0,40 % auf 4,02 % stieg (+912,7 %).

Betrachtet man die Größenordnungen im Jahr 2025: Die EU-Produktion belief sich auf rund 279 Mio. EUR, die Importe auf 13,3 Mio. EUR und die Exporte lediglich auf 2,6 Mio. EUR. Der Außenhandel ist damit im Verhältnis zur Binnenproduktion marginal. Dies deutet darauf hin, dass die EU ihre Produktionskapazitäten massiv ausgebaut hat und der erzeugte Output überwiegend den Binnenmarkt bedient — möglicherweise als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage nach handarbeitsbezogenen Garnen (z. B. im Zuge des „Crafting"-Trends) oder als Importsubstitutionseffekt. Gleichzeitig haben sich die Handelsströme nach außen deutlich verengt: Die Exportkonzentration (HHI nach Wert) stieg von 838 auf 954 (+13,9 %), was den wachsenden Anteil weniger stabiler Märkte (insbesondere der Schweiz) an den ohnehin schrumpfenden EU-Exporten erklärt.

3.3 Italien und Spanien dominieren die Spezialisierungskarte innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, dass die Produktion von CN 5406 innerhalb der EU stark konzentriert ist:

EU-Mitgliedstaat RCA RSCA Anteil an EU-Produktion
Italien 3,23 0,53 25,9 %
Spanien 2,00 0,33 11,6 %
Slowenien 1,72 0,26 1,7 %
Niederlande 1,67 0,25 24,2 %
Portugal 1,60 0,23 2,2 %

Quelle: Trade Dashboard — Spezialisierung

Italien weist mit einem RCA von 3,23 und einem RSCA von 0,53 die höchste Spezialisierung auf — es produziert mehr als dreimal so viel von diesem Produkt, wie sein Anteil am gesamten EU-Handel erwarten ließe. Spanien folgt mit einem RCA von 2,00. Die Niederlande haben zwar einen großen Produktionsanteil (24,2 %), aber eine geringere Spezialisierung (RCA 1,67), da das Land auch in vielen anderen Sektoren stark handelt. Am anderen Ende der Skala stehen Bulgarien (RSCA −1,00), Luxemburg (−0,99) und Ungarn (−0,98), die praktisch keine relevante Produktion in diesem Segment aufweisen.


Schlussfolgerung

Der Markt für Filamentgarne (CN 5406) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht tiefgreifend verändert:

  1. Strukturelle Handelsverschiebung: Die EU entwickelte sich von einem relativ ausgeglichenen Handelspartner zu einem zunehmend importabhängigen Markt. Die Handelsbilanz verschlechterte sich um 32 Prozent, und die Netto-Importabhängigkeit stieg von 0,4 % auf 4,0 % — auch wenn das absolute Niveau moderat bleibt.

  2. Geopolitische Neuaufstellung der Handelspartnerschaften: Der Aufstieg der Türkei zum wichtigsten Importpartner (+287 %), der nahezu vollständige Zusammenbruch des Handels mit dem Vereinigten Königreich (−95 %) nach dem Brexit und die Umorientierung der Exportmärkte von Nordafrika nach Südamerika und dem Nahen Osten kennzeichnen eine tektonische Umstrukturierung der Handelsströme.

  3. Produktionsboom ohne Exportdynamik: Die EU hat ihre Produktionskapazitäten vervielfacht (+372 % mengenmäßig, +910 % wertmäßig), doch die Exportquote sank auf unter 1 Prozent. Die wachsende Binnenproduktion dient offenbar primär dem heimischen Markt, was die sinkende Exportorientierung erklärt.

Die Marktstruktur ist insgesamt von steigenden Preisen, schrumpfenden Mengen und einer geografischen Neuausrichtung geprägt. Für Marktteilnehmer bedeutet dies, dass die EU zwar ihre Produktionsbasis gestärkt hat, im globalen Wettbewerb jedoch an Boden verliert — zugunsten von Drittländern, die sowohl kostengünstiger als auch flexibler in der Lieferung sind.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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