Marktentwicklung: Epoxidharze (CN 390730) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für Epoxidharze in Primärformen (KN-Code 390730). Epoxidharze sind zentrale Industriechemikalien, die in Klebstoffen, Beschichtungen, Elektronik und im Leichtbau (insbesondere für Windkraftanlagen und die Luftfahrt) verwendet werden. Die Analyse basiert auf den verfügbaren Jahresdaten und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Verschiebungen in Volumen, Wert, Handelsstruktur und geopolitischen Abhängigkeiten.
Der Gesamtüberblick zeigt, dass die EU bei diesem Produkt langfristig Nettoexporteur ist, sich das Handelsbilanzdefizit jedoch deutlich verschlechtert hat.
1. Volumenrückgang bei steigenden Einheitspreisen — ein struktureller Wandel
1.1 Die Exportmengen sind deutlich stärker gesunken als die Importmengen
Der auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist der erhebliche Rückgang der physischen Handelsvolumina. Die EU-Exporte fielen von 227.306 Tonnen (2015) auf 152.002 Tonnen (2025), was einem Rückgang von −33,1 % entspricht. Die Importe entwickelten sich vergleichsweise stabiler und sanken lediglich von 154.129 t auf 147.318 t (−4,4 %). Besonders bemerkenswert ist, dass die Exportmengen bereits 2023 mit 133.168 t ihr Minimum erreichten und seitdem wieder leicht ansteigen.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportmenge (t) | 227.306 | 152.002 | −33,1 % |
| Importmenge (t) | 154.129 | 147.318 | −4,4 % |
| Exportwert (EUR) | 734,3 Mio. | 672,3 Mio. | −8,4 % |
| Importwert (EUR) | 469,4 Mio. | 580,1 Mio. | +23,6 % |
| Handelsbilanz (EUR) | 264,9 Mio. | 92,2 Mio. | −65,2 % |
Quelle: Gesamtüberblick
1.2 Steigende Preise kompensieren die Mengenverluste nur teilweise
Die Einheitspreise sind sowohl bei Exporten als auch bei Importen erheblich gestiegen. Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 3.230 EUR/t auf 4.420 EUR/t (+36,8 %), der Importpreis von 3.046 EUR/t auf 3.937 EUR/t (+29,3 %). Dies spiegelt zum einen die allgemeine Preissteigerung bei petrochemischen Rohstoffen wider, zum anderen den starken Preisschock im Jahr 2021 (siehe Abschnitt 3). Trotz der Preissteigerungen konnte der Rückgang der Exportvolumina wertseitig nicht vollständig aufgefangen werden: Der Exportwert sank um 8,4 %, während der Importwert um 23,6 % stieg. Das Ergebnis ist eine drastische Verschlechterung der Handelsbilanz um −65,2 % — von rund 265 Mio. EUR auf nur noch 92 Mio. EUR.
2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelspartnerlandschaft
2.1 Südkorea als dynamischster Importpartner der EU
Bei den Importen hat sich die Herkunftsstruktur erheblich verschoben. Südkorea entwickelte sich zum mit Abstand dynamischsten Lieferanten: Der Importwert stieg von 76,0 Mio. EUR (2015) auf 165,2 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von +117,3 % entspricht. Südkorea löste damit die Schweiz als wichtigsten Einzellieferanten ab. Die Schweiz blieb mit 163,1 Mio. EUR zwar volumenstark auf Platz zwei, verzeichnete aber nur ein moderates Wachstum von +8,4 %.
| Importpartner | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Südkorea | 76,0 Mio. | 165,2 Mio. | +117,3 % |
| Schweiz | 150,5 Mio. | 163,1 Mio. | +8,4 % |
| Taiwan | 28,4 Mio. | 31,4 Mio. | +10,4 % |
| Indien | 25,1 Mio. | 34,9 Mio. | +39,1 % |
| China | 12,6 Mio. | 15,1 Mio. | +19,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 62,6 Mio. | 44,4 Mio. | −29,1 % |
| Vereinigte Staaten | 53,2 Mio. | 54,2 Mio. | +1,9 % |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
2.2 Russland als Exportmarkt fast vollständig weggebrochen
Auf der Exportseite ist der dramatischste Einbruch bei Russland zu verzeichnen. Die EU-Exporte dorthin sanken von 53,5 Mio. EUR (2015) auf lediglich 4,0 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von −92,6 % entspricht. Dies ist eine direkte Folge der Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine ab 2022. Gleichzeitig sanken die Exporte in die Türkei (−8,8 %), nach China (−26,8 %), in das Vereinigtes Königreich (−23,1 %) und nach Brasilien (−19,9 %). Demgegenüber stehen positive Entwicklungen bei den USA (+63,8 %) und in geringerem Maße bei der Schweiz (+5,1 %).
| Exportpartner | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 147,2 Mio. | 107,7 Mio. | −26,8 % |
| Vereinigtes Königreich | 121,0 Mio. | 93,0 Mio. | −23,1 % |
| Vereinigte Staaten | 65,6 Mio. | 107,4 Mio. | +63,8 % |
| Türkei | 62,8 Mio. | 57,3 Mio. | −8,8 % |
| Russische Föderation | 53,5 Mio. | 4,0 Mio. | −92,6 % |
| Schweiz | 38,4 Mio. | 40,4 Mio. | +5,1 % |
| Brasilien | 43,6 Mio. | 34,9 Mio. | −19,9 % |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
2.3 Deutschland dominiert Produktion und Export innerhalb der EU
Innerhalb der EU konzentriert sich die Epoxidharzproduktion stark auf Deutschland. Mit einem Anteil von 49,3 % an der EU-Produktion und einem RCA-Wert von 2,33 weist Deutschland die mit Abstand höchste Spezialisierung auf. Deutschland ist sowohl der größte Exporteur (340,8 Mio. EUR in 2025, +1,7 % gegenüber 2015) als auch der größte Importeur (197,3 Mio. EUR). Die Niederlande verzeichneten als Exporteur einen drastischen Rückgang von 179,1 Mio. EUR auf 65,8 Mio. EUR (−63,3 %), was auf eine Verschiefung der Handelsströme oder operative Veränderungen hindeuten könnte.
| EU-Mitgliedstaat | Exporte 2025 (EUR) | Veränderung | Importe 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 340,8 Mio. | +1,7 % | 197,3 Mio. | +4,1 % |
| Niederlande | 65,8 Mio. | −63,3 % | 101,0 Mio. | +75,4 % |
| Italien | 74,6 Mio. | +20,2 % | 55,5 Mio. | −6,8 % |
| Spanien | 69,2 Mio. | +108,2 % | 52,6 Mio. | +53,4 % |
| Frankreich | 43,2 Mio. | +65,3 % | 43,1 Mio. | +79,0 % |
Quelle: EU-Mitgliedstaaten nach Handelswert
3. Preisschocks, Volatilität und strategische Resilienz
3.1 Der Preisschock von 2021 — ein Wendepunkt
Im Jahr 2021 wurden bei den EU-Importen erhebliche Preisschocks festgestellt. Südkorea verzeichnete einen abnormalen Preisanstieg mit einer Abweichung von 18,6 Standardabweichungen und einer Preisverschiebung von +79,3 % gegenüber dem Vorjahr. Ähnliche Schocks traten bei Taiwan (+74,0 %, Abweichung 18,4 σ) und Indien (+79,0 %, Abweichung 8,4 σ) auf. Diese Ereignisse fallen in die Phase der globalen Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie und der Energiepreiskrise, die die petrochemische Industrie weltweit erfasste.
| Schock-Ereignis | Partner | Typ | Verschiebung | Abweichung (σ) |
|---|---|---|---|---|
| 2021 | Südkorea | Preis | +79,3 % | 18,6 |
| 2021 | Taiwan | Preis | +74,0 % | 18,4 |
| 2021 | Indien | Preis | +79,0 % | 8,4 |
Quelle: Supply-Shocks
3.2 Unterschiedliche Volatilitätsprofile je nach Handelspartner
Die Volatilität der Importströme variiert erheblich zwischen den Handelspartnern. China weist mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 1,07 die mit Abstand höchste Volatilität auf, gefolgt von Saudi-Arabien (0,86) und Singapur (0,98). Demgegenüber stehen stabile Partner wie Japan (CV 0,15), die Türkei (0,15) und Südkorea (0,19). Auf der Exportseite sind die Vereinigten Arabischen Emirate (0,63), die Russische Föderation (0,60) und China (0,36) die volatilsten Märkte.
Quelle: Volatilitätsanalyse
3.3 Die EU bleibt trotz allem Nettexporteur — aber mit schwindendem Vorsprung
Die Netto-Importabhängigkeit lag über den gesamten Zeitraum im negativen Bereich, d. h. die EU exportierte stets mehr Epoxidharze als sie importierte. Der Wert verschlechterte sich jedoch von −3,1 % (2015) auf −4,7 % (2025). In absoluten Zahlen schrumpfte der Überschuss, was bedeutet, dass sich die EU-Produktion im Verhältnis zur Binnennachfrage schwächer entwickelte als der Import. Die EU-Produktion von Epoxidharzen sank mengenmäßig von 764,8 Mio. kg auf 597,8 Mio. kg (−21,8 %), während der Produktionswert von 1,30 Mrd. EUR auf 1,80 Mrd. EUR anstieg (+38,2 %). Die Exportquote erhöhte sich leicht von 36,4 % auf 40,0 %, was darauf hindeutet, dass die EU ihre Produktion zunehmend auf exportorientierte Spezialanwendungen ausrichtet. Die Handelsintensität stieg leicht von 52,4 % auf 55,7 %.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit | −3,1 % | −4,7 % | −51,4 % |
| Handelsintensität | 52,4 % | 55,7 % | +6,4 % |
| Exportquote | 36,4 % | 40,0 % | +9,7 % |
| Produktionsmenge (kg) | 764,8 Mio. | 597,8 Mio. | −21,8 % |
| Produktionswert (EUR) | 1,30 Mrd. | 1,80 Mrd. | +38,2 % |
Quelle: Autonomie & Verwundbarkeit
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Epoxidharze (KN 390730) durchlebt im Zeitraum 2015–2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Drei zentrale Dynamiken bestimmen die Entwicklung:
-
Volumenverluste bei steigenden Werten: Die physischen Handelsvolumina — insbesondere bei Exporten — sind erheblich gesunken, während die Preise stark gestiegen sind. Die EU-Produktion verlagert sich offenbar mengenmäßig zurück, verteuert sich aber in der Wertschöpfungskette (z. B. durch Spezialharze für die Elektronik- und Windenergiebranche).
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Geopolitische Umorientierung: Der Zusammenbruch des Exportmarktes Russland (−92,6 %), der Aufstieg Südkoreas als wichtigstem Importlieferanten (+117,3 %) und die rückläufigen Exporte nach China und in das Vereinigte Königreich kennzeichnen eine deutliche Neuausrichtung der Handelsströme. Die Preisschocks von 2021 bei Lieferungen aus Ostasien haben die Verwundbarkeit kurzer Lieferketten aufgezeigt.
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Stabilität trotz Herausforderungen: Die EU bleibt trotz schrumpfender Überschüsse Nettexporteur von Epoxidharzen. Deutschland sichert mit nahezu der Hälfte der EU-Produktion und einem starken komparativen Vorteil (RCA 2,33) die industrielle Basis. Die steigende Exportquote und der wachsende Produktionswert deuten auf eine qualitative Aufwertung der europäischen Epoxidharzproduktion hin — auch wenn die Mengendynamik langfristig unter Druck bleibt.