Marktentwicklung: Druckfarben, auch konzentriert oder in fester Form (ausg. schwarz) (CN 321519) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Druckfarben (ausgenommen schwarze Druckfarben) gemäß Kombinierte Nomenklatur (CN) 321519 im Zeitraum 2015 bis 2025. Der Markt ist geprägt von einem grundlegenden Strukturwandel: Nach einem Höchststand im Jahr 2017 sind sowohl Export- als auch Importvolumina spürbar geschrumpft. Gleichzeitig haben geopolitische Ereignisse — insbesondere der Brexit und die Sanktionen gegen Russland — die Handelspartnerschaften der EU grundlegend umstrukturiert. Die Produktion innerhalb der EU ist im selben Zeitraum um rund ein Drittel zurückgegangen. Trotz dieser Herausforderungen zeigt sich der Sektor in der Lage, Preise anzuheben und neue Absatzmärkte zu erschließen.
Die Analyse stützt sich auf die Gesamtübersicht des EU-Handels.
I. Struktureller Rückgang von Produktion und Handelsvolumen
Die EU-Produktion hat sich seit dem Höchststand um ein Drittel verkleinert
Die EU-Produktion von Druckfarben (CN 321519) ist von rund 840.000 Tonnen (2015) auf 560.000 Tonnen (2024–2025) gesunken — ein Rückgang von 33 %. Der Produktionswert fiel im gleichen Zeitraum von geschätzten 3,0 Mrd. € auf 2,0 Mrd. € (Produktionsmengen). Bereits zwischen 2005 und 2015 war die Produktion von über 1 Mio. Tonnen auf 840.000 Tonnen zurückgegangen; der beschleunigte Rückgang seit 2019 deutet auf eine tiefgreifende Transformation der Branche hin. Als wesentliche Treiber kommen die zunehmende Digitalisierung medialer Inhalte (Rückgang des Druckaufkommens) sowie Verlagerungseffekte in Drittländer in Betracht.
Die Exportmengen sind seit 2017 um mehr als ein Drittel eingebrochen
Die EU exportierte 2015 rund 147.883 Tonnen Druckfarben; 2025 waren es nur noch 92.702 Tonnen — ein Rückgang von 37,3 %. Der Höchststand wurde 2016 mit 151.977 Tonnen erreicht (Exportmengen). Parallel dazu sanken die Importmengen von 42.978 auf 36.550 Tonnen (−15,0 %), wobei das Importvolumen stärker schwankte (Minimum 2023: 27.306 Tonnen).
| Kennzahl | 2015 | 2017 (Höchststand) | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 0,84 | 1,17 | 0,67 | −20,7 % |
| Exportmenge (t) | 147.883 | 151.288 | 92.702 | −37,3 % |
| Exportpreis (€/t) | 5.683 | 7.750 | 7.192 | +26,6 % |
| Importwert (Mrd. €) | 0,61 | 1,35 | 0,53 | −12,2 % |
| Importmenge (t) | 42.978 | 49.341 | 36.550 | −15,0 % |
| Importpreis (€/t) | 14.149 | 27.428 | 14.604 | +3,2 % |
| Handelsbilanz (Mio. €) | +232 | −181 | +133 | −42,7 % |
Preisanstiege kompensieren teils die Mengenverluste
Während die Handelsvolumina gesunken sind, sind die Exportpreise um 26,6 % von 5.683 €/t auf 7.192 €/t gestiegen. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Spezialfarben hin. Die Importpreise blieben hingegen nahezu stabil (+3,2 % auf 14.604 €/t), was auf eine konstante Nachfrage nach bestimmten Importqualitäten schließen lässt.
II. Geopolitische Umbrüche verändern die Handelspartnerschaften fundamental
Der Brexit hat den Handel mit dem Vereinigten Königreich dramatisch umstrukturiert
Das Vereinigte Königreich war 2015 mit rund 166 Mio. € der wichtigste Exportpartner der EU; 2017 — im Zuge von Bestandsanpassungen vor dem Brexit — stiegen die Exporte auf 322 Mio. €. Danach setzte ein dramatischer Rückgang ein: 2025 betragen die Exporte nur noch 87 Mio. € (−47,3 % gegenüber 2015). Noch drastischer war der Einbruch bei den Importen: Der Importwert aus dem UK fiel von einem Höchststand von 455 Mio. € (2017) auf 103 Mio. € (2025), nachdem vor dem Brexit umfangreiche Vorratskäufe getätigt worden waren (Top-Partner im Export).
Die Sanktionen gegen Russland haben den zweitgrößten Exportmarkt vollständig zum Erliegen gebracht
Russland war bis 2021 der zweitwichtigste Exportmarkt der EU mit Exporten zwischen 97 Mio. € und 129 Mio. €. Ab 2022 setzte ein rapider Rückgang ein (44 Mio. €), 2023 sank der Wert auf praktisch null. Die Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs haben damit rund 12 % des EU-Exportwerts für Druckfarben eliminiert (Schockereignisse im Handel).
Neue und wachsende Märkte: USA, Indien und die Türkei als Ausgleich
Der Verlust des russischen Marktes wurde teilweise durch das Wachstum in anderen Märkten kompensiert:
| Partner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA (Export) | 61 | 95 | +57,4 % |
| Indien (Import) | 15 | 37 | +142,9 % |
| Türkei (Import) | 6 | 12 | +89,9 % |
| Türkei (Export) | 67 | 63 | −6,4 % |
| Japan (Import) | 44 | 55 | +23,3 % |
Die USA sind zum drittgrößten Exportpartner aufgestiegen — und der einzige Top-Partner mit einem nachhaltig positiven Wachstumstrend (Volatilitätsanalyse). Indien hat sich als Importquelle stark etabliert: Die Importe aus Indien stiegen von 15 Mio. € auf 37 Mio. €, wobei 2022 ein markanter Preisschock von +37,6 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war.
Die Schweiz bleibt der wichtigste Importpartner, verliert aber an Gewicht
Die Schweiz exportiert jährlich rund 198–260 Mio. € an Druckfarben in die EU und bleibt damit der größte einzelne Lieferant. Der Trend zeigt jedoch einen leichten Rückgang (−23,7 % über den Zeitraum). Die Schweizer Importe sind mit einem Variationskoeffizienten von 0,20 relativ stabil im Vergleich zu anderen Partnern.
III. Konzentrationsabbau, Diversifizierung und steigende Exportquote als strukturelle Anpassungsstrategien
Die Markt-Konzentration bei Importen und Exporten hat abgenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration fiel von 2.672 (2015) auf 2.033 (2025) — ein Rückgang von 23,9 % (Konzentrationsanalyse). Auch die Exportkonzentration nahm ab (HHI von 742 auf 603, −18,7 %). Dies bedeutet, dass die EU ihre Handelsbeziehungen breiter diversifiziert hat — ein Hinweis auf eine bewusste Risikoreduktion, die durch die geopolitischen Schocks (Russland-Sanktionen, Brexit) wahrscheinlich beschleunigt wurde.
Innerhalb der EU haben sich neue Exportzentren herausgebildet
Deutschland bleibt mit 200 Mio. € (2025) der größte EU-Exporteur, hat aber 42,3 % seines Exportwerts eingebüßt (Top-Reporter im Export). Ebenso verloren die Niederlande (−41,6 %) und Italien (−35,4 %). Demgegenüber sind zwei bemerkenswerte Gewinner entstanden:
| EU-Mitgliedstaat | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Spanien | 40 | 77 | +94,4 % |
| Belgien | 23 | 75 | +226,4 % |
Belgien hat seinen Exportwert nahezu vervierfacht und sich als zweitgrößter EU-Exporteur etabliert. Dies spiegelt möglicherweise Verlagerungseffekte innerhalb der EU sowie den Aufbau neuer Produktions- oder Logistikkapazitäten wider. Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Luxemburg (RSCA: 0,81), Frankreich (0,24), die Niederlande (0,24) und Deutschland (0,14) die komparativen Vorteile der EU im Druckfarbensektor tragen (Spezialisierung).
Die EU wird trotz sinkender Mengen zunehmend exportorientiert
Die Exportquote stieg von 19,4 % (2015) auf 36,5 % (2025) — eine Zunahme von 88,7 %. Die Handelsintensität erhöhte sich von 28,6 % auf 50,4 %. Diese Entwicklung ist bemerkenswert: Obwohl die absolute Produktionsmenge gesunken ist, wird ein wachsender Anteil der Produktion exportiert. Die Netto-Importabhängigkeit verblieb über den gesamten Zeitraum im negativen Bereich (zuletzt −9,5 %), was bedeutet, dass die EU weiterhin Nettoexporteur bleibt — trotz des strukturellen Rückgangs.
Fazit
Der EU-Markt für nicht-schwarze Druckfarben durchlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die Zeichen stehen auf drei Entwicklungen:
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Schrumpfende Volumina: Produktion und Handelsmengen sind seit 2017 deutlich rückläufig, was auf den Rückgang des konventionellen Drucks und die Verlagerung von Produktionskapazitäten in Drittländer hindeutet.
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Geopolitische Neuausrichtung: Der Brexit und die Russland-Sanktionen haben zwei der wichtigsten Handelsbeziehungen der EU zerstört oder stark geschwächt. Diese Verluste wurden teilweise durch das Wachstum in den USA, Indien und der Türkei kompensiert, aber nicht vollständig ausgeglichen. Der Handelsbilanzüberschuss sank von +232 Mio. € (2015) auf +133 Mio. € (2025).
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Anpassung durch Diversifizierung und Preisanhebung: Die EU hat ihre Handelspartnerschaften breiter diversifiziert (sinkende HHI-Werte), innerhalb der EU neue Exportzentren (Belgien, Spanien) aufgebaut und trotz sinkender Mengen steigende Exportpreise erzielt (+26,6 %). Die steigende Exportquote von 19 % auf 37 % zeigt, dass der Sektor trotz der Herausforderungen seinen internationalen Wettbewerbsvorteil behauptet — freilich in einem kleiner werdenden Markt.