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Marktentwicklung: Damenstiefeletten (CN 64039118) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Handel mit Damenstiefeletten (CN 64039118) — also Schuhen mit Laufsohlen aus Kautschuk, Kunststoff oder rekonstituiertem Leder und Oberteil aus Leder, die den Knöchel, jedoch nicht die Wade bedecken, mit einer Innensohlenlänge von ≥ 24 cm, für Frauen — hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 grundlegend gewandelt. Die EU ist in dieser Produktkategorie traditionell ein Nettoimporteur, doch das Verhältnis zwischen Einfuhren und Ausfuhren hat sich merklich verschoben. Die Analyse der vorliegenden Handelsdaten offenbart drei zentrale Dynamiken: einen deutlichen Rückgang der Handelsvolumina bei gleichzeitiger Preissteigerung, eine geopolitisch bedingte Neuausrichtung der Handelsströme sowie eine zunehmende Autonomisierung der EU im Vergleich zu Drittländern.

Produktübersicht CN 64039118


1. Volumenrückgang und Preissteigerung — Weniger Paare, höherer Wert

Der auffälligste Trend im untersuchten Zeitraum ist der massive Rückgang der Handelsvolumina bei gleichzeitig steigenden Durchschnittspreisen. Diese Entwicklung ist sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite zu beobachten, fällt jedoch bei den Ausfuhren besonders drastisch aus.

1.1 Die EU-Exporte verlieren mehr als die Hälfte ihrer physischen Menge

Die EU exportierte 2015 noch rund 9,5 Millionen Paar Damenstiefeletten ins Nicht-EU-Ausland. Bis 2025 sank diese Zahl auf lediglich 4,6 Millionen Paare — ein Rückgang von 52,0 %. Auch in Tonnen gemessen halbierte sich das Exportvolumen nahezu: von 8.696 Tonnen auf 4.738 Tonnen (−45,5 %). Parallel dazu stieg der Exportwert in der Tonne um 67,6 %, von 50.392 EUR/t auf 84.474 EUR/t. Der durchschnittliche Exportpreis pro Paar kletterte von 46,00 EUR auf 87,54 EUR (+90,3 %). Die EU exportiert somit weniger, aber deutlich teurere Ware — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten oder eine generelle Wertschöpfungsaufwertung.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportvolumen (Paare) 9.526.732 4.572.181 −52,0 %
Exportvolumen (t) 8.696 4.738 −45,5 %
Exportwert (EUR) 438.236.732 400.248.126 −8,7 %
Exportpreis pro Paar (EUR) 46,00 87,54 +90,3 %
Exportpreis pro Tonne (EUR) 50.392 84.474 +67,6 %

Handelsübersicht

1.2 Auch die Importvolumina sinken — doch das Preisniveau bleibt unter dem der Exporte

Auf der Importseite sank die Einfuhrmenge von 31,6 Millionen Paaren (2015) auf 24,2 Millionen Paare (2025), was einem Rückgang von 23,4 % entspricht. Der Importwert fiel von 731 Millionen EUR auf 582 Millionen EUR (−20,4 %). Im Gegensatz zu den Exporten blieb der Importpreis pro Paar relativ stabil: Er stieg lediglich von 23,16 EUR auf 24,08 EUR (+4,0 %). Der durchschnittliche Importpreis pro Tonne sank sogar um 7,3 % — von 26.162 EUR/t auf 24.256 EUR/t. Dies deutet darauf hin, dass die importierten Waren mengenmäßig gesehen überwiegend im unteren bis mittleren Preissegment angesiedelt sind, während die EU-Ausfuhren zunehmend Premiumprodukte darstellen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (Paare) 31.552.020 24.169.971 −23,4 %
Importvolumen (t) 27.928 23.987 −14,1 %
Importwert (EUR) 730.666.358 581.930.525 −20,4 %
Importpreis pro Paar (EUR) 23,16 24,08 +4,0 %
Importpreis pro Tonne (EUR) 26.162 24.256 −7,3 %

1.3 Die EU-Produktion erfährt den stärksten Rückgang

Besonders bemerkenswert ist der Einbruch der inländischen EU-Produktion. Diese sank in der Stückzahl von 213 Millionen Paaren auf 78 Millionen Paare — ein Rückgang von 63,2 %. Der Produktionswert fiel von 5,35 Milliarden EUR auf 4,55 Milliarden EUR (−15,0 %). Die Diskrepanz zwischen dem Rückgang der Produktionsmenge (−63 %) und dem des Produktionswertes (−15 %) bestätigt die These einer massiven Aufwertung: Die EU produziert erheblich weniger Paare, aber zu deutlich höheren Stückpreisen.

Produktionsvolumina


2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme

Die geografische Verteilung der EU-Handelsströme hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. Diese Verschiebungen lassen sich sowohl auf geopolitische Ereignisse als auch auf strukturelle Veränderungen in der globalen Schuhproduktion zurückführen.

2.1 Auf der Importseite: China verliert, Vietnam und die Türkei gewinnen

China bleibt mit Abstand der wichtigste Lieferant der EU, doch sein Anteil ist rückläufig: Der Importwert sank von 182 Millionen EUR auf 159 Millionen EUR (−12,5 %). Bemerkenswert ist die hohe Volatilität des chinesischen Handelsflusses (Variationskoeffizient von 0,45). Im Jahr 2023 wurde zudem ein signifikanter Preisschock mit einem abnormalitätsbedingten Rückgang von 28,8 % festgestellt — ein mögliches Anzeichen für Preisdruck oder Angebotsverschiebungen.

Vietnam hat sich als stabiler und zuverlässiger Lieferant etabliert: Der Importwert blieb nahezu unverändert bei rund 124–125 Millionen EUR (+1,2 %). Indien zeigt ebenfalls Stabilität (+2,3 %).

Die größten Verlierer auf der Importseite sind Indonesien (−79,3 %, von 61 Mio. EUR auf 13 Mio. EUR), Bosnien und Herzegovina (−48,3 %) und Bangladesch (−37,5 %). Der dramatische Rückgang Indonesiens könnte mit Produktionsverlagerungen innerhalb Südostasiens zusammenhängen.

Demgegenüber steht ein bemerkenswerter Anstieg der Importe aus der Türkei: von 8,8 Millionen EUR auf 21,1 Millionen EUR (+139,8 %). Die Türkei profitiert dabei von ihrer geografischen Nähe zur EU, kürzeren Lieferzeiten und möglicherweise auch von Zollvorteilen im Rahmen des Zollabkommens.

Lieferant 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
China 181.568.599 158.828.884 −12,5 %
Vietnam 123.972.372 125.427.259 +1,2 %
Indien 84.228.521 86.128.036 +2,3 %
Indonesien 61.144.314 12.674.617 −79,3 %
Bosnien und Herz. 43.603.556 22.524.054 −48,3 %
Bangladesch 38.889.790 24.298.100 −37,5 %
Türkei 8.794.501 21.089.500 +139,8 %

Handelspartner

2.2 Auf der Exportseite: Brexit und Sanktionen verändern die Nachfragestruktur

Der dramatischste Rückgang auf der Exportseite betrifft das Vereinigte Königreich: Der Exportwert fiel von 140 Millionen EUR auf 53 Millionen EUR (−62,1 %). Diese Entwicklung steht im direkten Zusammenhang mit dem Brexit und den damit verbundenen Handelsbarrieren (Zölle, Zollformalitäten, regulatorische Unterschiede). Das VK war 2015 das mit Abstand wichtigste Exportziel der EU für Damenstiefeletten; 2025 ist es auf den zweiten Platz hinter die Schweiz gerutscht.

Auch die Exporte in die Russische Föderation sanken drastisch: von 64 Millionen EUR auf 26 Millionen EUR (−58,6 %). Der Rückgang ist sehr wahrscheinlich auf die nach der Invasion der Ukraine 2022 verhängten EU-Sanktionen und die generelle Handelsdisruption zurückzuführen.

Gleichzeitig verzeichneten die USA ein starkes Wachstum (+78,6 %, von 38 Mio. EUR auf 67 Mio. EUR), und die Schweiz wurde mit einem Anstieg von 121,4 % (von 47 Mio. EUR auf 105 Mio. EUR) zum wichtigsten EU-Exportmarkt. Der CV-Wert von 0,23 für die Schweiz und 0,23 für die USA deuten auf eine relativ stabile Nachfrageentwicklung hin.

Exportziel 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 140.057.566 53.145.043 −62,1 %
Schweiz 47.303.267 104.734.362 +121,4 %
Russland 63.533.416 26.310.746 −58,6 %
USA 37.789.313 67.487.384 +78,6 %
Norwegen 21.166.484 13.753.302 −35,0 %
China 16.691.899 22.619.852 +35,5 %

2.3 Italien dominiert innerhalb der EU — Polen als neuer Akteur

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Hierarchie. Italien ist sowohl der größte Exporteur (143 Mio. EUR in 2025) als auch ein bedeutender Importeur (92 Mio. EUR in 2025). Dies unterstreicht die Doppelrolle Italiens als Produktionsstandort für hochwertige Schuhe und gleichzeitig als Absatzmarkt mit hohem Importbedarf.

Bemerkenswert ist der Aufstieg Polens als Exporteur: Der polnische Exportwert stieg um 109,9 % von 18 Mio. EUR auf 37 Mio. EUR. Deutschland wiederum konnte seine Exporte um 44,8 % steigern, was auf eine mögliche Diversifizierung deutscher Schuhhersteller hin zu höherwertigen Nischenprodukten hindeuten könnte.

EU-Mitgliedstaaten


3. Zunehmende Autonomie der EU trotz Importabhängigkeit

Trotz des anhaltenden Handelsdefizits zeigen mehrere Indikatoren, dass sich die EU im Zeitraum 2015–2025 in Richtung einer größeren Autonomie im Segment Damenstiefeletten bewegt hat.

3.1 Der Handelsbilanzdefizit schrumpft deutlich

Das Handelsbilanzdefizit der EU mit Drittländern verringerte sich von −292 Millionen EUR (2015) auf −182 Millionen EUR (2025), was einer Verbesserung um 37,9 % entspricht. In Relation zur inländischen Produktion verbesserte sich die Nettimporteabhängigkeit (Net Import Reliance) von −21,4 % auf −23,9 %. Dies bedeutet, dass die EU zwar nach wie vor mehr importiert als exportiert, doch die Lücke hat sich — gemessen am Wert — spürbar verengt.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsbilanz (EUR) −292.429.626 −181.682.399 +37,9 %
Nettimporteabhängigkeit (%) −21,4 % −23,9 % −11,6 %

Nettimporteabhängigkeit

3.2 Export- und Handelsintensivität erreichen bemerkenswerte Höchstwerte

Zwei Kennzahlen unterstreichen die zunehmende Exportorientierung der EU in diesem Segment:

  • Die Handelsintensität (Trade Intensity) stieg von 57,1 % auf 100,5 % (+76,0 %). Dieser Wert über 100 % zeigt, dass die EU einen überproportional hohen Anteil ihrer Produktion exportiert — ein Zeichen für eine starke internationale Wettbewerbsfähigkeit im Premiumsegment.

  • Die Exportneigung (Export Propensity) stieg sogar von 45,3 % auf 100,9 % (+123,0 %). Die EU exportiert damit praktisch ihre gesamte inländische Produktion und gleichzeitig noch importierte Ware — ein klares Indiz für die Rolle der EU als Qualitäts- und Re-Exportstandort.

Handelsintensität | Exportneigung

3.3 Spezialisierung und Konzentration: Italien und Portugal als Kernländer

Die Spezialisierungsanalyse (basierend auf dem Revealed Symmetric Comparative Advantage, RSCA) zeigt, dass Portugal (RSCA = 0,73), Kroatien (0,42), Rumänien (0,33), Italien (0,24) und Polen (0,23) die am stärksten spezialisierten EU-Exportländer im Segment Damenstiefeletten sind. Portugal nimmt dabei eine herausragende Stellung ein: Mit einem RCA-Wert von 6,54 und einem Produktionsanteil von 9,0 % an der EU-Gesamtproduktion ist das Land der mit Abstand spezialisierte Produzent.

Auf der Importseite ist die Konzentration nach dem Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) gestiegen: von 1.242 auf 1.531 (+23,2 %). Dies bedeutet, dass sich die EU-Importe zunehmend auf wenige Lieferländer konzentrieren — vor allem China und Vietnam. Eine höhere Konzentration birgt potenzielle Lieferkettenrisiken, insbesondere angesichts geopolitischer Spannungen.

Auf der Exportseite hingegen sank der HHI von 1.503 auf 1.293 (−14,0 %), was eine Diversifizierung der Exportziele anzeigt — ein positiver Trend für die Risikostreuung.

Konzentrationsindex (HHI) 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert) 1.242 1.531 +23,2 %
Exporte (Wert) 1.503 1.293 −14,0 %

Konzentration und Spezialisierung


Fazit

Der EU-Handel mit Damenstiefeletten (CN 64039118) durchlebt zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die drei zentralen Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erstens ist der Übergang von Menge zu Wert unverkennbar. Die EU produziert und exportiert erheblich weniger Paare, erzielt jedoch für jedes Paar einen deutlich höheren Preis. Dies spricht für eine klare Aufwertungsstrategie — weg von der Massenproduktion, hin zu hochwertigen, markengetriebenen Produkten.

Zweitens haben geopolitische Ereignisse die Handelsströme massiv umgezeichnet. Der Brexit hat die Exporte in das Vereinigte Königreich mehr als halbiert, die Sanktionen gegen Russland haben auch dort zu einem dramatischen Rückgang geführt. Gleichzeitig haben sich die USA und die Schweiz als neue Schlüsselmärkte etabliert. Auf der Importseite gewinnen neben den etablierten Lieferanten China und Vietnam insbesondere die Türkei an Bedeutung.

Drittens zeigt die EU eine zunehmende Autonomisierung bei gleichzeitiger Exportorientierung. Das Handelsdefizit hat sich verringert, die Exportneigung hat sich mehr als verdoppelt, und die EU ist faktisch ein Nettoexporteur ihrer hochwertigen Produktion geworden. Die steigende Importkonzentration auf wenige asiatische Lieferanten bleibt jedoch ein potenzielles Risiko, das im Rahmen der EU-Handels- und Industriepolitik im Blick behalten werden sollte.

Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass sich die EU-Schuhindustrie im Segment Damenstiefeletten erfolgreich vom Wettbewerb über den Preis zurückgezogen hat und stattdessen auf Qualität, Design und Markenwert setzt — eine Strategie, die sich in den steigenden Exportpreisen und der hohen Exportneigung widerspiegelt.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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