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Marktentwicklung: Cashewkerne (CN 080132) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Cashewkernen (KN-Code 080132, Kaschu-Nüsse, frisch oder getrocknet, ohne Schale) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die EU ist ein bedeutender Importeur dieses Produkts, das vor allem in der Lebensmittel- und Snackindustrie verwendet wird. Im untersuchten Zeitraum hat sich das EU-Handelsvolumen mit Cashewkernen erheblich verändert — sowohl in Bezug auf die Handelsströme als auch auf die geografische Zusammensetzung der Lieferanten und Abnehmer. Die Analyse basiert auf den verfügbaren Daten des EU Trade Dashboards und umfasst Einfuhren, Ausfuhren, Preisentwicklungen, Lieferantenkonzentration sowie Volatilitäts- und Verwundbarkeitsindikatoren.


1. Verdopplung der Einfuhren bei sinkenden Weltmarktpreisen

1.1 Einfuhren: Mengenverdopplung und Wertanstieg um 85 %

Die EU-Einfuhren von Cashewkernen haben sich im Beobachtungszeitraum nahezu verdoppelt. Die Importmengen stiegen von 100.953 Tonnen (2015) auf 201.371 Tonnen (2025), was einem Zuwachs von 99,5 % entspricht. Der Importwert erhöhte sich im selben Zeitraum von 688 Mio. € auf 1.273 Mio. € (+85,0 %). Dass der Wertzuwachs hinter dem Mengenwachstum zurückbleibt, ist auf die im Zeitraum gesunkenen Importpreise zurückzuführen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge (t) 100.953 201.371 +99,5 %
Importwert (Mio. €) 688 1.273 +85,0 %
Importpreis (€/t) 6.817 6.322 −7,3 %

1.2 Rückläufige Preise trotz Nachfrageboom

Die Importpreise lagen 2015 bei durchschnittlich 6.817 €/t und sanken bis 2025 auf 6.322 €/t (−7,3 %). Im Verlauf des Zeitraums schwankten die Preise zwischen einem Minimum von 5.546 €/t und einem Maximum von 8.999 €/t. Der Höchstpreis fiel auf das Jahr 2017, in dem ein markanter Preisschock bei indischen Importen mit einer Preisabweichung von 4,4 Standardabweichungen und einem Preisanstieg von 28,3 % beobachtet wurde. Die nachfolgende Entspannung der Weltmarktpreise — begünstigt durch steigende Produktion in Westafrika — hat die EU als Konsumentin profitieren lassen.

1.3 Ausfuhren: moderates Wachstum zu höheren Preisen

Die EU-Ausfuhren entwickelten sich deutlich schwächer als die Einfuhren. Der Exportwert stieg von 55 Mio. € auf 70 Mio. € (+26,9 %), die Menge von 7.178 t auf 9.656 t (+34,5 %). Die EU fungiert somit primär als Transit- und Verarbeitungsmarkt. Bemerkenswert ist, dass die Exportpreise (7.238 €/t in 2025) systematisch über den Importpreisen liegen, was auf eine Veredelung und Sortierung höherwertiger Qualitäten hindeutet.

1.4 Sich vertiefendes Handelsdefizit

Aus der Asymmetrie zwischen Import- und Exportdynamik resultiert ein wachsendes Handelsdefizit. Dieses weitete sich von −633 Mio. € (2015) auf −1.203 Mio. € (2025) aus — eine Verdopplung in zehn Jahren. Die Nettoimportabhängigkeit blieb dabei bemerkenswert stabil bei rund 83 % (2015: 83,1 %; 2025: 83,8 %), was die strukturelle Abhängigkeit der EU von Drittlandslieferungen unterstreicht.


2. Vietnams Hegemonie und der Aufstieg westafrikanischer Lieferanten

2.1 Vietnam: vom Hauptlieferanten zum dominanten Akteur

Vietnam war bereits 2015 der wichtigste EU-Lieferant für Cashewkerne und hat seine Position im Beobachtungszeitraum massiv ausgebaut. Die Importe aus Vietnam stiegen von 428 Mio. € auf 908 Mio. € (+112,2 %). Vietnam dominiert den EU-Markt mit einem Anteil von rund 71 % am Importwert (2025). Die relativ geringe Preisvolatilität (Variationskoeffizient von 0,27) spricht für eine stabile und professionell organisierte Lieferkette.

2.2 Indien: Bedeutungsverlust des einstigen Zweitlieferanten

Im Gegensatz zu Vietnam verlor Indien als Lieferant stark an Boden. Die Einfuhren aus Indien sanken von 165 Mio. € auf 72 Mio. € (−56,2 %). Der indische Marktanteil am EU-Importwert fiel damit von rund 24 % auf unter 6 %. Indien wandelte sich vom Verarbeitungsstandort für rohe Cashewnüsse zu einem zunehmend von vietnamesischer Konkurrenz bedrängten Anbieter. Der Preisschock von 2017 (Abnormalität: 4,4) traf den indischen Handelsstrom besonders und markierte einen Wendepunkt.

2.3 Westafrika als neues Kraftzentrum: Elfenbeinküste und Burkina Faso

Die dramatischste Verschiebung vollzog sich bei den westafrikanischen Lieferanten. Die Einfuhren aus der Elfenbeinküste explodierten von 13 Mio. € auf 206 Mio. € (+1.456 %). Die Elfenbeinküste stieg damit zum drittgrößten EU-Lieferanten auf. Ebenso stiegen die Importe aus Burkina Faso von 3 Mio. € auf 12 Mio. € (+280 %). Dieser Trend spiegelt die gezielte Strategie westafrikanischer Staaten wider, die heimische Verarbeitung von Roh-Cashewnüssen auszubauen und direkt in die EU zu exportieren — anstatt die Nüsse unverarbeitet nach Vietnam oder Indien zu liefern.

Lieferant 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung VK
Vietnam 428 908 +112 % 0,27
Indien 165 72 −56 % 0,35
Elfenbeinküste 13 206 +1.456 % 1,10
Burkina Faso 3 12 +280 % 0,51
Brasilien 21 13 −39 % 0,37

2.4 Die Niederlande als europäisches Drehkreuz — mit wechselnder Dynamik unter den EU-Staaten

Innerhalb der EU sind die Niederlande der mit Abstand größte Importeur mit einem Volumen von 387 Mio. € (2025) und besitzen mit einem RCA-Wert von 3,84 und einem RSCA-Index von 0,587 die höchste Spezialisierung im Cashewhandel. Der Hafen von Rotterdam fungiert als zentrale Eintrittspforte. Gleichzeitig verzeichnete Deutschland mit einem Anstieg von 139 Mio. € auf 440 Mio. € (+215,5 %) das stärkste Wachstum aller EU-Mitgliedstaaten — Deutschland überholte die Niederlande 2025 sogar als größter EU-Importeur nach Wert. Auch Spanien (+300 %) und Frankreich (+103 %) wuchsen kräftig, was auf eine Verbreiterung der Nachfragebasis in der EU hindeutet.

Bei den EU-Ausfuhren in Drittländer bleibt das Vereinigte Königreich mit 34 Mio. € (2025) mit Abstand das wichtigste Abnehmerland, gefolgt von der Schweiz (12 Mio. €, +100 %). Der Export in die Türkei, nach Marokko und Vietnam ist jeweils untergeordnet, was die Rolle der EU als Endverbrauchermarkt und Veredelungsstandort bestätigt.


3. Zunehmende Konzentration und anhaltende Verwundbarkeit der Lieferketten

3.1 Importkonzentration nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die EU-Einfuhren nach Wert stieg von 4.471 (2015) auf 5.384 (2025) — ein Anstieg von 20,4 %. Werte über 2.500 gelten als Indikator für einen hochkonzentrierten Markt. Die Zunahme ist im Wesentlichen auf die Dominanz Vietnams zurückzuführen, dessen Marktanteil von 62 % auf 71 % wuchs. Gleichzeitig nahm die Zahl der relevanten Lieferanten nicht in gleichem Maße zu, wie die Nachfrage stieg.

Im Gegensatz dazu sank der HHI bei den Ausfuhren von 4.385 auf 2.853 (−34,9 %), was auf eine Diversifierung der Exportziele hindeutet — die EU exportiert Cashewkerne zunehmend in eine breitere Palette von Drittländern.

3.2 Volatilitätsunterschiede zwischen etablierten und neuen Lieferanten

Die Volatilitätsanalyse offenbart ein deutliches Muster: etablierte Lieferanten wie Vietnam (VK: 0,27) und Indien (VK: 0,35) weisen eine vergleichsweise geringe Schwankungsbreite auf. Demgegenüber zeigen die aufstrebenden westafrikanischen Lieferanten eine hohe Volatilität — die Elfenbeinküste (VK: 1,10), Tansania (VK: 1,14), Nigeria (VK: 1,05) und Benin (VK: 0,98) rangieren allesamt weit über dem Durchschnitt. Diese Diskrepanz spiegelt die noch junge Infrastruktur und geringere Verarbeitungskapazitäten in der westafrikanischen Cashewindustrie wider, die zu stärkeren jährlichen Schwankungen bei Produktions- und Exportmengen führen.

Lieferant Variationskoeffizient Bewertung
Vietnam 0,27 niedrig
Indien 0,35 niedrig
Brasilien 0,37 niedrig
Burkina Faso 0,51 mittel
Elfenbeinküste 1,10 hoch
Tansania 1,14 hoch

3.3 Persistente strukturelle Verwundbarkeit der EU

Trotz des starken Wachstums blieb die Nettoimportabhängigkeit der EU bei rund 83 % praktisch unverändert. Die Handelsintensität lag durchgehend bei über 89 % (2025: 92,9 %), was anzeigt, dass Cashewkerne ein hochgradig international gehandeltes Gut mit geringer EU-eigener Erzeugung sind. Die Exportneigung sank hingegen von 58,7 % auf 52,2 % (−11,0 %), was darauf hindeutet, dass ein wachsender Anteil der Importe im Binnenmarkt konsumiert wird und weniger für den Re-Export bestimmt ist.

Die EU-Produktion in der relevanten PRODCOM-Kategorie (10.39.25.11: Erdnüsse und Nüsse, geschält, und Sonnenblumenkerne, geschält) belief sich zuletzt auf rund 600 Mio. kg. Allerdings umfasst diese Klassifikation ein breites Produktspektrum (Erdnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne etc.), sodass keine direkte Aussage über die EU-eigene Cashewproduktion möglich ist. Die strukturelle Importabhängigkeit bei Cashewkernen bleibt daher unverändert hoch.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Cashewkerne hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens verdoppelten sich die Einfuhren mengenmäßig bei gleichzeitig sinkenden Preisen, was auf ein starkes und wachsendes Verbraucherinteresse schließen lässt. Zweitens verschob sich die Lieferantenstruktur zugunsten Vietnas und — in noch stärkerem Maße — zugunsten westafrikanischer Produzenten wie der Elfenbeinküste, während Indien an Bedeutung verlor. Drittens nahm die Konzentration des Importmarktes zu, wobei sich die Volatilitätsrisiken von den etablierten hin zu den neuen Lieferanten verlagerten.

Für die EU bleiben die strategischen Herausforderungen unverändert: Die Nettoimportabhängigkeit von über 83 % macht den Binnenmarkt anfällig für Lieferunterbrechungen, Preisschocks und geopolitische Verwerfungen. Die zunehmende Diversifierung der Lieferanten — insbesondere durch das Wachstum westafrikanischer Exporteure — bietet zwar Potenzial zur Risikostreuung, geht jedoch mit höherer kurzfristiger Volatilität einher. Die weitere Entwicklung der westafrikanischen Verarbeitungskapazitäten und Handelsinfrastruktur wird maßgeblich bestimmen, ob sich die EU-Lieferketten langfristig stabilisieren können.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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