Marktentwicklung: Aluminiumbehälter (CN 761290) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für die Zollposition CN 761290 — Sammelbehälter, Fässer, Trommeln, Kannen, Dosen und ähnliche Behälter aus Aluminium für Stoffe aller Art (ausgenommen verdichtete oder verflüssigte Gase) mit einem Fassungsvermögen von höchstens 300 Litern. Der CN-Code 761290 ist ein Sammelcode, der drei Unterpositionen umfasst:
- 76129020: Aerosolbehälter aus Aluminium
- 76129030: Behälter aus Aluminiumfolie (Dicke ≤ 0,2 mm)
- 76129080: Sonstige Sammelbehälter, Fässer, Trommeln, Kannen, Dosen und ähnliche Behälter
Die EU zeigt im Betrachtungszeitraum eine klare Positionierung als Nettoexporteur von Aluminiumbehältern. Der Handelsbilanzüberschuss blieb durchgehend positig. Gleichwohl haben sich die Handelsströme, Preisniveaus und Partnerschaften erheblich verändert, wie die folgenden Abschnitte darlegen.
1. Preisgetriebenes Wachstum: Der steile Anstieg der Handelswerte trotz moderater Mengenentwicklung
1.1 Exporte: Werteplus von 50 % bei nur 6 % mehr Volumen
Der auffälligste Trend im gesamten Betrachtungszeitraum ist die Diskrepanz zwischen der Entwicklung von Handelswerten und Handelsmengen. Die EU-Exporte verzeichneten ein Wertwachstum von 50,4 % — von 598 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 900 Mio. EUR im Jahr 2025 —, während die exportierte Menge lediglich um 6,3 % stieg (von 88.524 t auf 94.069 t). Dies bedeutet, dass der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne von 6.756 EUR auf 9.565 EUR anstieg, was einem Plus von 41,6 % entspricht. Der Preisanstieg war somit der eigentliche Treiber des Wertwachstums.
1.2 Importe: Noch stärkere Preisdynamik
Noch deutlicher fiel die Preisentwicklung bei den EU-Importen aus. Der Importwert stieg um 78,5 % — von 298 Mio. EUR auf 532 Mio. EUR —, obwohl die importierte Menge nur um 2,0 % zunahm (von 57.751 t auf 58.913 t). Der Importpreis pro Tonne kletterte um 75,0 % von 5.160 EUR auf 9.030 EUR. Die Importpreisentwicklung übertraf damit die Exportpreisentwicklung, was zu einer leichten Verringerung des Preisvorteils der EU-Exporte führte.
1.3 Handelsbilanz: Überschuss bleibt stabil, Reliance verbessert sich leicht
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsbilanz (EUR) | 300 Mio. EUR | 368 Mio. EUR | +22,6 % |
| Netto-Importabhängigkeit | −21,2 % | −7,5 % | Verbesserung |
Die EU blieb über den gesamten Zeitraum Nettoexporteur, mit einem positiven Handelsbilanzüberschuss zwischen 72 Mio. EUR (Minimum, 2021) und 368 Mio. EUR (Maximum, 2025). Der negative Netto-Import-Reliance-Wert bestätigt die Exportüberschussposition. Die Abnahme des absoluten Wertes (von −21 % auf −7,5 %) spiegelt wider, dass die Importe im Verhältnis stärker wuchsen als die Exporte — eine Tendenz, die auf eine schleichende Angleichung der Handelsströme hindeutet.
2. Geopolitische Umbrüche und partnerschaftliche Verschiebungen im EU-Außenhandel
2.1 Der dramatische Rückgang der russischen Importe
Die gravierendste geostrategische Verschiebung zeigt sich im Importverhältnis mit Russland. Die EU-Importe aus der Russischen Föderation brachen von 25,4 Mio. EUR (2015) auf lediglich 226.467 EUR (2025) ein — ein Rückgang von 99,1 %. Mit einem Variationskoeffizienten von 0,998 waren die Importe aus Russland zudem äußerst volatil. Dieser Zusammenbruch korreliert mit den nach 2022 verhängten Sanktionen im Kontext des Ukraine-Kriegs.
2.2 Die Schweiz als neuer, volatiler Importpartner
Als Kehrseite dieser Entwicklung stiegen die EU-Importe aus der Schweiz um 517,3 % — von 31,7 Mio. EUR auf 195,6 Mio. EUR — und machten im Jahr 2025 einen Anteil von 32,8 % am EU-Importwert aus. Die Schweiz avancierte damit zum wichtigsten Importpartner der EU bei Aluminiumbehältern. Bemerkenswert ist, dass ein Preisschock bei Schweizer Importen bereits 2017 detektiert wurde (Preisverschiebung von +32,2 %), was auf frühe Preisdruckeffekte in dieser Partnerschaft hindeutet.
2.3 Das Vereinigte Königreich: Stabilster Exportmarkt mit enormem Wachstum
Das Vereinigte Königreich entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten EU-Exportziel. Die Exporte dorthin stiegen um 129,4 % von 113 Mio. EUR auf 260 Mio. EUR und erreichten damit einen Anteil von rund 29 % am gesamten EU-Exportwert. Mit einem Variationskoeffizienten von nur 0,115 war das Exportverhältnis zum UK zugleich das stabilste aller Handelspartnerschaften. Parallel dazu blieben die Importe aus dem UK weitgehend konstant (−3,3 %), was auf ein sich vertiefendes asymmetrisches Handelsmuster hindeutet.
2.4 Wachstumsmärkte im Mittelmeerraum und Nahen Osten
Mehrere Exportmärkte verzeichneten überproportionales Wachstum:
| Zielland | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Israel | 13,3 Mio. EUR | 46,7 Mio. EUR | +250,4 % |
| Algerien | 22,9 Mio. EUR | 57,1 Mio. EUR | +149,4 % |
| Marokko | 17,3 Mio. EUR | 43,0 Mio. EUR | +148,0 % |
| Norwegen | 46,4 Mio. EUR | 92,7 Mio. EUR | +99,9 % |
Diese Daten deuten auf eine Diversifizierung der EU-Exportmärkte hin, wobei insbesondere die südlichen und östlichen Mittelmeeranrainer an Bedeutung gewannen.
2.5 Sinkende Konzentration und wachsende Diversifizierung
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) sank sowohl bei Importen als auch bei Exporten:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 2.367 | 2.230 | −5,8 % |
| HHI Exporte (Wert) | 1.466 | 1.324 | −9,7 % |
| HHI Importe (Volumen) | 3.265 | 2.100 | −35,7 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 1.592 | 1.284 | −19,3 % |
Die Exportkonzentration blieb dabei stets niedriger als die Importkonzentration, was bedeutet, dass die EU ihre Exporte gleichmäßiger auf mehr Partnerländer verteilte als bei den Importquellen. Der deutliche Rückgang der Volumen-Konzentration bei Importen (−35,7 %) spiegelt den Wegfall Russlands als Lieferanten und die damit einhergehende Umverteilung auf mehrere Quellen wider.
3. Produktsegmente und strukturelle Veränderungen: Aerosole dominieren, Produktion explodiert
3.1 Aerosolbehälter als mengenmäßig dominierendes Segment
Bei den EU-Exporten dominierte das Segment der Aerosolbehälter (76129020) mengenmäßig über den gesamten Zeitraum. Im Jahr 2015 betrug das exportierte Volumen an Aerosolbehältern 24.424 t, verglichen mit 59.918 t bei den sonstigen Behältern (76129080) und 4.182 t bei Folienbehältern (76129030). Die Exportpreise pro Tonne lagen bei Aerosolen 2025 bei 11.078 EUR/t — deutlich über dem Segmentdurchschnitt — was auf einen höheren Wertschöpfungsgehalt dieses Produkttyps schließen lässt. Bezogen auf die supplementary unit (Stückzahl) wurden 2025 rund 753 Mio. Aerosolbehälter exportiert.
3.2 Sonstige Behälter (76129080) als wertstärkstes Segment
Während Aerosole mengen- und stückzahlmäßig dominierten, war das Segment 76129080 wertmäßig das größte Exportsegment. Es machte 2025 einen Exportwert von 620 Mio. EUR aus (69 % des Gesamtwerts). Die Exportpreise pro Tonne stiegen hier von 6.955 EUR/t (2015) auf 9.238 EUR/t (2025), ein Anstieg von 32,8 %. Bei den Importen war 76129080 ebenfalls führend mit 442 Mio. EUR im Jahr 2025.
3.3 Explosionsartiges Produktionswachstum
Die EU-Produktionsdaten zeigen einen außergewöhnlichen Anstieg:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (Stück) | 1,29 Mrd. | 73,89 Mrd. | +5.638 % |
| Produktionswert (EUR) | 254 Mio. EUR | 5.061 Mio. EUR | +1.892 % |
Dieses außerordentliche Wachstum — insbesondere das 57-fache der Stückzahl — ist bemerkenswert und könnte teilweise auf eine veränderte Erfassungsmethodik, Reklassifizierungen innerhalb der Produktgruppen oder den Markteintritt neuer Produktionskapazitäten zurückzuführen sein. Die Tatsache, dass der Produktionswert „nur" um das 20-fache stieg, während die Stückzahl um das 57-fache zunahm, deutet darauf hin, dass zunehmend auch günstigere Produkte in die Statistik eingingen.
3.4 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für das Jahr 2025 zeigt ein heterogenes Bild innerhalb der EU:
| Mitgliedstaat | RCA | RSCA | Produktionsanteil |
|---|---|---|---|
| Tschechien | 2,91 | 0,49 | 14,0 % |
| Kroatien | 2,77 | 0,47 | 1,1 % |
| Luxemburg | 2,52 | 0,43 | 0,8 % |
| Slowakei | 2,44 | 0,42 | 5,2 % |
| Dänemark | 1,89 | 0,31 | 3,3 % |
Tschechien nimmt mit einem RCA-Wert von 2,91 eine klare Führungsposition ein und ist gleichzeitig der zweitgrößte EU-Exporteur nach Deutschland. Die EU-Exporte aus Tschechien stiegen um 75,6 % von 64 Mio. EUR auf 112 Mio. EUR. Deutschland als traditioneller Marktführer verlor hingegen leicht an Boden (−9,9 %), blieb aber mit 143 Mio. EUR Exportwert der größte einzelne EU-Exporteur.
3.5 Österreich als aufstrebender Importeur
Besonders auffällig ist die Entwicklung Österreichs als EU-Importeur: Die Importe stiegen um 580,7 % von 14,4 Mio. EUR auf 98,2 Mio. EUR. Damit stieg Österreich vom fünftgrößten zum zweitgrößten EU-Importeur auf — hinter Frankreich (109 Mio. EUR). Dieses Wachstum könnte mit der geografischen Nähe zur Schweiz als neuem Hauptlieferanten zusammenhängen.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Aluminiumbehälter (CN 761290) durchlebte zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel, der sich in drei Kernbotschaften verdennen lässt:
Erstens: Das Wachstum der Handelswerte wurde primär durch Preissteigerungen und nicht durch Mengenausweitungen getrieben. Die Exportpreise pro Tonne stiegen um 41,6 %, die Importpreise sogar um 75,0 % — ein Muster, das Rohstoffkostensteigerungen, Inflation und möglicherweise eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten widerspiegelt.
Zweitens: Geopolitische Ereignisse — insbesondere der Wegfall Russlands als Lieferant und die Brexit-bedingte Neuordnung der Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich — haben die Handelsgeographie grundlegend umgezeichnet. Die Schweiz avancierte zum dominanten Importpartner, während die UK-Exporte mehr als ihr Volumen verdoppelten.
Drittens: Der EU-Markt zeigt eine zunehmende Diversifizierung bei gleichzeitig wachsender innerer Heterogenität. Tschechien und kleinere mittel- und osteuropäische Staaten gewinnen an Bedeutung als Produktionsstandorte, während Deutschland und die traditionellen westeuropäischen Exporteure zwar ihre absolute Position halten, aber relativ an Boden verlieren. Die EU bleibt insgesamt ein starker Nettoexporteur von Aluminiumbehältern, auch wenn sich der Überschuss im Verhältnis leicht verringert hat.