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Marktentwicklung: Trainingsanzüge sowie andere Kleidung, a.n.g., aus Spinnstoffen, für Frauen oder Mädchen (ausg. aus Baumwolle oder Chemiefasern sowie aus Gewirken oder Gestricken und Waren der Position 9619) (CN 621149) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 621149 erfasst Trainingsanzüge und andere Bekleidungsartikel aus Spinnstoffen für Frauen oder Mädchen, die weder aus Baumwolle oder Chemiefasern bestehen noch aus Gewirken oder Gestricken hergestellt sind. Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wesentlichen strukturellen Veränderungen im Export, Import sowie in der Produktionslandschaft der EU. Die Daten zeigen ein Bild tiefgreifender Transformation: Während die Exporte in Wertmassen dramatisch einbrachen, stiegen die Importe moderat an. Gleichzeitig verschoben sich die Handelspartnerstrukturen erheblich, die inländische Produktion schrumpfte langfristig, und neue Lieferketten gewannen an Bedeutung.

Der Gesamtüberblick zu Handelsströmen, Partnern und Konzentration ist unter General Overview abrufbar.


1. Vom Exportüberschuss zum Bedeutungsverlust: Die dramatische Erosion des EU-Außenhandels

1.1 Der Exportverfall – trotz steigender Mengen

Die auffälligste Entwicklung im betrachteten Zeitraum ist der drastische Einbruch der EU-Exporte in CN 621149. Der Exportwert sank von rund 1,09 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf nur noch 367 Mio. EUR im Jahr 2025 – ein Rückgang von 66,3 %. Bemerkenswert ist, dass die exportierte Menge im gleichen Zeitraum leicht von 7.504 auf 8.407 Tonnen anstieg (+12,0 %). Dies führt zu einem drastischen Preisverfall: Der durchschnittliche Exportpreis fiel von 145.396 EUR/t auf 43.657 EUR/t, was einem Rückgang von 70,0 % entspricht. Die EU exportiert somit zwar ähnlich große Mengen wie zu Beginn des Zeitraums, erzielt aber nur noch einen Bruchteil des früheren Werts – ein klares Signal für eine Verlagerung hin zu günstigeren Produktkategorien oder intensivem Preiswettbewerb.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 1.091 367 −66,3 %
Exportmenge (t) 7.504 8.407 +12,0 %
Exportpreis (EUR/t) 145.396 43.657 −70,0 %

Die detaillierte Entwicklung der Exportströme ist unter General Overview – Trade nachvollziehbar.

1.2 Die COVID-19-Pandemie als Wendepunkt

Das Jahr 2020 markierte einen deutlichen Einbruch im Handel. Der Exportwert sank auf 530 Mio. EUR (nach 834 Mio. EUR im Vorjahr), die Exportmenge fiel auf 4.574 Tonnen – den niedrigsten Wert im gesamten Zeitraum. Auch die EU-Produktion sank 2020 auf rund 6,2 Mio. Stück, nachdem sie 2019 bei 6,3 Mio. Stück gelegen hatte. Die Erholung 2021 war beim Exportwert mit 856 Mio. EUR zwar beachtlich, konnte den langfristigen Abwärtstrend jedoch nicht aufhalten. Ab 2022 setzte der Exportwert mit 852 Mio. EUR erneut zum Sinkflug an und brach 2024/2025 auf die niedrigsten Werte des Beobachtungszeitraums ein.

1.3 Der schwindende Handelsbilanzüberschuss

Die Handelsbilanz der EU in diesem Segment war 2015 noch mit über 1,02 Mrd. EUR deutlich positiv. Bis 2025 schrumpfte der Überschuss auf nur noch 262 Mio. EUR – ein Rückgang von 74,5 %. Die Importe wuchsen im gleichen Zeitraum um 56,5 % (von 68 Mio. EUR auf 106 Mio. EUR), konnten aber den Exportverfall bei Weitem nicht kompensieren. Die EU verlor damit ihre dominante Position als Nettoexporteur in diesem Produktsegment.


2. Strukturwandel bei den Handelspartnern: Neue Lieferketten und schwindende Absatzmärkte

2.1 Die Verschiebung der EU-Importquellen

Die EU-Importe in CN 621149 haben sich im Zeitraum 2015–2025 nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Zusammensetzung erheblich verändert. Die Top-Partner nach Importwert zeigen folgende Dynamik:

Partnerland Import 2015 (Mio. EUR) Import 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 23,6 28,9 +22,3 %
Marokko 4,1 17,8 +338,9 %
Bangladesch 0,6 7,0 +1.133,6 %
Indien 4,4 6,3 +43,9 %
Tunesien 2,5 2,0 −19,5 %
Türkei 3,2 2,8 −13,3 %
Vereinigtes Königreich 3,2 4,2 +30,4 %

China blieb zwar der größte Einzellieferant, doch sein Anteil schwankte erheblich. Die Importe aus China erreichten 2022 mit 43,6 Mio. EUR ihren Höchststand, sanken danach aber wieder auf 28,9 Mio. EUR. Die deutlichsten Zuwächse verzeichneten Marokko (+339 %) und Bangladesch (+1.134 %), die sich zu ernsthaften Alternativen zu China entwickelten. Marokko profitierte dabei vermutlich von seiner geografischen Nähe zur EU und bestehenden Freihandelsabkommen, während Bangladesch als klassisches Niedriglohnland seine Rolle in der Bekleidungsfertigung ausbaute. Die Konkentrationsanalyse (HHI) bestätigt diese Diversifizierung: Der HHI-Wert für Importe sank von 1.651 (2015) auf 1.313 (2025), was auf eine geringere Konzentration der Importquellen hindeutet.

2.2 Der Kollaps traditioneller Exportmärkte

Auf der Exportseite vollzog sich ein noch gravierenderer Wandel. Die Top-Partner nach Exportwert zeigen den Zusammenbruch einstiger Schlüsselmärkte:

Bestimmungsland Export 2015 (Mio. EUR) Export 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Japan 151,8 45,4 −70,1 %
Hongkong 240,7 24,5 −89,8 %
USA 103,6 57,6 −44,5 %
China 118,6 28,4 −76,0 %
Russland 59,1 1,7 −97,2 %
Schweiz 26,9 35,0 +30,1 %
Nigeria 0,7 0,5 −31,7 %

Besonders bemerkenswert ist der Rückgang der Exporte nach Hongkong (−89,8 %) und Russland (−97,2 %). Hongkong fungierte möglicherweise als Umschlagplatz für den chinesischen Markt; die direkten Exporte nach China fielen ebenfalls um 76 %. Der fast vollständige Wegfall Russlands als Absatzmarkt ab 2022 spiegelt die Sanktionspolitik im Zuge des Ukraine-Konflikts wider: Die Exporte brachen von 64 Mio. EUR (2019) auf lediglich 1,7 Mio. EUR (2025) ein. Schweiz war einer der wenigen Märkte, der sich als stabil erwies und sogar leicht wuchs (+30,1 %), was auf die starke Kaufkraft und die geografische Nähe zur EU zurückzuführen sein dürfte.

2.3 Veränderung der EU-internen Handelsströme

Innerhalb der EU zeigen sich ebenfalls signifikante Verschiebungen bei den Top-Reportern. Frankreich und Italien – einst die dominierenden Exportnationen – verzeichneten dramatische Rückgänge:

Land Export 2015 (Mio. EUR) Export 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Frankreich 609,0 263,2 −56,8 %
Italien 449,6 54,5 −87,9 %
Spanien 20,0 22,7 +13,2 %
Deutschland 2,4 7,7 +219,9 %
Rumänien 0,3 6,0 +1.706,6 %
Polen 0,7 3,2 +337,9 %

Italien verlor fast 88 % seines Exports – ein dramatischer Bedeutungsverlust, der auf die allgemeine Deindustrialisierung der europäischen Bekleidungsproduktion hindeutet. Demgegenüber gewannen Rumänien, Polen und Deutschland an Boden, was auf eine Verlagerung der Produktions- und Exportkapazitäten nach Osteuropa sowie eine stärkere Rolle Deutschlands als Handelsdrehscheibe hindeuten kann.

Auf der Importseite stachen Spanien (+248 %) und Irland (+339 %) als am stärksten wachsende Importeure innerhalb der EU hervor.


3. Schwindende inländische Produktion und erhöhte Volatilität in den Lieferketten

3.1 Langfristiger Rückgang der EU-Produktion

Die Produktionsvolumen zeigen einen kontinuierlichen Niedergang der EU-Produktion in diesem Segment. Die Produktionsmenge fiel von 26,2 Mio. Stück im Jahr 2003 auf lediglich 6,9 Mio. Stück im Jahr 2024 – ein Rückgang von 73,5 %. Die Produktionswerte sanken im gleichen Zeitraum von 199 Mio. EUR auf 151 Mio. EUR (−23,9 %), wobei der durchschnittliche Produktionspreis von 7,60 EUR/Stück auf 21,77 EUR/Stück anstieg. Dies deutet darauf hin, dass die EU sich zunehmend auf hochwertigere Nischenprodukte konzentriert, während die Massenproduktion ins Ausland verlagert wurde.

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index, 2025) bestätigt diese Tendenz. Die Spezialisierungskarte zeigt, dass nur noch wenige EU-Länder eine positive Spezialisierung aufweisen:

Stärkste Spezialisierung (RSCA) Schwächste Spezialisierung (RSCA)
Zypern: 0,78 Estland: −0,93
Spanien: 0,64 Finnland: −0,87
Litauen: 0,32 Malta: −0,86
Kroatien: 0,31 Slowenien: −0,86
Polen: 0,27 Lettland: −0,84

Spanien sticht hier hervor: Mit einem RCA von 4,53 und einem Produktionsanteil von 26 % an der EU-Gesamtproduktion hat sich Spanien als dominierender Produktionsstandort in diesem Segment etabliert. Polen (RCA 1,73, Produktionsanteil 11,5 %) und Italien (RCA 1,21, Produktionsanteil 9,7 %) folgen. Viele nordeuropäische Länder hingegen haben ihre Produktionskapazitäten in diesem Segment nahezu vollständig aufgegeben.

3.2 Zunehmende Volatilität bei Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Handelsströme bei vielen Partnern erheblichen Schwankungen unterliegen. Der Variationskoeffizient (CV) als Maß für die Volatilität variiert stark:

Importpartner mit höchster Volatilität:

Partner CV (Menge)
Kambodscha 1,22
Vietnam 1,03
Tunesien 0,89
Marokko 0,64
Türkei 0,56

Exportpartner mit höchster Volatilität:

Partner CV (Menge)
Senegal 1,76
Nigeria 1,60
China 1,35

Besonders auffällig sind die importseitigen Schocks bei Vietnam (Preisanstieg 2022 um 35 % gegenüber dem Basiswert, gefolgt von einem Mengenanstieg auf 362 % des Basiswerts in den Folgejahren) und dem Vereinigten Königreich (Preisschock 2021 mit +250 % und einem gleichzeitigen Rückgang der Menge um 43 %). Die detaillierten Schockereignisse sind unter Volatility & Shocks – Supply Shocks dokumentiert.

Exportseitig fallen extreme Preisschocks auf, etwa bei Pakistan (2022: Preisanstieg um 6.137 % bei gleichzeitigem Mengeneinbruch auf 0,1 % des Basiswerts) und Guinea (2023: Preisanstieg um 1.703 %). Diese Ereignisse betreffen zwar nur sehr kleine Handelsvolumina, deuten jedoch auf sporadische, qualitativ hochwertige Einzellieferungen oder Datenartefakte hin.

3.3 Geringe Abhängigkeit, aber steigende Verwundbarkeit

Die Nettoimportabhängigkeit lag 2024 bei 31,5 % – ein Wert, der auf den ersten Blick moderate Abhängigkeit suggeriert. Allerdings ist zu beachten, dass dieser Indikator nur für das letzte Jahr des Beobachtungszeitraums vorliegt. Die Exportneigung sank von 2.039 % im Jahr 2015 auf 607 % im Jahr 2024, was den Bedeutungsverlust der EU als Exporteur in diesem Segment unterstreicht. Die Handelsintensität fiel ebenfalls von 224 % auf 167 %, was auf eine generelle Abflachung des internationalen Engagements der EU in diesem Produktsegment hindeutet.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung von CN 621149 im Zeitraum 2015–2025 ist von einer tiefgreifenden strukturellen Transformation geprägt. Die EU hat ihre einst dominante Rolle als Exporteur von Damenbekleidung aus Spinnstoffen weitgehend eingebüßt: Die Exportwerte fielen um mehr als zwei Drittel, während die exportierten Mengen stagnierten – ein klares Zeichen für den Verlust von Wertschöpfung. Gleichzeitig wuchsen die Importe moderat, insbesondere aus Marokko und Bangladesch, die sich zu neuen Schlüssellieferanten entwickelten.

Drei zentrale Treiber lassen sich identifizieren: Erstens die langfristige Verlagerung der Bekleidungsproduktion in Niedriglohnländer, die sich in der schrumpfenden EU-Produktion und den wachsenden Importen aus Asien und Nordafrika widerspiegelt. Zweitens die geopolitischen Schocks – namentlich der Wegfall Russlands als Absatzmarkt und die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie –, die bestehende Handelsmuster beschleunigt auflösten. Drittens die regionale Neuordnung innerhalb der EU, bei der osteuropäische Länder wie Rumänien und Polen sowie Spanien an Bedeutung gewannen, während traditionelle Produktionsstandorte wie Italien und Frankreich an Boden verloren.

Die steigende Volatilität bei vielen Handelspartnern und die zunehmende Preiserosion bei Exporten deuten darauf hin, dass der europäische Markt für dieses Produktsegment einem anhaltenden Kostendruck und intensivem globalen Wettbewerb ausgesetzt ist. Für die verbleibenden EU-Produzenten dürfte die Zukunft in der Konzentration auf qualitativ hochwertige, spezialisierte Produkte liegen – ein Trend, der sich bereits in den steigenden Produktionspreisen andeutet.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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