Marktentwicklung: Trainingsanzüge sowie andere Kleidung, a.n.g., aus Chemiefasern, für Frauen oder Mädchen (ausg. aus Gewirken oder Gestricken) (CN 621143) — 2015–2025
Einleitung
Der Markt für Trainingsanzüge und andere Damenbekleidung aus Chemiefasern (nicht gewirkt oder gestrickt) unter CN-Code 621143 zeigt im Zeitraum 2015–2025 eine bemerkenswerte Dynamik. Die EU verzeichnete in diesem Segment ein deutliches Wachstum der Importe bei gleichzeitig rückläufigem Exportwert, was zu einer signifikanten Verschlechterung der Handelsbilanz führte. Gleichzeitig vollzog sich eine tiefgreifende Umstrukturierung der Lieferketten: Traditionelle Lieferanten verloren an Bedeutung, während neue Produktionsstandorte in Süd- und Südostasien an Gewicht gewannen. Die EU-eigene Produktion schrumpfte sowohl mengen- als auch wertmäßig erheblich, was die zunehmende Importabhängigkeit unterstreicht. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Markttrends, die Umstrukturierung der Handelspartnerbeziehungen sowie die sich daraus ergebenden strukturellen Herausforderungen für die europäische Bekleidungswirtschaft.
Der CN-Code 621143 umfasst als Überschrift auf der Handelsplattform fünf Untergliederungen, darunter Arbeitskleidung (62114310), gefütterte Trainingsanzüge als Komplettanzug (62114331) sowie Oberteile (62114341) und Unterteile (62114342) von Trainingsanzügen und die Restkategorie sonstiger Damenbekleidung aus Chemiefasern (62114390).
1. Strukturelles Handelsdefizit und wachsende Importabhängigkeit
1.1 Die Handelsbilanz hat sich zwischen 2015 und 2025 nahezu verdoppelt
Die EU verzeichnete im Segment CN 621143 über den gesamten Betrachtungszeitraum ein negatives Handelsbilanz, das sich kontinuierlich vertiefte. Während das Defizit 2015 bei −269,8 Mio. € lag, betrug es 2025 bereits −464,9 Mio. € — eine Verschlechterung um 72,3 %.
| Indikator | 2015 | 2020 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mrd. €) | 0,619 | 0,611 | 0,854 | 0,775 | +25,2 % |
| Exportwert (Mio. €) | 349,3 | 224,4 | 379,3 | 310,0 | −11,2 % |
| Handelsbilanz (Mio. €) | −269,8 | −386,3 | −474,8 | −464,9 | −72,3 % |
Quelle: Gesamtübersicht Handel
1.2 Preis- und Mengendynamik divergieren zwischen Importen und Exporten
Während die Importmengen moderat um 15,8 % stiegen (von 26.676 t auf 30.901 t), wuchs der Importwert mit 25,2 % deutlich stärker — ein Hinweis auf steigende durchschnittliche Importpreise (+8,0 %). Bei den Exporten kehrte sich das Bild um: Die exportierte Menge stieg zwar um 22,9 % (von 8.784 t auf 10.797 t), doch der Exportwert sank um 11,2 %, bedingt durch einen drastischen Preisverfall von −27,8 % (von 39.755 €/t auf 28.686 €/t). Die EU exportiert demnach zunehmend günstigere Produkte, importiert aber zu steigenden Preisen.
1.3 Die EU-eigene Produktion ist seit 2003 um mehr als die Hälfte geschrumpft
Die Produktionsvolumina in der EU zeigen einen langfristigen Schrumpfungstrend. Die Produktionsmenge fiel von 50,0 Mio. Stück (2003) auf 23,5 Mio. Stück (2024) — ein Rückgang von 53,1 %. Der Produktionswert sank im selben Zeitraum von 344,8 Mio. € auf 301,6 Mio. € (−12,5 %), wobei der geringere Rückgang beim Wert auf steigende Stückpreise zurückzuführen ist (von ca. 6,9 €/Stück auf 12,8 €/Stück). Dies reflektiert die Verlagerung der Massenproduktion ins Ausland, während in der EU tendenziell höherwertige Nischenprodukte verbleiben.
1.4 Die Nettostrom-Importquote stieg auf fast 40 %
Der Netto-Importabhängigkeitsindikator unterstreicht die zunehmende Abhängigkeit: Lag die Quote 2020 noch bei 5,7 %, schnellte sie 2021 auf −61,3 % und 2022 auf −115,5 % (Exportüberschuss temporär), bevor sie 2025 mit 39,4 % einen historischen Höchststand erreichte. Die starke Schwankung erklärt sich durch pandemiebedingte Verzerrungen und die hohe Volatilität des Exportgeschäfts, spiegelt aber insgesamt den Trend zur Importabhängigkeit wider.
2. Umstrukturierung der Lieferketten: Neue Partner gewinnen, alte verlieren an Boden
2.1 China bleibt mit Abstand der wichtigste Importpartner, aber mit Schwankungen
China dominierte den EU-Import im gesamten Zeitraum und belief sich 2025 auf 302,0 Mio. € (+11,5 % gegenüber 2015). Der Anteil Chinas an den Gesamtimporten schwankte jedoch erheblich: Nach einem Rückgang von 270,9 Mio. € (2015) auf 227,7 Mio. € (2018) stieg der Wert 2021 pandemiebedingt auf 327,4 Mio. €, bevor er 2024 auf 260,4 Mio. € korrigierte und 2025 wieder auf 302,0 Mio. € anstieg. Die Mengenvolatilität ist mit einem Variationskoeffizient von 0,085 vergleichsweise gering — China liefert mengenmäßig stabil, die Preise schwanken stärker.
Quelle: Wichtigste Handelspartner nach Wert
2.2 Bangladesh und Tunesien als die am schnellsten wachsenden Lieferanten
| Partnerland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Bangladesch | 12,0 | 45,2 | +276,0 % |
| Tunesien | 19,7 | 51,7 | +162,7 % |
| Pakistan | 7,9 | 14,8 | +86,9 % |
| Marokko | 58,9 | 75,4 | +28,0 % |
| Türkei | 27,4 | 36,3 | +32,3 % |
| Indien | 76,6 | 37,6 | −51,0 % |
Bangladesch verfünffachte seine Exporte in die EU von 12,0 Mio. € auf 45,2 Mio. € und stieg damit vom achten auf den fünften Platz der wichtigsten Lieferanten auf. Tunesien steigerte seine Lieferungen um 162,7 % auf 51,7 Mio. € und profitiert dabei wahrscheinlich von seiner geografischen Nähe zur EU sowie bestehenden Handelsabkommen. Pakistan (+86,9 %) und Marokko (+28,0 %) zeigen ebenfalls robustes Wachstum.
2.3 Indien und das Vereinigte Königreich als Importpartner deutlich zurückgegangen
Indien verlor als Importpartner mehr als die Hälfte seines Werts (von 76,6 Mio. € auf 37,6 Mio. €, −51,0 %) und fiel vom dritten auf den vierten Rang. Besonders auffällig ist der Einbruch beim Vereinigten Königreich als Importpartner: Die Importe aus dem UK sanken von 36,0 Mio. € (2015) auf 8,7 Mio. € (2025), was zu einem erheblichen Teil auf die Brexit-bedingten Handelsbarrieren ab 2021 zurückzuführen ist. Die importierte Menge aus dem UK fiel von 1.080 t auf 355 t — ein Rückgang von 67 %.
2.4 Die Importkonzentration hat leicht abgenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank von 2.276 (2015) auf 2.034 (2025, −10,6 %). Ein HHI über 2.000 deutet auf einen mäßig konzentrierten Markt hin, wobei China nach wie vor den größten Einzelanteil hält. Die leichte Dekonzentration spiegelt das Aufkommen neuer Lieferanten wie Bangladesch, Vietnam und Myanmar wider. Vietnam steigerte seine Lieferungen von 31,3 Mio. € (2015) auf 38,4 Mio. € (2025), Myanmar sogar von 0,2 Mio. € auf 1,7 Mio. € — ein Anstieg um über 700 %.
2.5 Auf der Exportseite konzentrieren sich die EU-Ausfuhren stärker auf wenige Partner
Während sich die Importe dezentralisieren, beobachteten wir auf Exportseite den gegenteiligen Trend: Der Export-HHI stieg von 588 auf 1.184 (+101,4 %). Die drei wichtigsten Exportmärkte — Vereinigtes Königreich (68,1 Mio. €), die Schweiz (52,4 Mio. €) und die USA (55,3 Mio. €) — vereinigten 2025 rund 57 % des gesamten Drittlandexports auf sich. Der Exportmarkt Georgien stach mit einem Anstieg von 83.000 € auf 8,8 Mio. € (+10.599 %) als außergewöhnliches Wachstum hervor, was auf die zunehmende Verflechtung Georgiens mit dem EU-Binnenmarkt hindeuten könnte.
3. Schocks, Volatilität und veränderte Wettbewerbspositionen innerhalb der EU
3.1 COVID-19 verursachte 2020 einen deutlichen Einbruch, gefolgt von einer starken Erholung
Das Jahr 2020 markierte einen klaren Einbruch: Die EU-Exporte fielen auf 224,4 Mio. € (Tiefstwert im gesamten Zeitraum), die Importe sanken auf 610,7 Mio. €. Bereits 2021 erholten sich die Importe überproportional auf 730,7 Mio. € (+19,6 % gegenüber 2020), was auf den Nachholeffekt und die Verschiebung des Konsums hin zu Freizeitkleidung (Athleisure-Trend) während der Pandemie zurückzuführen sein dürfte. Die Exporte stiegen 2021 ebenfalls sprunghaft auf 318,3 Mio. € (+41,8 %) und erreichten 2022 mit 379,3 Mio. € den Höchststand.
3.2 Preispreisschocks auf Exportseite bei mehreren Handelspartnern
Die Schockanalyse identifizierte mehrere signifikante Preisschocks bei EU-Exporten:
- China (Export): Der auffälligste Schock trat 2023 ein — die Exportpreise in die Volksrepublik stiegen um 165,6 % über den Baseline-Wert, bei gleichzeitigem Einbruch der exportierten Menge auf nur 19,9 % des Ausgangsniveaus. Die Abnormalität betrug 82,2, was auf eine extreme Marktdisruption hindeutet (z. B. Re-Export-Muster, Qualitätsverschiebung oder einmalige Sondereffekte).
- Algerien (Export): Die EU-Exporte nach Algerien brachen zwischen 2017 und 2020 von 1.454 t auf 6 t nahezu vollständig ein, bei einem Preisanstieg um 684,2 % — ein klassisches Muster eines Marktexits.
- Mali (Export): Obwohl mengenmäßig unbedeutend, zeigte Mali 2025 einen sprunghaften Mengenanstieg von 12 t auf 2.299 t, was auf einen einmaligen Sondereffekt oder eine Reklassifizierung hindeuten könnte.
3.3 Preispreisschocks auf Importseite betreffen vor allem die Türkei und Pakistan
Auf Importseite wurden vor allem 2022 signifikante Preispreisschocks festgestellt:
| Partnerland | Schockjahr | Preisanstieg vs. Baseline | Mengenänderung vs. Baseline |
|---|---|---|---|
| Türkei | 2022 | +28,1 % | +54,4 % |
| Pakistan | 2022 | +34,3 % | −28,1 % |
| Bangladesch | 2022 | +24,6 % | +33,8 % |
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Türkei bei den Importmengen mit einem Variationskoeffizienten von 0,40 die höchste Schwankung aufweist — die Mengen schwankten zwischen 880 t (2015 und 2025) und 2.518 t (2022). Pakistan (CV 0,25) und Bangladesch (CV 0,28) zeigen ebenfalls überdurchschnittliche Volatilität. China hingegen liefert mengenmäßig bemerkenswert stabil (CV 0,085), ebenso Marokko (CV 0,091).
3.4 Polen und Spanien sind die exportstärksten EU-Länder mit klarer Spezialisierung
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass innerhalb der EU drei Länder eine positive Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) aufweisen:
| Land | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion | Anteil an EU-Export |
|---|---|---|---|---|
| Polen | 0,527 | 3,231 | 21,5 % | 6,6 % |
| Lettland | 0,475 | 2,806 | 0,9 % | 0,3 % |
| Spanien | 0,472 | 2,788 | 16,2 % | 5,8 % |
Polen und Spanien dominieren die EU-Produktion mit zusammen 37,7 % des Produktionsvolumens und verfügen über eine ausgeprägte Spezialisierung. Interessanterweise stiegen die polnischen Exporte von 1,9 Mio. € (2015) auf 20,8 Mio. € (2025, +991,9 %), was die zunehmende Bedeutung Polens als Produktions- und Exportstandort für Bekleidung in der EU widerspiegelt. Spaniens Exporte hingegen fielen von 89,1 Mio. € auf 31,1 Mio. € (−65,1 %) — ein bemerkenswerter Rückgang, der auf eine Verlagerung der Wertschöpfungskette oder steigenden Wettbewerbsdruck hindeuten könnte.
3.5 Frankreich und Deutschland dominieren den EU-Binnenhandel mit Drittländern
Innerhalb der EU sind Frankreich und Deutschland die mit Abstand wichtigsten Handelsakteure:
| Land | Importe 2015 (Mio. €) | Importe 2025 (Mio. €) | Exporte 2015 (Mio. €) | Exporte 2025 (Mio. €) |
|---|---|---|---|---|
| Frankreich | 107,6 | 166,7 | 159,6 | 127,1 |
| Deutschland | 167,7 | 158,1 | 25,0 | 46,0 |
| Spanien | 127,8 | 148,5 | 89,1 | 31,1 |
| Niederlande | 74,3 | 90,6 | 9,4 | 10,7 |
| Italien | 26,7 | 41,3 | 33,3 | 42,6 |
Frankreich blieb der größte EU-Exporteur in Drittländer, verlor aber 20,4 % seines Exportwerts. Deutschland hingegen konnte seine Exporte nahezu verdoppeln (+84,3 %). Die Niederlande verzeichneten einen starken Anstieg der Importe (+22,0 %), was auf die Rolle des Rotterdamer Hafens als Drehscheibe für den EU-weiten Warenverkehr hindeuten dürfte.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Trainingsanzüge und Damenbekleidung aus Chemiefasern (CN 621143) befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderung. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:
-
Wachsende Importabhängigkeit: Das Handelsdefizit hat sich von 270 Mio. € auf 465 Mio. € fast verdoppelt, bei gleichzeitigem Rückgang der EU-Produktion um mehr als die Hälfte. Die Nettostrom-Importquote erreichte 2025 mit 39,4 % einen historischen Höchststand.
-
Lieferketten-Diversifizierung mit Asien-Schwerpunkt: Während China weiterhin dominiert, gewinnen Bangladesch, Vietnam, Myanmar und Pakistan als alternative Beschaffungsstandorte an Bedeutung. Gleichzeitig verlieren traditionelle Partner wie Indien und das Vereinigte Königreich (post-Brexit) an Boden. Die Importkonzentration hat sich leicht verringert.
-
Preisdruck und Volatilität: Die EU-Exportpreise sind um fast 28 % gefallen, was auf zunehmenden Wettbewerbsdruck und möglicherweise eine Verschiebung hin zu günstigeren Produktsegmenten hindeutet. Mehrere Preispreisschocks — insbesondere 2022 auf Importseite und 2023 auf Exportseite — zeigen die Anfälligkeit des Marktes für externe Störungen.
-
Polen als neuer Produktions-Hotspot: Polen hat sich mit einem RSCA von 0,53 und einem Exportwachstum von fast 1.000 % als bedeutender EU-Produktionsstandort etabliert, während Spanien trotz hoher Spezialisierung erhebliche Exportverluste hinnehmen musste.
Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, ob es der EU gelingt, ihre Wettbewerbsfähigkeit im Segment der höherwertigen Bekleidung zu halten, während die Massenproduktion zunehmend in kostengünstigere Länder verlagert wird. Die politischen Rahmenbedingungen — insbesondere Handelsabkommen, Zollpolitik und Nachhaltigkeitsanforderungen — werden dabei eine entscheidende Rolle spielen.