Marktentwicklung: Skulpturen (CN 9703) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode 9703 erfasst Originalerzeugnisse der Bildhauerkunst aus Stoffen aller Art und umfasst sowohl zeitgenössische als auch über 100 Jahre alte Werke. Die Warengruppe ist Teil des Kapitels 97 (Kunstgegenstände, Sammlungsstücke und Antiquitäten) und wird über die Unterpositionen 970310 (mehr als 100 Jahre alt) und 970390 (übrige) differenziert (Übersicht auf dem Trade Dashboard).
Im Beobachtungszeitraum von 2015 bis 2025 hat sich der EU-Außenhandel mit Skulpturen grundlegend verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
- Die Importe sind deutlich stärker gewachsen als die Exporte — der Handelsüberschuss der EU ist erheblich geschrumpft.
- Geopolitische Umbrüche, insbesondere der Brexit, haben die Handelsströme mit wichtigen Partnern massiv umgezeichnet.
- Die durchschnittlichen Einheitspreise sind sowohl bei Importen als auch bei Exporten spürbar gestiegen, wobei sich antike Werke (970310) preislich weit über dem Niveau zeitgenössischer Skulpturen bewegen.
1. Importwachstum und ein schrumpfender Handelsüberschuss
1.1. Die EU bleibt Nettoexporteur, aber der Vorsprung schmilzt
Die EU verzeichnet im gesamten Zeitraum einen positiven Handelsüberschuss im Bereich Skulpturen. Allerdings hat sich dieser Überschuss zwischen 2015 und 2025 nahezu halbiert — von €379 Mio. auf €213 Mio. (−43,8 %). Der Überschuss fiel zeitweilig sogar auf −€450 Mio., was bedeutet, dass die EU in mindestens einem Jahr Nettoimporteur war (Handelsübersicht).
| Kennzahl | Exporte | Importe | Handelsbilanz |
|---|---|---|---|
| Wert 2015 | €671 Mio. | €292 Mio. | +€379 Mio. |
| Wert 2025 | €896 Mio. | €683 Mio. | +€213 Mio. |
| Veränderung | +33,4 % | +133,5 % | −43,8 % |
| Maximum (2015–2025) | €896 Mio. | €1.216 Mio. | +€423 Mio. |
| Minimum (2015–2025) | €466 Mio. | €209 Mio. | −€450 Mio. |
1.2. Importe wachsen sowohl im Volumen als auch im Preis
Das Importwachstum von +133,5 % lässt sich nicht allein auf steigende Mengen zurückführen. Die importierte Menge stieg um 31,4 % (von 1.793 t auf 2.357 t), während der durchschnittliche Einheitspreis um 77,6 % (von €163.025/t auf €289.504/t) zunahm. Preis- und Mengeneffekt addieren sich somit zu einem überproportionalen Wertanstieg.
| Richtung | Mengenänderung | Preisänderung | Wertänderung |
|---|---|---|---|
| Exporte | +8,5 % | +23,0 % | +33,4 % |
| Importe | +31,4 % | +77,6 % | +133,5 % |
1.3. Die Exportpreise stiegen moderater
Die EU-Exporte entwickelten sich mit +33,4 % zwar ebenfalls positiv, jedoch deutlich schwächer als die Importe. Die exportierte Menge wuchs lediglich um 8,5 % (von 2.268 t auf 2.461 t), der Exportpreis um 23,0 % (von €295.901/t auf €363.871/t). Die EU exportiert also zu höheren Stückpreisen, aber das Mengenwachstum stagniert nahezu — ein Hinweis darauf, dass die europäische Produktion an Kapazitätsgrenzen stößt oder dass die Nachfrage sich stärker auf Importquellen verlagert.
2. Geografische Umbrüche: Brexit, Schweiz und neue Absatzmärkte
2.1. Der Brexit hat die Handelsstatistik grundlegend verändert
Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (Ende Januar 2020) erscheint der Handel mit dem UK erstmals als Drittlandshandel in der Statistik. Die Auswirkungen sind beachtlich: Die Importe aus dem UK stiegen von anfänglich €29 Mio. auf €153 Mio. (+426,7 %), die Exporte dorthin von €21 Mio. auf €96 Mio. (+356,0 %). Der UK ist damit zu einem der wichtigsten Extra-EU-Handelspartner für Skulpturen aufgestiegen — sowohl als Quelle als auch als Zielmarkt (Partnerländer).
2.2. Die Schweiz als größter Importpartner der EU
Die Schweiz hat sich im selben Zeitraum zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU entwickelt. Die Importe aus der Schweiz stiegen von €85 Mio. (2015) auf €252 Mio. (2025) — ein Zuwachs von +198,3 %. Die Schweiz übertraf damit die USA als wichtigste Importquelle. Gleichzeitig sanken die EU-Exporte in die Schweiz um 41,9 % (von €188 Mio. auf €109 Mio.). Die Handelsströmung hat sich also umgekehrt: Die EU importiert heute deutlich mehr Skulpturen aus der Schweiz, als sie dorthin exportiert.
2.3. Die USA bleiben der dominante Markt
Die Vereinigten Staaten sind sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite der wichtigste Handelspartner der EU. Die Exporte in die USA stiegen von €335 Mio. auf €433 Mio. (+29,3 %), die Importe von €136 Mio. auf €160 Mio. (+17,9 %). Die USA sind damit der mit Abstand größte Einzelabnehmer europäischer Skulpturen und absorbieren fast die Hälfte aller EU-Exporte in diesem Segment.
| Partnerland | Importe 2015 | Importe 2025 | Veränderung | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| USA | €136 Mio. | €160 Mio. | +17,9 % | €335 Mio. | €433 Mio. | +29,3 % |
| Schweiz | €85 Mio. | €252 Mio. | +198,3 % | €188 Mio. | €109 Mio. | −41,9 % |
| UK | €29 Mio.¹ | €153 Mio. | +426,7 %¹ | €21 Mio.¹ | €96 Mio. | +356,0 %¹ |
| China | €5 Mio. | €8 Mio. | +62,1 % | €8 Mio. | €13 Mio. | +75,0 % |
| VAE | — | — | — | €4 Mio. | €17 Mio. | +297,8 % |
| Südkorea | — | — | — | €6 Mio. | €13 Mio. | +114,0 % |
¹ Erstes Jahr im Datensatz nach dem Brexit (ab 2020/2021); die Prozentangabe bezieht sich auf den Zeitraum seit erstmaligem Auftreten als Drittland.
2.4. Neue Exportmärkte gewinnen an Bedeutung
Neben den etablierten Märkten haben die Vereinigten Arabischen Emirate (+297,8 %) und Südkorea (+114,0 %) als Absatzmärkte für EU-Skulpturen stark an Bedeutung gewonnen. Die Exporte in die VAE stiegen von €4 Mio. auf €17 Mio., was auf ein wachsendes Interesse an Kunst in der Golfregion hindeuten kann.
2.5. Frankreich wird zum wichtigsten EU-Handelsakteur
Innerhalb der EU haben sich die Handelsströme verschoben. Frankreich ist sowohl als Exporteur (+96,0 %, von €172 Mio. auf €338 Mio.) als auch als Importeur (+283,0 %, von €82 Mio. auf €315 Mio.) zum führenden Mitgliedsstaat aufgestiegen. Deutschland hingegen verlor als Exporteur an Boden (−24,2 %, von €169 Mio. auf €128 Mio.), blieb aber als Importeur moderat wachstumsstark (+35,0 %) (EU-Mitgliedsstaaten).
| EU-Mitgliedstaat | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Δ | Importe 2015 | Importe 2025 | Δ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Frankreich | €172 Mio. | €338 Mio. | +96 % | €82 Mio. | €315 Mio. | +283 % |
| Deutschland | €169 Mio. | €128 Mio. | −24 % | €68 Mio. | €92 Mio. | +35 % |
| Italien | €112 Mio. | €174 Mio. | +56 % | €27 Mio. | €46 Mio. | +69 % |
| Belgien | €21 Mio. | €41 Mio. | +93 % | €22 Mio. | €55 Mio. | +157 % |
| Niederlande | €9 Mio. | €35 Mio. | +298 % | €17 Mio. | €21 Mio. | +23 % |
| Spanien | €21 Mio. | €30 Mio. | +41 % | €9 Mio. | €28 Mio. | +213 % |
3. Preissteigerungen, Segmentanalyse und Marktkonzentration
3.1. Antike Skulpturen (970310) erzielen ein Vielfaches der zeitgenössischen Preise
Die Segmentaufschlüsselung für den Zeitraum 2022–2025 zeigt einen deutlichen Preisunterschied zwischen antiken und modernen Skulpturen. Bei den Exporten lag der Einheitspreis für antike Werke (970310) zwischen €1,18 Mio./t und €1,48 Mio./t, während zeitgenössische Stücke (970390) bei €266.000/t bis €322.000/t lagen — ein Faktor von rund 4 bis 5 (Produktsegmente).
| Segment | Richtung | Menge 2025 | Wert 2025 | Preis 2025 |
|---|---|---|---|---|
| 970390 (modern) | Export | 2.372 t | €764 Mio. | €321.925/t |
| 970310 (antik) | Export | 89 t | €132 Mio. | €1.481.665/t |
| 970390 (modern) | Import | 2.298 t | €614 Mio. | €267.300/t |
| 970310 (antik) | Import | 59 t | €68 Mio. | €1.154.280/t |
3.2. Die Importe antiker Skulpturen haben sich vervielfacht
Besonders auffällig ist der Anstieg der Importe antiker Werke: Der Wert stieg von €22 Mio. (2022) auf €68 Mio. (2025) — eine Verdreifachung in nur drei Jahren. Der Einheitspreis explodierte dabei von €323.598/t auf €1.154.280/t (+256,7 %). Dies deutet auf eine zunehmende Knappheit und Nachfrage nach musealen bzw. sammlungswürdigen Stücken hin, die über die Schweiz und das UK in die EU gelangen.
3.3. Preischocks bei Exporten in Schwellenmärkte
Bei der Volatilitätsanalyse fallen mehrere Preischocks im Export auf, die sich auf den Zeitraum 2019–2020 konzentrieren (Preisschocks):
| Partnerland | Schocktyp | Zeitpunkt | Preisverschiebung | Abnormalität |
|---|---|---|---|---|
| VAE | Preis (Export) | 2020 | +170,4 % | 26,1 |
| China | Preis (Export) | 2020 | +351,1 % | 17,8 |
| Norwegen | Preis (Export) | 2019 | +114,0 % | 16,3 |
Diese Schocks fallen in die Phase der COVID-19-Pandemie, in der physische Kunstmessen ausfielen und sich der Handel auf wenige, hochpreisige Transaktionen konzentrieren konnte. Der extrem hohe Preisprung bei China-Exporten (+351 %) könnte auf einzelne, sehr hochwertige Verkäufe zurückzuführen sein.
3.4. Die Handelskonzentration ist leicht gesunken
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für den Importwert sank von 3.176 auf 2.829 (−10,9 %), was eine geringfügige Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Die Exportkonzentration blieb nahezu unverändert (HHI von 3.384 auf 3.263, −3,6 %) (Konzentrationsanalyse). Beide Werte deuten auf einen moderat konzentrierten Markt hin, in dem die USA, die Schweiz und das UK dominieren.
3.5. Frankreich, Italien und Spanien sind die spezialisiertesten Produzenten
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index) zeigt, dass Frankreich (0,60), Italien (0,56) und Spanien (0,50) die höchste komparative Spezialisierung im Skulpturenhandel aufweisen. Diese drei Länder vereinen eine überproportionate Exportquote auf sich und sind traditionelle Kunsthandwerksstandorte. Im Gegensatz dazu weisen Länder wie Slowenien, Bulgarien und Polen praktisch keine Spezialisierung auf (Spezialisierung).
| Land | RSCA | RCA | Anteil an EU-Exporten |
|---|---|---|---|
| Frankreich | 0,60 | 4,06 | 31,7 % |
| Italien | 0,56 | 3,51 | 28,1 % |
| Spanien | 0,50 | 3,00 | 17,4 % |
| Schweden | −0,04 | 0,93 | 2,2 % |
| Luxemburg | −0,06 | 0,88 | 0,3 % |
Schlussfolgerung
Der EU-Außenhandel mit Skulpturen (CN 9703) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt. Erstens sind die Importe mit +133,5 % weit stärker gestiegen als die Exporte (+33,4 %), was den Handelsüberschuss der EU von €379 Mio. auf €213 Mio. schrumpfen ließ. Zweitens hat der Brexit die Handelslandschaft nachhaltig verändert: Das Vereinigte Königreich ist als Drittland sowohl bei Importen als auch bei Exporten zu einem der wichtigsten Partner geworden, während die Schweiz ihre ohnehin dominante Stellung als Importquelle weiter ausgebaut hat. Drittens sind die Preise insbesondere bei antiken Werken (970310) stark gestiegen — Importpreise für antike Skulpturen haben sich zwischen 2022 und 2025 mehr als verdreifacht.
Für die kommende Zeit ist zu beobachten, ob sich das Importwachstum abschwächt oder ob der Trend steigender Preise — getrieben durch Knappheit und internationale Sammlernachfrage — anhält. Frankreich, Italien und Spanien werden voraussichtlich ihre Rolle als spezialisierte Exportnationen behalten, während sich die Schweiz als zentraler Handelsdrehscheibe für antike Kunstwerke etabliert hat.