Marktentwicklung: Silber, einschl. vergoldetes oder platiniertes Silber, in Rohform (ausg. als Pulver) (CN 710691) — 2015–2025
Einleitung
Der EU-Handel mit unverarbeitetem Silber (CN 710691) hat sich zwischen 2015 und 2025 dynamisch entwickelt. In diesem Bericht werden die zentralen Trends analysiert, die die Handelsströme der EU mit Drittländern geprägt haben. Die Daten zeigen eine erhebliche Expansion des Exportvolumens, eine zunehmende regionale Konzentration und eine strukturelle Veränderung der Handelsbeziehungen.
Wachstum der Exporte und die Rolle steigender Weltmarktpreise
Die EU hat ihren Silberexport in den vergangenen zehn Jahren stark ausgeweitet. Der Exportwert stieg von 1,29 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 4,27 Mrd. EUR im Jahr 2025, was einem Anstieg von 230,1 % entspricht. Dieses Wachstum wurde sowohl durch höhere Mengen als auch durch stark gestiegene Preise getrieben.
Die Exportmenge nahm moderat zu, während der Exportpreis sich mehr als verdoppelte
Die exportierte Menge wuchs von 2.785 Tonnen im Jahr 2015 auf 3.939 Tonnen im Jahr 2025, was einer Steigerung von 41,4 % entspricht. Parallel dazu stieg der durchschnittliche Exportpreis von 464.242 EUR/Tonne auf 1.083.678 EUR/Tonne (+133,4 %). Der Preisanstieg reflektiert die Entwicklung der globalen Silberpreise, insbesondere die starke Hausse im Zuge der Pandemie und geopolitischer Unsicherheiten.
Der Handelsüberschuss der EU hat sich vervielfacht
Die EU erzielte 2025 einen Handelsüberschuss von 3,16 Mrd. EUR, verglichen mit 809 Mio. EUR im Jahr 2015 (+291,0 %). Die Netto-Importquote wurde negativ, was die Position der EU als Nettoexporteur unterstreicht.
Die Exportquote der EU stieg deutlich an
Die Exportquote bezogen auf die heimische Produktion stieg von 25,8 % im Jahr 2006 auf 76,2 % im Jahr 2024. Dies zeigt eine zunehmende Integration der EU in den globalen Silbermarkt.
Umstrukturierung der Handelspartner und zunehmende Konzentration bei Importen
Die Herkunfts- und Zielstruktur des EU-Silberhandels hat sich im Zeitverlauf erheblich verändert. Bestehende Partnerschaften wurden ausgebaut, während neue Handelsrouten entstanden.
Die Schweiz wurde zum wichtigsten Export- und Importpartner der EU
Exporte in die Schweiz stiegen von 111,9 Mio. EUR (2015) auf 1,31 Mrd. EUR (2025), was einem Anstieg von 1.067 % entspricht. Importe aus der Schweiz wuchsen von 131,3 Mio. EUR auf 649,9 Mio. EUR (+395 %). Die Schweiz fungiert als globaler Edelmetall-Drehscheibe und verarbeitet Silber aus der EU und versorgt sie mit Raffinerieprodukten.
Das Vereinigte Königreich blieb ein zentraler Handelspartner, trotz Brexit
Obwohl die Exporte in das Vereinigte Königreich von 880,1 Mio. EUR (2015) auf 1,47 Mrd. EUR (2025) stiegen (+67,4 %), schwankten sie stark. Importe aus dem UK gingen um 53,1 % zurück. Der Brexit führte zu einer Neuordnung der Handelsströme, ohne die grundsätzliche Bedeutung des Partners zu beseitigen.
Die Konzentration der Importe nahm zu, während sie bei Exporten abnahm
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 2.135 (2015) auf 3.924 (2025), was auf eine höhere Konzentration hindeutet. Bei Exporten sank der HHI von 4.933 auf 2.475, was eine Diversifizierung der Exportmärkte zeigt.
Binnenmarktdynamik und Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten
Innerhalb der EU gibt es eine klare Arbeitsteilung bei der Silberproduktion und -verarbeitung. Deutschland, Polen und Italien dominieren den Export, während die Spezialisierung der Mitgliedstaaten stark variiert.
Deutschland, Polen und Italien sind die führenden Exporteure innerhalb der EU
Die drei größten Exporteure im Jahr 2025 waren Deutschland (1,86 Mrd. EUR), Polen (1,30 Mrd. EUR) und Italien (668,8 Mio. EUR). Zusammen machten sie rund 90 % der EU-Exporte aus. Deutschland und Polen sind traditionelle Silberverarbeitungszentren, während Italien insbesondere in der Schmuckindustrie eine wichtige Rolle spielt.
Belgien und Schweden weisen die höchste Spezialisierung auf
Gemäß dem Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) haben Belgien (RSCA 0,58) und Schweden (RSCA 0,50) eine starke Spezialisierung in der Silberproduktion. Diese Länder verfügen über bedeutende Raffinerie- und Bergbaukapazitäten.
Die EU-Produktion von Rohsilber blieb relativ stabil
Die Produktionsmenge von Rohsilber in der EU schwankte zwischen 4,66 Mio. Tonnen (2015) und 6,43 Mio. Tonnen (2021). Der Produktionswert stieg jedoch von 2,62 Mrd. EUR auf 3,60 Mrd. EUR (+37,4 %), was auf höhere Preise zurückzuführen ist.
Schlussfolgerung
Der EU-Silbermarkt hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem importabhängigen zu einem stark exportorientierten Markt entwickelt. Getrieben von steigenden Weltmarktpreisen und einer leichten Mengenausweitung haben sich die Handelsvolumen vervielfacht. Die Schweiz hat sich als zentraler Drehpunkt etabliert, während die Konzentration bei Importen zunahm. Innerhalb der EU zeigt sich eine klare regionale Spezialisierung, mit Deutschland, Polen und Italien als Exportlokomotiven. Die zunehmende Exportquote deutet darauf hin, dass die EU ihre komparativen Vorteile in der Silberverarbeitung weiter ausgebaut hat.