Marktentwicklung: Schmiermittel, zubereitet, einschl. Schneidöle, Zubereitungen zum Lösen von Schrauben oder Bolzen, zubereitete Rostschutzmittel oder Korrosionsschutzmittel und zubereitete Formöle und Trennöle, auf der Grundlage von Schmierstoffen, Erdöl oder Öl aus bituminösen Mineralien enthaltend (ausg. als Basisanteil >= 70 GHT dieser Öle enthaltend sowie Zubereitungen zum Behandeln von Spinnstoffen, Leder, Pelzfellen oder anderen Stoffen) (CN 340319) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 340319 umfasst ein breites Spektrum zubereiteter Schmiermittel, darunter Schneidöle, Rostschutzmittel, Korrosionsschutzmittel, Formöle und Trennöle auf der Grundlage von Schmierstoffen sowie Erdöl oder Öl aus bituminösen Mineralien (mit einem nichtcharakterbestimmenden Anteil dieser Öle). Er bildet als Restposition die Differenz zur übergeordneten Position 3403 abzüglich der explizit ausgenommenen Untertarifnummern 340311 (Spinnstoffbehandlungsmittel auf Erdölbasis) und 340391 (Spinnstoffbehandlungsmittel ohne Erdöl).
Die Europäische Union ist im Segment der zubereiteten Schmiermittel ein signifikanter Nettoexporteur. Im Zeitraum 2015–2025 belief sich das durchschnittliche jährliche Handelsbilanzplus auf rund 800 Mio. EUR. Der analysierte Zeitraum ist geprägt von drei übergreifenden Entwicklungen: einem nachhaltigen Preisanstieg, der geopolitisch bedingten Neuordnung der Handelspartnerlandschaft infolge des Ukraine-Konflikts sowie einer zunehmenden Exportkonzentration auf wenige EU-Mitgliedstaaten. Der Gesamtüberblick liefert die zugrunde liegenden Zeitreihen.
1. Von der Mengenausdehnung zur Wertschöpfung: Strukturelle Preisanhebung als dominante Dynamik
Der Exportwert stieg trotz rückläufiger Volumina um fast ein Fünftel
Die EU-Ausfuhren von CN 340319 entwickelten sich über den gesamten Betrachtungszeitraum widersprüchlich: Während der Exportwert von 876 Mio. EUR (2015) auf 1.039 Mio. EUR (2025) um 18,5 % zunahm, sank die exportierte Menge im gleichen Zeitraum von 256.435 Tonnen auf 191.501 Tonnen (−25,3 %). Der Wendepunkt der Mengendynamik lag 2021 mit 313.177 Tonnen als historischem Spitzenwert; danach setzte ein deutlicher Rückgang ein. Die Handelsentwicklung im Zeitverlauf illustriert diese Gegenläufigkeit.
| Kennzahl | 2015 | 2021 (Peak Menge) | 2022 (Peak Wert) | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 876,4 | 1.184,1 | 1.212,4 | 1.038,9 | +18,5 % |
| Exportmenge (t) | 256.435 | 313.177 | 259.950 | 191.501 | −25,3 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 3.418 | 3.781 | 4.663 | 5.425 | +58,7 % |
Der Preisanstieg übertrifft die Inflation bei weitem — Rohstoff- und Energiekosten als Treiber
Die Einheitswerte der EU-Ausfuhren stiegen von 3.418 EUR/t (2015) auf 5.425 EUR/t (2025), was einer Steigerung von 58,7 % entspricht. Der Anstieg war besonders stark in den Jahren 2021 (+26 % gegenüber 2020) und 2022 (+23 % gegenüber 2021), was zeitlich mit der globalen Energiekrise nach der COVID-19-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Konflikts korrespondiert. Da Schmiermittel auf Erdöl- und Schmierstoffbasis hergestellt werden, spiegelt die Preisentwicklung unmittelbar die Rohstoff- und Energiekostenentwicklung wider. Die EU-Produktionspreise (PRODVAL/PRODQNT) zeigen ein analoges Bild: Der durchschnittliche Produktionspreis lag 2016 bei 2,29 EUR/kg und stieg bis 2024 auf 3,15 EUR/kg (+37,6 %), wie die Produktionsvolumina belegen.
Die EU bleibt ein substanzieller Nettoexporteur mit stabiler Handelsbilanz
Die Handelsbilanz weist über den gesamten Zeitraum ein konstant positives Saldo auf, das von 708 Mio. EUR (2015) auf 843 Mio. EUR (2025) anwuchs (+19,0 %). Der Spitzenwert wurde 2022 mit 986 Mio. EUR erreicht. Die Nettoimportabhängigkeit blieb durchgehend stark negativ (2024: −142,7 %), was die Position der EU als bedeutender Überschussexporter unterstreicht. Gleichzeitig sank die Handelsintensität von 86,3 % (2016) auf 74,9 % (2024), was auf eine gewisse Verlagerung hin zu innergemeinschaftlichen Umsätzen oder eine Abschwächung der Drittlandsexporte hindeuten könnte.
2. Geopolitische Umwälzung: Russland-Sanktionen und die Neuausrichtung der Drittlandspartnerlandschaft
Russlands Exportkollaps 2022/2023 als dominanter Schock des Jahrzehnts
Die mit Abstand einschneidendste Veränderung im untersuchten Zeitraum war der Zusammenbruch der EU-Exporte in die Russische Föderation. Russland war 2015 mit 144,5 Mio. EUR (16,5 % des Gesamtexports) und 41.308 Tonnen der zweitwichtigste Exportmarkt — nach China, aber noch vor dem Vereinigten Königreich. Ab 2022 setzte im Zuge der EU-Sanktionen ein dramatischer Rückgang ein:
| Jahr | Russland-Export (Mio. EUR) | Russland-Export (t) | Preis (EUR/t) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 144,5 | 41.308 | 3.499 |
| 2021 | 156,7 | 41.796 | 3.749 |
| 2022 | 42,8 | 10.858 | 3.939 |
| 2023 | 0,16 | 6 | 27.377 |
| 2024 | 0,36 | 13 | 27.392 |
| 2025 | 0,49 | 16 | 30.942 |
Die Schockanalyse identifiziert Russland als den mit Abstand signifikantesten Schock: Die Liefermengen sanken um nahezu 100 % gegenüber dem Basiswert, während die verbleibenden minimalen Lieferungen zu extrem überhöhten Preisen (712–759 % über Basisniveau) abgewickelt wurden — vermutlich handelt es sich hier um Restmengen unter humanitären Ausnahmeregelungen oder Genehmigungspflichten. Der Russland-Schock mit einem Abnormalitätsindex von 175,5 und einem Wertanteil von 12,1 % am Gesamtexport war das prägnanteste Handelsereignis des Zeitraums.
Die Vakuum wurde nur teilweise gefüllt — neue Partner profitierten in unterschiedlichem Maße
Die Redistribution der russischen Exportmengen erfolgte nicht als 1:1-Ersatz, sondern verteilte sich ungleichmäßig auf mehrere Märkte. Die Partneranalyse zeigt folgende Gewinner und Verlierer:
| Partner | Export 2015 (Mio. EUR) | Export 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Russland | 144,5 | 0,5 | −99,7 % | Sanktionsbedingter Kollaps |
| China | 153,3 | 125,6 | −18,0 % | Rückläufig trotz fehlender Sanktionen |
| Vereinigtes Königreich | 81,9 | 114,2 | +39,3 % | Stabil wachsend |
| Türkei | 41,3 | 91,4 | +121,2 % | Stärkster relativer Zuwachs |
| USA | 59,4 | 96,3 | +62,2 % | Signifikantes Wachstum |
| Schweiz | 29,7 | 44,8 | +51,0 % | Stetiges Wachstum |
| Algerien | 11,2 | 12,6 | +13,0 % | Moderater Zuwachs |
Besonders hervorzuheben ist die Türkei, die sich mit einer Verdopplung der Exporte von 41,3 Mio. EUR auf 91,4 Mio. EUR vom sechst- zum viertgrößten Drittlandsmarkt entwickelte. Die USA und das Vereinigte Königreich profitierten ebenfalls erheblich. Gleichzeitig sanken die Exporte nach China — dem einst größten Einzelmarkt — um 18 % von 153,3 Mio. EUR auf 125,6 Mio. EUR, was auf die Verlangsamung des chinesischen Industriesektors und zunehmende Eigenproduktion zurückzuführen sein könnte.
Die Importseite zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung: Belarus als neuer Zulieferer
Auf der Importseite fiel der dramatische Anstief der Importe aus Belarus ins Auge: von lediglich 23.139 EUR (2015) auf 2,6 Mio. EUR (2025) — ein Zuwachs von über 11.000 %. Die Importpartner zeigen, dass Belarus seinen Höhepunkt 2024 mit 5,4 Mio. EUR erreichte, bevor die Importe 2025 wieder auf 2,6 Mio. EUR zurückgingen. Der extreme Variationskoeffizient von 1,73 bei den Belarus-Importen unterstreicht die Volatilität dieser neuen Handelsbeziehung. Auch die Importe aus Kanada (+425,7 %) und China (+263,0 %) stiegen signifikant, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die traditionellen Importpartner Schweiz (70,4 Mio. EUR, nahezu unverändert) und Vereinigtes Königreich (57,0 Mio. EUR, +8,7 %) blieben die dominierenden Zulieferer.
Der Herfindahl-Hirschman-Index bestätigt eine fortschreitende Diversifizierung
Die Handelskonzentration hat sich sowohl bei Importen als auch bei Exporten signifikant verringert:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 3.136 | 2.513 | −19,9 % |
| HHI Importe (Menge) | 3.374 | 1.992 | −41,0 % |
| HHI Exporte (Wert) | 800 | 541 | −32,4 % |
| HHI Exporte (Menge) | 827 | 565 | −31,6 % |
Während die Importkonzentration trotz des Rückgangs immer noch im moderaten Bereich liegt (Schweiz und Vereinigtes Königreich dominieren gemeinsam), ist die Exportkonzentration deutlich niedriger — ein Indiz für eine breiter diversifizierte Kundenbasis. Der Rückgang des Export-HHI wurde maßgeblich durch den Wegfall Russlands als konzentrierten Abnehmer und die gleichzeitige Aufteilung des Volumens auf mehrere Märkte getrieben.
3. Innerhalb der EU: Deutschland festigt seine Rolle als unangefochtener Produktions- und Exportmotor
Deutschland dominiert die EU-Produktion und -Exporte mit wachsendem Anteil
Die Analyse der EU-Mitgliedstaaten als Exporteure zeigt eine zunehmende Konzentration der EU-Außenausfuhren auf Deutschland. Das Land steigerte seine Drittlandsexporte von 385,8 Mio. EUR (2015) auf 546,8 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 41,7 % entspricht. Damit entfielen 2025 rund 52,6 % aller EU-Drittlandsexporte auf Deutschland — ein beachtlicher Anteil.
| Mitgliedstaat | Export 2015 (Mio. EUR) | Export 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 385,8 | 546,8 | +41,7 % |
| Frankreich | 195,2 | 151,3 | −22,5 % |
| Belgien | 111,4 | 112,7 | +1,2 % |
| Niederlande | 34,7 | 68,0 | +95,7 % |
| Spanien | 16,3 | 39,4 | +142,5 % |
| Italien | 15,6 | 35,3 | +125,6 % |
| Finnland | 50,8 | 3,7 | −92,6 % |
Frankreichs Exporte und Finnlands Rückzug markieren eine Umstrukturierung
Zwei Mitgliedstaaten zeigen gegenläufige, aber strukturell bedeutsame Entwicklungen: Frankreich, der zweitgrößte EU-Exporter, verlor 22,5 % seiner Drittlandsexporte (von 195,2 Mio. EUR auf 151,3 Mio. EUR), nachdem es 2022 mit 259,4 Mio. EUR seinen Höhepunkt erreicht hatte. Finnland hingegen erlebte einen noch dramatischeren Rückgang: Von 50,8 Mio. EUR (2015) auf nur noch 3,7 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 92,6 % entspricht. Der Spezialisierungsindex zeigt, dass Finnland 2025 mit einem RCA von 0,86 knapp unter der Spezialisierungsschwelle liegt — ein Verlust der komparativen Vorteile in diesem Segment.
Demgegenüber profitierten die Niederlande (+95,7 %), Spanien (+142,5 %) und Italien (+125,6 %) von der Umverteilung der EU-Exporte. Diese drei Länder trugen 2025 zusammen 142,7 Mio. EUR bei, verglichen mit nur 66,6 Mio. EUR im Jahr 2015.
Die drei spezialisiertesten EU-Produzenten konzentrieren über zwei Drittel der Produktion
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Frankreich (RSCA 0,40), Belgien (0,30) und Deutschland (0,24) die einzigen EU-Länder mit positiver Spezialisierung sind. Deutschland allein erzeugt 34,6 % der gesamten EU-Produktion, gefolgt von Frankreich (18,3 %) und den Niederlanden (12,0 %). Die drei führenden Länder produzieren somit zusammen rund 65 % der EU-Gesamtproduktion, was die Produktionsvolumina bestätigen.
Der Aufstieg biobasierter Schmiermittel — ein Nischenwachstum mit Potenzial
Im Segment der Produktaufschlüsselung zeigt die Untertarifnummer 34031920 (biobasierte Schmiermittel mit ≥25 % biobasiertem Kohlenstoff und ≥60 % biologischer Abbaubarkeit) ein beachtliches Wachstum. Der Importwert stieg von 1,2 Mio. EUR (2016, erstes verfügbares Jahr) auf 14,7 Mio. EUR (2025), was einer Verzwölffachung entspricht. Der Importpreis für biobasierte Produkte lag 2025 bei 9.433 EUR/t und damit deutlich über dem Gesamtdurchschnitt — ein typisches Merkmal innovativer, nachhaltiger Produkte in der Frühphase der Marktdurchdringung.
Auch bei den Exporten verzeichnete 34031920 ein beachtliches Wachstum: von 15,4 Mio. EUR (2016) auf 36,3 Mio. EUR (2025). Allerdings machte das Segment 2025 erst rund 3,5 % des gesamten CN-340319-Exports aus. Die dominante Untertarifnummer bleibt 34031980 (konventionelle Schmiermittel mit weniger als 70 % Erdölanteil) mit einem Exportanteil von rund 89 % (926,7 Mio. EUR).
Schlussfolgerung
Der Markt für zubereitete Schmiermittel (CN 340319) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in drei zentralen Dimensionen gewandelt:
Erstens vollzog sich ein substanzieller Strukturwandel von der Mengen- zur Wertschöpfungsorientierung. Die EU exportierte 2025 rund 25 % weniger Menge als 2015, erzielte dabei aber fast 19 % mehr Umsatz. Dieser Preisanstieg reflektiert gestiegene Rohstoff- und Energiekosten sowie eine mögliche Verschiebung hin zu höherwertigen Spezialprodukten.
Zweitens veränderte die geopolitische Zäsur des Ukraine-Konflikts die Handelspartnerlandschaft nachhaltig. Der Verlust des russischen Marktes — des zweitgrößten Exportziels mit 144,5 Mio. EUR Jahresvolumen — wurde nur teilweise durch Wachstum in der Türkei, den USA und dem Vereinigten Königreich kompensiert. Gleichzeitig führte die resultierende Diversifizierung zu einem deutlichen Rückgang der Handelskonzentration (HHI), was die Widerstandsfähigkeit des EU-Exportsektors langfristig stärken dürfte.
Drittens verschob sich die Produktion innerhalb der EU zugunsten Deutschlands, während Finnland als Exporteur fast vollständig vom Markt verschwand und Frankreich an Boden verlor. Die zunehmende Konzentration der EU-Produktion auf wenige Mitgliedstaaten birgt sowohl Chancen (Economies of Scale) als auch Risiken (Abhängigkeit von einzelnen Produktionsstandorten).
Das Wachstum des Segments biobasierter Schmiermittel (CN 34031920) deutet auf eine beginnende Nachhaltigkeitsdynamik hin, die durch regulatorische Anreize (z. B. EU Green Deal, CSRD) weiter befeuert werden könnte. Bislang bleibt dieses Segment jedoch eine Nische mit einem Anteil von unter 4 % am Gesamtmarkt.