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Marktentwicklung: Rohgold (CN 710812) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung des Zollcodes 710812 — Gold, einschl. platiniertes Gold, in Rohform, zu anderen als zu monetären Zwecken (ausg. als Pulver) — im Außenhandel der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten erfassen Einfuhren und Ausfuhren auf Jahresbasis und bieten einen umfassenden Einblick in Wert-, Mengen- und Preisentwicklungen, die wichtigsten Handelspartner, Konzentrationsstrukturen sowie saisonale Schocks und Volatilitäten. Der Markt für Rohgold ist dabei von einer einzigartigen Dynamik geprägt: Der Goldpreis hat sich im Betrachtungszeitraum nahezu verdreifacht, was in Kombination mit strukturellen Verschiebungen der Handelsströme zu einer dramatischen Veränderung des bilateralen Handelsvolumens führte.

Übersicht & Kennzahlen


1. Vom Überschuss zum Rekordüberschuss — Die beispiellose Aufwertung der EU-Handelsbilanz

1.1 Die EU als Nettoexporteur von Rohgold mit wachsendem Vorsprung

Die EU hat über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg eine positive Handelsbilanz bei Rohgold (CN 710812) aufgewiesen — ein bemerkenswertes Ergebnis, da die EU bekanntlich kaum eigene Goldvorkommen fördert. Der Handelsbilanz entwickelte sich wie folgt:

Jahr Ausfuhren (Mrd. €) Einfuhren (Mrd. €) Saldo (Mrd. €)
2015 6,02 4,66 +1,36
2019 9,40 5,10 +4,30
2020 12,10 12,18 −0,08
2021 5,96 12,86 −6,90
2022 6,83 14,35 −7,52
2023 11,08 7,19 +3,90
2024 17,06 9,73 +7,32
2025 22,05 13,16 +8,90

Quelle: Top-Partner nach Wert

Die Handelsbilanz schwankte zwischen einem Tief von −7,52 Mrd. € im Jahr 2022 und einem Höchststand von +8,90 Mrd. € im Jahr 2025 — eine Spanne von über 16 Mrd. €. Der Saldo stieg im Vergleich von 2015 zu 2025 um 552,7 %.

1.2 Preiseffekte als dominierender Wachstumstreiber

Ein zentraler Befund der Analyse ist, dass das starke Wachstum der Handelswerte überwiegend auf Preiseffekte zurückzuführen ist, nicht auf steigende Mengen:

Kennzahl Ausfuhren Einfuhren
Wertentwicklung 2015→2025 +266,4 % +182,5 %
Mengenentwicklung 2015→2025 +28,9 % +5,3 %
Preisentwicklung 2015→2025 +184,4 % +168,2 %

Quelle: Übersicht & Kennzahlen

Die durchschnittlichen Ausfuhrpreise stiegen von 29,4 Mio. €/t (2015) auf 83,6 Mio. €/t (2025), die Einfuhrpreise von 31,7 Mio. €/t auf 85,0 Mio. €/t. Der globale Goldpreisanstieg — getrieben durch geopolitische Unsicherheiten, Inflationsängste und eine expansive Geldpolitik — war somit der Hauptfaktor für die wertmäßige Expansion des Handels.

1.3 Die COVID-19-Schockphase 2020–2022 als Wendepunkt

Das Jahr 2020 markierte einen Wendepunkt. Die Einfuhren verdreifachten sich nahezu sprunghaft von 5,1 Mrd. € (2019) auf 12,2 Mrd. €, getrieben durch den sog. COVID-Gold-Rush — die Flucht institutioneller und privater Anleger in sichere Häfen. Auch die Ausfuhren stiegen, wenn auch weniger stark (von 9,4 auf 12,1 Mrd. €). In den Folgejahren 2021 und 2022 lagen die Einfuhren überdurchschnittlich hoch (12,9 bzw. 14,4 Mrd. €), während die Ausfuhren einbrachen — das Ergebnis war das historisch größte Defizit. Ab 2023 normalisierte sich das Bild: Die Ausfuhren stiegen auf Rekordniveau, während die Einfuhren sanken, was zu einer fulminanten Rückkehr des Überschusses führte.

Quelle: Übersicht & Kennzahlen


2. Konzentration und Diversifizierung — Die Schweiz als zentraler Umschlagplatz, aufstrebende Partner im Fokus

2.1 Die Schweizer Dominanz bei Ein- und Ausfuhren

Die Schweiz ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner der EU für Rohgold — sowohl bei Ein- als auch Ausfuhren. Dies spiegelt die Rolle der Schweiz als globales Goldraffinerie- und Handelszentrum wider (insb. Zürich/Genf):

Partner Einfuhren 2025 (Mrd. €) Anteil Ausfuhren 2025 (Mrd. €) Anteil
Schweiz 7,82 59,4 % 14,82 67,2 %
Vereinigtes Königreich 0,33 2,5 % 5,65 25,6 %
VAE 0,67 5,1 % 0,47 2,1 %
Südafrika 0,69 5,3 %
USA 1,31 10,0 % 0,26 1,2 %
Kolumbien 0,48 3,7 %

Quelle: Top-Partner nach Wert

Zwei Länder — die Schweiz und das Vereinigte Königreich — vereinigten 2025 zusammen über 92 % der EU-Ausfuhren auf sich. Auf der Importseite ist die Konzentration geringer, aber die Schweiz allein stellte knapp 60 % der Einfuhren.

2.2 Divergierende Konzentrationstrends bei Ein- und Ausfuhren

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt eine bemerkenswerte Asymmetrie in der Konzentrationsentwicklung:

Kennzahl 2015 2020 2025 Veränderung
HHI Einfuhren (Wert) 4.699 2.932 3.721 −20,8 %
HHI Ausfuhren (Wert) 5.661 4.651 5.180 −8,5 %

Quelle: Konzentrationsindizes

Die Importseite hat sich zwischen 2015 und 2020 deutlich diversifiziert (HHI-Rückgang um 37,6 %), was auf das Aufkommen neuer Lieferanten wie der VAE, Kolumbiens und der USA zurückzuführen ist. Ab 2020 konzentrierte sich der Importmarkt wieder stärker — insbesondere durch den Rückgang der Lieferungen aus der VAE (von 4,1 Mrd. € in 2020 auf 0,7 Mrd. € in 2025) und dem Vereinigten Königreich (von 2,8 Mrd. € in 2021 auf 0,3 Mrd. € in 2025).

Auf der Exportseite blieb die Konzentration durchgehend hoch, was die strukturelle Abhängigkeit von der Schweiz und dem Vereinigten Königreich widerspiegelt.

2.3 Aufstrebende und schwindende Partner

Innerhalb des Betrachtungszeitraums haben sich einige Handelspartner stark verändert:

Einfuhren — stärkste prozentuale Zuwächse (2015→2025):

Partner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
USA 22 1.311 +5.802 %
VAE 25 669 +2.624 %
Kolumbien 41 484 +1.093 %
Frankreich 33 1.345 +3.921 %
Estland 41 344 +741 %

Quelle: Top-Berichterstatter nach Wert

Auffällig ist der Aufstieg der USA als Einfuhrquelle — von nur 22 Mio. € (2015) auf 1,3 Mrd. € (2025). Die VAE verzeichneten einen noch dramatischeren Anstieg, fielen aber nach dem COVID-Spitzenjahr 2020 (4,1 Mrd. €) wieder deutlich zurück. Kolumbien hat sich als zuverlässiger Rohstofflieferant etabliert (von 41 Mio. € auf 484 Mio. €). Der Rückgang der russischen Einfuhren auf null ab 2023 (zuvor noch 568 Mio. € in 2021) ist mit den Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine erklärbar.

Ausfuhren — wichtigste Wachstumsmärkte:

Partner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 763 5.649 +640 %
VAE 53 473 +798 %
USA 46 257 +456 %
Libanon 2 11 +480 %
Thailand 46 115 +151 %

Quelle: Top-Partner nach Wert

Das Vereinigte Königreich hat sich als zweitwichtigster Exportmarkt etabliert — die Ausfuhren stiegen von 763 Mio. € auf fast 5,7 Mrd. €, was die Rolle Londons als globales Goldhandelszentrum (LBMA) unterstreicht. Die VAE (Dubai) gewannen ebenfalls stark an Bedeutung (+798 %).

2.4 EU-interne Spezialisierungsmuster

Innerhalb der EU ist die Rohgoldverarbeitung stark konzentriert. Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt:

Land RSCA-Index RCA-Index Anteil Produktion Anteil Gesamthandel
Estland 0,760 7,324 2,5 % 0,3 %
Österreich 0,638 4,526 14,9 % 3,3 %
Frankreich 0,538 3,330 26,0 % 7,8 %
Luxemburg 0,451 2,646 0,9 % 0,3 %
Italien 0,429 2,501 20,0 % 8,0 %

Quelle: Spezialisierung

Frankreich und Italien dominieren die EU-interne Rohgoldproduktion (zusammen 46 %), gefolgt von Österreich (15 %). Deutschland hingegen ist trotz seines großen Handelsvolumens (21 % des Gesamthandels) nicht spezialisiert (RSCA = −0,52) — es fungiert primär als Umschlag- und Verarbeitungsstandort.


3. Volatilität, Preisdruck und Schocks — Anfälligkeit entlang der Lieferkette

3.1 Hohe Preisvolatilität bei den wichtigsten Partnern

Die Analyse der mengenbasierten Volatilität (Variationskoeffizient, CV) zeigt, dass die Handelsströme mit vielen Partnern stark schwanken:

Einfuhren — höchste Volatilität (CV Mengen):

Partner CV (Mengen) Bewertung
VAE 1,92 Sehr hoch
Peru 1,26 Hoch
Guinea 1,24 Hoch
Russland 1,10 Hoch
Vereinigtes Königreich 1,13 Hoch
Schweiz 0,25 Moderat

Ausfuhren — höchste Volatilität (CV Mengen):

Partner CV (Mengen) Bewertung
Libanon 1,72 Sehr hoch
Korea, Rep. 1,90 Sehr hoch
Serbien 1,27 Hoch
Türkei 0,72 Moderat
Schweiz 0,25 Moderat

Quelle: Volatilitätsanalyse

Die Schweiz bildet als größter Handelspartner gleichzeitig den stabilsten Handelsstrom (CV = 0,25), was ihre Rolle als zuverlässiger, volumenstarker Partner bestätigt. Die VAE und das Vereinigte Königreich hingegen zeigen extreme Schwankungen — hier handelt es sich offensichtlich um unstetige, marktgetriebene Transaktionen.

3.2 Preisdruck als systemisches Phänomen seit 2020

Die Preis-Schock-Analyse zeigt eine bemerkenswerte Häufung von Preisschocks ab 2020 — ein klarer Fingerabdruck der post-pandemischen und geopolitischen Unsicherheit. Die wichtigsten Ereignisse:

Schock-Ereignis Zeitpunkt Preisabweichung Wertanteil
VAE-Exportpreisschock 2020 +45,7 % (192σ) 1,4 %
Südafrika-Einfuhrpreisschock 2020 +55,6 % 4,7 %
Burkina-Faso-Preisschock 2020 +142,9 % 0,0 %
Ägypten-Preisschock 2022 +86,3 % 0,1 %
Tansania-Preisschock 2022 +71,2 % 0,1 %
Usbekistan-Einfuhrpreisschock 2021 +42,0 % (111σ) 0,2 %

Quelle: Schock-Ereignisse

Die Schocks konzentrieren sich auf zwei Phasen: (1) die COVID-19-Pandemie (2020–2021), die den Goldpreis in die Höhe trieb und gleichzeitig Lieferketten störte, und (2) die geopolitische Unsicherheit ab 2022 (Ukraine-Krieg, Sanktionen, Inflation). Bemerkenswert ist, dass fast alle Schocks Preisschocks sind — mengenbasierte Versorgungsunterbrechungen waren dagegen seltener und weniger systemisch.

3.3 Lieferkettenunterbrechungen: Afrikanische Kleinschürfer als fragiles Glied

Ein Teil der identifizierten Lieferketten-Schocks betrifft das vollständige Verschwinden von Handelspartnern — ein Muster, das insbesondere bei afrikanischen und karibischen Kleinschürferländern auftritt:

Partner Vor dem Schock Zeitraum Abwesenheit Wiederauftreten
Kongo 2016–2018 2019–2025 (7 Jahre) Nein
Gabun 2015 2016–2025 (10 Jahre) Nein
Togo 2016 2017–2025 (9 Jahre) Nein
Madagaskar 2017 2018–2024 (7 Jahre) Ja (2025)
Elfenbeinküste 2017 2018–2024 (7 Jahre) Ja (2025)
Russland 2015–2022 2023–2025 (3 Jahre) Nein

Quelle: Schock-Ereignisse

Die Abwesenheit Russlands ab 2023 ist eindeutig sanktionsbedingt. Die afrikanischen Fälle hingegen dürften mit informellen Handelsrouten, Regulierungsänderungen oder Konflikten zusammenhängen. Die Tatsache, dass Madagaskar und die Elfenbeinküste 2025 wieder als Lieferanten auftreten, deutet auf eine mögliche Normalisierung hin.

3.4 EU-Produktion: Wachstum mit Datenunsicherheiten

Die EU-Produktionsdaten zeigen ein Wachstum der heimischen Rohgoldgewinnung:

Jahr Menge (t) Wert (Mrd. €) Preis (€/kg)
2019 186.389 6,51 34.936
2020 215.856 9,68 44.844
2022 327.725 10,20 31.124
2023 349.694 12,00 34.316
2024 260.000 10,00 38.462

Quelle: Produktionsmengen

Die Mengen stiegen von 186 t (2019) auf einen Höchststand von 350 t (2023), bevor sie 2024 auf 260 t zurückgingen. Die Werteentwicklung (+53,6 %) fiel geringer aus als die mengenmäßige Steigerung, da die durchschnittlichen Preise schwankten. Es ist anzumerken, dass die Daten für mehrere Jahre als Schätzung oder gerundet markiert sind, was auf eine gewisse Datenunsicherheit hinweist.


Schlussfolgerung

Die Handelsentwicklung von Rohgold (CN 710812) im EU-Außenhandel zwischen 2015 und 2025 ist geprägt von drei zentralen Dynamiken:

Erstens hat die EU ihre Position als Nettoexporteur von Rohgold trotz fehlender eigener Förderkapazitäten kontinuierlich ausgebaut. Der Handelsüberschuss stieg von 1,4 Mrd. € (2015) auf 8,9 Mrd. € (2025) — ein Ergebnis, das auf die Rolle europäischer Raffinerien (insb. in der Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich) als globale Verarbeitungszentren zurückzuführen ist.

Zweitens waren die Wertsteigerungen im Handel überwiegend preis- und nicht mengengetrieben. Die Mengen stiegen moderat, während sich die Preise nahezu verdreifachten. Dies macht den EU-Rohgoldmarkt hochgradig exogen — die Handelswerte sind in erster Linie eine Funktion des globalen Goldpreises, der wiederum von makroökonomischen und geopolitischen Faktoren getrieben wird.

Drittens hat die COVID-19-Pandemie und die anschließende geopolitische Instabilität (2020–2022) eine beispiellose Phase hoher Volatilität ausgelöst, die sich in sprunghaften Einfuhrzuwächsen, massiven Preisabweichungen und dem Verlust traditioneller Handelspartner manifestierte. Der Markt hat sich seit 2023 weitgehend stabilisiert, wobei die Ausfuhrmengen Rekordhöchststände erreichten und die EU-Handelsbilanz einen neuen Höchststand verzeichnete.

Die strukturelle Abhängigkeit von der Schweiz und dem Vereinigten Königreich als Umschlagplätze bleibt bestehen — zusammen vereinigen diese beiden Länder über 90 % der EU-Ausfuhren auf sich. Die Diversifizierung der Einfuhrquellen hat zwar zugenommen (neue Lieferanten aus Kolumbien, den USA und den VAE), ist aber anfällig für plötzliche Verschiebungen, wie der Ausfall Russlands und mehrerer afrikanischer Partner zeigt. Für politische Entscheidungsträger bleibt die Balance zwischen Offenheit des Goldmarktes und Resilienz der Lieferketten eine zentrale Herausforderung.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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