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Marktentwicklung: Rasierklingen (CN 821220) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für den Zolltarifcode 821220Rasierklingen aus unedlen Metallen, einschließlich Rasierklingenrohlinge im Band (Übersicht und Definitionen). Der Code umfasst Sicherheitsrasierklingen sowie Halbzeuge in Bandform und ist dem Prodcom-Code 25.71.12.80 zugeordnet. Die EU ist in diesem Segment traditionell ein bedeutender Nettoexporteur und Hersteller, wobei die Produktion von geschätzten 3,6 Milliarden Stück (2015) auf rund 4,0 Milliarden Stück (2025) stieg (Produktionsvolumen). Der Beobachtungszeitraum ist durch drei zentrale Dynamiken geprägt: einen strukturellen Wandel der Exportmengen und -preise, geopolitische Schocks mit Umlenkung von Handelsströmen und eine zunehmende regionale Konzentration der EU-Produktion.


1. Mengenrückgang bei steigender Wertschöpfung — ein struktureller Wandel der EU-Exporte

1.1 Der Exportwert halbiert sich nahezu, während das Exportvolumen in Tonnen um zwei Drittel fällt

Die EU-Ausfuhren von Rasierklingen verloren im Beobachtungszeitraum erheblich an Gewicht. Der Exportwert sank von 512,4 Mio. EUR (2015) auf 344,0 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von −32,9 % entspricht. Noch deutlicher war der Einbruch in der exportierten Masse: Die Ausfuhrmenge fiel von 20.101 Tonnen auf 7.539 Tonnen — ein Minus von −62,5 % (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 512,4 344,0 −32,9 %
Exportmenge (t) 20.101 7.539 −62,5 %
Exportpreis (EUR/t) 25.492 45.618 +78,9 %

1.2 Die Preisentwicklung zeigt eine Verschiebung der Produktmischung

Obwohl die Tonnenmenge dramatisch sank, stieg der Durchschnittspreis pro Tonne um 78,9 % — von 25.492 EUR/t auf 45.618 EUR/t. Gleichzeitig vervielfachte sich die Anzahl exportierter Stückeinheiten (supplementary units) von rund 17,9 Mio. auf 51,9 Mio. Stücktausend-Einheiten (+191,0 %), während der Stückpreis pro 1.000 Einheiten von 28,70 EUR auf 6,62 EUR sank (−76,9 %). Dieses Muster legt nahe, dass sich die EU-Exporte im Zeitverlauf hin zu leichteren, volumenstärkeren und stückpreisgünstigeren Produkten verschoben haben — etwa Rasierklingenrohlingen im Band oder Einwegklingen —, während die Exporte schwerer, hochwertiger Klingen (z. B. für Nassrasiersysteme) zurückgingen.

1.3 Die EU-Produktion gewinnt an Wert, während die Handelsintensität sinkt

Die geschätzte EU-Produktion stieg im Wert von 630 Mio. EUR auf 900 Mio. EUR (+42,9 %), bei einem Stückzahl-Anstieg von 3,6 auf 4,0 Milliarden (+11,1 %). Die Handelsintensität — das Verhältnis von Außenhandel (Exporte + Importe) zur Produktion — sank jedoch von 64,1 % auf 50,2 % (−21,6 %). Das bedeutet, dass ein wachsender Teil der Produktion im Binnenmarkt verbleibt oder dass die Produktion schneller wächst als der Außenhandel (Handelsintensität).


2. Geopolitische Schocks und die Umstrukturierung der Handelspartner

2.1 Russland als wichtigster Exportmarkt bricht zusammen

Der mit Abstand gravierende Einzelverlust betraf die Ausfuhren nach Russland: Von 75,1 Mio. EUR (2015) auf 23,1 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang von −69,3 %. Russland war 2015 das zweitwichtigste Exportziel der EU für Rasierklingen. Der dramatische Einbruch ist vor dem Hintergrund der sich seit 2014 verschärfenden Sanktionspolitik und der Eskalation ab 2022 zu sehen, die den Handelsverkehr erheblich einschränkte (Partnerländer).

2.2 Der Brexit und der Rückgang des Handels mit dem Vereinigten Königreich

Sowohl bei Exporten als auch bei Importen zeigt sich ein erheblicher Rückgang der Handelsströme mit dem Vereinigten Königreich. Die EU-Exporte dorthin halbierten sich von 70,1 Mio. EUR auf 35,0 Mio. EUR (−50,0 %). Gleichzeitig sanken die Importe von dort von 19,5 Mio. EUR auf 6,4 Mio. EUR (−67,1 %). Diese Entwicklung korreliert mit dem Austritt des VK aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion, der zusätzliche Handelsbarrieren schuf. Bemerkenswert ist zudem ein starker Preisschock bei den Exporten ins VK im Jahr 2021 (Preisanstieg um +102,9 %, Abnormalität: 41,9), der zeitlich mit den ersten vollen Brexit-Handelsabläufen zusammenfiel (Schocks).

2.3 Neue Handelspartner gewinnen an Bedeutung — US-Exporte wachsen, Asien liefert mehr

Als Kompensation für den russischen und britischen Rückgang wuchsen die EU-Exporte in die Vereinigten Staaten von 30,4 Mio. EUR auf 44,3 Mio. EUR (+45,8 %). Auf der Importseite stiegen die Lieferungen aus Südkorea von 9,8 Mio. EUR auf 23,5 Mio. EUR (+138,9 %), aus China von 19,9 Mio. EUR auf 26,3 Mio. EUR (+31,9 %) und aus der Türkei von unter 1 Mio. EUR auf 3,3 Mio. EUR (+238,7 %). Vietnam trat mit einem Anstieg von 0,2 Mio. EUR auf 0,7 Mio. EUR als neuer Importeur in Erscheinung (+321,7 %). Ein Preisschock bei Importen aus Israel im Jahr 2022 (Preisänderung: +498,3 %) und aus China im Jahr 2023 (+207,6 %) deuten auf kurzfristige Lieferunterbrechungen oder Qualitätsverschiebungen hin (Volatilität).

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 70,1 35,0 −50,0 %
Russland 75,1 23,1 −69,3 %
Vereinigte Staaten 30,4 44,3 +45,8 %
China 40,5 31,0 −23,4 %
Schweiz 28,5 16,5 −42,2 %
Nigeria 10,5 7,4 −29,0 %
Mexiko 15,4 14,9 −3,2 %

3. Zunehmende Konzentration der Produktion in Polen und Tschechien

3.1 Polen dominiert den EU-Export, Tschechien weist die höchste Spezialisierung auf

Im Jahr 2025 entfielen 181,3 Mio. EUR der EU-Exporte auf Polen — mehr als die Hälfte des EU-Gesamtwerts. Allerdings sank Polens Anteil gegenüber 2015 (297,9 Mio. EUR) um −39,1 %. Tschechien steigerte seine Exporte von 16,3 Mio. EUR auf 20,3 Mio. EUR (+25,1 %) und weist mit einem Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) von 0,633 die höchste Spezialisierung aller EU-Länder für dieses Produkt auf, gefolgt von Polen (RSCA: 0,518). Deutschland — traditionell ein wichtiger Produzent — hielt seine Exporte bei einem Anstieg von 82,0 Mio. EUR auf 100,3 Mio. EUR (+22,3 %) stabil, mit einem moderaten RSCA von 0,180 (Spezialisierung).

EU-Land Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung RSCA (2025)
Polen 181,3 −39,1 % 0,518
Deutschland 100,3 +22,3 % 0,180
Tschechien 20,3 +25,1 % 0,633
Frankreich 9,2 +71,9 %
Schweden 3,6 −84,8 %
Niederlande 2,8 −65,7 %

3.2 Die Importkonzentration der EU nimmt leicht zu, Exportkonzentration bleibt gering

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.947 auf 2.122 (+9,0 %), was auf eine mäßig zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet. Der HHI für Exporte blieb mit einem Rückgang von 684 auf 625 (−8,6 %) auf einem niedrigen Niveau, was eine breite Streuung der Exportziele signalisiert (Konzentration).

3.3 Die EU bleibt ein starker Nettoexporteur, doch der Überschuss schrumpft

Der Handelsbilanzüberschuss sank von 405,0 Mio. EUR auf 235,9 Mio. EUR (−41,7 %). Die Nettoversorgungsabhängigkeit — gemessen als Anteil der Importe an der inlandsgewichteten Verfügbarkeit — verschob sich von −3,3 % auf −46,2 %, was die weiterhin starke Exportorientierung des Sektors unterstreicht (Nettoimportabhängigkeit). Die EU produziert also weiterhin deutlich mehr Rasierklingen als sie verbraucht, wenngleich das Überschussvolumen zurückgeht.


Fazit

Der EU-Markt für Rasierklingen (CN 821220) durchlief zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Drei zentrale Trends prägen das Bild:

  1. Wertschöpfungsverschiebung: Die exportierte Masse sank drastisch (−62,5 %), während der Wert pro Tonne um fast 80 % stieg. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu leichteren, volumenstärkeren Produkten und/oder auf eine Verlagerung der hochwertigen Produktion in den Binnenmarkt.

  2. Geopolitische Umorientierung: Der Zusammenbruch des russischen Marktes und die Brexit-bedingten Handelsbarrieren haben die EU-Exportlandschaft nachhaltig verändert. Neue Märkte in Übersee (USA) und neue Importquellen in Asien (Südkorea, Vietnam) haben teilweise kompensiert, konnten aber die Gesamtverluste nicht vollständig ausgleichen.

  3. Produktionskonzentration: Die Rasierklingenproduktion in der EU konzentriert sich zunehmend auf Polen und Tschechien, die beide über eine hohe komparative Spezialisierung verfügen. Deutschland und Frankreich konnten ihre Exporte stabilisieren oder ausbauen, während kleinere Produzenten wie Schweden und Belgien stark an Bedeutung verloren.

Trotz des schrumpfenden Handelsbilanzüberschusses (−41,7 %) bleibt die EU ein bedeutender Nettoexporteur von Rasierklingen. Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt darin, die verlorene Diversifizierung der Handelspartner wiederherzustellen und die Wettbewerbsfähigkeit angesichts zunehmender asiatischer Konkurrenz zu sichern.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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