Marktentwicklung: Pflanzzwiebeln (CN 060110) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode CN 060110 umfasst ruhende Bulben, Zwiebeln, Knollen, Wurzelknollen und Wurzelstöcke — ausgenommen solche zu Ernährungszwecken sowie Zichorienpflanzen und -wurzeln. Konkret fallen darunter vor allem Blumenzwiebeln wie Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Gladiolen, die in der EU — und hier insbesondere in den Niederlanden — eine jahrhundertealte Tradition im Gartenbau und in der Floristik haben. Der hier betrachtete Zeitraum von 2015 bis 2025 war von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen geprägt: geopolitische Schocks, COVID-19-pandemiebedingte Nachfrageverschiebungen und eine bemerkenswerte Preisentwicklung haben die Handelsströme neu ausgerichtet. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken des EU-Außenhandels mit diesem Produktsegment und beleuchtet sowohl die Mengen- und Preisentwicklung als auch die Marktstruktur und die geopolitischen Umbrüche.
1. Preisgetriebenes Exportwachstum bei rückläufigen Handelsvolumina
Die zentrale Erkenntnis des Untersuchungszeitraums ist ein markantes Auseinanderfallen von Handelswert und Handelsmenge: Während die exportierten Mengen über den Zeitraum deutlich gesunken sind, ist der Exportwert kräftig gestiegen — getrieben durch eine nahezu Verdopplung der durchschnittlichen Exportpreise. Dieses Muster ist Ausdruck einer nachhaltigen Aufwertung der EU-Zwiebelexporte.
1.1 EU-Exporte: Steigende Werte trotz fallender Volumina
Der EU-Außenhandel (Handel mit Nicht-EU-Ländern) zeigt über den Zeitraum 2015 bis 2025 eine bemerkenswerte Entwicklung: Der Exportwert stieg um 58,0 %, während die exportierte Menge gleichzeitig um 10,9 % sank. Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich um 77,3 %.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 538,3 Mio. € | 850,8 Mio. € | +58,0 % |
| Exportmenge | 193.009 t | 172.017 t | −10,9 % |
| Ø Exportpreis | 2.789 €/t | 4.946 €/t | +77,3 % |
| Importwert | 40,8 Mio. € | 64,6 Mio. € | +58,2 % |
| Importmenge | 25.492 t | 20.443 t | −19,8 % |
| Ø Importpreis | 1.601 €/t | 3.159 €/t | +97,3 % |
| Handelsbilanz | 497,5 Mio. € | 786,3 Mio. € | +58,0 % |
Quelle: Gesamtübersicht EU-Handel
Die EU ist ein ausgeprägter Nettexporteur: Der Exportwert übersteigt den Importwert um das rund 13-Fache (2025). Die positive Handelsbilanz hat sich über den Zeitraum von 497,5 Mio. € auf 786,3 Mio. € erhöht. Der Preisanstieg auf der Importseite (+97,3 %) war sogar noch steiler als auf der Exportseite (+77,3 %), was auf ein generelles weltweites Aufwärtsspreizung der Zwiebelpreise hindeutet — möglicherweise bedingt durch gestiegene Produktionskosten, Klimaextreme und eine zunehmende Spezialisierung auf hochwertige Sorten.
1.2 Tulpenzwiebel als wertstärkstes Exportsegment — Volumenstabilität bei verdoppeltem Wert
Die Segmentanalyse offenbart, dass sich das preisgetriebene Wachstum nicht gleichmäßig über alle Produktkategorien verteilt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung der Tulpenzwiebeln (CN 06011030), die ihr Exportvolumen über den gesamten Zeitraum nahezu stabil halten konnten, während sich der Exportwert mehr als verdoppelte.
| Produktsegment | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Exportmenge 2015 | Exportmenge 2025 | Ø Preis 2015 | Ø Preis 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sonstige (06011090) | 349,8 Mio. € | 522,8 Mio. € | 119.120 t | 109.156 t | 2.936 €/t | 4.790 €/t |
| Tulpen (06011030) | 133,2 Mio. € | 271,3 Mio. € | 46.987 t | 48.362 t | 2.834 €/t | 5.611 €/t |
| Narzissen (06011020) | 18,3 Mio. € | 22,5 Mio. € | 10.934 t | 6.431 t | 1.672 €/t | 3.503 €/t |
| Gladiolen (06011040) | 17,4 Mio. € | 19,9 Mio. € | 7.473 t | 4.342 t | 2.332 €/t | 4.592 €/t |
| Hyazinthen (06011010) | 19,7 Mio. € | 14,2 Mio. € | 8.496 t | 3.726 t | 2.314 €/t | 3.816 €/t |
Quelle: Produktsegmentvergleich
Die Tulpenzwiebeln stellten 2025 mit 271,3 Mio. € den mit Abstand zweitgrößten Einzelposten dar — ihr Exportwert wuchs um 103,8 % bei nahezu konstantem Volumen (+2,9 %). Der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne verdoppelte sich nahezu von 2.834 €/t auf 5.611 €/t. Dies deutet auf eine starke weltweite Nachfrage nach hochwertigen, spezialisierten Sorten hin.
Deutlich anders verlief die Entwicklung bei Narzissen, Gladiolen und Hyazinthen: Alle drei Segmente verzeichneten erhebliche Mengenrückgänge (Narzissen: −41,2 %; Gladiolen: −41,9 %; Hyazinthen: −56,1 %). Bei Narzissen und Gladiolen konnte der Preisanstieg den Wertverlust teilweise kompensieren; bei Hyazinthen sank der Exportwert sogar von 19,7 Mio. € auf 14,2 Mio. € (−28,0 %). Die Hyazinthenzwiebel verliert somit an Bedeutung im EU-Exportportfolio.
1.3 Importsegmente: Struktureller Wandel von „Sonstigen" zu Tulpen und Narzissen
Auch auf der Importseite zeigt sich ein bemerkenswerter Segmentwandel. Während die Kategorie „Sonstige" (CN 06011090) mengenmäßig stark rückläufig war, sind die Importe von Tulpen- und Narzissenzwiebeln kräftig gestiegen.
| Produktsegment | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Importmenge 2015 | Importmenge 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Sonstige (06011090) | 34,6 Mio. € | 44,8 Mio. € | 23.396 t | 8.328 t |
| Tulpen (06011030) | 4,6 Mio. € | 14,7 Mio. € | 1.135 t | 8.861 t |
| Narzissen (06011020) | 1,0 Mio. € | 4,0 Mio. € | 826 t | 3.197 t |
| Gladiolen (06011040) | 0,4 Mio. € | 0,9 Mio. € | 128 t | 51 t |
| Hyazinthen (06011010) | 0,1 Mio. € | 0,05 Mio. € | 7,8 t | 5,1 t |
Quelle: Produktsegmentvergleich
Die Tulpenzwiebelimporte vervielfachten sich mengenmäßig von 1.135 t auf 8.861 t (+680,5 %) und wertmäßig von 4,6 Mio. € auf 14,7 Mio. € (+218,0 %). Auch die Narzissenzwiebelimporte stiegen von 826 t auf 3.197 t (+286,9 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU — und hier vor allem die Niederlande als Handelsdrehscheibe — zunehmend Vorprodukte (Zuchtzwiebeln, Jungzwiebeln) aus Drittländern importiert, um sie in Europa weiterzuvermehren und als hochwertige Ware zu exportieren. Der Gegenpol dazu ist der starke Rückgang der „Sonstigen"-Importe mengenmäßig (von 23.396 t auf 8.328 t), wobei der Importwert dennoch stieg — ein weiterer Beleg für die generelle Preisverschiebung im Markt.
2. Niederländische Hegemonie und zunehmende Marktkonzentration
Die Analyse der Handelsstruktur zeigt, dass der EU-Außenhandel mit Pflanzzwiebeln in hohem Maße von den Niederlanden dominiert wird. Diese Vormachtstellung hat sich über den Untersuchungszeitraum noch verstärkt, während die Konzentration auf der Importseite merklich zunahm.
2.1 Die Niederlande als quasi-monopolistischer EU-Exporteur
Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt die herausragende Position der Niederlande: Mit einem RCA-Index (Revealed Comparative Advantage) von 6,15 und einem RSCA von 0,72 sind die Niederlande das mit Abstand spezialisierte EU-Mitglied im Zwiebelexport. Im Jahr 2025 entfielen 89,2 % des gesamten EU-Produktionswertes auf die Niederlande.
Dies spiegelt sich in den Handelszahlen wider:
| EU-Mitgliedstaat | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Niederlande | 520,8 Mio. € | 815,8 Mio. € | +56,7 % | ~96 % |
| Italien | 1,7 Mio. € | 9,2 Mio. € | +453,2 % | ~1,1 % |
| Frankreich | 1,4 Mio. € | 2,8 Mio. € | +100,3 % | ~0,3 % |
| Polen | 2,1 Mio. € | 3,6 Mio. € | +72,7 % | ~0,4 % |
| Deutschland | 2,4 Mio. € | 1,6 Mio. € | −34,0 % | ~0,2 % |
Quelle: Haupt-Reporter nach Wert
Mit einem Exportwert von 815,8 Mio. € im Jahr 2025 kontrollieren die Niederlande rund 96 % der gesamten EU-Exporte in diesem Segment. Kein anderer EU-Mitgliedstaat erreicht auch nur annähernd eine vergleichbare Größenordnung. Der nächste größere Exporteur ist Italien mit 9,2 Mio. € — einem Marktanteil von gerade einmal 1,1 %. Italien ist dabei der bemerkenswerteste Aufsteiger: Mit einem Zuwachs von 453,2 % hat es seinen Exportwert von 1,7 Mio. € auf 9,2 Mio. € gesteigert.
Im Gegensatz dazu haben die baltischen Staaten ihre Exportposition nahezu vollständig eingebüßt: Litauen fiel von 5,7 Mio. € (2015) auf lediglich 1.324 € (2025) — ein Rückgang von 100 %. Lettland sank von 2,8 Mio. € auf 73.057 € (−97,4 %). Diese Entwicklung könnte auf Verlagerungen der Handelswege oder Re-Export-Aktivitäten zurückzuführen sein, die über die Niederlande umgeleitet wurden.
2.2 Konzentration der Importe: Zunehmende Abhängigkeit von den Niederlanden als Eingangstor
Die Niederlande fungieren nicht nur als dominanter Exporteur, sondern auch als zentrale Importdrehscheibe der EU. Der Importwert der Niederlande stieg von 34,9 Mio. € (2015) auf 58,1 Mio. € (2025, +66,6 %). Damit entfallen rund 90 % der gesamten EU-Importe auf die Niederlande.
| EU-Mitgliedstaat | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 34,9 Mio. € | 58,1 Mio. € | +66,6 % |
| Schweden | 1,4 Mio. € | 2,5 Mio. € | +76,8 % |
| Finnland | 1,3 Mio. € | 1,3 Mio. € | +1,4 % |
| Frankreich | 0,8 Mio. € | 0,8 Mio. € | +4,2 % |
| Irland | 0,8 Mio. € | 0,6 Mio. € | −22,5 % |
| Belgien | 0,2 Mio. € | 0,1 Mio. € | −53,1 % |
| Deutschland | 0,5 Mio. € | 0,1 Mio. € | −71,1 % |
Quelle: Haupt-Reporter nach Wert
Auffällig ist der starke Rückgang der deutschen Importe (−71,1 %) und der belgischen Importe (−53,1 %), während die niederländischen Importe kräftig wuchsen. Dies unterstreicht die zunehmende Rolle der Niederlande als zentrale Importplattform, über die Zwiebeln in die EU gelangen und von dort aus — nach Verarbeitung, Vermehrung oder Umverpackung — in andere EU-Länder und in Drittmärkte weiterverteilt werden.
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importseite (nach Wert) stieg von 1.017 auf 1.400 (+37,8 %). Ein HHI-Wert über 1.500 gilt als moderat konzentriert; der Anstieg zeigt eine spürbare Zunahme der Konzentration. Auf der Exportseite verlief die Konzentration milder: Der Export-HHI stieg von 927 auf 1.059 (+14,2 %), was angesichts der ohnehin dominierenden Stellung der Niederlande ein relativ moderater Anstieg ist.
2.3 Globale Importpartner: Südamerika gewinnt an Bedeutung
Auf der Gegenseite — den Quellen der EU-Importe — zeigen sich ebenfalls markante Verschiebungen:
| Importpartner | Wert 2015 | Wert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Peru | 3,7 Mio. € | 14,9 Mio. € | +307,1 % |
| Chile | 6,3 Mio. € | 14,2 Mio. € | +125,8 % |
| Neuseeland | 5,2 Mio. € | 9,1 Mio. € | +74,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 2,4 Mio. € | 4,6 Mio. € | +93,6 % |
| Israel | 2,0 Mio. € | 4,0 Mio. € | +104,4 % |
| Südafrika | 5,5 Mio. € | 4,3 Mio. € | −22,5 % |
| Brasilien | 6,0 Mio. € | 3,0 Mio. € | −50,5 % |
Quelle: Haupt-Partner nach Wert
Peru verzeichnete mit +307,1 % das stärkste Wachstum aller Importpartner und stieg vom fünftgrößten zum größten Importlieferanten der EU auf. Chile (+125,8 %) und Israel (+104,4 %) wuchsen ebenfalls kräftig. Gleichzeitig verloren Brasilien (−50,5 %) und Südafrika (−22,5 %) an Bedeutung. Diese Verschiebung spiegelt wahrscheinlich die zunehmende Spezialisierung südamerikanischer Produzenten auf die Vermehrung von Blumenzwiebeln wider — ein Trend, der die Saisonalität des niederländischen Produktionszyklus ergänzt, da die südliche Hemisphäre eine gegenläufige Anbausaison bietet.
3. Geopolitische Umbrüche und die Neuausrichtung der Handelsströme
Der Untersuchungszeitraum 2015–2025 war durch mehrere geopolitische Ereignisse geprägt, die die Handelsströme im Zwiebelsektor nachhaltig verändert haben. Am deutlichsten zeigt sich dies im Zusammenbruch der EU-Exporte nach Russland und der gleichzeitigen Aufwertung asiatischer Märkte.
3.1 Der Zusammenbruch der Exporte nach Russland — ein geopolitischer Schock
Die Schockanalyse identifiziert einen drastischen Angebotschock bei den EU-Exporten in die Russische Föderation im Jahr 2024: Der Exportwert brach um 99,6 % ein — von einem historischen Höchststand von 42,5 Mio. € (Maximum im Zeitraum) auf lediglich 491.832 € im Jahr 2025. Der kumulierte Rückgang über den gesamten Zeitraum beträgt 98,5 %.
| Kennzahl | 2015 | Maximum | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Exportwert Russland | 33,4 Mio. € | 42,5 Mio. € | 0,5 Mio. € | −98,5 % |
Quelle: Haupt-Partner nach Wert
Dieser Einbruch ist klar auf die Sanktionspolitik der EU gegenüber Russland seit 2022 zurückzuführen. Der Schock wurde mit einer Abnormalität von 2,1 bewertet und hatte einen Anteil von 4,2 % am Gesamtexportwert — ein signifikanter Verlust, der jedoch durch das Wachstum in anderen Märkten mehr als kompensiert werden konnte. Die Volatilitätsanalyse weist für den russischen Markt einen Variationskoeffizienten (CV) von 0,62 aus — ein Wert, der die extreme Unsicherheit dieses Handelspartners widerspiegelt.
Ein weiteres, kleineres Schockereignis wurde für Belarus im Jahr 2020 identifiziert: Ein ungewöhnlicher Preisanstieg von 237,3 % bei einem Abnormalitätswert von 6,7. Obwohl der Wertanteil mit 1,4 % gering war, deutet dieser Preisschock auf Marktverwerfungen hin, die möglicherweise mit pandemiebedingten Handelsunterbrechungen zusammenhängen.
3.2 China und das Vereinigte Königreich als neue Wachstumsmärkte
Während der russische Markt kollabierte, wuchsen andere Exportdestinationen der EU erheblich — insbesondere China und das Vereinigte Königreich.
| Exportpartner | Wert 2015 | Wert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 109,7 Mio. € | 146,2 Mio. € | +33,2 % |
| China | 73,0 Mio. € | 163,6 Mio. € | +124,0 % |
| Vereinigtes Königreich | 53,8 Mio. € | 134,1 Mio. € | +149,5 % |
| Kanada | 27,3 Mio. € | 56,1 Mio. € | +105,4 % |
| Japan | 42,0 Mio. € | 32,8 Mio. € | −22,1 % |
| Vietnam | 33,8 Mio. € | 39,7 Mio. € | +17,6 % |
Quelle: Haupt-Partner nach Wert
China stieg mit einem Zuwachs von 124,0 % zum zweitgrößten Exportmarkt der EU auf und überholte damit das Vereinigte Königreich und Japan. Mit 163,6 Mio. € Exportwert im Jahr 2025 liegt China nur knapp hinter den USA (146,2 Mio. €). Das Vereinigtes Königreich verzeichnete mit +149,5 % das stärkste Wachstum unter den Top-7-Partnern — ein Trend, der möglicherweise teilweise mit den neuen Handelsmodalitäten nach dem Brexit zusammenhängt, bei denen direkte Exporte aus der EU den zuvor über Umwege abgewickelten Handel ersetzen.
Japan als traditionell wichtiger Markt für niederländische Blumenzwiebeln verlor hingegen an Bedeutung (−22,1 %). Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die US-Exporte mit einem CV von 0,13 und die UK-Exporte mit einem CV von 0,15 besonders stabile Handelsbeziehungen darstellen — ein Vorteil gegenüber volatileren Märkten wie Vietnam (CV 0,76) oder Kolumbien (CV 0,77).
3.3 Volatilität und Handelsrisiko: Eine heterogene Partnerlandschaft
Die Analyse der Schwankungsintensität (Variationskoeffizient) zeigt ein differenziertes Bild der Handelsrisiken:
Importpartner mit höchster Volatilität:
| Partner | CV (Importe) |
|---|---|
| Brasilien | 1,53 |
| Peru | 1,03 |
| Australien | 1,09 |
| Sambia | 1,02 |
| Chile | 0,71 |
Exportpartner mit höchster Volatilität:
| Partner | CV (Exporte) |
|---|---|
| Kolumbien | 0,77 |
| Vietnam | 0,76 |
| Taiwan | 0,73 |
| Mexiko | 0,67 |
| Russland | 0,62 |
Quelle: Volatilitätsanalyse
Auf der Importseite zeigt Brasilien mit einem CV von 1,53 die höchste Schwankungsintensität — ein Hinweis auf die zunehmende Instabilität dieser Handelsbeziehung, was sich im rückläufigen Importwert (−50,5 %) widerspiegelt. Peru und Chile, die beide stark gewachsen sind, weisen ebenfalls hohe Volatilitätswerte auf (CV 1,03 bzw. 0,71), was auf ein rasantes, aber schwankungsanfälliges Wachstum hindeutet.
Auf der Exportseite sind die etablierten Märkte USA und UK besonders stabil (CV 0,13 bzw. 0,15), während Schwellenmärkte in Südostasien und Lateinamerika deutlich höhere Volatilität aufweisen. Dies unterstreicht die Bedeutung der Kernmärkte als Stabilisatoren des EU-Exportgeschäfts.
Schlussfolgerung
Der EU-Außenhandel mit Pflanzzwiebeln (CN 060110) hat sich im Zeitraum 2015–2025 von einem mengengetriebenen zu einem zunehmend preisgetriebenen Geschäft gewandelt. Der Exportwert stieg um 58 % auf 850,8 Mio. €, obwohl die exportierte Menge um 11 % sank. Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich um 77 % — ein Trend, der auf eine weltweite Aufwertung von Blumenzwiebeln als hochwertige Gartenbauprodukte hindeutet. Besonders Tulpenzwiebeln profitierten von dieser Entwicklung: Ihr Exportwert verdoppelte sich bei nahezu konstantem Volumen.
Die Marktstruktur ist durch eine extreme Konzentration gekennzeichnet. Die Niederlande kontrollieren rund 96 % der EU-Exporte und 90 % der EU-Importe — eine Stellung, die sich über den Zeitraum weiter verfestigt hat. Der Herfindahl-Index auf der Importseite stieg um 38 %, was auf eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Lieferanten hindeutet. Peru und Chile haben als Importquellen stark an Bedeutung gewonnen, während Brasilien und Südafrika an Terrain verloren.
Geopolitische Ereignisse haben die Handelsströme nachhaltig umgestaltet: Der Zusammenbruch der Exporte nach Russland (−98,5 %) wurde durch das Wachstum in China (+124 %) und im Vereinigten Königreich (+150 %) mehr als kompensiert. Die EU-Exporte zeigen damit eine bemerkenswerte Resilienz — allerdings bei gleichzeitiger Verlagerung der Risiken: Wo zuvor geopolitische Stabilität herrschte, dominieren nun höhere Volatilität in aufstrebenden Märkten und die ungewisse Zukunft des chinesischen Konsumverhaltens die Risikolandschaft.