Marktentwicklung: Personenaufzüge und Lastenaufzüge (CN 842810) — 2015–2025
Einleitung
Der europäische Markt für Personenaufzüge und Lastenaufzüge (KN-Code 842810) durchlief im Zeitraum 2015 bis 2025 tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Obwohl die EU in diesem Segment traditionell ein starker Nettexporteur ist, zeigen die Handelsdaten ein differenziertes Bild: Während die Exportwerte insgesamt rückläufig waren und die Exportmengen sogar deutlich schrumpften, stiegen die Importe — insbesondere aus der Türkei und China — erheblich an. Die EU-Produktion blieb dabei wertmäßig weitgehend stabil, während die Produktionsmengen nachließen. Die Dynamik wurde durch geopolitische Ereignisse (Sanktionen gegen Russland), die COVID-19-Pandemie und eine zunehmende Konkurrenz aus Asien geprägt. Der EU-Handelsüberblick bildet die Grundlage dieser Analyse.
1. Mengenrückgang bei steigenden Preisen: Die Transformation der EU-Exportstruktur
Die EU verliert Exportvolumen, gewinnt aber an Wertschöpfung pro Einheit
Die EU-Exporte von Aufzügen und Lastenaufzügen verloren zwischen 2015 und 2025 rund 30 % ihres Volumens — von 218.988 auf 153.051 Einheiten. Der Exportwert sank im selben Zeitraum nur um 12,4 %, von 1,355 Mrd. € auf 1,187 Mrd. €. Dieses Auseinanderklaffen ist auf einen kräftigen Preisanstieg zurückzuführen: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 6.186 € auf 7.747 € pro Einheit (+25,2 %), was auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten und eine Fokussierung auf anspruchsvollere Märkte hindeutet.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 1,355 | 1,187 | −12,4 % |
| Exportmenge (Einheiten) | 218.988 | 153.051 | −30,1 % |
| Ø Exportpreis (€/Einheit) | 6.186 | 7.747 | +25,2 % |
Die Entwicklung von Wert und Menge zeigt, dass der Exportwert 2016 mit 1,417 Mrd. € seinen Höhepunkt erreichte, bevor er — verstärkt durch die Pandemie in 2020/21 — sank. Eine partielle Erholung 2022/23 wurde durch den Einbruch 2024/25 wieder zunichtegemacht.
Elektrische Aufzüge dominieren den Export, verlieren aber proportional an Terrain
Innerhalb des Segmentaufschlüsselungs ist der Export fast vollständig von elektrischen Aufzügen (KN 84281020) dominiert, die 2025 einen Anteil von 84,7 % am Exportwert (1,006 Mrd. €) hielten. Nichtelektrische Aufzüge (KN 84281080) machten 15,3 % aus (0,181 Mrd. €). Bemerkenswert ist, dass der Exportpreis elektrischer Aufzüge zwischen 2015 und 2025 von 6.045 € auf 7.703 € stieg (+27,4 %), während der Preis nichtelektrischer Aufzüge von 7.146 € auf 8.000 € kletterte (+12,0 %). Die EU-Lieferanten verschieben sich demnach hin zu teureren, spezialisierteren Einheiten.
Die EU-Produktion hält wertmäßig stand, doch die Mengen sinken
Die EU-Produktion entwickelte sich zwischen 2015 und 2024 uneinheitlich: Die Produktionsmenge fiel von 151.141 Einheiten (2015) auf 172.349 (2024), was im Vergleich zum Hoch von 369.968 Einheiten (2007) einen erheblichen Rückgang darstellt. Der Produktionswert hingegen lag 2024 bei 3,259 Mrd. € — nahezu unverändert gegenüber 2015 (2,832 Mrd. €) — was auf steigende Produktionspreise (von 18.737 € auf 18.912 € pro Einheit) verweist. Die EU-Aufzugsindustrie produziert demnach weniger, aber wertvollere Einheiten.
2. Geopolitische Umwälzungen und geografische Neuorientierung der Handelsströme
Russland als Exportmarkt bricht zusammen — die EU diversifiziert
Die dramatischste Verschiebung in den Exportströmen betraf Russland. Zwischen 2015 und 2021 exportierte die EU jährlich zwischen 47 und 99 Mio. € an Aufzügen in die Russische Föderation. Ab 2022 — im Zuge der EU-Sanktionen nach dem Überfall auf die Ukraine — brachen die Exporte ein: von 47,4 Mio. € (2022) auf 22,0 Mio. € (2023), 9,7 Mio. € (2024) und schließlich auf nur noch 96.101 € (2025). Der Rückgang beträgt damit 99,9 %.
| Markt | Exportwert 2015 (Mio. €) | Exportwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 243,2 | 249,3 | +2,5 % |
| Schweiz | 137,4 | 182,4 | +32,7 % |
| Israel | 66,2 | 83,8 | +26,5 % |
| Russland | 99,4 | 0,1 | −99,9 % |
| Ägypten | 23,1 | 40,1 | +73,9 % |
| Saudi-Arabien | 85,8 | 29,1 | −66,1 % |
| Norwegen | 44,2 | 53,8 | +21,8 % |
Die Handelspartner-Analyse zeigt, dass die EU diesen Wegfall teilweise kompensierte: Die Schweiz und Israel verzeichneten stetige Zuwächse, Norwegen hielt sich stabil, und Ägypten wurde zu einem zunehmend wichtigen Abnehmer. Gleichzeitig ging der Export nach Saudi-Arabien — dem einst zweitwichtigsten Nahostmarkt — von 85,8 Mio. € auf 29,1 Mio. € zurück (−66,1 %).
China und die Türkei werden zu dominanten Importquellen
Auf der Importseite vollzog sich eine bemerkenswerte Verschiebung. China stieg von einem Importwert von lediglich 9,8 Mio. € (2015) auf 55,4 Mio. € (2025) auf — ein Anstieg um 466 %. Der Höhepunkt wurde 2024 mit 105,6 Mio. € erreicht, als China mit Abstand größter EU-Importeur wurde. Auch die Türkei verzeichnete ein explosionsartiges Wachstum: von 2,1 Mio. € (2015) auf 25,5 Mio. € (2025), was einer Steigerung von 1.123 % entspricht.
Gleichzeitig sanken die Importe aus dem Vereinigten Königreich — traditionell die wichtigste EU-Importquelle — von 88,1 Mio. € auf 38,6 Mio. € (−56,2 %). Die Importe aus den USA brachen von 16,1 Mio. € auf 7,8 Mio. € ein (−51,6 %). Diese Verschiebung spiegelt die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit asiatischer und türkischer Hersteller wider, die — insbesondere bei elektrischen Aufzügen — zu deutlich niedrigeren Preisen liefern.
Der Importpreisverfall zeigt den Preisdruck aus Asien
Der durchschnittliche EU-Importpreis sank zwischen 2015 und 2025 von 8.984 € auf 4.643 € pro Einheit (−48,3 %). Dieser dramatische Preisverfall steht in direktem Zusammenhang mit dem steigenden Importanteil chinesischer und türkischer Produkte, die zu Preisen deutlich unter dem EU-Durchschnitt angeboten werden. Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Importmengen aus China hohen Schwankungen unterliegen (Variationskoeffizient 0,80), während die britischen Importe sehr stabil blieben (CV 0,17).
COVID-19 und Sanktionen als Krisenmarkierungen
Die Pandemie hinterließ 2020 deutliche Spuren: Die EU-Exporte sanken auf 1,291 Mrd. € (−7,7 % gegenüber 2019), die Exportmenge fiel auf 193.007 Einheiten (−11,2 %). Die Importe brachen sogar auf 144,2 Mio. € ein (−39,4 % gegenüber dem Höchststand von 237,9 Mio. € in 2019). Die Erholung war asymmetrisch: Während die Exporte sich 2022 erholten, blieben sie unter dem Vorkrisenniveau. Die Importe erholten sich schneller und erreichten 2024 mit 227,0 Mio. € fast wieder den Spitzenwert von 2019. Die detektierten Schocks umfassen zudem einen Preispreisschock bei Importen aus China 2021 (+25,6 %) und aus der Türkei 2022 (+24,5 %).
3. Wachsende Exportkonzentration bei Importdiversifizierung: Spanien und die Slowakei als Spezialisierungsgewinner
Die EU behält ihren Status als Nettexporteur, verliert aber an Autonomie
Die EU war über den gesamten Zeitraum hinweg ein Nettexporteur von Aufzügen. Das Netto-Importdefizit lag 2015 bei −15,4 % und weitete sich bis 2025 auf −47,5 % aus. Der negative Wert bedeutet, dass die EU netto weiterhin exportiert — doch die Verschiebung zeigt, dass der Überschuss im Verhältnis zur Binnenproduktion gesunken ist. Parallel dazu stieg die Exportneigung von 15,9 % (2015) auf 39,3 % (2025), was darauf hindeutet, dass die EU-Produktion zunehmend auf Exportmärkte ausgerichtet ist.
Innerhalb der EU dominieren Spanien, Italien und Deutschland den Export
Die EU-interne Exportverteilung zeigt drei dominierende Akteure:
| Land | Exportwert 2015 (Mio. €) | Exportwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Spanien | 348,3 | 283,7 | −18,5 % |
| Deutschland | 295,1 | 176,1 | −40,3 % |
| Italien | 205,9 | 197,1 | −4,3 % |
| Schweden | 108,7 | 115,9 | +6,6 % |
| Niederlande | 74,1 | 92,9 | +25,4 % |
| Frankreich | 129,0 | 65,7 | −49,1 % |
| Slowakei | 32,9 | 63,4 | +92,9 % |
Besonders auffällig ist der Einbruch Deutschlands als Exporteur (−40,3 %) und Frankreichs (−49,1 %). Demgegenüber verzeichneten die Slowakei (+92,9 %), die Niederlande (+25,4 %) und Schweden (+6,6 %) Zuwächse. Die Spezialisierungskarte für 2025 zeigt, dass die Slowakei mit einem RSCA-Wert von 0,75 und einem RCA von 6,86 am stärksten auf Aufzüge spezialisiert ist, gefolgt von Lettland (RSCA 0,50), Spanien (0,44) und Tschechien (0,35).
Die Exportkonzentration nimmt zu, die Importkonzentration ab
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte stieg von 669 (2015) auf 885 (2025), was eine zunehmende Konzentration auf wenige Exportpartner widerspiegelt — insbesondere das Vereinigte Königreich, die Schweiz und Israel machen zusammen einen großen Anteil aus. Umgekehrt sank der HHI für Importe von 4.589 auf 1.976 (−56,9 %), was eine deutliche Diversifizierung der Importquellen belegt: Neben dem Vereinigten Königreich gewannen China, die Türkei und Kanada an Bedeutung.
Fazit
Der europäische Markt für Personenaufzüge und Lastenaufzüge hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht verändert. Die EU bleibt ein starker Nettexporteur mit einem Handelsüberschuss von über 1 Mrd. €, doch die Zeichen der Veränderung sind unübersehbar: Die Exportvolumen schrumpfen, während die Preise steigen — ein Indiz für eine qualitative Aufwertung, aber auch für einen Rückgang in preissensiblen Märkten. Gleichzeitig dringen asiatische und türkische Hersteller mit deutlich niedrigeren Preisen in den EU-Markt vor; die Importpreise sanken um fast die Hälfte. Geopolitische Ereignisse — allen voran die Sanktionen gegen Russland — haben traditionelle Handelsströme zerrissen und eine Neuorientierung erzwungen. Innerhalb der EU verschiebt sich das Gewicht: Spanien und Italien festigen ihre Position, während Deutschland und Frankreich an Boden verlieren und die Slowakei zur aufstrebenden Spezialmacht wird. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der europäische Aufzugssektor seinen technologischen Vorsprung und seine Wertschöpfungsstärke gegen den wachsenden Preisdruck aus Asien verteidigen kann.