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Marktentwicklung: Mischpräparate (CN 300390) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 300390 erfasst Mischpräparate — Arzneiwaren, die aus zwei oder mehr zu therapeutischen oder prophylaktischen Zwecken gemischten Bestandteilen bestehen, sofern sie weder dosiert noch in Einzelverpackungen abgefüllt sind. Als Restposition innerhalb der Position 3003 (ausgenommen Penicilline, Insulin, Ephedrin, Pseudoephedrin und Norephedrin) bildet dieser Code ein breites Spektrum pharmazeutischer Vor- und Zwischenprodukte ab. Im Zeitraum 2015–2025 hat sich die Handelslandschaft der EU bei diesem Produkt grundlegend verändert: Die Exportmengen sind drastisch gesunken, während die Importe gestiegen sind. Der einst kräftige Handelsüberschuss hat sich auf ein Minimum reduziert. Der vorliegende Bericht analysiert die zentralen Dynamiken dieses Wandels auf Grundlage verfügbarer Handelsdaten.


1. Vom Volumenexporteur zum Wertschöpfungsproduzenten: Mengenrückgang und Preissteigerungen bei EU-Exporten

1.1 Dramatischer Rückgang der Exportmengen bei steigenden Einheitspreisen

Die EU-Exporte von Mischpräparaten (CN 300390) haben sich im Beobachtungszeitraum fundamental gewandelt. Die exportierte Menge fiel von 36.253 Tonnen (2015) auf 12.118 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 66,6 % entspricht. Parallel dazu stieg der durchschnittliche Exportpreis von 91.556 €/t auf 194.223 €/t — eine Verdopplung um 112,1 %. Diese Gegenläufigkeit deutet auf eine qualitative Verschiebung hin: Die EU exportiert zwar weniger Volumen, konzentriert sich dabei aber zunehmend auf hochpreisige Spezialpräparate.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. €) 3,32 2,35 −29,1 %
Exportmenge (t) 36.253 12.118 −66,6 %
Exportpreis (€/t) 91.556 194.223 +112,1 %

1.2 Der Tiefpunkt 2021 und die folgende Erholung

Bemerkenswert ist der Einbruch im Jahr 2021, als der Exportwert auf nur 988 Mio. € fiel — den niedrigsten Wert im gesamten Zeitraum. In den Folgejahren erholte sich der Wert kontinuierlich auf 2.354 Mio. € (2025), blieb aber deutlich unter dem Höchststand von 4.699 Mio. € (2017). Die Erholung ab 2022 fand dabei fast ausschließlich über steigende Preise statt; die Mengen blieben auf niedrigem Niveau (10.027–12.218 t).

1.3 Steigende EU-Produktionswerte als Hintergrund

Die EU-Produktionswerte für verwandte Pharmaprodukte (Pos. 3003) stiegen im selben Zeitraum von 3,5 Mrd. € (2015) auf 6,4 Mrd. € (2025) — ein Plus von über 323 %. Die EU produziert also mehr, exportiert aber weniger davon in Nicht-EU-Länder. Dies legt nahe, dass ein wachsender Anteil der Produktion im Binnenmarkt verbleibt oder dass die Exporte zunehmend über andere Zollpositionen (insbesondere dosierte Fertigarzneimittel) laufen.


2. Brexit, China und Russland: Die Neuordnung der Exportströme

2.1 Der Zusammenbruch des UK-Handels als dominanter Strukturbruch

Der dramatischste Einzelbefund betrifft die Exporte in das Vereinigte Königreich. Im Jahr 2015 gingen Mischpräparate im Wert von 2.429 Mio. € dorthin — dies entsprach 73 % aller EU-Exporte. Bis 2020 schwankte dieser Wert zwischen 2.305 Mio. € und 3.502 Mio. €. Im Jahr 2021 — dem ersten Jahr nach dem endgültigen Brexit — brach der Wert auf 33 Mio. € ein. 2025 lagen die Exporte nach UK bei lediglich 77 Mio. €, was einem Rückgang von 96,8 % entspricht.

Jahr Exporte UK (Mio. €) Exporte USA (Mio. €) Exporte Russland (Mio. €)
2015 2.429 180 40
2019 3.502 210 177
2020 2.536 154 181
2021 33 176 146
2022 50 567 230
2025 77 1.100 236

Dieser Einbruch erklärt einen erheblichen Teil des gesamten Exportrückgangs. Die britische Regulierungsbehörde MHRA hat nach dem Brexit eigene Zulassungsverfahren etabliert, was vermutlich dazu führte, dass Lieferketten umstrukturiert und Warenströme innerhalb der EU umgeleitet wurden.

2.2 Die USA als neuer Hauptabnehmer

Am deutlichsten profitierten die USA vom Wegfall des UK-Handels: Die Exporte stiegen von 180 Mio. € (2015) auf 1.100 Mio. € (2025) — ein Plus von 511 %. Auffällig ist dabei der massive Preisschock im Jahr 2022: Der Exportpreis in die USA explodierte auf 933.612 €/t (vs. 279.514 €/t im Vorjahresdurchschnitt), bei nahezu unveränderter Menge. Die exportierte Menge blieb zwischen 2020 und 2025 im Bereich von 564–942 Tonnen — der Wertzuwachs ist also fast vollständig preisgetrieben.

2.3 Russland und China als Wachstumsmärkte

Auch nach Russland (+488 % auf 236 Mio. €) und China (+466 % auf 208 Mio. €) stiegen die Exporte signifikant. Bei Russland ist das Mengenwachstum besonders ausgeprägt: von 90 Tonnen (2015) auf 2.222 Tonnen (2025). China verzeichnete ebenfalls ein starkes Mengenwachstum (372 auf 1.481 Tonnen). Dies könnte teilweise durch die COVID-19-Pandemie und die damit verbundene Nachfrage nach pharmazeutischen Rohstoffen befeuert worden sein.

2.4 Entkonzentrierung der Exportmärkte

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte fiel von 5.477 (2015) auf 2.455 (2025) — ein Rückgang um 55,2 %. Dies bestätigt die erhebliche Diversifizierung der Exportmärkte: War die EU im Jahr 2015 extrem stark auf UK konzentriert, verteilen sich die Exporte 2025 deutlich breiter auf die USA, Russland, China, Japan und weitere Märkte.

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. €) Exporte 2025 (Mio. €) Veränderung
Portugal 37 788 +2.046 %
Deutschland 229 283 +23 %
Niederlande 114 208 +82 %
Frankreich 194 178 −9 %

Innerhalb der EU hat sich die Exportstruktur ebenfalls verschoben. Portugal stieg vom Randakteur zum mit Abstand spezialisiertesten Exporteur auf (RSCA: 0,92, RCA: 24,5). Der Anteil Portugals an den EU-Exporten bei CN 300390 betrug 2025 rund 34 % des Produktwerts, was auf eine starke Standortkonzentration in der pharmazeutischen Fertigung hindeutet.


3. Wachsende Importabhängigkeit und neue Lieferantenstrukturen

3.1 Anhaltendes Importwachstum — insbesondere aus Indien

Während die Exporte schrumpften, stiegen die EU-Importe von Mischpräparaten: von 1.620 Mio. € (2015) auf 1.946 Mio. € (2025), was einem Plus von 20,1 % entspricht. Noch deutlicher fällt das Mengenwachstum aus — von 11.994 auf 18.719 Tonnen (+56,1 %). Der durchschnittliche Importpreis sank dabei von 134.946 €/t auf 103.922 €/t (−23,0 %), was auf zunehmende Wettbewerbsdrücke und den wachsenden Anteil günstigerer Lieferanten hindeutet.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mrd. €) 1,62 1,95 +20,1 %
Importmenge (t) 11.994 18.719 +56,1 %
Importpreis (€/t) 134.946 103.922 −23,0 %

Besonders hervorzuheben ist der Aufstieg Indiens zum wichtigsten Wachstumslieferanten. Die Importe aus Indien stiegen von 22 Mio. € (2015) auf 179 Mio. € (2025) — ein Plus von 725 %. Die Mengen vervielfachten sich von rund 1.993 Tonnen auf 3.714 Tonnen. Indien ist damit von einem Nischenlieferanten zu einem der drei wichtigsten Importpartner aufgestiegen. Der Variationskoeffizient der indischen Liefermengen liegt mit 0,36 auf einem moderaten Niveau, was auf relativ stabile Handelsbeziehungen hindeutet.

3.2 Die USA als größter Importpartner — mit hoher Volatilität

Die Vereinigten Staaten blieben mit 1.121 Mio. € (2025) der größte einzelne Importpartner der EU. Allerdings weisen die US-Lieferungen eine hohe Volatilität auf (CV: 0,70). Die Menge stieg von 883 Tonnen (2015) auf 6.571 Tonnen (2025). Im Gegensatz zu den Exporten in die USA (wo die Preise dominierten) ist das Importwachstum also mengengetrieben.

3.3 Schweiz: Stabiler Partner mit hoher Wertvolatilität

Die Schweiz ist mit Importen von 388 Mio. € (2025) der drittgrößte Partner. Die Importmengen aus der Schweiz sind mit einem CV von nur 0,18 bemerkenswert stabil, was auf etablierte Lieferbeziehungen schließen lässt. Im Jahr 2022 wurde mit 534 Mio. € ein Spitzenwert verzeichnet, der 2025 wieder deutlich unterschritten wurde.

3.4 Schwindende Handelsüberschüsse und sinkende Autonomie

Der Handelsbilanzsaldo entwickelte sich von einem Überschuss von 1.699 Mio. € (2015) auf nur noch 408 Mio. € (2025) — ein Rückgang um 76 %. Im Jahr 2021 verzeichnete die EU sogar ein Handelsdefizit von −607 Mio. €. Die Nettoimportabhängigkeit veränderte sich dementsprechend von −66,8 % (2015) auf −2,3 % (2025): Die EU ist von einem starken Nettexporteur zu einer Position nahe dem Ausgleich übergegangen. Die Exportquote sank parallel von 75,5 % auf 39,8 % (−47,3 %).


Fazit

Die Marktentwicklung von CN 300390 im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als ein dreifacher Strukturwandel zusammenfassen:

  1. Brexit als Zäsur: Der Verlust des britischen Marktes als Hauptabnehmer ist der dominierende Einzeltreiber des Exportrückgangs. Die EU-Exportmärkte haben sich danach zwar diversifiziert (HHI-Export von 5.477 auf 2.455), konnten den Volumenverlust jedoch nicht vollständig kompensieren.

  2. Preis statt Menge: Die EU positioniert sich zunehmend als Exporteur hochwertiger Spezialpräparate. Während die Mengen sanken, stiegen die Preise — insbesondere bei Lieferungen in die USA, wo 2022 ein signifikanter Preisschock (+234 %) auftrat.

  3. Schwindende Handelsautonomie: Die einst kräftigen Handelsüberschüsse sind auf ein Minimum geschrumpft. Das Importwachstum — getrieben vor allem durch Indien (+725 %) und die USA — hat die EU in eine Position nahe der Handelsbalance gebracht. Angesichts der strategischen Bedeutung pharmazeutischer Produkte ist diese Entwicklung auch aus versorgungspolitischer Perspektive relevant.

Insgesamt zeigt die Analyse, dass die EU bei Mischpräparaten ihre Rolle als Nettexporteur zwar noch nicht vollständig eingebüßt hat, der Trend jedoch eindeutig in Richtung einer engeren Verflechtung mit Drittmärkten und einer abnehmenden Exportdominanz verläuft.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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