Marktentwicklung: Maschinen, die mindestens zwei der Funktionen Drucken, Kopieren oder Übertragen von Fernkopien ausführen und die an eine automatische Datenverarbeitungsmaschine oder ein Netzwerk angeschlossen werden können (CN 844331) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für den Zolltarifcode 844331, der Mehrzweckgeräte wie Multifunktionsdrucker umfasst, die mindestens zwei der Funktionen Drucken, Kopieren oder Übertragen von Fernkopien ausführen und die an eine automatische Datenverarbeitungsmaschine oder ein Netzwerk angeschlossen werden können. Die EU weist bei diesem Produktsegment ein durchgehend negatives Handelsbilanzdefizit auf, das seinen Höhepunkt 2022 mit rund €2,35 Mrd. erreichte und sich bis 2025 auf €1,62 Mrd. verringerte. Die Netto-Importabhängigkeit lag im gesamten Zeitraum zwischen 71 % und 90 % und erreichte 2025 mit 89,9 % ihren Spitzenwert. Damit ist die EU bei diesem Produktsegment in hohem Maße auf Drittlandslieferungen angewiesen. Der Bericht gliedert sich in drei Hauptabschnitte, die die wesentlichen Marktdynamiken erläutern: die regionale Umstrukturierung der Importquellen, die strukturelle Preiserosion im Handel sowie die geopolitischen Verwerfungen und deren Auswirkungen auf Exportmärkte und Versorgungssicherheit.
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1. Von China nach Südostasien: Die tektonische Verschiebung der Importquellen
Die auffälligste Entwicklung im untersuchten Zeitraum ist die dramatische Umverteilung der EU-Importe weg von China hin zu südostasiatischen Lieferanten. Diese regionale Diversifizierung hat sich über das gesamte Jahrzehnt hinweg kontinuierlich vollzogen und spiegelt sowohl geopolitische Spannungen als auch strategische Produktionsverlagerungen der großen Druckerhersteller wider.
1.1 Chinas Anteil an EU-Importen hat sich mehr als halbiert
China war 2015 mit einem Importwert von €1,96 Mrd. der mit Abstand wichtigste Lieferant der EU im Segment 844331. Bis 2025 sank dieser Wert auf €767 Mio., was einem Rückgang von 61 % entspricht. Die Importmengen fielen im gleichen Zeitraum von 111.862 Tonnen auf 62.696 Tonnen. China verlor damit im selben Zeitraum seinen Marktanteil an EU-Importen von über 60 % auf rund 30 %. Der Rückgang verlief nicht linear: Bis 2016 stiegen die Importe aus China noch auf €2,05 Mrd. (dem Höchststand), bevor ein stetiger Rückgang einsetzte, der sich ab 2020 – unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie und zunehmender Handelsspannungen – deutlich verstärkte.
| Jahr | Importe aus China (€ Mio.) | Menge (t) | Anteil an Top-7-Importen |
|---|---|---|---|
| 2015 | 1.963 | 111.862 | 67,8 % |
| 2018 | 1.769 | 89.171 | 60,2 % |
| 2020 | 1.149 | 71.812 | 51,0 % |
| 2022 | 1.403 | 99.077 | 49,7 % |
| 2025 | 767 | 62.696 | 34,8 % |
1.2 Thailand, Vietnam und die ASEAN-Region gewinnen massiv an Bedeutung
Der Rückgang der chinesischen Lieferungen wurde überwiegend durch eine Verlagerung der Produktion in andere südostasiatische Länder kompensiert. Thailand entwickelte sich zum zweitgrößten Lieferanten der EU mit Importen von €640 Mio. im Jahr 2025 (+68 % gegenüber 2015), wobei die Mengen von 30.157 t auf 47.947 t stiegen. Vietnam verzeichnete mit €600 Mio. (+173 %) und den Philippinen mit €149 Mio. (+330 %) die stärksten prozentualen Zuwächse. Malaysia verdreifachte seinen Exportwert in die EU auf €219 Mio. (+299 %).
| Lieferant | 2015 (€ Mio.) | 2025 (€ Mio.) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Thailand | 380 | 640 | +68 % |
| Vietnam | 220 | 600 | +173 % |
| Philippinen | 35 | 149 | +330 % |
| Malaysia | 55 | 219 | +299 % |
| Indonesien | 61 | 95 | +54 % |
Diese Verschiebung entspricht dem bekannten Muster der „China Plus One"-Strategie, bei der globale Technologieunternehmen ihre Fertigungsbasen diversifizieren. Die großen Hersteller von Multifunktionsdruckern – darunter Unternehmen wie Canon, Epson, Brother und Hewlett-Packard – haben in den letzten Jahren Produktionskapazitäten in Südostasien erheblich ausgebaut.
1.3 Die Bedeutung des Vereinigten Königreichs als Importquelle ist eingebrochen
Die Importe aus dem Vereinigten Königreich sanken von €120 Mio. im Jahr 2015 auf lediglich €5 Mio. im Jahr 2025, was einem Rückgang von 95,7 % entspricht. Diese Entwicklung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Brexit: Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion verloren die dort ansässigen Unternehmen ihre zollfreien Handelsprivilegien, was zu einer erheblichen Verlagerung von Handelsströmen führte. Die Daten zeigen einen markanten Einbruch ab 2021, dem Jahr nach dem Ende der Übergangsphase.
2. Strukturelle Preiserosion und veränderte Wertschöpfungsstrukturen
Ein zentrales Merkmal der Marktentwicklung im Segment 844331 ist der anhaltende Rückgang der durchschnittlichen Handelspreise, der sowohl bei Importen als auch bei Exporten zu beobachten ist. Dieser Trend hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Wertschöpfung innerhalb der EU.
2.1 Die durchschnittlichen Exportpreise fielen um mehr als ein Drittel
Die durchschnittlichen Exportpreise der EU sanken von €20.226 pro Tonne im Jahr 2015 auf €13.239 pro Tonne im Jahr 2025, was einem Rückgang von 34,5 % entspricht. Parallel dazu stiegen die Exportmengen von 51.787 t auf 68.754 t (+32,8 %). Der Gesamtwert der Exporte ging dennoch um 13,1 % von €1,05 Mrd. auf €910 Mio. zurück. Die EU exportiert also zwar mengenmäßig mehr Geräte als zu Beginn des Beobachtungszeitraums, erzielt aber insgesamt weniger Erlös.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (€ Mio.) | 1.048 | 910 | −13,1 % |
| Exportmenge (t) | 51.787 | 68.754 | +32,8 % |
| Exportpreis (€/t) | 20.226 | 13.239 | −34,5 % |
Handelsentwicklung im Überblick
2.2 Auch die Importpreise unterliegen einem deutlichen Abwärtstrend
Die durchschnittlichen Importpreise sanken von €15.648 auf €12.717 pro Tonne (−18,7 %). Da die Importmengen mit rund 200.000 t weitgehend stabil blieben (lediglich −2,1 %), fiel der Importwert um 20,4 % von €3,18 Mrd. auf €2,53 Mrd. Die Differenz zwischen Export- und Importpreisen hat sich dabei verringert: Lagen die Exportpreise 2015 noch um 29 % über den Importpreisen, betrug die Differenz 2025 nur noch 4 %. Dies deutet darauf hin, dass die EU im Exportsegment zunehmend in niedrigpreisige Märkte drängt oder dass die Qualitätsunterschiede zwischen importierten und exportierten Geräten schrumpfen.
2.3 Die EU-Produktion zeigt eine gemischte Bilanz
Die verfügbaren Prodcom-Daten für die EU-Produktion (Code 26.20.18.00) zeigen erhebliche Schwankungen. Die Produktionsmengen lagen zwischen 491.583 Stück (2008) und 5.955.882 Stück (2012), mit zuletzt rund 2.000.000 Stück (2023/2024). Der Produktionswert schwankte zwischen €200 Mio. und €597 Mio. Die Datenqualität ist allerdings teilweise eingeschrät (mehrere Jahre als „gerundet" oder „niedrige Qualität" gekennzeichnet), weshalb Interpretationen mit Vorsicht zu betrachten sind. Bemerkenswert ist, dass die Niederlande mit einem RCA-Wert von 3,06 und einem RSCA von 0,51 als einziger EU-Mitgliedstaat eine ausgeprägte komparative Spezialisierung aufweist, gefolgt von Tschechien (RCA 1,84) und Ungarn (RCA 1,51). Deutschland ist trotz eines Produktionsanteils von 28,5 % nur mäßig spezialisiert (RCA 1,35), was auf die Breite der deutschen Maschinenexporte insgesamt zurückzuführen ist.
Spezialisierungskarte der EU-Mitgliedstaaten
2.4 Die Importkonzentration hat sich deutlich verringert
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert fiel von 4.089 im Jahr 2015 auf 2.248 im Jahr 2025 (−45 %). Ein HHI von über 2.500 gilt üblicherweise als hochkonzentriert; der aktuelle Wert liegt knapp unter dieser Schwelle. Die Abnahme der Konzentration spiegelt die bereits beschriebene Diversifizierung der Importquellen wider: Wo 2015 China noch über 60 % der Importe aus den Top-7-Partnern stellte, war dieser Anteil 2025 auf unter 35 % gesunken. Die Exportkonzentration nahm sogar noch stärker ab (HHI von 3.369 auf 1.266, −62 %), was auf die stärkere Diversifierung der EU-Exportmärkte hindeutet – insbesondere auf den Bedeutungsverlust des Vereinigten Königreichs als Hauptexportmarkt.
Importkonzentration im Zeitverlauf
3. Geopolitische Verwerfungen, Exportmarktschocks und wachsende Verwundbarkeit
Die Handelsdaten für CN 844331 spiegeln mehrere geopolitische Ereignisse wider, die die Handelsströme nachhaltig beeinflusst haben. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit der EU von Importen nicht gesunken, sondern hat sich sogar weiter vertieft.
3.1 Der russische Markt brach nach 2021 vollständig zusammen
Die EU-Exporte in die Russische Föderation stiegen von 2015 bis 2019 kontinuierlich von €33 Mio. auf €122 Mio. und machten Russland damit zum viertwichtigsten Exportziel. Nach der Verhängung umfassender Sanktionen infolge des Ukraine-Krieges sanken die Exporte 2022 auf €26 Mio. und 2023 auf nur noch €4 Mio. Im Jahr 2025 beliefen sich die Exporte auf lediglich €6 Mio. Die Mengenentwicklung ist noch drastischer: von 8.626 t (2019) auf 414 t (2025). Der Variationskoeffizient der Exportmengen nach Russland liegt bei 0,80 – dem höchsten Wert aller betrachteten Exportpartner – was die extreme Volatilität dieses Handelsstroms unterstreicht.
3.2 Zwei identifizierte Preisschocks im Exportjahr 2022
Die Schockanalyse identifiziert zwei signifikante Preisschocks bei EU-Exporten im Jahr 2022:
| Partner | Schocktyp | Veränderung | Anomaliewert | Wertanteil |
|---|---|---|---|---|
| Schweiz | Preis (−16,7 %) | Menge +49,4 %, Preis −16,7 % | 6,0 | 12,4 % |
| VAE | Preis (+34,3 %) | Menge +89,9 %, Preis +34,3 % | 2,1 | 4,5 % |
Im Fall der Schweiz stiegen die Exportmengen 2022 sprunghaft um 49 % auf 5.538 t, während die Preise um 17 % auf €22.529/t fielen – ein Muster, das auf eine Preisdumping-Strategie oder einen Nachfrageüberhang zu niedrigeren Qualitätssegmenten hindeuten könnte. Die Vereinigten Arabischen Emirate verzeichneten dagegen sowohl mengen- als auch preisseitig einen Anstieg, was auf eine Nachfrageverschiebung in Richtung höherwertiger Geräte hindeuten könnte.
3.3 Brexit hat die Handelsströme mit dem Vereinigten Königreich grundlegend umstrukturiert
Das Vereinigte Königreich war 2015 mit €588 Mio. der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU und Ziel von über 56 % der EU-Ausfuhren im Segment 844331. Die Exporte fielen bis 2025 auf €270 Mio. (−54 %). Auf der Importseite ist der Rückgang noch dramatischer: von €120 Mio. auf €5 Mio. (−96 %). Die Handelsvolatilität mit dem Vereinigten Königreich ist auf der Importseite extrem hoch (CV = 0,83), was auf die abrupte Umstrukturierung der Lieferketten nach dem Brexit hinweist. Die Niederlande, die als Tor zum EU-Binnenmarkt fungieren, blieben dagegen mit Importen von rund €1,4 Mrd. weitgehend stabil und sind der wichtigste EU-Einlaufhafen für asiatische Druckgeräte.
3.4 Die Netto-Importabhängigkeit der EU hat sich auf einen Höchststand vertieft
Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 83,4 % im Jahr 2015 auf 89,9 % im Jahr 2025, dem höchsten Wert im gesamten Beobachtungszeitraum. Der Tiefpunkt wurde 2009 mit 70,9 % erreicht. Gleichzeitig stieg der Exportanteil an der Produktion von 259 % (2015) auf 481 % (2025), was bedeutet, dass die EU deutlich mehr exportiert als sie selbst produziert – ein Hinweis auf die Bedeutung des Re-Exports und Handels über europäische Distributionszentren. Die Handelsintensität lag im gesamten Zeitraum über 100 %, was auf eine überdurchschnittliche Verflechtung des EU-Marktes mit der Weltwirtschaft in diesem Segment hindeutet.
| Indikator | 2015 | 2020 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit | 83,4 % | 87,4 % | 89,9 % | +7,8 % |
| Handelsintensität | 118,4 % | 109,6 % | 125,9 % | +6,3 % |
| Exportanteil an Produktion | 258,7 % | 360,4 % | 480,6 % | +85,8 % |
3.5 Der EU-Binnenmarkt wird von wenigen Mitgliedstaaten dominiert
Die Niederlande und Deutschland dominieren den EU-internen Handel mit Drittländern erheblich. Die Niederlande importierten 2025 Waren im Wert von €1,42 Mrd. (leicht gestiegen gegenüber €1,40 Mrd. 2015), während Deutschland seine Importe von €1,22 Mrd. auf €648 Mio. nahezu halbierte. Dies spiegelt den Bedeutungsgewinn der Niederlande als Logistikdrehscheibe wider – der Hafen Rotterdam und die nahe gelegenen Verteilzentren machen die Niederlande zum primären Einfallstor für asiatische Technologieprodukte in die EU. Frankreich (€175 Mio.), Ungarn (€77 Mio.) und Italien (€48 Mio.) folgen in deutlichem Abstand.
EU-Mitgliedstaaten im Vergleich
Fazit
Der EU-Markt für Multifunktionsdrucker (CN 844331) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 in mehrfacher Hinsicht tiefgreifend gewandelt. Die drei zentralen Entwicklungen sind:
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Regionale Diversifizierung der Lieferketten: Der Bedeutungsverlust Chinas als dominante Importquelle (−61 %) wurde durch den Aufstieg südostasiatischer Produzenten wie Thailand, Vietnam, Malaysia und der Philippinen kompensiert. Diese Verschiebung hat die Importkonzentration um 45 % reduziert, die grundlegende Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten jedoch nicht verringert.
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Anhaltende Preiserosion: Sowohl Export- als auch Importpreise sind über den gesamten Zeitraum deutlich gefallen, wobei die Exportpreise stärker sanken (−34,5 %) als die Importpreise (−18,7 %). Die EU exportiert mengenmäßig mehr, erzielt aber weniger Umsatz – ein Indiz für einen kompetitiveren und margendruckenden Markt.
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Geopolitische Umbrüche als Treiber: Brexit und Russland-Sanktionen haben etablierte Handelsströme abrupt unterbrochen, während die Netto-Importabhängigkeit der EU mit 89,9 % einen historischen Höchststand erreichte. Die EU steht damit vor der Herausforderung, ihre Versorgungssicherheit in einem Umfeld zunehmender geopolitischer Unsicherheit und geografischer Konzentration der Produktion in Südostasien zu gewährleisten.